Islam und der Westen im Krieg

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2._Holbein_death_merchant.300dpiIslam and the West at War, so heißt der Artikel von Roger Cohen in der New York Times vom 16.2. Der dänische Premierminister wird zitiert: Wir sind nicht in der Mitte einer Schlacht zwischen Islam und dem Westen. Das ist kein Kampf zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, es ist eine Auseinandersetzung zwischen den Werten des Menschenrechts und einer finsteren Ideologie.

Mitnichten, sagt Roger Cohen, auch wenn der US-Präsi Obama so ähnlich denkt und von gewalttätigen Extremisten redet, hält die Aussage der Hinterfragung nicht stand. Tatsache ist, dass sich der Westen mit einer Anzahl von Ländern oder Landesteilen mehr oder weniger im Krieg befinde. Die Liste ist beeindruckend lang: Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan, Pakistan, Algerien, Ägypten, Jemen, Nigeria.

Die sogenannte ISIS sei nur die letzte Manifestation dieser Verhältnisse, und das mit "finsterer Ideologie" zu bezeichnen, sei so euphemistisch, als würde man die Nazis als bloße Reaktion auf die Verletzungen Deutschlands durch die Weltkrieg-1-Reparationen verstehen.

Vielmehr gehe es bei dieser islamistischen Bewegung um metatstasenähnlich sich verbreitenden mörderischen Hass gegen die westliche Zivilisation. Getragen werde die Bewegung von einigen zehn Millionen Muslimen, und die Anzeichen lassen sich nicht wegreden. Zentrale Elemente der demokratischen Systeme stehen im Visier der Neuerbauer des Kalifats.

Als Anlass zu Auseinandersetzungen dienen nicht nur "Provokationen", sondern der Hass sucht sich seinen Weg auch unprovoziert, allein aufgrund missliebiger Religionszugehörigkeit wie bei Juden. In den 13 Jahren seit 9/11 hat die Welt zahlreiche Attacken gesehen, Bomben in Madrider Zügen, Bomben in Bus und U-Bahn in London, Köpfung westlicher Journalisten, das Massaker von Charlie Hebdo und getötete Juden in Frankreich, Belgien und nun Holland. Wo liegt die Schuld?

  • Die eine Schule sagt, der Westen sei schuld wegen der ewigen Unterstütung des israelischen Imperialismus', seiner Kriege wie im Irak, seiner Brutalität (Guantanamo, Abu Ghraib), der Drohnenkillerei, seiner ölbetriebenen Heuchelei (Unterstützung Saudi-Arabien)
  • Die andere Schule sieht den Fehler eher im Versagen der arabischen Welt, in ihrer Unterdrückung, in ihren blockerten Gesellschaften mit den unzureichenden Staatsorganisationen, wo Diktatoren gegen den politischen Islam anregieren, in der bigotten Diskriminierung und Korruption, im Mangel an Jobs, Sicherheit, Infrastruktur

Der Autor glaubt an die zweite Version. Der Aufstieg des "islamischen Staats" ist demnach eine direkte Folge des allgemeinen arabischen Staatsversagens. Und damit auch der neue Krieg, den Obama gegen diese Bewegung führt, um die "rastalockigen, heiligen Krieg verbreitenden" Gesellschaften der arabischen Welt zu zähmen.

Die Lösung des Konflikts könne aber nur von den Arabern ausgehen, so Cohen, und die Welt werde im Rückblick nicht viel vom Versagen Obamas halten, die arabischen Freiheitsbewegungen angemessen zu unterstützen. Der Arabische Frühling als verpasste Chance, das ist die Sicht des NYT-Artikels.

Wer von finsterer Ideologie spreche, gehe an der Realität des Konflikts zwischen dem Westen und dem Islam vorbei und unterminiere zugleich den Kampf der anti-islamistischen Muslime – und das seien letztlich diejenigen, die den "Todeshändlern" (death merchants) entgegentreten können.

(Death Merchant ist ein gängiger Begriff für Killer, dazu das Holbein-Bild von Paul650, Wikimedia Commons; die amerikanische Fassung unterscheidet nicht zwischen islamisch und islamistisch, das wurde hier passend eingesetzt.)

Siehe auch „ISLAMISIERUNG“ I und „ISLAMISIERUNG“ II und Blinder Protest

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16 Antworten auf Islam und der Westen im Krieg

  1. Mit diesem Kommentar stelle ich einen Erklärungsversuch zur Diskussion. Die Muslime in der  arabischen oder auch afrikanischen Welt, wir lassen es mal bei diesen zwei Regionen, wachsen heran in dem Wissen, dass ihr Glaube der einzig richtige ist, nur ihr Gott den Namen verdient. Sie wachsen aber auch in der immer stärker werdenden Erkenntnis heran, dass sie als Anhänger der einzig wahren Religion im wirtschaftlichen und kulturellen Konzert der Welt absolut keine Rolle spielen. Ihr Gott, der allen Göttern überlegen sein soll, sorgt nicht im Mindesten dafür, dass sie den nichtmuslimischen Menschen auf der Welt ebenso überlegen sind, das Gegenteil ist der Fall. Als Konsequenz überhöhen sie ihre Religion immer mehr, was zu den bekannten Auswüchsen, gemeint sind Verbrechen, führt.   

  2. Klarsicht sagt:

    Zitat von „Uwe Hillebrand“: „Als Konsequenz überhöhen sie ihre Religion immer mehr, was zu den bekannten Auswüchsen, gemeint sind Verbrechen, führt.“   

    Sicher überhöhen Muslime ihre Religion. Das tun sie genauso, wie es die Juden oder Christen tun. Zur Rechtfertigung der „Religions-Überhöhung“ können sie jeweils auf die Bibel und den Koran verweisen. Dort wurde jeweils ein „Auserwähltheitsdünkel“ installiert und kultiviert. Insoweit verweise ich auf mein Video im nachfolgenden Link.

    Es kann sein, dass ich schon anderen Ortes bei „wb“ auf das Video verwiesen habe.

    Auserwähltheitsdünkel in Bibel und Koran:

    https://www.youtube.com/watch?v=b3dykW-HCYs

    Man sollte evtl. bei der Beurteilung der intellektuellen Qualität der Schriften von Bibel und Koran mildtätig berücksichtigen, dass man es mit Grundlagen von „Wüstenreligionen“ zu tun hat. Bei Abfassung der Schriften könnte daher die Hirnleistung der uns unbekannten Autoren zumindest punktuell nachteilig durch die „Wüstenhitze“ beeinflusst gewesen sein.

    :camel:

    Es grüßt

    Klarsicht

  3. Wilfried Müller sagt:

    Lieber Klarsicht, das geht unter die Gürtellinie. Ich kann da mir an die eigene Nase fassen, weil ich die Religiösen auch schon reichlich geschmäht und der Unvernunft bezichtigt habe. Aber wir sollten  keine unnötige Herabsetzung betreiben, das ist unhumanistisch. Die Erklärung von Uwe Hillebrand kommt mir plausibel vor. Zusätzliche Motivation liefert der Aufsteigeraspekt für die Unterprivilegierten, zu "Respektspersonen" zu werden, indem sie Jihad betreiben.

  4. Klarsicht sagt:

    In jeweils dem Augenblick, in dem man mein „ungehobeltes“ Schreibwerk liest, was sich mit Religion, Glauben, Gläubigen und den Amtskirchen befasst, kann wohl so manches Mal der subjektive Eindruck entstehen, dass ich mit meiner Diktion und Auffassung zu weit gegangen bin. Würde man sich aber – wenn es ginge – im selben Augenblick auch nur teilweise daran erinnern und vor Augen haben, wie harsch, arrogant und sonst wie negativ vonseiten der Religion, der Gläubigen und Amtskirchen so manches Mal mit Atheisten, Agnostikern und Konfessionslosen umgegangen wurde, so würde sich der angesprochene negative Eindruck mit ziemlicher Sicherheit sofort stark abmildern oder sich sogar als unberechtigt erweisen.

    Im übrigen verweise ich auf den Inhalt des folgenden Links:

    http://www.randomhouse.de/leseprobe/Der-neue-Tugendterror-UEber-die-Grenzen-der-Meinungsfreiheit-in-Deutschland/leseprobe_9783421046178.pdf

     

     

     

  5. Klarsicht sagt:

    Mein Hinweis auf den Link möge bitte nicht falsch verstanden werden. Hier herrscht natürlich kein „Tugendterror“ !

    Du bist hier die „Autorität“ und bestimmst, welche „Tonart“ gepflegt werden soll.

    Das satirische Bild finde ich köstlich !

    :swiss:

  6. Wilfried Müller sagt:

    Ich sage hier auch ganz klar, dass wissenbloggt mit Thilo Sarrazin nix zu tun haben will, aber ich gehe nicht so weit, den Link zu zensieren.

  7. Klarsicht sagt:

    Zitat von Wilfried Müller: „Ich sage hier auch ganz klar, dass wissenbloggt mit Thilo Sarrazin nix zu tun haben will, aber ich gehe nicht so weit, den Link zu zensieren.“

    Oha aber auch. Da habe ich mich mit dem Hinweis auf den Link ja wohl noch so eben und eben innerhalb des Rahmens der Toleranz bewegt, der hier Geltung hat.

    Ich meine, dass ich es „wb“ durch meinen Kommentar nicht zugemutet habe, mit Thilo Sarrazin etwas zu tun haben, so dass ich die obige Distanzierung gegenüber seiner Person gar nicht herausgefordert habe. Im Link befindet sich ja auch nur ein ganz kleiner Teil von dem, was er in seinem Buch „Der neue Tugendterror“ geschrieben hat. Steht denn selbst in dem Teil derart Schlimmes, dass „wb“ auch schon mit ihm nichts zu tun haben möchte ? Doch wohl nicht.

    Die Entscheidung, die hier getroffen wurde, muss man natürlich respektieren, aber ich halte sie für inkonsequent. Sie ist es deswegen, weil man sich z. B. mit den Schriften, auf die sich die Apologeten von Christentum und Islam stützen, ständig kritisch auseinander setzt, obwohl sie in weiten Teilen mindestens so fragwürdig sind, wie von vielen Lesern der Inhalt der Bücher von Sarrazin ganz oder teilweise empfunden wird. Es wäre deswegen konsequent, sich auch mit dem Inhalt seiner Bücher kritisch auseinander zu setzen. Und ist es human zu erklären, mit der Person T.S. nichts zu tun haben zu wollen ? 

    Ich hoffe, dass ich mit diesen Zeilen nicht die Sympathie aufs Spiel gesetzt habe, die ich bei Dir mir gegenüber in gleicher Weise als vorhanden vermute, wie sie bei mir Dir gegenüber gegeben ist.

    Es grüßt Dich

    Klarsicht

  8. Nun habe ich mit meinem Kommentar einen Erklärungsversuch für das Verhalten so vieler Muslime zur Diskussion gestellt, und heraus kommt – wie so häufig – fast nichts anderes als wie so oft die Selbstdarstellung von "Klarsicht". Schade, denn ich hatte eigentlich ein bisschen mehr erwartet.

  9. Saco sagt:

    Wir haben uns, in diesem blog, dem Humanismus verschieben. Das ist eine gute Sache. Insofern sollten wir nicht unsere Energie in einer gegenseitigen Kritik vergeuden. Ganz unterhalb der Gürtellinie ist nach meinem Empfinden die ernst gemeinte Drohung ewiger Feuerfolter sowohl im Koran (Sure 4) als auch  in der Bibel (Johannes – Offenbarung). Diese Drohungen führen zu Außenaggressivität (Selbstmordattentate) und Innenaggressivität (endogene Depressionen). Sie rechtfertigen nahezu jede Kritik an diesen beiden Systemen. Beide Systeme sind fundamentalistisch und gehören abgeschafft bzw. ersetzt durch irgendwie für unsere Kinder erträgliche Formen von Religion. Diese Formen müssten grundgesetzkonform sein und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Würde des Menschen ist durch Folterandrohungen schwerstens verletzt. Keiner von uns hat etwas gegen eine Religion einzuwenden, die gesetzeskonform gestaltet ist und den Frieden unserer Kinder nicht stört. Und sie nicht später in die Geschlossenen treibt. Besinnen wir uns also auf eine Aufgabes, die ich sehe: Die Bekämpfung totalitärer religiöser Systeme und die Erschaffung einer für alle tolerablen Transzendenz – denn den Gedanken Transzendenz  können wir  nicht abschaffen. Der seiner  Umwelt sich so oft hilflos ausgeliefert fühlende  Mensch benötigt sie. Nur wenige können Atheisten sein. 

     

     

  10. Ich bin auch der Meinung, dass hier keine Kleinkriege zwischen Humanisten geführt werden sollten. Davon haben wir "draussen" reichlichst.

    Hier sollte immer das redliche Bemühen der Beteiligten im Vordergrund stehen, selbst dann, wenn man nicht immer bis ins Detail folgen mag.

    Es liegt ja gerade im Wesen des Humanismus, dass jeder seinen eigenen Blickwinkel hat und sich (glücklicherweise) nicht an irgendwelchen Dogmen ausrichtet. Deshalb steht bitte zusammen und bedenkt unser Motto:

    Weltliche Menschen für eine menschliche Welt.

  11. Wilfried Müller sagt:

    Ich stimme mit Frank und Saco überein, danke, und danke auch Uwe Hillebrand für seine intelligente Erklärung, auf die ich übrigens eingegangen bin. Der Seitenhieb auf Klarsicht war aber überflüssig. Die Darstellungen von Klarsicht sind bei wb stets willkommen, sogar wenn ich kontrovers drauf eingehe. Vom Sarrazin muss ich mich distanzieren, weil er polarisiert und sachliche Diskussion unmöglich macht. Das soll keine Pauschalverurteilung sein, sondern Pragmatismus. Eigentlich bin ich für die differenzierte Auseinandersetzung mit allen, und ich möchte mit der Kraft des Arguments den humanistischen Standpunkt durchsetzen. Es gibt aber zuviele Empfindlichkeiten, die das  unmöglich machen, und darauf nehme ich Rücksicht. Das ist dann auch ein Beitrag zum Frieden unter Humanisten.

    Anmerkung: der Link in der Kommentarleiste von Frank landet bei http://navigationshilfe1.t-online.de/dnserror?url=http://www.die-humanisten.org/ 

  12. Frank Berghaus sagt:

    @Wilfried:

    Danke für den Hinweis! es war mir noch gar nicht aufgefallen. Habe das nun rausgenommen :-)

  13. pinetop sagt:

    Ich habe den Eindruck, dass es der dänische Premierminister nicht fertigbringt,die Tatsachen sehen und aussprechen zu wollen. 

     

     

  14. pinetop sagt:

    Es ist doch zu offensichtlich, dass die Herrschaft des Christentums oder des Islams Gesellschaften in geistige Finsternis und damit in einen allgemeinen Niedergang führt. Das ist schon festzustellen für die Zeit als sich das Christentum des Römischen Reichs bemächtigte. Und der gesellschaftliche Aufstieg begann im 15. und 16. Jahrhundert in Europa als es die Menschen wagten, unabhängig von religiösen Dogmen zu denken. Das Gleiche im Islam. Der Niedergang setzte bereits um 1200 ein als die Orthodoxie endgültig siegte. Dieser Niedergang wird auch in den meisten islamischen Ländern festgestellt. Der oft wahrzunehmende Ratschlag ist, das Heil in verstärkter Frömmigkeit zu suchen. Ein Ratschlag der endgültig in den Abgrund führen wird.

    Der Hinweis auf den Kolonialismus ist nur als faule Ausrede zu bezeichnen. Südkorea war nach dem Ende der japanischen Herrschaft genau so vom Kolonialismus gezeichnet. Die Koreaner schafften aber den Erfolg, weil sie sich nicht in einer monotheistischen Gefangenschaft befanden.   

  15. Wilfried Müller sagt:

    Ich kann pinetop nur zustimmen. Die Frage kommt nun aber, was ist dagegen tun? Dazu nochmal mein Vorschlag, endlich die Finanzwelt zu regulieren und transparent zu machen. Die Kalifen und Kriegsherren sollen keine Gelder verstecken können und keine heimlichen Waffenkäufe tätigen können.

  16. Wilfried Müller sagt:

    Am 8.3. bringt tagesschau.de den Artikel IS veröffentlicht "Manifest über die Frau" – Der Dschihadistinnen-Knigge. Da geht es gegen westliche Zivilisation, westliches Denken, westliche Wissenschaften, westliche Erziehungsmodelle, westlichen Feminismus, westliche Emanzipation und "korrupte und schäbige Ideen" an Stelle von Religion. Und "Es ist immer wünschenswert für eine Frau, unsichtbar und verhüllt zu bleiben, um die Gesellschaft aus dem Verborgenen heraus zu unterstützen."

    Konsequent menschenverachtend nennt tagesschau.de das, und so traurig wie der globalisierte Fundamentalismus insgesamt. Und für jeden halbwegs vernünftigen Menschen abstoßend – ob Jude, Christ oder Muslim. Download der Audiodatei

    Was wohl nicht so auffiel, war die Ablehnung der westlichen Wissenschaften. Wenn die IS-Protagonisten das durchziehen würden, wären sie bald von alleine erledigt. Dann gibt's Pfeil und Bogen statt Gewehr, Rauchzeichen und Trommelsignale statt Handy und Eselreiten statt Autofahren.

    Links dazu: Emanzipatorisches Zoffpotential liegt brach und Religion richtet schweren Schaden an

    Wer's heftig mag, kann sich auch die Mohammed-Biografie von atheisten-info.at anschauen, wo der Prophet als analphabetischer Wegelagerer und Terrorist geschildert wird. Man bedenke aber, so waren die Zeiten, und wenn nicht Mohammed eine Religion gestiftet hätte, dann ein anderer Gleichgesinnter.
     

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