Iranische Bevölkerungsbombe

image_pdfimage_print

person-540257_640geraltÜber die iranische Atombombe (A-Bombe) wird viel spekuliert, ob ja oder nein oder vielleicht. Die Bevölkerungsbombe (B-Bombe) ist leichter zu konstruieren, ohne Uran, Ultrazentrifugen und Ungewissheiten, ob es wirklich knallt. Es reichen neue Gesetze dafür. Das Parlament in Teheran plant daher Gesetze zur Verhütung (incl. Verhütung  weiblichen Arbeitsmarktzugangs), mit denen die Frauen wieder in die Rolle als Gebärmaschinen gedrängt werden sollen.

Da hat man sich schon gefreut, dass der Pillenknick auch im Iran angekommen ist (nur noch ca. 2 Geburten pro Frau, siehe Statistik-Link unten), aber das gefällt den Religionspatriarchen nicht. Daher planen sie eine Einschränkung bzw. ein Verbot von Verhütungsmethoden und die Diskriminierung von kinderlosen Frauen am Arbeitsmarkt, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) in einem Bericht feststellte: Vom fehlgeleiteten Versuch, die Bevölkerungszahlen zu steigernIran: Gesetzentwürfe reduzieren Frauen auf "Gebärmaschinen":

"Beim Versuch, militärische Macht und geopolitische Stärke mit steigenden Geburtenraten zu demonstrieren, trampeln die iranischen Behörden auf den fundamentalen Rechten der Frauen herum – selbst das Ehebett ist kein Tabu." Den ausführlichen Bericht gibt es unter "You Shall Procreate: Attacks on women's sexual and reproductive rights in Iran".

Demnach wird der menschenrechtswidrige (zweite) Gesetzesentwurf ab April im iranischen Parlament diskutiert. Die Frauen würden darin zu "Gebärmaschinen" reduziert, wird die Iran-Expertin Raha Bahreini von Amnesty zu diesem Thema zitiert.

Bei derStandart.at schreibt Bianca Blei am 12.3. darüber. Was bei dem Titel am meisten verwundert, ist die Zeitform: Irans Frauen sollen Recht auf ihren Körper verlieren – haben Irans Frauen denn noch das Recht auf ihren Körper?

Immerhin soviel, dass sie Geburtenkontrolle ausüben können, und dagegen geht das Parlament in Teheran jetzt vor. Seine diskriminierenden Gesetze zu Verhütung und Arbeitsmarktzugang sind schon in der Mache. Laut Standard geht es um eine neue Bevölkerungsexplosion (Bild: geralt, pixabay). Die iranischen Behörden sollen die Einwohnerzahl des Landes von derzeit 78,6 Millionen auf 150 oder 200 Millionen Menschen erhöhen (so der Führer Khamenei in einer Fernsehansprache 2012).

Die B-Bombe muss her. Dazu wird ein ganzes Unterdrückungsinstrumentarium eingesetzt. Festgeschrieben wird die Bevorzugung von Männern mit Kindern, Männern ohne Kinder und Frauen mit Kindern bei Bewerbungsgesprächen, in der angegebenen Reihenfolge. Kinderlose Frauen hätten dadurch keine Chance mehr am Arbeitsmarkt; ohnehin sind dort nur 17% vertreten.

Natürlich wendet sich der Gesetzesentwurf auch gegen die Verhütung, und darin werde nicht nur die freiwillige Sterilisation verboten (zweithäufigste Verhütungsmethode im Iran), sondern er untersage generell die Information über Verhütungsmethoden. Es reichte wohl nicht, dass schon 2012 das staatliche Familienplanungsprogramm gestrichen wurde, das Kondome und Sterilisationen subventionierte.

Dabei führe das gar nicht zum Ziel des Geburtenüberschusses, so Bahreini (AI), und die Sache sei ohnehin eine massive Beschneidung der Rechte der Frauen. Als Nebenefekt drohe der Anstieg der Müttersterblichkeit wegen der Zunahme von illegalen und unsauberen Abtreibungen. Auch die Scheidungen sollen durch den  Gesetzesentwurf schwerer gemacht werden, mit dem Ziel, dass noch mehr Frauen in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten. Damit kämen die iranischen Behörden der Kontrolle über weibliche Körper einen Schritt näher.

Nun ja, das ist es doch, was die Religionsführer sowieso am liebsten hätten, und nicht nur die vom Iran. Ziel ist die Rückkehr ins Religiozän. Dagegen setzt sich AI mit der weltweiten Kampagne "My Body, My Rights" für die sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Das Ziel ist es, die Kontrolle und Kriminalisierung von Sexualität und Reproduktion durch Regierungen zu stoppen.

AI bittet um Unterstützung der Kampagne "My Body, My Rights", die sexuelle und reproduktive Rechte für alle einfordert. Das wäre dann sozusagen die LMA-Bombe.
 
Die Anti-Frauenbewegung spiegelt sich nebenan: Türkei: Frauenbeschäftigung auf Rekordtief (DiePresse.com 16.3.). Eigentlich sollen jedes Jahr 1% mehr Frauen in der Türkei arbeiten gehen. Die islamisch-konservative Regierung sendet laut DiePresse.com aber gegenteilige Signale, obwohl die Türkei hinsichtlich der Frauenbeschäftigung eine der niedrigsten Quoten in Europa hat: Nach aktuellen Märzzahlen des türkischen Statistikamts TUIK ist die Frauenbeschäftigungsquote in der Türkei mittlerweile auf 27,1 Prozent gesunken. Die Quote für Männer liegt bei etwas mehr als 65 Prozent.

Links von wissenbloggt:

 

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Menschenrechte, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar