Wiedergeburt oder nicht, und wenn ja, wo?

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baby-592595_640Die christliche Version der Wiedergeburt nennt sich Taufe, aber das ist nicht das Gemeinte. Die Auferstehung Christi kommt der Sache näher, sie ereignete sich 0…1 Mal, je nach Quelle. Beim tibetischen Lamaismus (laut wiki Buddhismus in Tibet) findet die Wiedergeburt des Dalai Lama turnusgemäß statt. Wenn der alte D.L. gestorben ist, gehen die Findungskommissionen übers Land und suchen den neuen D.L. in Form eines Kleinkinds. Darin bekommen sie jetzt Konkurrenz (Bild: chetank_webdesiner, pixabay).

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN.DE schreiben am 9.3. in Dalai Lama – China besteht auf Wiedergeburt: Der Dalai Lama denkt laut darüber nach, nach seinem Tod die Tradition der Wiedergeburt des religiösen Oberhaupt der Tibeter zu beenden. Offenbar befüchtet der 79-Jährige, dass China den Ritus unter seine Kontrolle bringen will. Dasselbe Thema heißt bei derStandard.at Dalai Lama und Tibet streiten um Wiedergeburt (auch 9.3.): Tibetischer Parlamentschef: "Das hat nicht der Dalai Lama zu entscheiden"

Erstaunlich ist dabei der lockere Umgang mit der religiösen Doktrin. Eigentlich meint man zu verstehen, dass Wiedergeburt bedeuten müsse, die Seele bleibt erhalten und schwuppt in den nächsten Menschen rein. Dass die Reinkarnation nach menschlichem Gusto zu variieren geht, ist irgendwie ganz unkatholisch.

Natürlich hat der Lamaismus nur 500 Jahre Tradition und nicht 2000, aber die Mutterreligion Buddhismus hat noch mehr Staub angesetzt. Trotzdem hat man den Eindruck, sie sei weniger altmodisch als der Lamaismus. Da geht es nicht so sehr um dessen Frauenunterdrückung und Tendenz zur Leibeigenschaft, sondern um den Aufwand, den das bettelarme Land für seine Religion trieb. Etwa 1/10 der Bevölkerung lebte als Mönch und war von den Gaben der Restbevölkerung abhängig. Das war schon mal eine schwere Belastung.

Verschärfend wirkte das allzumenschliche Verhalten der Mönche. Zum Nachweis ihrer Nützlichkeit erfanden sie Tausende von Geistern, die beschworen werden mussten und darüber befanden, nach wo sich die Eingangstür öffnete und wo der Hausaltar stand und solche Sachen. Die Rede ist auch von 700 lamaistischen Göttern im theoretisch atheistischen Buddhismus.

Die chinesische Argumentation bei der Unterwerfung von Tibet sprach von Tibet als ›Hölle auf Erden‹ (Elliot Sperling,Institut für zentral-eurasische Studien, Indiana Universität, 2009). Der Link zeigt aber, das das zu relativieren ist. Außerdem tat Mao ja auch sein Bestes, um China in eine Hölle auf Erden zu verwandeln. 

Auf den Großen Sprung nach vorn (= Illusionismus mit 20 Mio. Toten) folgte die chinesische Kulturrevolution (= Kultur und Kulturträger eliminieren). Interessant ist in diesem Zusammenhang die Parallele mit den entsprechenden Aktionen des sogenannten IS. Da gab es auch einen Sprung nach vorn (mit Toten unterhalb vom Millionenbereich), und nun läuft dort die Kulturrevolution auf islamisch (= Abschaffung von Wissenschaft und Kultur).

Der Dalai-Lama-Streit ist auch eine Art Kulturrevolution, könnte man sagen. Jedenfalls sollte man sich nach dem Ableben des jetzigen D.L. gut unter den Babys umschauen, ob nicht eins die Reinkarnation des D.L. ist. Was die Chinesen können, können andere auch.

 

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