Kein staatlicher Unterricht in Gebetshäusern!

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Der gbs Jena verdankt wissenbloggt eine Pressemitteilung zum Thema Islamunterricht (3.3.). Offiziell firmiert die Jenaer und Weimarer Gruppe als giordano bruno stiftung Mittelthüringen. Die Pressemitteilung ist eine Erwiderung auf die Äußerungen des Erfurter Bischofs Neymeyr, wonach der staatliche Islamunterricht auch in Moscheen abgehalten werden könne. Die Pressemitteilung kann im Original hier aufgerufen werden. Bei wissenbloggt wird sie von einem Anhang aus einschlägigen Links zum Thema ergänzt.

 

Kein staatlicher Unterricht in Gebetshäusern!

Die Regionalgruppe Mittelthüringen im Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung (kurz: gbs Mittelthüringen) kritisiert die jüngste Wortmeldung des neuen Erfurter Bischofs Ulrich Neymeyr. Dieser hatte sich in einem Interview gegenüber der Thüringer Allgemeine für die Einführung von islamischem Bekenntnisunterricht an Thüringer Schulen ausgesprochen. Dem Umstand, dass es jedoch gar nicht genügend Bedarf für einen solchen flächendeckenden Unterricht gibt, will er damit begegnen, die wenigen Schüler zentral in den Moscheen zu unterrichten – wohlgemerkt zu Lasten der Staatskasse und damit auch auf Kosten der zu 70 % konfessionsfreien Thüringer! Seinen Vorschlag begründete Neymeyr unter Verweis darauf, dass in Thüringer Gegenden mit nur sehr wenigen Katholiken die Schüler „auch mal in Pfarreien zusammenkommen, um unterrichtet zu werden“.

Auch nach der geltenden Gesetzeslage – die Religionsunterricht an den Schulen zur Pflicht macht – verstößt diese Praxis aber gegen den Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche. Maximilian Steinhaus, Sprecher der gbs Mittelthüringen, meint hierzu:

Dass der Staat für die Religionsgemeinschaften überhaupt die Missionierung von Kindern organisiert ist bereits ein Skandal. Dass er sie auch noch in den Gotteshäusern auf eigene Rechnung vornehmen soll, zeigt nur die Absurdität des Systems. Dann kann man den Religionsunterricht auch gleich dort belassen, wo er im 21. Jahrhundert hingehört: im privaten Raum und nach Unterrichtsende!

Unglaubwürdig wirkt der Erfurter Bischof auch, wenn er sich einerseits für den Islamunterricht ausspricht und anderseits die unüberbrückbaren Probleme selbst benennt: So sei das Problem für den Staat, dass er anders als bei den christlichen Kirchen keinen einheitlichen Ansprechpartner habe, da sich der Staat einer Vielzahl islamischer Gruppen gegenüber sehe. Hierzu noch einmal Steinhaus:

Für einen staatlichen Religionsunterricht ist der einheitliche Ansprechpartner aber gerade unabdingbar, denn sonst muss der Staat entscheiden, was islamisch ist und was nicht. Dies hat mit weltanschaulicher Neutralität dann nicht im Geringsten mehr etwas zu tun. Es ist daher offensichtlich, dass die Kirche mit ihrer vehementen Unterstützung des Islamunterrichts nur versucht, ihre eigenen Religionsunterricht zu sichern.

Die muslimische Gemeinde hat im Interview mit der TLZ aber selbst eingeräumt, dass die ca. 7.000 Muslime in Thüringen „aus ganz unterschiedlichen Glaubensrichtungen“ kommen. Wörtlich heißt es: „Die Erfurter Moschee bekennt sich zu keiner direkten Strömung des Islam. Wir befolgen den Koran, das Gesetz des Propheten, die Sunna. Man kann uns also konservativ nennen.“ Es ist daher vollkommen undenkbar, dass diese heterogene Gemeinschaft dem Staat verbindlich mitteilen könnte, welche Auslegung er in der Schule vermitteln soll. Dieses Problem wird sich durch den erwarteten Anstieg von Flüchtlingen aus islamisch geprägten Ländern eher noch zuspitzen: Je nachdem ob gerade eher Sunniten, Schiiten oder Aleviten fliehen, kann sich das Verhältnis der Glaubensrichtungen unter den wenigen tausenden Muslimen in Thüringen schnell umkehren. Soll dann auch jedes Mal der Islam-Lehrplan angepasst werden? Ganz abgesehen davon, dass diese Menschen gerade vor den islamischen Regimen und ihrer orthodoxen Interpretation geflohen sind. Steinhaus: „Diesen Menschen muss es wie Hohn vorkommen, dass ausgerechnet ein säkularer Staat wie Deutschland einen staatlichen Islamunterricht schaffen will. Den Religionsunterricht nun auch noch in die Gebetsräume abzuschieben, erhöht nur den Indoktrinierungsdruck auf Eltern und Kinder.

Die gbs Mittelthüringen appelliert daher erneut an die Landesregierung, Toleranz gegenüber Muslimen nicht mit einer aktiven Förderung individueller Glaubensbekenntnisse durch den Staat zu verwechseln.

Wer wir sind:

Die gbs ist eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die sich am Leitbild des evolutionären Humanismus orientiert und der sich viele renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angeschlossen haben. Unsere Regionalgruppe vertritt die Positionen der gbs in Mittelthüringen und befindet sich in der Phase der Vereinsgründung.

Kontakt: Maximilian Steinhaus (Sprecher)

 

Anhang mit Links zur Glaubens- und Indoktrinierungslage, gesammelt von wissenbloggt – Religionsunterricht legt die Schüler auf eine Religion fest und ist deshalb in solcher Form abzulehnen:

  • London council defends criticism over claims pork was banned in its primary schools (The Independent 12.2.): A north London council has defended itself over criticism it does not serve pork in its primary schools because of the cost of monitoring each child in case they are religiously or culturally forbidden from eating the meat (Original Islington Gazette).
  • Zwingen Sie Ihre religiösen Ansichten nicht Ihren Kindern auf (Richard Dawkins Stiftung für Vernunft und Wissenschaft 22.2.): Letzte Woche wurde in der Islington Gazette berichtet, dass der lokale Regierungsrat des Londoner Stadtteil Islington Schweinefleisch-Produkte aus dem Essen der Grundschule verbannt hat.
  •  Um Himmels Willen: Was die Christen aus der Kirche treibt Viele Kirchenaustritte aus Geldersparnis (Westfälische Nachrichten 22.2.): Ein Interview über die Austrittsgründe.
  • »Öffentliche Kassen werden systematisch angezapft« (junge Welt 20.2.): In Sachsen gibt es relativ wenig Christen – dennoch kassierten die Kirchen seit 1993 über 403 Millionen Euro.
  • Umfrage: Jeder Dritte in Thüringen glaubt an Gott (Thüringer Landeszeitung 18.2.): Jeder Dritte in Thüringen glaubt an Gott. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Insa-Umfrage für die TLZ in Thüringen. Ergebnis auch: je älter, desto gläubiger, nicht jeder Gläubige ist auch Kirchenmitglied, und es wird heftig ausgetreten.
  • Schulen in Frankreich – Religionen auf Frankreichs Lehrplan (Frankfurter Rundschau 22.1.): Da geht es aber nicht um Mission, sondern um Aufklärung.
  • Zum Thema "Islamisierung der Muslime" (Deutsche Islamkonferenz 10/14) zitieren wir den Erfurter Islamwissenschaftler Jamal Malik: Jetzt werden Muslime in muslimischen Minderheitsregionen (wie D) in einem Maße islamisiert, wie es in ihren Herkunftsländern niemals der Fall war. … In der Tat finden sich Muslime vermehrt aus dem von ihnen wahrgenommenen Grund ihrer Diskriminierung, nämlich ihrer religiösen Zugehörigkeit, zusammen. … Es geht um eine Domestizierung und Homogenisierung des Islam – obwohl die Muslime wie ein bunter Flickenteppich sind. Zur Deutschen Islamkonferenz sagte Malik: Auch da geht es um die Islamisierung der Muslime. Da werden Leute nominiert, die mit dem Islam nur am Rande zu tun haben, und plötzlich sind sie Vertreter in der Deutschen Islamkonferenz.
  • Islam in Deutschland – Machtkampf um die wahre Lehre (SZ 2.2.): Wer deutet den Koran in Deutschland? Die muslimischen Verbände pochen auf mehr Einfluss und provozieren damit islamische Professoren.
  • Koranschulen gehören nicht zu Deutschland (wb)
  • Indoktrinierung wirkt (wb)
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