Metawelt der Superreichen

image_pdfimage_print

money-40603_640Derzeit kumulieren die Meldungen zur Reichtumspflege. Einmal erreichen uns Nachrichten aus der Schweizer Realität, wo nach wie vor Steuern hinterzogen werden, als habe es die ganzen Versprechungen zur Besserung nicht gegeben. Dann kommt's raus, dass die Reichen viel reicher sind, als man sich bisher träumen ließ. Aber wen wundert das angesichts der finanziellen Weltlage? (Bild: Memo, pixabay)

Eine Milliarde in Euromünzen passt nicht in einen Sack, sondern das ist ein Berg von ca. 1000 Kubikmeter Inhalt – das sei nur erwähnt, um sich auf die Dimensionen einzustimmen. Die Sachlage ist mit zwei Artikeln der Süddeutschen Zeitung umrissen, einmal ein Sammelartikel vom 10.2., Swiss-Leaks – Das Schwarzgeld ist nicht weg – nur woanders, der auf die Steuerflucht-Detailartikel der SZ verweist.

Auf der anderen Seite steht die Information vom 11.2. über die reichen Deutschen, Statistik über Vermögen – Sehr viel reicher als gedacht: Wenige Superreiche kontrollieren laut einer Studie des DIW demnach 15 Prozent der Vermögen, nicht wie vorher gedacht 5%. Dem oberen 1% gehört 1/3 statt wie gedacht 18%, den oberen 10% mehr als 2/3 statt 60%. Also besonders die Superreichen in Deutschland haben viel mehr Geld als angenommen. Das war eh schon viel zuviel, wie die ganzen Artikel zur Ungleichheit beklagen, und nun zeigt sich, es ist noch viel mehr.

Der Tatbestand wird bei nachrichten.de in die schönen Worte gefasst, Neue Untersuchung zum Vermögen der Reichen: Deutsche Superreiche sind noch superreicher. Ihnen gehören ca. 9 Bio. statt 6 Bio., und eine Billion, das ist eine Million Millionen. Als Geldhaufen werden aus 1 Bio. Euromünzen 1 Mio. Kubikmeter, ein Quader von 100 m Kantenlänge. 

Die Weltlage zwischen Steuerflucht und Superreichtum könnte nicht ungünstiger für die Allgemeinheit ausfallen. Mehrere Faktoren ergänzen sich zu einem schweren Ungleichgewicht, das die Allgemeinheit ins Hintertreffen bringt. Es geht ja nicht mit rechten Dingen zu, sprich offen und rechtskonform. Vielmehr wird manipuliert, betrogen und gelogen. Die neue Entwicklung der Finanztechnik verschärft das Problem noch zusätzlich.

Die Banken werden zu einem anonymen Stück Software, das irgendwo in der Computer-Wolke läuft. Das Geld fließt international und ist kaum noch zu orten. Lokal schmeißen die Bankenbosse die Service-Banker raus und schließen die Filialen. Das Geld wird heute woanders verdient. Der wirklich gut bezahlte Bankenservice dreht sich um Steuervermeidung und all die Handreichungen von Anwälten, Bankern und Beratern, die das Geld von der Allgemeinheit weg und hin zu den Oasen schleusen.

Dahinter steckt eine gewaltige Fehlallozierung. Die schlausten Köpfe überlegen nicht bloß, wie sie Leuten was andrehen können, das die gar nicht brauchen. Sie befassen sich auch damit, wie sie Gesetze umgehen können oder sogar brechen, wenn's keiner merkt. Gesetzesbruch ist in diverser Form dabei, wie die vielen Bankenskandale zeigen. Dazu der nicht onlinene SZ-Artikel Große Fluchten von Bastian Brinkmann, (10.2.):

Die Weißgeldstrategie (der Schweizer Banken) ist vor allem eine Weißwaschstrategie. Die verdächtigen Konten werden dort gekündigt, wo Kontrollen angekündigt sind, und dann werden sie in den Steueroasen neu eröffnet, wo keine Kontrollen anstehen. Das Schweizer Bankgeheimnis lebt weiter – in karibischen Staaten wie Panama und in asiatischen Steueroasen.

Die Schweizer Bank HSBC, um die sich der aktuelle Skandal dreht, hat demnach 30 Mrd. Dollar Kundengelder von der Schweiz nach Asien verschoben, nach Hongkong und Singapur, und 10 Mrd. nach Liechtenstein. Die ganzen Behauptungen, bei der HSBC sei Steuerhinterziehung kein Problem mehr, sind damit als Lügen enttarnt.

Jeder "problematische Kunde", den die eine Bank rausschmeißt, eröffnet demnach bei der nächsten Bank ein Konto, und wer woanders vor die Tür gesetzt wird, kommt zur HSBC. Die Kunden werden reihum weitergegeben, so der Artikel. Die ganz kriminellen Kunden nehmen sich eben Mittelsmänner, um weiter bei dem Reigen mitzumachen. Unterm Strich geht also alles weiter wie gehabt.

Alles andere wäre ein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Lobbyisten mitten im System sitzen. Der Luxemburger Steuerndieb Juncker steht der EU-Kommission vor, der italienische Bankenbeglücker Draghi leitet die EZB. Das Geld der Allgemeinheit wird in die Banken kanalisiert, die Euro-Rettung ist zu einer gigantischen Geldverschieberei geworden, bei der die Willkür triumphiert. Klar dass vieles davon bei den privilegierten Abzockern landet.

Deutschland ist ohnehin ein Lobbyparadies mit seiner hohen Parlamentarierdichte und dem verqueren System aus Bundestag und Bundesrat, die sich gegenseitig blockieren können. So gibt es in Deutschland eine große Parlamentarier-Gemeinde zu beackern, und wenn's auf Bundesebene nicht geht, dann erfolgt die Einflussnahme eben auf Landes- oder EU-Ebene. Irgendwer findet sich schon zum Querlegen, und die Lobby hat wieder ein Gesetz zur Tranparenz oder Ehrlichkeit ausgebremst.

Demzufolge darf man sich auf weitere Exzesse der Superreichen einstellen. Sie können die Kunstpreise in noch schwindelndere Höhen treiben (siehe auch Das göttliche Prinzip), sie können die Innenstädte um die teuersten Immobilien berauben, die dann leer stehen und urbane Wüste schaffen (siehe Neiddebatte aufgewärmt).

Eine Metawelt tut sich da auf. Es wird höchste Zeit, dass die Superreichen  geerdet werden. Wenn dazu dem Gesetz Geltung verschafft werden muss – wieso eigentlich nicht?

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