Fehlgeleitete Opferbereitschaft

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skeleton-33847_640Was ist es, das den Menschen auf die Knie zwingt, zwecks Anbetung von popanzigen Götterchimären? (Bild: Nemo, pixabay) Was trteibt Nachbars Kinder womöglich in den Djihadismus?

Im Bereich zwischen Spiritualität und Religiosität wird das Gottes-Gen verortet (Spiritualität ist genetisch veranlagt, Religiosität wird von Erziehung und Lebensumständen geprägt). Man geht wohl nicht falsch, wenn man das modische Gottesgen auf Basis von herkömmlichen Eigenschaften wie Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit erklärt.

Aus dieser Sicht ist die Opferbereitschaft eine Grundlage, auf der sich die Spiritualität entwickeln konnte, und auf der wiederum die Religiosität fußt. Das letztere ist ein Kulturprodukt, während die ersteren Eigenschaften angeboren sind.

Die Opferbereitschaft ist ein logisches Ergebnis der Evolution. Sie wird gebraucht, um unter schwierigsten Umständen die eigene Brut durchzubringen, und ist deshalb in der Natur weit verbreitet. Natürlich ist so eine uneigennützige Eigenschaft das Ziel von vielen Missbrauchsanstrengungen. Da kommen ins Bild:

  1. die originäre Anwendung zur Pflege der eigenen Brut, die zum Erfolg der Spezies beiträgt, und beim Menschen
  2. die missbräuchliche Ausnutzung für die Ideologie, speziell für heilige & unheilige Kriege, sowie
  3. der Missbrauch durch die Religion sowieso; das dürfte ein wesentlicher Bestandteil vom Erfolgsrezept der Kirchen sein

Es läuft auf Gefühlsebene und oft unbewusst ab. Richtig enthusiasmierte Menschen ziehen singend in den Krieg und lassen sich dort abschlachten. Bei rationaler Überlegung würden sie sich nicht so leicht opfern lassen, zumal die Zwecke oft weit von der originären Brutsicherung weg sind. Kriegsopfer sind was anderes als Überlebensopfer. Aber das tritt oft erst bei den Überlebenden in den Vordergrund. Bis dahin regiert eine Euphorie, die bestimmt was mit der Spiritualität zu tun hat.

Die Spiritualität ist es auch, die das Singen in der Kirche befördert. Und wo man singt, da ist der Opferstock nicht weit. Natürlich, die Opferbereitschaft wird da entfacht. Auf dieser Klaviatur verstehen die Kirchen gut zu spielen.

Aber nun versiegt diese Quelle. Was auf freiwilliger Basis geopfert wird, nimmt jedenfalls ab, auch wenn das für die staatlichen Kirchen-Zwangsopfer nicht gilt. Das Bild wird von Kirchenaustritten, von weniger Opferbereitschaft und mehr Egoismus geprägt. Die Wirtschaft wird eh von Abzockern dominiert, die Politik vom Kuhhandel, die Erziehung vom TV, und alles ist dem Kommerz untertan. Der triumphierende Egoismus erzeugt das Gefühl eines Verlusts, zumindest bei den Jugendlichen, denen das System immer fremder wird.

Damit kommt die Argumentation zum Punkt. Der angeborenen Opferbereitschaft gehen die Ziele aus. Die Brutpflege wird zum Päppeln von verwöhnten Blagen (außer dort, wo die Kinderarmut grassiert). Wer umsonst soziale Leistungen erbringt, wird unter der Ägide des unverdienten Reichtums mitleidig belächelt.

Umsonst Leistungen erbringen? Das Gegenteil ist modern, kassieren ohne Leistung! Das gefällt nicht allen, und erst recht können nicht alle daran teilhaben.

Unter den Kritikern rekrutieren sich die Djihadisten. Die finden ein Ziel für ihre Opferbereitschaft im Selbstopfer. Mit Vernunft hat das wenig zu tun, sondern hauptsächlich mit einem Gefühlsstau. Gewiss auch mit Unwissen über die wahren Hintergründe der Religion. Wer von der Moderne zum Djihad konvertiert, der wechselt nur die Schmarotzer, die ihn ausnutzen.

Immer mehr Leute lassen sich lieber von Rauschebärten ausnutzen als von Nadelstreiflingen.

Das dürfte die Motivationslage recht gut beschreiben und zugleich das Problem, das wir haben. Weder das Gefühl noch die Vernunft sprechen eindeutig für unser real existierendes System. Jaja, es geht uns besser ohne Rauschebärte, aber zu vielen ist die Teilhabe an den Gütern der Moderne kupiert, und viele dieser Güter wirken entfremdend. Das rächt sich.

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