Firmengründung am Fließband

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idea-152213_640Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung entwickelt sich zu einer sonntäglichen Ruhestörung, jedenfalls für mich. Kaum lese ich einen hinreißenden FAZ-Artikel, da muss ich drüber schreiben. Und zwar pronto, denn die Artikel sind oft nicht online, und wer sie lesen will, muss die Zeitung kaufen.

Diesmal (3.1.) ist es der Wirtschafts-Artikel Firmen vom Fließband, der so einschlägt. Bettina Weiguny hat dazu diesen Untertitel gebracht: Wer heute ein Unternehmen gründet, klaut sich die Idee im Silicon Valley und sucht sich einen Geldgeber (Bild: OpenClips, pixabay).

Der Inhalt des nicht onlinenen Artikels kurz skizziert: Heute sind die Erfinder keine Typen mehr, die sich im stillen Kämmerlein oder im Labor verkriechen; und nach Jahren kommen sie mit einer Idee hervor, die dann mühsam unter die Leute gebracht wird. Mag sein, dass es die noch gibt, aber heute geht das anders – und das ist die Essenz des Artikels.

Es gibt jetzt Firmen, die professionell Seriengründungen durchziehen und einen Online-Marktplatz nach dem anderen starten, Branche egal. Sie haben die Logistik für Fließbandgründungen, das Kapital, das Know-How. Ihre "ausgefeilte Rocket-Infrastruktur" ist standardisiert und perfektioniert, IT, Logisktik, Werbung, Übersetzer, Juristen, das Layout der Platformen, die griffigen Texte, das Kleingedruckte.

Es kommt aufs Tempo an, denn "langsam gibt's im Internet nicht." Jeder kann die Ideen klauen, deshalb zählt die Geschwindigkeit. Erst wenn man sich als Marktführer etabliert hat, sind die anderen abgeschlagen. Es macht nichts, wenn ein Startup nicht reüssiert. Die Factory bringt das nächste hervor, das übernächste, ad infinitum.

Und die Erfinder? Die werden dutzendweise rekrutiert. Egal wo, egal was, Hauptsache die Idee scheint lukrativ. Dann wird gepowert, bis der Erfolg da ist. Der misst sich an Zahlen, Umsatz, Erlös, Marktpräsenz. Die Zahlen sagen dann ok oder nicht ok – und nicht ok bedeutet servus, Chance verpasst, einen zweiten Anlauf gibt es nicht.

Siehe auch die Merchandizing-Schelte Generation von Angst und Schwäche?

 

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