Brimborium um Banken


currency-163476_640Das Wort Brimborium stammt von der Süddeutschen Zeitung aus Stresstest der Banken – Harmloses Ergebnis mit starker Wirkung (26.10.): Auf den ersten Blick wirkt das Ergebnis lasch: Nur 13 europäische Großbanken sind durchgefallen und müssen zehn Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Das ist das Resultat des groß angelegten europäischen Bankenstresstests (Bild: PublicDomainPictures, pixabay).

Das sei nur ein kleines Sümmchen gemessen am Brimborium, das diesen Test über Monate hinweg begleitet habe, meint die SZ. Die wichtigste Zahl sei nicht die der (13) durchgefallenen Institute, sondern es seien jene 203 Milliarden Euro, die europäische Großbanken seit Sommer letzten Jahres aufgetrieben hätten. Sie hätten Risiken bereinigt und frisches Geld hereingeholt, um ihre Bilanzen zu stärken – in vorauseilendem Gehorsam. Soweit die SZ.

Beim Grünen-Politiker Sven Giegold liest sich das etwas anders:

Stresstest bringt Fortschritt für harte Bankenaufsicht, aber neue
Risiken für die Steuerzahler

Es geht auch um das Ergebnis der Bilanzprüfung (AQR) der größten Banken der Eurozone von EZB und Europäischer Bankenaufsichtsbehörde EBA. Die Stresstests seien ein wichtiger Schritt zur Übernahme der Bankenaufsicht durch die EZB für die wichtigsten Banken der Eurozone. Spekulationen über riesige Bestände an notleidenden Krediten prägten die Berichterstattung.

Die Stresstests kommentiert Sven Giegold, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament:

"Die Stresstests sind die bislang härteste Prüfung für den Bankensektor der Eurozone. Das Kartell zwischen nachsichtigen, nationalen Bankenaufsehern und heimischen Banken wird aufgebrochen. Der Stress ist ungleich härter als der "Freizeitstress" beim Test von 2011, der sich nachher als zahnlos erwies. Vielfach wurde in den letzten Monaten über angeblich politisch gesteuerte Stresstestergebnisse und fragwürdige Ergebnisse wegen zahlreicher Interessenskonflikte diskutiert. Dabei wurde viel spekuliert und wenig belegt und bewiesen.

Das größte Risiko der Stresstests tragen jedoch die Steuerzahler, da neue Bankenrettungen mit öffentlichen Geldern drohen. Wenn Banken neues Eigenkapital benötigen und es am Markt nicht aufnehmen können, besteht die Gefahr, dass sie erneut Staatshilfen fordern. Die neue EU-Abwicklungsrichtlinie (BRRD) greift noch nicht, die Staatshilfen sehr schwer macht. Durch diese Rechtslücke kann es wieder zu einem Griff in die Taschen der Steuerzahler kommen. Die EU ist gefordert, das bestehende Beihilferecht scharf anzuwenden. Mit der Haftung der Gläubiger muss ernst gemacht werden.

Ein Ärgernis für Steuerzahler und Bankkunden ist, dass sich ausgerechnet die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und die Berater von Oliver Wyman an den Bilanzprüfungen eine goldene Nase verdient haben.

Kritisch an der Methodik der Stresstest sind vor allem:

  • Die internen Modell der Großbanken zum Kleinrechnen ihrer Risken (RWA) wurden nicht grundlegend und gleichmäßig hinterfragt. Die Ergebnisse sind damit zwischen den Banken wenig vergleichbar.
  • Auch im harten Stress-Szenario wurde die Ansteckung der Krise über die starken Verflechtungen im Bankensystem nur indirekt betrachtet. Lediglich indirekt über die Veränderung makroökonomischer Indikatoren wurde systemweiter Stress abgebildet. Damit bleibt ein wesentlicher Krisenverstärker der Krise 2008 wegdefiniert.
  • Niemand weiß, wie gut es wirklich gelungen ist, die nach Schätzungen des IWF 800 Milliarden Euro fauler Kredite in den Bilanzen der Banken der Eurozone aufzuspüren.

Die Wirkung der Stresstests auf die wirtschaftliche Erholung der Eurozone dürfte begrenzt bleiben. Denn die schwache Kreditvergabe in der Eurozone liegt nicht vor allem an schwachen Banken, sondern an der schwachen Kreditnachfrage selbst bei niedrigen Zinsen."

Briefing von financeWatch zu den Stresstests:
http://www.finance-watch.org/ifile/Publications/Reports/Finance-Watch-Policy-Brief-October-2014.pdf

Makroökonomische Vorgaben des EU-Systemrisikorats zum Stress-Szenario: http://www.esrb.europa.eu/pub/pdf/other/140430_Adverse-scenario_2014-EBA-stress-test.pdf?37447513d095ae35852fdd770bed6f1e – soweit die Brüsseler Insiderinformationen.

Im Klartext, was da passiert

Die Banken der Eurozone werden seit der Bankenkrise in Billionenhöhe subventioniert, und zwar implizit, d.h. unterderhand, ohne dass es in den Bilanzen als Geschenk aufscheint. In den letzten 5 Jahren waren es ca. 250 Mrd. Euro pro Jahr, siehe Implizite Bankensubventionen für Großbanken ohne Ende.

Die Großbanken haben in "vorauseilendem Gehorsam" (SZ) das Geld genommen, das man ihnen hinten und vorn reinschiebt, aber nicht genug damit. Keiner weiß, wo die reingepumpten 250 Milliarden pro Jahr bleiben (zumeist geht es wohl in die weltweite Spekulation statt in die Wirtschaft). Das Geld wird einfach zur gefälligen Selbstbedienung angeboten, und ab und zu kommt dann eben ein 'Stresstest", um nachzugucken, wieviel die Zombies noch brauchen, um ihre verborgenen Schuldenberge abzutragen, siehe auch Overbanked – die Zombies grüßen.

Die Euroland-Allgemeinheit darf also Billionen für die Banken spendieren (indirekt über die Geldschöpfung der EZB) und hat nur alle paar Jahre das Recht, einen kurzen Blick in die Abgründe der Zombies zu werfen. Wenn es von dort heraus nach mehr Geldgeschenken schreit, sind wieder Staatshilfen fällig, wie der Report oben besagt, weil die Schutzmaßnahmen erst 2020 greifen oder 2525, wer weiß. Die derzeitigen Geschenke laufen über Staatsanleihen-Ankäufe, siehe Der EU-Drache spuckt wieder Feuer.

Obendrein halten jedesmal private Finanzinstitute die Hand dafür auf, dass sie es sind, die den Segen verteilen. Oben ärgert sich Sven Giegold über die goldene Nase, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sich dabei verdienen, und dieselben goldenen Nasen verdienen sich die Institute, die mit den EZB-Staatsanleihenkäufen beauftragt sind.

Die politischen und institutionellen Pappnasen subventionieren die Goldnasen, könnte man da lästern. Aber die Lage ist zu schlimm für Scherze. Da wird unsere Zukunft weggeschenkt, so muss man diese Anhäufung des unverdienten Reichtums wohl sehen.