Weihnachtsgurken auf dem Vormarsch

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1280px-Weihnachts_GurkeDas grüne Objekt im Bild ist Christbaumschmuck der Firma Inge-Glas, Neustadt bei Coburg, Deutschland (Wikimedia Commons). Beheimatet in den USA, dringen diese Gurken auch in europäische Weihnachtsbäume vor. So ein „Christmas Pickle“ wird etwas versteckt zwischen die Zweige gehängt, und wer es  zuerst findet, bekommt ein zusätzliches Geschenk.

Rein gurkenmäßig ist soweit alles klar. Es wird aber noch mehr herumgegurkt – ganz präzise lautet das Thema Beten hilft. Darüber hat sich schon atheisten-info.at anhand von einem Artikel der österreichischen Kronenzeitung echauffiert, das Ganze wurde mit atheistischen Erläuterungen garniert und ist auch bei wissenbloggt zu lesen: Wie Beten hilft!

Weil Gurken nun mal Kreise ziehen, ist die Botschaft (oder Betschaft?) vor 2 Tagen auch bei NBC NEWS und einigen anderen Quellen angekommen, Power of Prayer: What Happens to Your Brain When You Pray?

Also was passiert im betenden Hirn außer diesem diffusen Schwindelgefühl? Nun, Krebs wird damit nicht kuriert, aber hilfreich ist es schon, so der Artikel. Nach 20 Jahren Forschung mit dem Tomographen wurde festgestellt, es ist alles im roten Bereich bei Ruhe, aber beim Beten kommt man in den gelben Bereich (durch radioakrive Farbsubstanzen vermittelt). 

Die Gelbfärbung stehe für die Heilkraft des Gebets: Es gebe Änderungen bei den Aktivitätszuständen und den Neurotransmittern, und das strahle in den ganzen Körper aus. Solche Ausstrahlungen könnten einen Heileffekt haben.

Anmerkung wissenbloggt: die Gleichsetzung von Änderung mit Verbesserung wirkt allerdings ziemlich unwissenschaftlich. Anders wär's natürlich, wenn das Bild grün würde, dann wär alles im grünen Bereich vom Gurkenhirn.

Flugs haben Kritikaster auf dieses Problemchen hingewiesen, sagt NBC, und das Argument lautet: Das Hirn ändere sich, wenn man Schokolade isst (keine Aussage, ob das Bild dann braun wird), es ändere sich immerzu, also sei es nix Besonderes, wenn es sich auch beim Beten ändert.

Aber wenn's einem guttut … Und solange man's nicht wie einen Automaten anschaut, wo man eine Münze reinsteckt, und dann heilt es …

Es hilft nicht gegen Krebs und Herzschlag, aber es bewirkt irgendwas. Es ist ein Placebo (Wortwahl wb). Wenn's wirkt, dann weil die Leute dran glauben. Und wer ans Glauben glaubt, der glaubt eh alles (auch Wortwahl wb).

Schön war dann auch die Beobachtung, dass eine Gruppe von Nonnen bei einem meditativen Gebet Hirnsignale sendete, nach denen der Bereich des "Selbst" runtergefahren wurde. Eine Farbangabe war nicht dabei, dafür eine Interpretation: Man gerät in Kontakt mit Gott, man verbindet sich mit der Welt, und das Selbst geht dabei stiften.

Fazit wb: Das ist etwa so wissenschaftlich wie die Wissenschaft von der sauren Gurke und sonstiges intellektuelles Herumgegurke. Der Artikel Wie Beten hilft! sagt ganz richtig, was da wirkt, ist Meditation. Und ansonsten achte man darauf, wie das Gebet betont wird.

Gebet oder Gebet ist die Frage, die letztlich dahintersteckt.

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