Kann ich meinem Hirn trauen? (8. Teil – Dunning-Kruger-Effekt II)

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brainstorming-413156_640Nachdem Dr. Peter Hank mit seiner Aufklärungsreihe bis in die Welt des Autofahrens vorgedrungen ist, stößt er hier in bisher unbekannte Bereiche der Ignoranz vor. Die angegebenen Links stellen keine Empfehlung dar, im Gegenteil. Dafür gibt Hank nun einen Anleger-Tipp, der es verdient, beherzigt zu werden (Bild: geralt, pixabay).
 

Kann ich meinem Hirn trauen? (8. Teil – Dunning-Kruger-Effekt II)

Leider ist der letzte Teil zum Thema „Kann ich meinem Hirn trauen? schon eine Weile her. Thema war damals der Dunning-Kruger-Effekt (sie erinnern sich, es ging um die Frage warum sich so viele für überdurchschnittlich gute Autofahrer halten):

Zitat Dunning

Und wie Dunning richtig bemerkte und experimentell belegte, ist die Selbstüberschätzung natürlich dort am stärksten ausgeprägt, wo die Fähigkeiten am meisten fehlen. Als Physiker fallen mir da Beispiele aus meinem Fachgebiet besonders auf. Dort gibt es eine besondere Gruppe von Personen, die durch die Arroganz der Ignoranz auffallen. Das sind die Einsteinleugner. Darunter sind auch bekannte Personen wie zum Beispiel – zumindest die Älteren werden ihn kennen – Christian Anders. Richtig der Christian Anders – der in meiner Jugend durch Lieder wie „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ bekannt geworden ist.

Und er hat – seiner eigenen Meinung nach – Einstein mit seiner eigenen Formel widerlegt (siehe http://www.diebewegung.com/?p=2507). Dort steht wörtlich:

„Meines Erachtens bin ich der einzige Mensch auf dieser Erde, der Einsteins Irrtum durch Einsteins eigene Formel widerlegt. Einstein erklärt die Lichtgeschwindigkeit als konstant und nicht zu erhöhen? Im gleichen Atemzug quadriert er sie (also c) in seiner Formel. Das geht doch wohl nicht, oder? Bereits wenn ich für c nur 1000 km/sec einsetze, platzt Einsteins Formel förmlich aus allen Nähten. Dann wäre nämlich c = 1000000 km/sec, also über dreimal höher als die Lichtgeschwindigkeit und würde zu einer Mega-Energie führen.“

Eigentlich sollte schon einem Grundschüler auffallen, dass man, wenn man Kilometer mit sich selber multipliziert Quadratkilometer rauskommen und 1000 km/sec zum Quadrat nie und nimmer wieder die Einheit km/sec haben kann. Also einerseits die Behauptung schlauer als Einstein zu sein und dann Rechenfehler wie ein Anfänger – der Dunning-Kruger-Effekt hat wieder zugeschlagen und zwar ziemlich hart.

Was passiert nun, wenn eine solche Ansicht auf die Wirklichkeit stößt; also in dem Fall auf Physiker, die trotz den Ausführungen von Christian Anders immer noch an der Relativitätstheorie festhalten. Da ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Verschwörungstheorien – ich zitiere wieder Christian Anders:

Ein rücksichtsloser Gauner war Albert Einstein, der von seinen Leuten hochgehalten und stilisiert wurde, weil die eben so gerne ein Genie in den eigenen „von Gott auserwählten“ Reihen gehabt hätten. Also machten sie Albert Einstein zum Genie. Sie machten einen mittelmäßigen Zwerg zum Genie. Aber Einstein war alles andere als ein Genie. In Wirklichkeit, so sage ich, war Einstein ein lausiger Mathematiker. Jeder Durchschnittsschüler hat wahrscheinlich mehr Ahnung von Mathematik als das mittelmäßig begabte Schlitzohr Albert Einstein.“

Wie ich meine, starke Worte von jemand, der schon beim Rechnen mit Einheiten versagt hat. Wobei ich immer Schwierigkeiten habe zu verstehen, warum man gerade um die Relativitätstheorie eine Verschwörung aufbauen sollte? Wenn ich als Physiker mir eine Verschwörung ausdenken würde, dann schon so etwas: Wissenschaftler sind ideale Sexualpartner für attraktive Frauen .

Aber vielleicht als kleiner Trost für Einstein, er steht nicht allein auf der Liste der Wissenschaftler, die von Christian Anders widerlegt wurden; schon fast selbstverständlich zu erwarten hat er auch die Evolutionstheorie widerlegt:
Darwin irrt!: Der Affe stammt vom Menschen ab

 

Jetzt noch zu einem weiteren Punkt und hier muss ich zugeben, dass ich mich weit aus dem Fenster lehne, denn hier will ich meine eigene Theorie aufstellen –

Ich glaube, dass Dunning-Kruger auch einen Einblick gibt,
wie der Aktienmarkt funktioniert.

Natürlich kann jeder in Aktien investieren und wenn er sein Portfolio ausreichend streut, dann wird sich sein Vermögen entlang der allgemeinen Entwicklung der Aktienkurse entwickeln. Wenn man also mit diesen Gewinnerwartungen zufrieden wäre, dann wäre gegen diese Argumentation auch nichts einzuwenden. Tatsächlich aber glauben viele, dass sie viel mehr Gewinn machen können als die mittlere Kursentwicklung, also dass die schlauer sind – oder zumindest mehr von Aktien verstehen – als der durchschnittliche Anleger.
Daher findet man Bücher oder Angebote wie diese:

Wie man mit Aktien Geld verdient: Mit diesem erprobten System kann jeder an der Börse gewinnen

Die Börsenformel: Mit diesen fiesen Tricks hat in 39 Minuten absolut JEDER genug Wissen, um monatlich locker zwischen 4.758,- und 11.246,- am PC zu verdienen!

Bullrider: Ohne Risiko!

Meine erste Frage wäre schon, wenn das so gut funktioniert, warum versuche ich so ein System zu verkaufen, statt mit meinem eigenen Geld die Gewinne einzufahren?

Daher mein Tipp an Sie:

Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein –
 dann ist das wahrscheinlich auch so!

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