Speaker’s Corner

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compromise-230908_640Eckhardt Kiwitt ist von seiner site DAS ISLAM-PRINZIP – Betrachtungen zu einer ganzheitlichen (totalitären) Religion bekannt. Hier befasst er sich mit einer sich selbst widerlegenden Aussage: "denn die Meinung, dass man seine Meinung nicht mehr frei äußern dürfe, wird nicht nur frei geäußert, sie wird auch veröffentlicht."

Anlass für Kiwitts Artikel bieten die gegenwärtigen Umstände, dass z.B. die SZ kürzlich ihren Online-Kommentarbereich weitgehend zugemacht hat und wohl auch andere Medien darüber nachdenken (Bild: geralt, pixabay). Beispiel dafür ist ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17.9.„Leserdialog“ – Schluss mit Pöbeln: Zeitungen entledigen sich immer häufiger ihrer Leserkommentare. Sie werden gelöscht, moderiert und in soziale Netze verbannt. Vorreiter des neuen Umgangs mit dem Publikum sind ausgerechnet Youtuber und „Big Brother US“.

Natürlich soll Kiwitts Text nicht darauf hinauslaufen, dass sich Leute vor den Kopf gestoßen fühlen, die (auch bei wissenbloggt) unter Pseudonym sachlich kommentieren. Kiwitt möchte auch "niemanden dazu drängen, nun das Web mit eigenen Sites zu fluten." Ihm geht es es um diejenigen, die er im letzten Absatz erwähnt – die "anonymen Tastaturhelden":

 

Speaker’s Corner

Vor etlichen Jahren hatte ich mehreren Fachverlagen im deutschen Sprachraum ein Manuskript zu einem Buch angeboten, um zu sehen, ob an dem Thema Interesse besteht. Einige Verlage haben ablehnend reagiert, andere gar nicht; einer hat positiv geantwortet und das Buch veröffentlicht. Ein kleiner wirtschaftlicher Erfolg für Autor und Verlag.

Niemand käme wohl auf die Idee, denjenigen Verlagen, die das Buch nicht veröffentlichen wollten, deshalb „Zensur“ vorzuwerfen; das Thema des Buches – politisch und weltanschaulich neutral – ist sehr fachspezifisch und spricht keinen allzu großen Leserkreis / potentielle Käufer an.

Im Zusammenhang mit (Online-)Kommentaren in Zeitungen, Zeitschriften oder sonstigen Medien, auch Websites, hört und liest man gelegentlich, dass dort eine Zensur stattfände, ja dass man „in Deutschland seine Meinung nicht mehr frei äußern“ dürfe. Insbesondere die hier zitierte Behauptung offenbart die Absurdität dieser sich selbst widerlegenden Aussage, denn die Meinung, dass man seine Meinung nicht mehr frei äußern dürfe, wird nicht nur frei geäußert, sie wird auch veröffentlicht.

Dabei werden zwei Sachverhalte – entweder irrtümlich oder absichtlich – verwechselt:

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, das „der Staat“ in Deutschland jedem kraft Verfassung gewährleistet, und «Eine Zensur findet nicht statt» heißt es in unserem Grundgesetz, wobei man den Folgesatz (2) nicht außer acht lassen sollte. [(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.]

Daraus zu schließen, dass man Dritte dazu zwingen – oder nötigen – könne / dürfe, eine bloße Meinungsäußerung zu veröffentlichen, die man irgendwo gemacht hat, ginge über den Rahmen dieses Grundrechts hinaus.

Im Fall eines Buchmanuskripts, das man unaufgefordert an einen Verlag schickt, obliegt die Entscheidung zur Veröffentlichung dem Verleger; im Fall eines (unaufgefordert eingesandten) Leserkommentars oder Leserbriefes ist es eine redaktionelle Entscheidung, diesen zu veröffentlichen oder nicht.

Wer von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen will, der darf das tun: Sich auf Markplätze stellen und Reden halten; seine Meinung auf Zettel schreiben und diese an Leute verteilen, die’s freiwillig entgegennehmen; Bücher schreiben und sie ggf. im Selbstverlag herausgeben in der Hoffnung, Käufer dafür zu finden, oder sich eine Website einrichten und dort so viel schreiben wie man will [unter Beachtung von Folgesatz (2), s.o.] in dem Glauben, dass es irgendjemanden interessiert, dass es jemand liest.

Als „Anonymer Tastaturheld“ – hinterhältig – z.B. in den Kommentarbereichen oder anderswo andere Menschen zu beschimpfen, beleidigen, verunglimpfen oder sonstwie unterhalb der Gürtellinie unsachlich anzugreifen und zu treffen, geht über das Recht auf freie Meinungsäußerung jedoch in einer Weise hinaus, die vielleicht dem einen oder anderen Soziopathen zusagt, ansonsten aber nicht hilfreich ist.

 

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