Macher und Kracher

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flag-75048_640Makers and Breakers heißt der New-York-Times-Artikel von Thomas L. Friedman (8.11.), in dem die neue Sicht der Macher und Zerstörer (frei übersetzt als Kracher) ausgebreitet wird. Die Rede ist von der großen neuen geopolitischen Auseinandersetzung, und nicht mehr vom klassischen Konflikt wie zwischen den USA und der Sowjetunion (Bild: geralt, pixabay).

Die Protagonisten sind alle im Internet zuhause, sowohl die Macher als auch die Zerstörer, und das Internet gibt beiden viel Durchschlagskraft. Es ist eine gute Zeit, um so ein Macher zu sein, ein Innovator, ein Existenzgründer. Alles geht leichter denn je übers Internet, das Kaufen und Verkaufen, das Kooperieren und das Finanzieren.

Das Zerstören geht aber genauso leicht. Datenschnüffeln, Hacken, die Vereinigung mit anderen bad guys. Heute kann man sie übers Internet rekrutieren und mit wenig Geld mehr Schaden anrichten als jemals zuvor.

Es ist auch eine gute Zeit, um ein Zerstörer zu sein, und das Kräfteverhältnis der Zukunft wird nicht mehr nach US- und russischen oder chinesischen Raketen gezählt. sondern nach der Balance zwischen Machern und Zerstörern.

Die heutigen Terror-Organisationen rekrutieren sich aus Mitgliedern, die im Internet aufgewachsen sind. Als Ergebnis erproben sie die Kräfte, die sie darin freisetzen können, um einen globalen Gotteskrieg in Gang zu bringen. Die Tratsch-Medien Twitter, Facebook und WhatsApp taugen auch als Kontrollnetzwerke, in denen die Terroristen andere werben, umgarnen, rekrutieren und sich koordimieren.

Ziel ist u.a.: Irak und Syrien kleinzukriegen (siehe dazu auch unseren Link zur Solidar-Werkstatt). Man geht inzwischen so weit, einen new deal  einzufordern wie die Wirtschafts- und Sozialreformen der Vorkriegszeit gegen die Weltwirtschaftskrise. Der neue Deal soll zwischen den Geheimdiensten und den Firmen Twitter & Co. laufen, damit die Firmen ihre Daten weniger schützen, um besseren Zugriff auf die Umtriebe der Terrornetzwerke zu geben (siehe auch das Ende von Unmenschlichkeit im Aufschwung wo das Fazit gezogen wurde, Je mehr ISIS, desto mehr NSA).

Dies Thema wird eine wichtige Debatte auslösen, so Friedman, einfach weil die globale Zusammenarbeit so machtvoll funktioniert wie noch nie. Er nennt als Macher eine Firma von zwei Israelis, die 500 Leute in 20 Ländern quer durch die Welt beschäftigt. In der dot-com-Welt ist das nichts Ungewöhnliches. Friedman beschreibt die Lösung von allerlei Problemen übers Internet, wie sich per Email Kooperationen bilden ließen, ohne dass die Macher sich je gesehen hätten. Nur eben dass das Internet alles andere verbirgt, den Ort wie auch den Charakter der Handelnden.

Die Eigendynamik fokussiert sich auf Aktivität, Unternehmertum, Gedankenfreiheit und Kreativität. Da wollen alle mittun, um der Malaise ihrer lokalen Welt zu entkommen und eine neue Welt aufzubauen. Aber auf die Malaise kann man konstruktiv oder destruktiv reagieren, als Macher oder als Zerstörer.

Beide setzen die gleichen Energien frei und nutzen die gleichen Möglichkeiten. "… more and more people will be superempowered by the Internet to make things and break things – and social networking companies and intelligence agencies working together or apart won’t save us." schreibt Friedman. Die Internet-Super-Power ist für alle da, und der new deal würde uns nicht retten. 

Was dann zählt, ist das soziale Umfeld, die Familie, die Gemeinde. Die bringen die Werte und die Ideen, die maßgeblich sind. Es ist eine Erziehungsfrage, wie die jungen Leute sozialisiert werden, als Macher oder als Kracher. Das sieht Friedman schlussendlich als die große Herausforderung unserer Zeit.

Wichtig ist das Thema fürwahr, denn die Folgen der Kracher-Kultur mischen sich mit dem Versagen der Macher-Kultur zu Anarchie, Chaos und Retour ins Mittelalter. Wo die alten Machthaber nicht besser sind als die neuen Terrorherrscher, da werden Brutstätten von Unrecht, Unwissenheit und Unaufgeklärtheit geschaffen, da wird die Emigration gepusht, der Drogenhandel, die Piraterie und wer weiß was noch.

Bei wissenbloggt ist das Thema schon ein bisschen weiter vertieft, in der Kritik der "westlichen" wie der "östlichen" Systeme. Stichworte moderne Ethik vs. Religion Warum machen wir das eigentlich? sowie Götterwirtschaft & Täuschung Religion richtet schweren Schaden an.

 

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