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deregulation-inequalityWer die Überschrift als Zeichen für "sehr ungleich" erkennt, der hat vielleicht den wissenbloggt-Artikel 2014: Jahr der Ungleichheit gelesen. Im Bereich zwischen ≠ oder >< oder <> oder =!= ist alles ungleich, und je ungleicher desto >>><<<.

Entsprechende Nomenklatur wurde für die Gleichheit eingeführt, zumal für die Leute, die gleicher sind als gleich. Denen steht ein ═══ zu statt des normalen =. Jetzt schaut es so aus, als ob das Gleicher-als-gleich nurmehr mit ══════ abgebildet werden kann.

Im Klartext: Das obere 1% hat noch mehr Erfolge beim Raffen aufzuweisen, bald wird es die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen. Das berichtet das 178 OXFAM BRIEFING PAPER, das heute, 20.1. um 0 Uhr freigeschaltet wurde.

OXFAM ist laut wiki ein unabhängiger Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich für eine gerechtere Welt ohne Armut einsetzen. Gegründet wurde die Organisation 1942 als Oxford Committee for Famine Relief, die telegrafische Abkürzung OXFAM wurde 1965 zur offiziellen Bezeichnung – Urgestein aus dem Bereich the power of people against powerty.

Der Report heißt WORKING FOR THE FEW – Political capture and economic inequality. Der Inhalt kommt gerade recht 2 Tage vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos, und er macht den Skandal der Ungleichverteilung neuerlich publik (siehe auch die Studie des Berliner Wirtschaftsforschungsinstituts DIW und die Sekundärberichte "Lebenseinkommen im Generationenvergleich – Ungleichheit hat sich verdoppelt" in Generation von Angst und Schwäche?). Der Inhalt:

Etwa die Hälfte des weltweiten Vermögens wird von nur 1% der Bevölkerung vereinnahmt, schlappe 110 Billionen Dollar. Das ist das 65-fache von dem, was die unteren 50% der Weltbevölkerung besitzen. Anders gesagt, die untere Hälfte besitzt so viel wie die 85 reichsten Leute der Welt.

70% der Menschen leben in Ländern, wo die Ungleichheit in den letzten 30 Jahren gestiegen ist. Bei einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17.1. las sich das ganz anders, Globalisierung wirkt von Nikolaus Piper (nicht online): Die Verteilung zwischen reichen und armen Ländern habe sich dramatisch egalisiert, die weltweite Armut sei weniger geworden (nach Zahlen der Weltbank gebe es seit 1980 60% mehr Menschen, aber nur noch 1,2 Milliarden Arme gegenüber 1,9 Milliarden 1980.

Solange die Reichen immer reicher werden, läuft es aber in die falsche Richtung. Das reichste 1% konnte seinen Vermögensanteil von 1980 bis 2012 in 24 von 26 untersuchten Ländern vergrößern, so Oxfam. In den USA vereinnahmte das obere 1% sogar 95% aller Zuwächse seit der Finanzkrise 2009, während die unteren 90% ärmer wurden. Daher Oxfams Appell:

  • keine Steuervermeidung im Heimatland oder in den  Steueroasen
  • keine Lobbytätigkeit, um den Reichtum in politische Gefälligkeiten umzumünzen und damit die Demokratie zu unterminieren
  • transparentmachen aller Investitionen in alle Firmen
  • progressive Besteuerung auf Vermögen und Einkommen
  • Steuereinkommen für Gesundheitsversorgung, Erziehungswesen und Soziales verwenden
  • Lebenseinkommen in allen Firmen verlangen
  • die reiche Elite zum Mitmachen auffordern

Die Zeit ab 2015 sollte dem Versuch gewidmet werden, die extreme Ungeichheit in allen Ländern zu beenden, incl. Überwachung einrichten und Transparenz schaffen. Vor allem das obere 1% soll geldflussmäßig überwacht werden. Die Märkte sollen wieder mehr reguliert werden (siehe das Bild oben, draufklicken zum Vergrößern: Da zeigt sich, wie direkt Deregulierung und Ungleichheit zusammenhängen, das Bild ist von Oxfam auf Datenbasis von http://www.nber.org/papers/w14644.pdf – siehe auch Reload 1970 Was die Deregulierung uns gebracht hat).

Das Wachstum soll einheitlich und nachhaltig sein, die politische Einflussnahme der Reichen soll gemindert werden, damit die Ungleichheit nicht größer ist als zum jeweiligen Staat passend. Also Steuervermeidung beenden, wieder mehr Gleichverteilung und mehr Sozialklimbim, Arbeiterrechte stärken, Frauen gleichberechtigen.

Speziell zu Euroland sagt Oxfam, die Austeritätspolitik habe zur Ungleichheit beigetragen, weil sie die Gleichheitsmechanismen behindere und obendrein die Arbeiterrechte wegerodiere. Das habe die Ärmsten und Verletzlichsten am meisten getroffen, denen die Last der finanziellen Crashs und sonstigen Exzesse auferlegt wurde – gerade jenen, die am wenigsten Schuld haben.

Soweit Oxfam direkt. Am 19.1. hatte die SZ schon vor der Freigabe über das Paper berichtet, in Oxfam-Vorschau für 2016 – Ein Prozent hat mehr als der Rest der Welt: ... Die britische Aktivistengruppe warnt vor der "schockierend schnell" wachsenden sozialen Ungleichheit. …

Weitere Zahlen: 2009 gehörten dem oberen 1% noch 44% des weltweiten Wohlstands. 2013 waren es schon 48%, und 2016 werden es voraussichtlich 50% sein. 21 Billionen Dollar seien von den Superreichen in Steueroasen versteckt, in den USA sei ein Zustand wie bei der Großen Depression am 23. Oktober 1929 erreicht. Trotzdem würden die Ausgaben zur Armutsbekämpfung auf "bemerkenswert niedrigem Niveau verharren". In Europa seien die Sparmaßnahmen zulasten von Mittelstand und Unterschicht durchgezogen worden, "unter großem Druck der Finanzmärkte, deren reiche Investoren von staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Banken profitierten". Auch in Afrika ziehen die Multis ihre Nullsteuerpolitik durch und halten dadurch die afrikanischen Staaten arm. Selbst in Deutschland sei die  Ungleichheit von Einkommen und Vermögen mehr gewachsen als gedacht.

Weltweit wachse mit dem Bewusstsein dieser Diskrepanzen auch die Unzufriedenheit, denn "Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd". 11% der Menschen hungern, 1 Milliarde müsse mit 1,25 Dollar pro Tag auskommen. Aber sind die Forderungen von Oxfam realistisch? fragt die SZ. Kann der Trend mit Steuern und Mindestlöhnen gebremst werden?

Wenn in Davos getagt wird, sind reichlich Kanzler und Präsidenten dabei (300 Staats- und Regierungschefs), und natürlich die Manager und Geldleute. Die Oxfam-Direktorin Byanyima darf das Treffen als Co-Vorsitzende leiten, aber ob sie genug anti-poverty-power gegen die Draghis, Junckers und Merkels freisetzen kann, ist eigentlich nicht die Frage.

Sie wird's nicht können, und der Trend geht weiter in die falsche Richtung. Kein Gleichheitsgewinn nach der wb-Formel =!=  →  =  ‼ sondern weitere Gewinne für das obere 1%. Wie könnte es anders sein, wenn die ganzen Verantwortlichen auf der Seite des Kapitals stehen?

Änderungen wird's erst geben, wenn die blinden Protestanten nicht mehr gegenseitig neutralisieren (siehe Blinder Protest und Die GroKo mit dem ProPo) , sondern wenn das Protestpotential richtig eingesetzt  wird. Sowas geht, wie man weiß. Die Leute müssen sich nur zusammentun, statt sich auseinanderdividieren zu lassen.

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