Essenzialisten ohne Essenz

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puzzle-432569_640Man könnte die Homöopathen auch Essenzialisten ohne  Essenz nennen, weil in ihren Fläschlein effektiv nur Wasser drin ist. Wer trotzdem mit ihnen homöopathisiert, hat's schwer. Denn jetzt kommt's wieder mal raus, pauschal gesagt: Keine Wirkung ohne Wirkstoffe. Homöopathie ist Unsinn (Bild: geralt, pixabay).

Homöopathie wirkt nicht besser als Placebos. Eigentlich ist Homöopathie nur ein anderer Name für Placebo. Aber es ist auch eine Methode, Wasser extrem teuer zu verkaufen. Deshalb macht das am Ende doch Sinn, aber nur für die Verkäufer.

 Globuli – Homöopathie ist nicht besser als Placebo (ZEIT ONLINE 12.3.): Je höher die Verdünnung, desto größer die Wirksamkeit? Die Auswertung von mehr als 1.800 Studien zeigt: Wer Homöopathie wählt, setzt mitunter seine Gesundheit aufs Spiel.

Der Zeit-Artikel zitiert eine Metastudie der australischen Regierung (National Health and Medical Research Council): NHMRC Statement on Homeopathy and NHMRC Information Paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions: NHMRC concludes that there are no health conditions for which there is reliable evidence that homeopathy is effective.

Es gibt keine Krankheit, bei der Homöopathie erwiesenermaßen wirksam ist. Homöopathie sollte auch nicht bei chronischen oder schwerwiegenden Leiden angewandt werden. Wer Homöopathie wählt, setze seine Gesundheit aufs Spiel, wenn er eine wirksame und sichere Behandlung ablehnt oder hinauszögert.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wusste das schon am 9.4.14: Große Homöopathie-Studie – Hilft weder gegen Migräne noch gegen Asthma. Verblüffenderweise ist in dem 2014 datierten Artikel auch schon von der 2015-Studie NHRMC die Rede: Niederschmetternd für die Verfechter der Homöopathie: Australische Wissenschaftler finden in einer umfangreichen Studie heraus, dass die Mittel bei einer ganzen Palette häufiger Krankheiten nicht besser wirken als Placebos.

In der toleranten Schreibweise der FAZ stehen drei harte Aussagen in der neu erschienenen australischen Übersichtsstudie zur Homöopathie:

  1. Bei vielen Krankheiten helfen homöopathische Mittel nicht besser als Placebos.
  2. Die Studien mit der gegenteiligen Behauptung seien seien nicht solide gemacht und damit auch nicht verlässlich.
  3. Für andere Krankheiten könne noch nicht entschieden werden, ob Homöopathie hilft – denn obwohl es erste Studien gibt, fehle die Evidenz völlig.

Die positiven Wirkungen, die manche Studien bei den Homöopathika festgestellt haben wollen, müssten aber nochmal seriös überprüft werden, ob sie auch wirklich nicht auf Placeboeffekte zurückzuführen sind. Ein homöpathischer Hoffnungsschimmer bleibt also trotz der fundamentalen Kritik. Ausgenommen sind die aufgelisteten Krankheiten, bei denen verlässlich nachgewiesen ist, dass Homöopathie nicht besser wirkt als Placebos: Asthma, Angststörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Durchfall bei Kindern, Schmerzen nach Zahnbehandlungen und nach orthopädischen Eingriffen, Erkältungen, Warzen, Muskelkater, prämenstruelles Syndrom, Erleichterung bei Geburtswehen.

Wer sich längere Listen von Gebrechen ansehen mag, wird in dem FAZ-Artikel gut bedient. Immer wieder ist die Rede von der schlechten Qualität der Untersuchungen. Unter Umständen sei es nicht möglich gewesen, die allerneuesten Untersuchungen einzubeziehen, aber an dieser möglichen Limitierung stören sich die Forscher nicht. Zuviel Unfug dabei, vermutlich. Bei leichteren Krankheiten verfüge der Körper über Selbstheilungskräfte, und die seien der Grund, warum ein Infekt rasch wieder abklinge, nicht die Wirkung von homöopathischen Mitteln.

Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie in diesem Fall bitte nicht Ihren Homöopathen. Allerdings,wer begibt sich schon gern der Möglichkeiten, die da schlummern mögen? Bei hochpotenten Mitteln? Die folgenden Links sind doch auch schon 1000mal geteilt und immer noch wirksam? Oder hat die Homöopathie uns bloß 1000mal gelinkt?

 

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4 Antworten auf Essenzialisten ohne Essenz

  1. Peter H. sagt:

    Keine Einwände gegen die Kritik an der Homöopathie.

    Beim Comic möchte ich aber anmerken – man kann Placebos durchaus dosieren:

    – zwei Placebo-Pillen wirken stärker als eine
    – große Pillen stärker als kleine
    – teure Pillen besser als billige (die Homöopathen tun also ihren Patienten einen Gefallen, dass sie ihre Zuckerkugeln zu überhöhten Preisen verkaufen)
    – Pillen vom Arzt im Kittel besser als Pillen vom Arzt im T-Shirt und die besser als die Pillen von der Krankenschwester
    – Wirkung hängt auch von der Farbe der Pillen ab

    Wenn Sie noch mehr Wirkung brauchen – Spritzen sind dann noch stärker als Tabletten.

    Siehe z. B:

    Commercial Features of Placebo and Therapeutic Efficacy, Rebecca L. Waber; Baba Shiv;Ziv Carmon; et al.; 2006

    Deconstructing the Placebo Effect and Finding the Meaning Response von Daniel E. Moerman, PhD, and Wayne B. Jonas, MD; 2002

  2. Peter H. sagt:

    Ich bin gerade darüber gestoßen bin, dass man selbst den Inhalt seines Staubsauberbeutels gewinnbringend verkaufen kann: http://www.helios.co.uk/shop/vacuum-cleaner-dust

    Vor nichts zurückschreckend habe ich mir dann auch die Liste der "imponderable" Mittelchen anzeigen lassen – dort findet man:

    – Black Hole (woher bekommen die sowas?)
    – Vacuum (wie verdünnt man das?)
    – V.D.U (was ist das?)
    – Time (wogegen hilft das?)

    http://www.helios.co.uk/shop/search/taxonomy/imponderable/list

     

    Und da bräuchte ich nun Hilfe – wie will/kann/soll man mit jemand diskutieren, der sogar an die heilende Wirkung von verdünntem Vakuum glaubt?

     

  3. Wilfried Müller sagt:

    Ein anderer Link zum Thema hieß Schule für Zauberei gesucht – Suchen Sie nicht weiter; gehen Sie nach Traunstein! Nun kommt's raus, man muss gar nicht nach Traunstein gehen, denn München reicht. Der Spiegel berichtet (laut Schlußsatz des Artikels) über einen "Hort für Scharlatane mitten an der Universität". Wer so schreibt, schreibt womöglich mitten an der Realtät vorbei.

    Aber nein, das ist alles wahr. Quacksalber-Tagung an TU München: Wenn Scharlatane die Uni räuchern heißt der Spiegel-Artikel (28.10.). Demnach hat sich der pseudowissenschaftliche "Weltkongress der Ganzheitsmedizin" einen festen Platz an Münchner Unis erarbeitet. Den zahlenden Gästen wird ein buntes Programm mit Heilern, Schamanen und Wissenschaftlern aus aller Welt geboten. Aus der Spiegel-Kritk: Tatsächlich leben die Wunderheiler davon, Angst vor der wissenschaftlichen Medizin zu schüren, um den verunsicherten Patienten leichter für wirkungslose Quacksalberei das Geld aus der Tasche ziehen zu können.  

    Die offizielle Ankündigung vom "Weltkongress der Ganzheitsmedizin" bedroht uns "in der Technischen Universität München mit Vorträgen, Workshops, Praxis-Seminaren, Demonstrationen, Ausstellung und Open Healer Forum mit Heilern, Schamanen, Therapeuten & Wissenschaftlern aus aller Welt." Nach wb-Insiderinformationen seien die Leute, die diesen Kongress an der TUM abhalten wollen, schon aus der LMU (der anderen Münchner Uni) rausgeschmissen worden. Letztes Semester habe die LMU dieser Quelle nach noch eine Ringvorlesung für Homöopathie angeboten, bei der u.a. ein homöopathischer Arzt behaupten durfte, MS-Patienten mit Homöopathie aus dem Rollstuhl geholt (!) zu haben.

    Wir konstatieren den schönen Terminus homöopathischer Arzt und ergänzen ihn um mitten an der Universität. Na dann, auf zur homöopathischen Wissenschaft mitten an München!

  4. Wilfried Müller sagt:

    Inzwischen ist die TU anscheinend aufgewacht. Der Spiegel berichtet am 31.10. in Quacksalber-Tagung: Münchner Uni-Präsident wirft Scharlatane raus: Für schamanischen Röntgenblick und Mistelheilung ist zukünftig an der TU München kein Platz mehr. Präsident Wolfgang Herrmann erteilt dem "Weltkongress der Ganzheitsmedizin" Hausverbot.

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