Flach mit Quaste

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doktorhutWie die Süddeutsche Zeitung am 1.12. berichtet, gibt es Probleme mit der  Abflachung, und betroffen sind die Doctores. Doktorarbeiten – Hochschulchefs warnen vor "inhaltlicher Abflachung", heißt der Artikel, und es geht um eine weitere EU-Attacke auf das deutsche Bildungswesen. Zumindest ist sowas im Schwange, wie die SZ schreibt, in südeuropäischen Ländern sei geplant, die Doktorarbeit als berufsvorbereitenden dritten Teil der Bologna-Reform zu definieren.

Nachdem die deutschen Hochschulen schon das Diplom ohne große Gegenwehr hergaben und damit Milliardenwerte an Reputation vernichteten, hat die Hochschulrektorenkonferenz Grund, sich um den wissenschaftlichen Anspruch der Promotionen in Europa zu sorgen.

Die SZ gleitet bei dem Thema unversehens aus in den Morast der Schavan-Sümpfe; die Doktorarbeit müsse eine eigenständige wissenschaftliche Leistung sein, wie die zahlreichen prominenten Plagiatsfällen demonstrierten. Genau das gerate jetzt in Gefahr, nicht nur aus Sorge um das Prädikat eigenständig, sondern sogar um die wissenschaftliche Leistung.

Solche Rede spricht für eine klare Erkenntnis der europäischen Bemühungen. Als da wäre der "dritte Zyklus" der Bologna-Reform. Wiki schreibt dazu 3. Zyklus: Promotionsstudium mit eigenständiger Forschung; Doktor-Grad / PhD. Nach Bachelor und Master die Promotion zum EU-Doktor bzw. PhD = Doctor of Philosophy oder wenns unbedingt sein muss philosophiae doctor (im englischen Sprachgebrauch sind alle Doctores Philosophen, wenn sie keine Mediziner sind, gesprochen Pi-äitsch-di).

Immerhin steht in der Richtlinie was vom angenommenen Arbeitsaufwand von drei bis vier Jahren in Vollzeitbeschäftigung drin, was eigentlich ausreichen sollte. Nun sei aber z.B. in Südeuropa geplant, für die Promotionen "konkrete Lernziele" zu benennen und ECTS-Punkte (mit denen im Bachelor und im Master Leistung berechnet wird) an Doktoranden zu vergeben.

Für de SZ riecht das irgendwie nach Bachelor, nach Verschulung statt wissenschaftlicher Leistung. Anders als in USA üblich sei die Promotion in Europa kein Studium, sondern ein Beitrag zum Fortschritt der Wissenschaft (eine optimistische Sicht vor allem bei der Medizin, da ist man in den USA ehrlicher und hat trotzdem wissenschaftlichen Erfolg). Der europäische Promovend jedenfalls brauche Freiräume fürs Querdenken und keine "inhaltliche Abflachung".

Das Thema inhaltliche Abflachung, sprich Verschulung, ist nun allerdings erfolgreich in europäischer Bearbeitung. Nicht dass das deutsche Hochschulwesen es nötig gehabt hätte, da war jede neue Studienordnung auf mehr Disziplin und weniger Querdenkerei ausgelegt, und das sogenannte "Studium Generale" (= über den Tellerrand hinausschauen) wurde wegerodiert zugunsten von dem, was jetzt "marktkonforme Zusatzqualifikationen" heißt. Damit macht die Bologna-Reform seit 15 Jahren voran, erst mit der Umstellung auf Bachelor (= reiner Schulunterricht) und Master (nicht ganz so rein), und nun kommt auch die Promotion dran.

Das soll Inhalte und Abschlüsse vereinheitlichen (47 Staaten sind dabei) und berufsorientierter machen, was wohl bisher auch geglückt sein dürfte. Allerdings auf Kosten der Selbständigkeit, es wird sozusagen der oberste Teil vom Kopf vernachlässigt, und die Rede ist nicht von der Frisur.

Doch warum der Protest, der jetzt erhoben wird? Auf dem Bild oben sieht man doch, wie flach der Doktorhut traditionellerweise gestaltet ist. Das reißt auch die Quaste nicht raus, die obendran bommelt (Bild: MissPiggy, pixabay). Die Quaste hat auch  einen Anruch nach verquast, weshalb eine Neugestaltung des Doktorhuts durchaus erwägenswert wäre. Irgendwas mit mehr Raum für den IQ nach oben hin.

Im übrigen kann man den Doktor auch ohne lächerliche Hüte machen, wie der Schreiber dieses, und aus derselben Quelle sei gesagt, dass es auch ohne ECTS-Punkte geht. Oder soll nach dem Diplom (nochmal Selbstbetreff) auch der Doktor abgeschafft werden? Zugunsten eines Schavan-Huts vielleicht?

Quaste hin und Quaste her, Bommel längs und Bommel quer – nein danke!

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