Das religiöse Tier im Menschen Teil III

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rhea-bird-523994_640Wie versprochen hat das religiöse Tier im Menschen 3 Teile, und dies ist der dritte. (Das Bild von TensArt, pixabay, zeigt ein Tier, das für die religiöse Verhaltensweise des Kopf-in-den-Sand-Steckens bekannt ist.) (Und für dicke Eier.)

Der Artikel von Nigel Barber heißt Why Are Educated People More Likely to Be Atheists? Religion works more through the emotions than through reason (19.2.). Es gibt ihn bereits in einer deutschen Übersetzung bei der Richard-Dawkins-Stiftung, gepostet von Nigel Barber am 10.9.: Wieso sind gebildete Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit Atheisten als ungebildete? Religion spricht eher die Emotionen an als die Vernunft.atheismballs

Die letztere Aussage hat wohl nur geringen Neuigkeitswert. Der bekannte Zusammenhang lautet, je mehr Bildung, desto atheistischer. Und je mehr Intelligenz & Einkommen, desto dito. Nigel Barber unterscheidet dabei zwei Erklärungskategorien. Einerseits hapert es bei den Ungeblideten an der Fähigkeit zur Skepsis, oder sie entscheiden sich für die Taktik, die der Strauß vormacht: Blindes Vertrauen in den Glauben, kritiklose Übernahme des Glaubenssystem ihrer Glaubensgemeinschaft. (Und das, wo der Strauß der Vogel mit den dicken Eiern ist.)

Barber diskutiert die beiden Möglichkeiten mit der hübschen Weihnachtsmann-Analogie: Wer gebildet ist und skeptisch denken kann, glaubt nicht blind, sondern er hinterfragt die Aussagen der Religion. Das geht bei den Kleinen los, die irgendwann nicht mehr blindlings an den Weihnachtsmann glauben. Wie passt der Kerl mit seinem dicken Bauch und den dicken Geschenken durch den Kamin?

wissen-glaubenDer Kamin ist das Schicksal der amerikanischen Weihnachtsmänner, da müssen die durch. Die deutschen können mehr nach Methode Knecht Ruprecht angestiefelt kommen. Insgesamt eine höchst verdächtige Bagage, diese Weihnachtsmänner, und das fällt intelligenten Kindern bald auf. Dazu diese verdächtigen Begleitaktivitäten elterlicherseits – man hat's als Kind nicht leicht, den Eltern ihre Illusionen zu bewahren. Sie sollen ruhig weiter an den Weihnachtsmann glauben, solange sie Geschenke anliefern …

Nach dieser Abschweifung weiter mit Nigel Barber. Die Erklärung mit der Skepsis sei nicht recht befriedigend, meint er. Die Fähigkeit zur Vernunft bedinge nicht unbedingt  religiösen Zweifel, das sehe man an herausragenden Wissenschaftlern der vergangenen Epochen. Die seien oft fanatisch religiös gewesen.

In "religiösen Ländern" hätten viele Leute kein Problem damit, bei der Aufklärung auf halbem Wege einzuhalten. Weihnachtsmann ade, sagen die Kinder, aber als Erwachsene bleiben sie in ihrem religiösen Gedankengut gefangen. Skeptizismus allein reicht also nicht, um Menschen von ihrem religiösen Glauben abzubringen.

Die Detailfrage heißt dann, warum trennen sich die Leute von besonders unplausiblen Glaubensinhalten, behalten aber den Rest? Das könnte so sein, weil der restliche Glaube ihnen etwas gibt. Das muss was anderes sein als die Weihnachtsgeschenke, denn die hören irgendwann auf, und der Glaube bleibt trotzdem virulent.

mindopenedEs geht jetzt um die emotionalen Profite. Die können den Menschen bewiegen, trotz partieller Aufklärung bei der Stange zu bleiben. Das religiöse Drumrum mit Ritualen und Glaubensgewissheiten kann den Teilzeitskeptikern helfen, sich gut zu fühlen. Glaube und Unglaube sind eine Sache des Gefühls und nicht der Vernunft. Nicht jeder ist so vernünftig wie das Biest im Bild nebenan.

Das führt zu dem Bild der Religion als emotionale Krücke. Einen anderen Grund gibt es wohl kaum, den Glauben über Kognition und Intellekt zu stellen. Barber sieht in der Religion eine Art emotionaler Bewältigungsstrategie, die als Abwehr gegen die Schwierigkeiten und Enttäuschungen des Lebens darstellt – einen emotionalen Anker.

Nun kommt der Dreh zu den Zuständen, die im Teil II beschrieben sind: Wenn Religion eine Krücke zur Bewältigung schlechter Gefühle ist, dann ist sie dort am nützlichsten, wo das Leben am schwierigsten ist. Barber nennt als Beispiel die Gebiete von Not und Elend in der Südsahara, er könnte aber die Anarchiegebiete in halb Afrika und auch in anderen Kontinenten nennen. Die Religion ist dort am nützlichsten, wo die Lebensqualität am geringsten ist.

prayersinspamUmgekehrt ist sie am wenigsten dienlich, wo der Lebensstandard hoch ist, wie im "gottlosen Europa" (Barber weiß offenbar nicht, wie die meisten Regierungen hier gestrickt sind.) Nun ja, er beschreibt die Not der Dritten Welt, bis hin zur mangelnden Religionsfreiheit, die dort viele Agnostiker in Deckung zwingt.

Solange sie keine reale Lösung für ihre Probleme haben, wenden sich die Bewohner der wenig entwickelten Länder den Scheinlösungen der Religion zu. Wenn sie schon keine Antworten finden, dann wenigstens Trost. Dass das funktioniert, zeigt die Statistik aus Teil II, wonach in Ländern mit niedrigem Lebensstandard die meisten Leute die Religion als wichtig für ihr Leben betrachten (auch wenn nicht alles so klappt, wie sie glauben).

Barber schließt optimistisch: Mit steigender Lebensqualität in entwickelten Ländern sinke die Bedeutung der Religion. Wenn man die Zukunft betrachte, werde religiöser Glaube wohl weltweit zurückgehen, je mehr der Lebensstandard durch die  wachsende ökonomische Entwicklung steige – soweit Nigel Barber.

So ganz lässt sich dieser Optimismus nicht nachvollziehen, wenn man die Wirkung der Globalisierung und des Turbokapitalismus' anschaut. Was entwickelnde Länder gewinnen, geht bei den entwickelten verloren. Nachhaltlig ist es weder hier noch da, die Menschen haben keinen Besitzstand, sondern sie sind disponibel und verfügbar. Real gesehen landen die Wohlstandsgewinne ja auch beim oberen 1% und nicht bei der Allgemeinheit. Ein bisschen Strauß steckt wohl in jedem, ein bisschen Kopf-in-den-Sand-stecken.

Links von Barber und wissenbloggt:

  • 1. Lynn, R., Harvey, J., & Nyborg, H. (2009). Average intelligence predicts atheism rates across 137 nations. Intelligence, 37, 11-15.
  • 2. Barber, N. (2012). Why atheism will replace religion: The triumph of earthly pleasures over pie in the sky. E-book, available at: http://www.amazon.com/Atheism-Will-Replace-Religion-ebook/dp/B008…
  • Warum der Atheismus die Religion verdrängen wird (auch Nigel Barber)
  • Religion richtet schweren Schaden an Götterwirtschaft & Täuschung

 

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Eine Antwort auf Das religiöse Tier im Menschen Teil III

  1. Klarsicht sagt:

    Der Glaube von Christen und Muslimen beinhaltet primär die irrationale und ichzentrierte Hoffnung, dass der in ihren Hirnen spukende „Puppenspieler“ sie in einem Jenseits zu wesentlich besseren Bedingungen erneut mitspielen lassen wird, nachdem Er sie im Diesseits zu durchweg schlechten Konditionen an Seinen Fäden hatte spielen lassen.

    Es grüßt

    Klarsicht 

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