Stirb zur rechten Zeit

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Historische Betrachtungen zum Suizid (von Dr. Edgar Dahl, Initiative Humanismus).

In seinem Buch „Menschliches, Allzumenschliches“ schrieb der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche: „Warum sollte es für einen alt gewordenen Mann, welcher die Abnahme seiner Kräfte spürt, rühmlicher sein, seine langsame Erschöpfung und Auflösung abzuwarten, als sich mit vollem Bewusstsein ein Ziel zu setzen? Die Selbsttödtung ist in diesem Falle eine ganz natürliche naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht erwecken sollte: und auch erweckt hat, in jenen Zeiten als die Häupter der griechischen Philosophie und die wackersten römischen Patrioten durch Selbsttödtung zu sterben pflegten.“ [1]

Wie weithin bekannt, haben die Griechen und Römer den Suizid tatsächlich mit ganz anderen Augen betrachtet. Heute ist es kaum noch vorstellbar, doch im antiken Athen konnte ein Mann, der auf Grund unerträglicher Leiden seinem Leben ein Ende setzen wollte, geradewegs zum „Rat der 600“ gehen und sich dort den berühmten „Schierlingsbecher“ aushändigen lassen. Der Staat hielt jederzeit einen genügend großen Vorrat an Gift bereit, mit dessen Hilfe sich seine Bürger einem als unerträglich oder auch nur als unwürdig empfundenen Leben entziehen konnten. [2]

In der Antike waren es vor allem zwei philosophische Schulen, die sich für ein Recht auf den selbstbestimmten Tod einsetzten: der Epikureismus und der Stoizismus. Zu den Epikureern zählten neben seinem Namensgeber Epikur vor allem Horaz und Lukrez. Zu den Stoikern zählten dagegen Zenon, Seneca und Marc Aurel.

Beide Schulen sind nicht nur zur selben Zeit und am selben Ort entstanden, nämlich im Athen des 3. vorchristlichen Jahrhunderts, sondern hatten auch ein und dasselbe Ziel: Sie wollten den Menschen die „Eudaimonia“, das irdische Lebensglück, lehren. Ohne die Menschen auf ein zweifelhaftes Jenseits zu vertrösten, versuchten sie, ihnen ein Rezept dafür zu geben, wie man auch im Diesseits ein sinnvolles und erfülltes Leben führen kann. Das Rezept der Epikureer lauete „Ataraxia“, das der Stoiker „Logos“.

Mit der Ataraxia ist die Seelenruhe gemeint. Nach den Epikureern sollen die Menschen ein möglichst bescheidenes und zurückgezogenes Leben führen, indem sie sich dem Lärm der Welt entziehen, ihre Gelüste nach Ehre, Ruhm und Reichtum bezähmen und sich mit einfachen Genüssen wie intellektuell anregenden Gesprächen mit guten Freunden begnügen. Wenn jedoch, wie es insbesondere durch körperliches Leid und seelische Pein geschehen kann, die Seelenruhe unwiderruflich gestört wird und die Ataraxia für immer unerreichbar bleibt, darf der Mensch durchaus Hand an sich legen. Neben dem „Carpe diem“ oder „Genieße den Tag“ des Horaz gehört daher das Diktum „Es gibt keinen Zwang zu leben!“ wohl zu den berühmtesten Sentenzen der Epikureer.

Mit dem Logos ist die Vernunft gemeint. Nach den Stoikern sollen die Menschen ein von Vernunft, Freiheit und Würde geprägtes Leben führen. Ein solches Leben setzt etwas Ähnliches wie die Ataraxia, nämlich die Apatheia, voraus, die man am besten mit der sprichwörlich gewordenen „stoischen Ruhe“ oder der „stoischen Gelassenheit“ übersetzen kann.

Anders als die Epikureer, die der Selbstgenügsamkeit das Wort redeten und der Devise „Lebe im Verborgenen!“ folgten, setzten die Stoiker ihre Kraft oft in den Dienst des Staates. Mark Aurel, der in den Jahren von 161 bis 180 Kaiser des Römischen Reiches war und sich selbst als den „ersten Diener des Staates“ bezeichnete, beteuerte wieder und wieder: „Die Menschen sind füreinander da.“ [3]

Doch wie die Epikureer, so waren auch die Stoiker der Ansicht, dass sich das Leben nur lohnt, solange man in der Lage ist, seiner Bestimmung zu folgen. Wenn ein Mensch unter so großen körperlichen Schmerzen oder so starken seelischen Qualen leidet, dass er kein vernunftgemäßes Leben mehr zu führen vermag, durfte er seine Existenz jederzeit beenden. So schrieb etwa Seneca:

„Wenn der Körper den Dienst versagt, was sollte dann den Leidenden davon abhalten, der Seele ihre Freiheit zu geben? Unter Umständen müsste man sich noch eher dazu entschließen als es sein muss, um nicht, wenn es sein muss, unfähig dazu zu sein. Ich werde auf das Greisenalter nicht verzichten, wenn es mich mir ganz bewahrt. Aber wenn es Miene macht, an meinem Geiste zu rütteln, wenn es mir nicht das Leben, sondern nur das leibliche Dasein übrig lässt, dann werde ich den Sprung nicht scheuen, um herauszukommen aus dieser morschen und zusammensinkenden Behausung.“ [4]

Wie im alten deutschen Sprichwort „Wer sich ertränken will, findet überall Wasser“, weist auch Seneca auf die Vielzahl der Wege hin, um einem nur noch zur Last gewordenen Dasein jederzeit entfliehen zu können: „Der Ausgang aus dem Leben ist dir leichter gemacht als der Eingang. Sieh dich nur um, überall kannst du dein Elend endigen. Siehst du jene steile Stelle? Dort hinab geht’s in die Freiheit! Siehst du jenes Meer, jenen Fluss, jenen Brunnen? Auf ihrem Grund wohnt die Freiheit! Dein Hals, deine Kehle, dein Herz: lauter Wege, der Sklaverei zu entrinnen. Sind dir diese Auswege zu qualvoll, fordern sie zu viel Mut und Kraft, fragst du nach dem leichtesten Weg zur Freiheit: Jede Ader deines Körpers ist ein solcher Weg!“ [5]

Ein oft übersehener, aber doch sehr bedeutsamer Unterschied zwischen dem Epikureismus und dem Stoizismus war der, dass es bei ersterem nur ein „Recht zu sterben“, bei letzterem aber geradezu eine „Pflicht zu sterben“ gab. Dadurch dass die Stoiker neben der Vernunft auch der Freiheit und der Würde einen so außerordentlich hohen Wert beimaßen, sahen sie eine Vielzahl von Umständen, die es den Menschen regelrecht gebieten konnten, aus dem Leben zu scheiden. Schon ein Leben in Armut oder ein Leben in Unfreiheit waren nach Ansicht des Stoizismus nicht mehr lebenswert.

Die Geschichte der Antike ist denn auch voll von Beispielen, in denen Menschen in stoischer Manier ihr Leben ein Ende setzten. Lief eine griechische Polis in kriegerischen Auseinandersetzungen Gefahr, von einem übermächtigen Gegner erobert zu werden, stürzten sich die Männer und Frauen lieber in den Tod als ihrer Freiheit und Würde verlustig zu gehen und ein Leben in Schimpf und Schande zu leben. Denn nach dem Stoizismus war selbst „der schmutzigste Tod der saubersten Knechtschaft vorzuziehen.“ [6]

Zum stoischen Ethos gehörte aber nicht nur die Pflicht zu sterben, sondern auch die Pflicht, auf die würdevollste Art zu sterben. Vor einem Freitod durch Gift hatte man beispielsweise weit weniger Respekt als vor einem Freitod durch den Venenschnitt. Für den Tod durch Erhängen hatte man nur Verachtung übrig. Wirkliche Bewunderung fand dagegen der Tod durch freiwilliges Verhungern.

Anders als Nietzsche in seiner zu Beginn dieses Kapitels zitierten Bemerkung suggeriert, herrschte in der Antike aber nie wirkliche Einigkeit über die Ethik der Selbsttötung. Denn neben dem Epikureismus und dem Stoizismus gab es zeitgleich noch den Platonismus und den Aristotelismus, die den Menschen das Recht auf einen selbstbestimmten Tod in geradezu rigoroser Weise absprachen. Wie nicht weiter verwunderlich, fanden die Argumente von Platon und Aristoteles in dem unter Kaiser Konstantin erstarkten Christentum große Resonanz. [7]

Kaum zur Macht gekommen, berief die katholische Kirche ein Konzil nach dem anderen ein, um den nun als „Selbstmörder“ gebrandmarkten Suizidenten in Acht und Bann zu tun. Das Konzil von Arles erklärte im Jahre 452, dass Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen, vom Teufel besessen seien. Auf dem Konzil von Braga im Jahre 563 wurde beschlossen, dass Selbstmördern das kirchliche Begräbnis zu verweigern sei. In Toledo wurden 693 die Fürbittgebete für Selbstmörder im Gottesdienst verboten. Und Menschen, die sich eines Selbstmordversuchs schuldig gemacht hatten, wurden fortan für zwei Monate aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen und das Sakrament der Kommunion verwehrt. [8]

Nach und nach übernahmen auch die weltlichen Gesetzgeber die kanonischen Strafen der katholischen Kirche. So wurden im Mittelalter Selbstmörder sogar nachträglich „hingerichtet“. In vielen Ortschaften Europas wurde der Leichnam an einem Baum aufgehängt oder vor die Tore der Stadt geschleift, um ihn den Hunden und Vögeln zum Fraß zu überlassen. In München wurde der Körper eines Selbstmörders in einem Fass in die Isar geworfen. In Paris zerrte man den Leichnam mit dem Gesicht nach unten über das Kopfsteinpflaster und hängte ihn am Richtplatz an den Füßen auf. Am weitesten verbreitet war jedoch das Begraben an einer Weggabelung, wobei man dem Leichnam einen Holzpfahl in die Brust schlug, um sicher zu stellen, dass der Tote die Lebenden nicht als Geist heimsucht. [9]

In seiner „Constitutio Criminalis Carolina“ oder „Peinlichen Halsgerichtsordnung“ von 1532 verfügte Kaiser Karl V. in Paragraph 135 die Konfiskation aller Güter eines Selbstmörders. Nur für den Fall, dass der „Täter“ nachweislich unzurechnungsfähig gewesen war, konnte der Besitz in die Hände der rechtmäßigen Erben fallen. [10]

Mit der Renaissance erlebte auch die Philosophie der Antike eine Wiedergeburt. Obgleich man nicht davon sprechen kann, dass auch die Lehren des Epikureismus und des Stoizismus sogleich eine Wiederauferstehung erlangten, machte sich nun doch zumindest wieder ein gewisses Verständnis für die Menschen breit, die unter dem „taedium vitae“, also dem Lebensüberdruss, litten. So schrieb etwa der Humanist Erasmus von Rotterdam in seinem 1509 geschriebenem „Lob der Torheit“:

„Schmerzvoll und schmutzig ist der Sterblichen Geburt, nur mit vieler Mühe werden sie großgezogen, Unbilden haben sie in der Kindheit zu überstehen, die Jugend bringt ihnen große Mühen, das Alter ist eine stete Quelle von Beschwerden – und eine Härte ist der Tod. Und während des ganzen Lebens, welche Fülle von Krankheiten, welche Unzahl von Zufälligkeiten und Unannehmlichkeiten! Keine Freude, die nicht durch Kummer und Sorge geprägt wäre! Wer aber waren vornehmlich diejenigen, die sich aus Lebensüberdruss selbst den Tod gaben? Waren es nicht die Freunde der Weisheit?“ [11]

Der Humanist Thomus Morus ging sogar noch einen entschiedenen Schritt weiter, als er in seinem 1516 erschienenen Buch „Utopia“ das Bild einer gerechten und auf den Leitsätzen der Vernunft beruhenden Republik beschrieb, die sich auch der Sterbenden annahm: „Indessen wenn die Krankheit nicht nur unheilbar ist, sondern auch noch den Kranken beständig quält und martert, dann reden die Priester ihm zu, er möge bedenken, dass er allen Berufspflichten seines Lebens nicht mehr gewachsen, anderen zur Last fallen und sich selber schwer erträglich sei und somit seinen eigenen Tod bereits überlebe; deshalb möge er nicht darauf bestehen, die Seuche und Ansteckung noch weiter zu nähren und nicht zaudern, in den Tod zu gehen, da ihm das Leben doch nur eine Qual sei; somit möge er getrost und guter Hoffnung sich selbst aus diesem schmerzensreichen Leben wie aus einem Kerker oder einer Folter befreien oder willig gestatten, dass andere ihn der Qual entrissen. Daran werde er weise handeln, da er durch den Tod ja nicht die Freuden, sondern nur die Marter des Lebens abkürze; zugleich aber werde es eine rechtschaffene und fromme Tat sein, da er damit nur dem Rat der Priester gehorche, die Gottes Willen auslegen. Wen sie mit diesen Gründen überzeugen, der endet sein Leben freiwillig durch Fasten oder findet in der Betäubung ohne eine Todesempfindung seine Erlösung. Gegen seinen Willen aber schaffen sie niemanden beiseite, vernachlässigen auch um der Weigerung willen in keiner Weise die Pflege des Kranken.“ [12]

Etwa zur selben Zeit warf auch der französische Humanist und Essayist Michel de Montaigne die Frage auf, ob „unerträglicher Schmerz und die Befürchtung eines schlimmen Todes nicht die verzeihlichsten Beweggründe für eine Selbstentleibung“ seien: „Den Tod, die Armut und den Schmerz halten wir für unsere Hauptfeinde. Doch wer wüsste nicht, dass dieser Tod, den die einen den schrecklichsten aller Schrecken nennen, von anderen der einzige Hafen genannt wird, der ihnen vor den Stürmen des Lebens Zuflucht gewährt? Das höchste Gut der Natur? Der einzige Hort unserer Freiheit? Das allen zugängliche und prompte Heilmittel gegen alle Übel?“ [13]

Dank Montaignes Zeitgenossen Shakespeare wurde jetzt sogar offen auf der Theaterbühne darüber sinniert, ob der Tod dem Leben nicht zuweilen vorzuziehen sei. So heißt es bekanntlich im „Hamlet“:

 

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:

Ob’s edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern

Des wütenden Geschicks erdulden oder,

Sich waffnend gegen eine See von Plagen,

Durch Widerstand sie enden. Sterben – schlafen –   

 

Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf

Das Herzweh und die tausend Stöße endet,

Die unser’s Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel

Auf innigste zu wünschen. Sterben – schlafen –

Schlafen! Vielleicht auch Träumen. Ja, da liegt’s:

 

Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,

Wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt,

Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,

Die Elend läßt zu hohen Jahren kommen.

Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geißel,

 

Des Mächtgen Druck, des Stolzen Mißhandlungen,

Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,

Den Übermut der Ämter und die Schmach,

Die Unwert schweigendem Verdienst erweist,

Wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte

 

Mit einer Nadel bloß? Wer trüge Lasten

Und stöhnt’ und schwitzte unter Lebensmüh?

Nur daß die Furch vor etwas nach dem Tod,

Das unentdeckte Land, von des Bezirk

kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,

 

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber

Ertragen als zu anderen fliehn. [14]

 

Zu einer wahren Auflehnung gegen das Verbot der Selbsttötung kam es aber erst durch die Aufklärung. Montesquieu gehörte zu den ersten, die die Behandlung der „Selbstmörder“ durch die geistlichen und weltlichen Gerichte anprangerten: „Die europäischen Gesetze“, schrieb er, „sind erbarmungslos gegen die Selbstmörder. Man schlägt sie sozusagen noch einmal tot, man schleift sie durch den Schmutz der Straßen, man behaftet sie mit dem Makel der Ehrlosigkeit, man zieht ihre Güter ein. Es scheint mir, dass diese Gesetze ungerecht sind. Wenn ich von Schmerz, Elend und Verachtung erdrückt werde, warum will man mich hindern, meinen Leiden ein Ende zu setzen, und warum beraubt man mich eines Heilmittels, das in meinen Händen ist?“ [15]

In seinem 1764 erschienenen Buch „Von den Verbrechen und von den Strafen“ bezeichnete der italienische Rechtsgelehrte Cesare Beccaria die Bestrafung des Leichnams von Selbstmördern als lächerlich. „Die Richter“, meinte er, „sollten wohl wissen, dass der Tote dabei eben so viel empfindet, als wenn man eine Säule peitschen wollte.“ [16] Zudem erklärte er die Schändung der Leiche für barbarisch und die Konfiskation der Güter als geradezu rechtswidrig. Überhaupt sollte der Staat nicht vermeintliche „Sünden gegen sich selbst“, sondern nur wirkliche „Verbrechen gegen andere“ bestrafen.

Auch Voltaire setzte sich dafür ein, dass eine aufgeklärte Gesellschaft es seinen Bürgern gestatten sollte, ihrem eigenen Leben ein Ende zu setzen, wenn sie es als unerträglich empfinden. Als philosophischem Unterweiser Friedrich des Großen gelang es Voltaire sogar, den Preußenkönig 1752 dazu zu bewegen, die Selbsttötung als Straftat aus dem Gesetzbuch zu streichen. Unter dem Einfluss von Jean-Jacques Rousseau, Denis Diderot und Henry Thiry d’Holbach verschwand 1791 auch in Frankreich der Paragraph, der den Suizid bisher unter Strafe stellte. [17]   

Mit der Aufklärung begann nicht nur der Kampf um die Anerkennung allgemeiner Menschenrechte, sondern auch um die Trennung von Staat und Kirche. Moralische und rechtliche Fragen sollten nicht länger durch die vermeintliche Offenbarung der Bibel, sondern durch das allgegenwärtige Licht der Vernunft gelöst werden.

Insbesondere David Hume ist es zu verdanken, dass die antiken Lehren des Epikureismus und des Stoizismus neue Aufmerksamkeit fanden. Bei Arthur Schopenhauer, der es nicht nur für verständlich, sondern auch für durchaus vernünftig hielt, seinem Dasein ein Ende zu bereiten, „wenn die Bedrängnisse des Lebens die Bedrängnisse des Todes überwiegen“ [18], klingen deutlich epikureische Gedanken an. Bei Friedrich Nietzsche, klingen dagegen sogar stoische Gedanken an, wenn er den „Tod zur rechten Zeit“ preist: „Den freien Tod, der zu mir kommt, wenn ich will!“ [19] 

Anmerkungen

[1] Nietzsche, Friedrich Menschliches, Allzumenschliches. In: Kritische Studienausgabe. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Band 2. München 1988, S. 85.

[2] Durkheim, Émile Der Selbstmord. Frankfurt am Main 1983, S. 386.

[3] Mischler, Gerd Von der Freiheit, das Leben zu lassen. Kulturgeschichte des Suizids. Wien 2000, S. 27ff.

[4] Seneca Briefe an Lucilius. Hamburg 1993, S. 211.

[5] Zitiert nach Gerd Mischler, a.a.O., S. 31.

[6] Seneca a.a.O., S. 213.

[7] Vgl. Wittwer, Héctor Selbsttötung als philosophisches Problem. Paderborn 2003.

[8] Vgl. Mischler, a.a.O., S. 48f.

[9]  Ebd., S. 61ff.

[10] Ebd., S. 66.

[11] Erasmus von Rotterdam Lob der Torheit. Leipzig 1985, S. 58f.

[12] Thomas Morus Utopia. Zitiert nach Andreas Kuhlmann Sterbehilfe. Reinbek 1995, S. 10

[13] Michel de Montaigne Essais. Erste moderne Gesamtübersetzung von Hans Stilett. 2. Buch. Frankfurt am Main 1998, S. 53.

[14] Shakespeare Hamlet. Sämtliche Werke. Herausgegeben von Anselm Schlösser. Band 4. Weimar 1975, S. 316. 

[15] Charles de Montesquieu Die Selbstmörder. Zit. n.n. Roger Willemsen (Hrsg.) Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte. Köln 2002, S. 151.

[16] Cesare Beccaria Von den Verbrechen und von den Strafen. Zit. n. Mischler, a. a. O., S. 78f.

[17] Vgl. Svenja Flaßpöhler Mein Wille geschehe. Sterben in Zeiten der Freitodhilfe. Berlin 2007, S. 39f.

[18] David Hume. Über den Freitod und andere Essays. München 2009.

[19] Nietzsche, Friedrich Also sprach Zarathustra.. In: Kritische Studienausgabe. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Band 4. München 1988, S. 203.

 

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