Pegida – mehr als Für und Wider

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conflict-405744_640Dr. Ferdinand Kuba erlaubt uns freundlicherweise die Gedanken widerzugeben, die er zu der entbrannten PEGIDA-Debatte beisteuert. Als Unterstützer der Giordano-Bruno-Stiftung sieht Kuba sich selber gewiss nicht als Retter des Abendlandes und der christlichen Tradition. Vielmehr macht er auf einen Gesichtspunkt aufmerksam, der anscheinend noch nicht berücksichtigt wurde. Während die ganze Debatte sich in relativ vordergründigen Für- und Wider-Positionen erschöpfte (Bild: johnhain, pixabay), wurde dieser Aspekt nicht angesprochen, möglicherweise aus der Furcht heraus, zu den dumpfen PEGIDA-Anhängern gezählt zu werden:

Es ist selbstverständlich für uns, dass wir Menschen aus Not und Gefahr heraus bei uns aufnehmen und ihnen Schutz bieten. Was mir eine gewisse Sorge bereitet, ist, dass diese Menschen in der Mehrzahl traditionelle Moslems sind, für die Religion, Politik und Gesellschaft eng miteinander verwoben sind. Ich befürchte daher, dass tendenziell die Bedeutung der Religionen im öffentlichen Raum aufgewertet werden könnte. Unsere christlichen Religionsvertreter erweisen sich jetzt schon als geschickte und dankbare Trittbrettfahrer,  indem sie sich für die Rechte islamischer Mitbürger einsetzen. Sie werden diesen Trend noch mehr für sich zu nutzen wissen.

Es kommt nicht von Ungefähr, dass nicht nur politische Parteien, die hier ein Wählerpotential wittern, sondern eben auch die Kirchen sich vehement für islamische Rechte einsetzen. Beispiele sind der islamische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, islamische Vertreter in Ethik- und Rundfunkräten, Sendezeiten an öffentlichen Rundfunkanstalten etc.

Wir (Ferdinand Kuba ist in der gbs engagiert) bekämpfen seit Langem diese religiösen Einmischungen und kirchlichen Privilegien und haben damit im Laufe der Vergangenheit auch einige Erfolge erzielt. Unsere Kirchenvertreter haben aber begriffen, dass sie ihre "angestammten Rechte" sozusagen durch die Hintertür zementieren können, indem sie sich vordergründig für die Rechte einer anderen Religionsgemeinschaft einsetzen.

Was m.E. jedenfalls zu befürchten steht, ist eine Verfestigung der kirchlich/religiösen Positionen über diesen Umweg. Sozusagen eine Absicherung gegen die Forderungen des immer größer werdenden Bevölkerungsanteils religiös nicht gebundener Menschen, der sich für die Abschaffung kirchlich/religiöser Privilegien einsetzt.

Die geäußerten Bedenken sollten natürlich nicht missbraucht werden, um Menschen in Not Hilfe zu  verweigern. Dennoch wäre es einer Überlegungen wert, ob und wie man solchen befürchteten negativen Auswirkungen begegnen könnte. Selbst wenn da wenig Möglichkeiten bestehen, sollte man die Augen vor solchen Mechanismen nicht verschließen.

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3 Antworten auf Pegida – mehr als Für und Wider

  1. Klarsicht sagt:

    Bei der Aufnahme von Menschen in Not ist es eben unausweichlich so ähnlich wie beim Fischen, bei dem bekanntlich sogenannter Beifang anfällt, den der Fischer natürlich nicht haben möchte. Die Aufnahmegesellschaft kann sich bei ihrer Mitmenschlichkeit problematischen „geistigen Beifang“ einhandeln, der ihr natürlich gar nicht gefallen kann, weil er z. B. kriminell oder rassistisch ist oder auf sonstige Weise mit den Gesetzen, der politischen Ausrichtung oder den Lebensgewohnheiten von ihr nicht zu vereinbaren ist.

    Es grüßt

    Klarsicht  

  2. Klarsicht sagt:

    Viele „Gutmenschen“ in unserer Gesellschaft, die es real sind und solche, die sich dafür halten, ohne es wirklich zu sein, fordern z. B. beim kritischen Diskurs über den Islam, die Muslime und Islamisierung keine Pauschalverurteilungen vorzunehmen, sondern zu differenzieren. Das ist eine Forderung, die natürlich berechtigt ist. Sie sollte dann aber auch beim kritischen Diskurs über „Pegida“ gelten, was, wie man oft feststellen kann, die genannten „Gutmenschen“ dort wohl für falsch halten. Man hat dort keine Bedenken, alle Teilnehmer der „Pegida“-Demonstrationen pauschal zu verdammen und in die „rechte Ecke“ zu stellen.

    Es wäre zu wünschen gewesen, dass viel mehr „Gutmenschen“ gegen das „Beschneidungsgesetz“ protestiert hätten. Auch wäre es zu wünschen gewesen, dass viel mehr „Gutmenschen“ dagegen protestiert hätten, dass ein ausgewiesener Antidemokrat und klerikaler Feudalherrscher, nämlich der Papst, in unserem Bundestag und später im Europäischen Parlament eine Rede halten durfte.

    Der RTL WEST Kommentar zu der Pegida-Bewegung:

    https://www.youtube.com/watch?v=R3AIcHMc2OQ

    Deutsche Streitkultur, Pegida und der Islam:

    http://boess.welt.de/2015/01/07/deutsche-streitkultur-pegida-und-der-islam/

     

  3. Wilfried Müller sagt:

    Weiteres Argument für Ferdinand Kubas Sicht: die weitaus meisten Immigranten sind nicht muslimisch, sondern christlich (aus Polen und anderen ost- und südeuropäischen Staaten). Um mit Klarsicht zu sprechen: die Muslime sind eher "Beifang" für die Kirchen.

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