Leo Brux: Die Zukunft der AfD…

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AfD…liegt meiner Prognose nach darin, dass sie sich selbst zerlegen wird.

Ich halte das für nicht sicher, aber für wahrscheinlich, bei einer Quote von 2:1.

Die AfD ist eine Protest- und Dagegenpartei. Die Mitglieder und Wähler sind hauptsächlich GEGEN die Berliner Politik, es gibt kaum ein konstruktives Programm FÜR etwas; nur Agendamätzchen, die das eine Mal zu kurz greifen (keine wirkliche Änderung bedeuten würden), das andere Mal zu weit greifen (nicht ohne massiven Schaden zu realisieren wären).

Die AfD verdankt ihren relativen Wahlerfolg vor allem der weitverbreiteten Fremdenfeindlichkeit. Die meisten Mitglieder und Wähler werden sich hauptsächlich politisch motiviert fühlen durch die Neigung zur Xenophobie, in der sich die generelle Angst vor dem Zuviel an Neuem und Anderem bündelt.

Die AfD würde mit einer offen fremdenfeindlichen Politik dem Interesse der Exportnation Deutschland in die Quere kommen; das gilt auch für eine Anti-EU-Politik. Lucke versucht es moderat, und das wäre ins politische System integrierbar, auch im Rahmen einer Koalition mit der CDU, aber moderat zu bleiben ist nicht im Gefühlshaushalt der Xenophoben und der WutRechten und der KulturReaktionäre angelegt. Die AfD wird sich radikalisieren.

Die AfD steht darum im Widerspruch zu ihrem eigenen Anführer. Der Druck von unten gegen den an sich klug-moderaten Rechtskurs von Lucke wird wachsen. Meine Prognose: In 2 Jahren steht der Mann nicht mehr an der Spitze der Partei.

Die AfD hat nur wenig wirklich politikfähiges Personal. Viele für professionelle Politik ungeeigneter Persönlichkeiten werden in die Landtage einrücken: Leute, die wenig Kompetenz, aber auch wenig Fähigkeit zum fairen und konstruktiven Umgang miteinander haben, wenn es mal Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion oder Partei gibt. Es sind überwiegend “Schlechtmenschen“, “Schlimm-Menschen“, “Bösmenschen“, denen es an Toleranz, an Einfühlung und Sozialkompetenz, an Verständnis für den Anderen und Fremden, an Kompromissbereitschaft mit den Partnern mangelt. Wüste interne Streitereien werden uns bald beschäftigen.

Die AfD verfolgt eine rückwärtsgewandte, reaktionäre Utopie. Die Globalisierung schreitet voran, intensiviert sich – damit auch die Herausforderung, konstruktiv umzugehen mit den dabei entstehenden Spannungen. Es gibt keinen Weg zurück, der sich lohnen würde.

Die AfD repräsentiert im großen und ganzen den Extremismus der Mitte – mit Übergängen zum Rechtspopulismus und – im Falle der weiteren Radikalisierung – mit Übergängen auch zum Rechtsradikalismus. Hitler hat seinen Massenanhang in der Mitte der Gesellschaft finden können; die Verhältnisse haben es ihm möglich gemacht. Die Konservativen in Deutschland haben bisher gezeigt, dass sie aus ihrem “Weimarer” Fehler gelernt haben; sie werden ein Bündnis mit dem Extremismus der Mitte vermeiden.

Die AfD wird noch eine ganze Reihe erfolgreicher Wahlen bestreiten. Sie wird für eine Weile politisch präsent sein, die Unionsparteien etwas nach rechts ziehen und ein unbefriedigendes Bisschen härter in der Flüchtlingspolitik machen. Sie hätte auch ein beträchtliches Potenzial, ich schätze es auf über 20 Prozent; dieses Potenzial wird noch wachsen mit dem rasanten Fortschritt der Globalisierung und ihren Folgen für uns. Wahlerfolge werden es der Partei auch möglich machen, mit den inneren Spannungen leichter fertig zu werden. – Aber mittelfristig werden die im Innern angelegten Spaltpilze wirksam und tödlich werden.

Die AfD wird sich wüst zerstreiten, die Moderaten und Politikfähigen werden gnadenlos attackiert und als Verräter gebrandmarkt werden – und könnten dann von den Unionsparteien geködert werden.

Die AfD bräuchte einen charismatischen, radikalen, absolut die Partei beherrschenden Führer, um längerfristig überleben zu können. Nur ein solcher Führer würde die egozentrische Chaostruppe zusammenhalten können. Ein Großer Führer ist in Deutschland aber bis auf weiteres unmöglich. Unsere europäischen Nachbarn würden allergisch und panisch reagieren, käme so einer auch nur in die Nähe der Macht in Deutschland. Noch ist die Geschichte des Dritten Reiches lebendig im Gedächtnis der Völker. Der politische und wirtschaftliche Schaden der Gegenreaktion der Nachbarn (einschließlich der dortigen Rechtspopulisten) wäre für Deutschland zu groß. Darum wird die deutsche Elite zusammenhalten gegen den AfD und die Gefahr, die in einer sich radikalisierenden AfD steckt.

Die AfD könnte natürlich auch mittelfristig überleben. Unter zwei Voraussetzungen: 1. Sie schafft es, einigermaßen moderat zu bleiben und die vielen Extremisten in ihren Reihen teils zu zähmen, teils rauszudrängen, ohne dadurch aber an Wählerstimmen zu viel einzubüßen. 2. Die Verhältnisse in Deutschland werden wirtschaftlich, sozial und politisch katastrophal. Dann wird wohl das Weimarer Szenario eine modernisierte Neuauflage erleben. – Ich bin Optimist und halte diese beiden Zukünfte für die weniger wahrscheinlichen, im Verhältnis von etwa 2:1.

http://blog.initiativgruppe.de/2014/09/16/die-zukunft-der-afd/#comment-45303

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2 Antworten auf Leo Brux: Die Zukunft der AfD…

  1. Wilfried Müller sagt:

    Mir wär's lieber, wenn sich CDU und CSU selbst zerlegen würden. Aber das bringt ja keinen Meinungsumschwung, die Wähler laufen dann zu einer anderen Partei über, und so würde es wohl auch bei der AfD sein.

  2. E. Kiwitt FS sagt:

    Kurz gesagt: Im Rückwärtsgang kann man die Zukunft nicht gestalten.

    Derb formuliert: Eine Leiche auszugraben um damit Politik zu machen ist keine gute Idee.

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