Business as usual

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sailing-vessel-493538_640Der Schiffsuntergang auf dem Bild ist nur Wunschdenken (Bild: Comfreak, pixabay). Die Schiffe der Spekulation schwimmen immer obenauf. 

Was macht der umtriebige Finanzkünstler, wenn die EZB ihm mit ihrer Geldschwemme die Zinsen verhagelt? Er besorgt sich das EZB-Geld quasi umsonst und investiert woanders. Natürlich nicht da, wo es die EZB gern hätte, sondern kreativ. Wie das zugeht, schildert die Süddeutsche Zeitung am 9.1. in Niedriger Ölpreis – Warum Spekulanten jetzt Supertanker mieten.

Also, der Ölpreis sinkt, deshalb lagern internationale Ölhändler ihr Öl auf großen Tankern. Zugleich kaufen sie Terminkontrakte, die ihnen den Verkauf des gelagerten Öl zu einem bestimmten Preis erlauben. Die SZ: Gegenüber den zu erwartenden Profiten fallen die Mieten für die Tanker nicht allzu sehr ins Gewicht.

Das nennt man Horten. Der Fachausdruck für die Situation klingt schöner: Contango. Die Warenterminmärkte zahlen für das Öl vom nächsten Jahr mehr als für das Öl von heute, 60 Dollar pro Barrel gegenüber 50. Kapital ist massenweise da, die politisch erzeugte Geldschschwenne sorgt dafür. Nur die Lagerkosten können den Profit begrenzen. Riesentanker sind deshalb eine günstige Alternative, sie kosten wenig, wenn sie für eine begrenzte Zeit gechartert werden.

Die SZ spricht von schwimmenden Lagern mit einem Fassungsvermögen von drei Millionen Barrel, und sie nennt Schiffsnamen wie Xin Run Yang und Xin Tong Yang. Rohöl auf Vorrat zu kaufen, liege ohnehin im Trend, auch ohne Xin Ying Yang. Man habe das 2009 schon gemacht, diese Art von Terminhandel sei erwiesenermaßen risikolos für die Rohstoffhändler, denn sie kaufen die Ware und verkaufen gleichzeitig die Lieferung in der Zukunft.

Volkswirtschaftlich kein Problem, der Preiseinbruch werde abgemildert, die Aktion der Spekulanten habe einen dämpfenden Effekt. Der Preisverfall werde aufgefangen, die Konsumentenpreise hochgehalten. Vor 5 Jahren waren es 200 Millionen Barrel, die auf großen Tankschiffen gelagert wurden. Derzeit sind es weniger, aber das kann ja noch werden.

Schnell mal nachrechnen: 200.000.000 Barrel * (60-50) Dollar pro Barrel = 2 Mrd. Dollar Gewinn. Risikolos generierter unverdienter Reichtum wieder mal. Es ist zu befürchten, dass ähnliche Mechanisman an vielen Stellen greifen, da der unverdiente Reichtum in Billionenhöhe erzeugt wird und nicht nur im Milliardenbereich.

Link dazu: Der unverdiente Reichtum und Die Wissenschaft von der Ungleichheit

P.S. Der (Con-)Tango mit dem Horten ging früher schon mal schief, wie beim Silber-Horten der Gebrüder Hunt. Die wollten den Silberpreis durch Verknappung in die Stratosphäre jagen und scheiterten dabei. Damals hatten sie ja noch nicht die Bequemlichkeiten von heute, dass die EZB das Spekulationsgeld umsonst rausschleudert und dass es Finanzkonstrukte gibt, die einem das Risiko der Spekulationsverluste abnehmen. Der heutige Zustand ist praktisch eine Einladung für Kapitalisten ohne Kapital, sich Kapital zu erzocken. Wann kommt also der Moment, wo die künstliche Verknappung von Öl, von anderen Rohstoffen und von Nahrungsmitteln nicht bloß "den Preisverfall dämpft", sondern die Preise vom gehorteten Gut richtig schön hochpumpt?

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