Menschenverachtender Homöopathieversuch abgewehrt

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mask-469217_640Um die Ebola-Epedemie wird es immer stiller, obwohl sie noch nicht zuende ist. Bei wiki kann man eine sehr gute Zustandsbeschreibung dazu lesen, in Ebolafieber-Epidemie 2014 (Bild: bycfotografem, pixabay).
 
Schlagzeilen macht nun ein kaum glaublicher Vorgang, über den SPIEGEL ONLINE am 24.11. berichtet, in Homöopathie: Liberia verhindert Tests an Ebola-Patienten: Die Behörden in Liberia haben ein Team homöopathischer Ärzte daran gehindert, Ebola-Patienten zu behandeln.
 
Die vier deutschen Mediziner vom Ärzteverband "Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis" (LMHI) wurden von dieser obskuren Vereinigung und ihren Unterstützern ins Katastrophengebiet nach Liberia geschickt, um dort Infizierte mit ihren homöopathischen "Globuli" zu behandeln, Eigenaussage dazu: "Wir sind gesegnet mit 110 Mitteln in drei- bis vierfacher Potenz."

Bei diesem Segensbringern handelt es sich nicht um ein paar durchgedrehte Einzelgänger, sondern dahinter steckt eine ganze Gruppe. Unterstützer sind u.a. die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), und ihr Vorgänger. Ziel nach dessen Worten: Sie wollen testen, ob Ebola-Patienten mit homöopathischen Präparaten geholfen werden kann. Weil es keine wirksame konventionelle Therapie gebe, wäre das die perfekte Situation, um die Wirksamkeit der Homöopathie zu beweisen.

Dahinter steckt pure Menschenverachtung. Die meisten Wissenschaftler halten Homöopathie für faulen Zauber, und Placebos wirken nun mal nicht gegen Infektionen. Sie verschlimmern die Situation nur, wenn sie die echte Hilfe ersetzen. Diese Tatsache kann das Sendungsbewusstsein der Segensbringer nicht schmälern, ihre Aussage laut Spiegel: "Wir sind dazu bestimmt, dem Volk Liberias zu helfen im Kampf gegen Ebola mit homöopathischen Mitteln."

Dazu gab es zunächst sogar eine Genehmigung incl. Visa-Erteilung, denn, so der zuständige liberische Konsul, gerade die afrikanische Bevölkerung sei offen für alternative, sanfte Heilmethoden, und insofern passe die Homöopathie eigentlich ganz gut nach Afrika. Anmerkung vom Spiegel dazu: Der Honorarkonsul ist mit der Schatzmeisterin des DZVhÄ verheiratet. er steckt selber in der Homöopathenszene um den Leipziger Verein "Freunde Liberias" drin.

Diese Unterstützergruppe trieb die Verarschung auf die Spitze, indem sie über eine Homepage Geld für die Ärztemission sammelte – ohne dabei zu erwähnen, dass es sich um Homöopathie handelt! Die Spenden, von denen die Afrikaflüge der Segensspender bezahlt wurden, kamen unter Vortäuschung falscher Tatsachen zustande, wie aus dem Spiegel-Bericht hervorgeht.

Im Zielgebiet angekommen, flog die Sache aber auf. Im Ganta United Methodist Hospital im Osten des Liberias angekommen, untersagten Regierungsmitarbeiter den Segensbringern, Ebola-Patienten homöopathisch zu behandeln. Das sei unvereinbar mit den WHO-Vorgaben. Nicht dass dieser Stop die Segensstifter zur Einsicht brachte: Sie klagten über die Offiziellen, die ihre Umtriebe ausbremsten, und sie jammerten der verpassten Chance nach, weil sie doch so viel Hilfe bringen könnten und schon zahlreiche andere Patienten erfolgreich behandelt hätten.

Und sie geben nicht auf. Die Rede ist von einem zweiten Team, das nach Liberia geschickt werden solle. Die betrügerisch eingeworbenen Spenden erlauben anscheinend noch mehr Unsinnsstiftung. Weiteres Beispiel: Die segensstiftenden Arzte sind wieder zuhause, und dort handeln und behandeln sie weiter. Allerdings hätten sie die Auflage, 21 Tage lang ihre Temperatur zu überwachen und auffällige Symptome zu notieren, im Falle dass sie selber infiziert sind.

Wenn ja, behandeln die sich dann mit homöopathischen Mitteln? Und ihre Patienten, die sie anstecken, auch? Das würde den kriminellen Umtrieben die Krone aufsetzen. Auch ohne heimgebrachte Infektion ist diese Segens-Tour ein strafwürdiges Unterfangen, schon wegen des Betrugs beim Spenden-Erbetteln.

 

Weitere Info bietet der Spiegel in Kampf gegen die Epidemie: Ebola-Impfungen könnten im Januar starten: Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie setzen Experten auch auf Impfstoffe. Noch ist keines der Präparate für den breiten Einsatz am Menschen zugelassen. Doch es gibt einige aussichtsreiche Kandidaten. Der Überblick.

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