Licht aus und durch

image_pdfimage_print

light-bulb-460672_640 Georg Korfmacher fordert Konsequenzen aus Pegida und würdigt die Verdienste des Islam (arabische Zahlen, die eigentlich aus Indien kommen, Bewahrung der griechischen und römischen Schriften), und er definiert den Typus des Ja-Aber-Überzeugten. In Pegida sieht Korfmacher nur Gesellschaftsprobleme, die der Staat aufgrund der Gesetze angehen soll, damit es keine weiteren Schwierigkeiten gibt (Bild: traude, pixabay).

Licht aus und durch

Während „Licht aus“ am Kölner Dom für manche ein beeindruckendes Zeichen des Unmuts dortiger Domherren ist, will der Primat von der Isar scheinbar noch auf "oberhirtliche Anweisungen" warten, bevor er sich zum Gesellschaftsproblem Pegida festlegen möchte und darf. Ausser hehren Worten hat unser Staat Pegida nichts entgegenzusetzen.

Mangels einer konsistenten und zukunftsorientierten Immigrationspolitik hangelt sich unser Staat an einem seidenen Faden zwischen hausgemachten Flüchtlingsproblemen und Fremdenfeindlichkeit entlang. Flüchtlinge sind Menschen und verdienen zunächst und vorrangig eine menschenwürdige Behandlung. Nicht das reiche Europa hat ein Flüchtlingsproblem, sondern die Krisenregionen.

Erst das Verbrechen in Paris und die folgende Je-suis-Charlie-Bewegung scheint unsere Politik aus ihrem Beschwichtigungsschlaf aufzurütteln. An der Meinungsfreiheit als hohes und geschütztes Menschenrecht kommt jetzt keiner mehr vorbei. Ab sofort ist es nicht mehr akzeptabel, sich in religiös-nebulösen Debatten zu verlieren, und nicht das sich in Pegida manifestierende Gesellschaftsproblem anzugehen und mit den Mitteln des Staates zu lösen. Licht aus und durch reicht nicht.

Weder vom Staat noch von den Kirchen gab es eine überzeugende Aussage. Mutig sind es die Muslime, die in Berlin die erste öffentliche Manifestation gegen religiös motivierte Gewalt veranstalten. Der Islam gehört nicht erst seit Wulf und Merkel zu Deutschland und Europa. Ohne ihn würden wir heute nicht so rechnen, wie wir es eben tun, und ein Grossteil unseres Wissens wäre infolge der Unterdrückung durch die Catholica für immer verloren, hätten es nicht muslimische Gelehrte aufgeschrieben und aufgearbeitet.

Gerade in Sachsen ist es offensichtlich, dass Pegida den Islam instrumentalisiert, um so missbräuchlich ein Gesellschaftsproblem auf eine religiöse Ebene zu überhöhen, hinter dem sich manifest übler Nationalismus verbirgt. Und prompt fallen Staat und Kirche darauf herein. Im Gegensatz zum laizistischen Frankreich scheint es in unserer Republik nicht möglich, dass die gesamte Bevölkerung spontan und einmütig aufschreit. Bei uns gibt es in Politik, Kirche und Gesellschaft zu viele Ja-Aber-Überzeugte, die natürlich gegen jedes Verbrechen sind, aber gleichzeitig tumbe religiöse Motive dafür ausmachen. Ein Blick zurück durchaus im Zorn auf das christliche Abendland muss einen in schieres Entsetzen ob der Kriege und Morde im Namen Gottes stürzen. Unsere vielschichtigen Verkettungen zwischen Staat und Kirche haben z.B. schon in der Hitlerzeit zu widerlichen Verhalten auf beiden Seiten geführt und scheinen auch heute wieder einmal in eine Patt-Situation zu führen, die man auch als erschreckendes Versagen von Staat und Kirche im Hinblick auf des Gesellschaftsproblem Pegida bezeichnen kann.

Wann endlich macht sich unser Staat frei von religiösen Verbindlich- und Behutsamkeiten, um sich vorbehaltlos und nur auf Grundlage unserer Gesetze mit Gesellschaftsproblemen à la Pegida auseinandersetzen und zu handeln. Dann nämlich wären alle Personen und Institutionen vor dem Gesetz gleich zu behandeln, ohne Ausnahmen und Privilegien. Die haben unsere Gesellschaft schon so oft in üble Schwierigkeiten gebracht und tun das scheinbar weiterhin.

Weitere Artikel von Georg Korfmacher

Links von wissenbloggt zum Thema:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Menschenrechte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar