Tibet: Zwischen Tatsachen, Mythen und Propagandal├╝gen


freiestibetSiegfried R. Krebs (Freigeist Weimar) fasst hier zwei Rezensionen desselben Autors zusammen. Albert Ettinger beschreibt Lage und Entwicklung in Tibet, und seine kritische Sicht wird vom Rezensenten gestützt. Es geht immerhin um eine Kriminalgeschichte des Lamaismus, analog zur Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner. Dem Lama-Adel wird eine zutiefst inhumane, grausame, tyrannische und korrupte Feudalherrschaft zugeschrieben, und es wird dem Mythos entgegengetreten, Tibet könnte als medizinisch oder ökologisch vorbildlich gelten. Um ihren Rang zu verdeutlichen, nennt Siegfried R. Krebs die Bücher Albert Ettingers bewusst Standardwerke:
 

 

Über Staat, Gesellschaft und Ideologie im real existierenden Lamaismus

WEIMAR. (fgw) Dieses Buch aus dem Frankfurter Zambon-Verlag wird die eifernden "Free-Tibet-Aktivisten", die Dalai-Lama-Fans und die Esoteriker aus "dem Westen" nicht erfreuen. Denn nicht zu Unrecht hat sein Autor, der Luxemburger Albert Ettinger, die Worte Freies Tibet mit einem Fragezeichen versehen. Denn das Tibet, das bis 1959 in feudaltheokratischen Verhältnissen gefangen war, war alles andere als das hierzulande besungene Shangri-La, das Land in dem die Menschen frei und glücklich waren…

Das Jahr 1959 – das ist die Zäsur in Tibets Geschichte. Denn als die chinesische Zentralregierung nach einer zehnjährigen Übergangszeit in der Provinz Tibet (dem späteren Autonomen Gebiet Tibet) Sklaverei und Leibeigenschaft abschaffte, da erhoben sich lt. "westlich-demokratischem" Mainstream die Tibeter zu einem Volksaufstand gegen die menschenverachtenden kommunistischen Besatzer. Doch wer genau hinschaut, der stellt fest: es war nur ein Aufstand des geistlichen und weltlichen sklavenbesitzenden Adels, der sich mit dem gesellschaftlichen Fortschritt nicht abfinden wollte.

Mit den hierzulande aber immer noch grassierenden Mythen über Tibet und seine früheren Herrscher aufzuräumen, das ist Ettingers Anliegen und darauf nimmt der Untertitel seines Buches sehr deutlich Bezug: "Staat, Gesellschaft und Ideologie im real existierenden Lamaismus".

 

Zeitzeugen richtig gelesen

Ettinger verwendet für seine Analyse chinesische Quellen nur sehr sparsam. Bewußt greift er auf die zahlreiche (westliche) Literatur aus der Feder von Dalai-Lama-Freunden, wie Heinrich Harrer, Ernst Schäfer, Peter Aufschaniter und Alexandra David-Néel als Augen- und Zeitzeugen, zurück, die wohl eher ungewollt auch die unschönen Seiten des Lama-Paradieses enthüllten. Oder wie Ettinger über Harrer, den sogenannten "Lehrer und persönlichen Freund" des 14. Dalai Lama schreibt: Dieser gelte noch heute als Übervater der Free-Tibet-Szene. Diese habe ihn "allerdings gerade dort, wo er einigermaßen authentisch und glaubwürdig ist, nicht wirklich gelesen." (S. 10) Und gerade solche Passagen zitiert Ettinger ausführlich – und dies in Verbindung mit Fotos aus jener Zeit.

Gerade die historischen Fotos, insbesondere die von Ernst Schäfer aus dem Jahre 1938, dokumentieren in aller Deutlichkeit, wie armselig und alles andere als menschenfreundlich das Leben in der brutalen klerikalen Diktatur der Lamas tatsächlich gewesen ist. Schäfer sollte übrigens im Auftrag der SS-Führung herausfinden, ob es sich beim Lamaismus um eine arische Urreligion handele.

Jedem der 31 Kapitel sind einige "Kopfzitate" vorangestellt, die verschiedene Standpunkte, z.T. sehr gegensätzliche, zum Ausdruck bringen. Sie sollen, so Ettinger, nicht nur konträre Sichten zeigen, sondern vor allem zum Nachdenken und zum Hinterfragen der Dalai-Lama-Apologien anregen.

Über sein Anliegen schreibt Ettinger: "Besondere Aufmerksamkeit werden wir allerdings dem widmen, was eine gewisse westliche Öffentlichkeit (viel zu) wenig interessiert: Wir wollen uns dem real existierenden und dem historischen Tibet statt dem mythisch verklärten zuwenden. Wir wollen nicht bloß von Gottheiten und Riten, von Glauben und Traditionen reden, sondern auch von Hunger, Schmutz und Krankheit, von Besitz- und Machtverhältnissen, von Arbeitsbedingungen, Gewalt, Verbrechen und sexuellem Mißbrauch, von Technik, Bildung und ärztlicher Versorgung (und von ihrem Fehlen!)." (S. 12) Und wie es dazu kam, daß via Hollywood und anderer geschickter PR ein solches Tibet-Bild in die Welt gesetzt wurde, das die Lama-Diktatur zum Non-Plus-Ultra von Harmonie, Friedfertigkeit, Seligkeit etc. erklärt und den 14. Dalai-Lama zum gottgleichen Übervater der gesamten Menschheit…

Wie es im alten Tibet tatsächlich aussah, das wird u.a. in den Kapiteln 4 "Feudalismus, Theokratie, Diktatur" und 5 "Leibeigene, Sklaven, Bettler und Banditen" skizziert. Etwa 200 Familien stellten den geistlichen und weltlichen Adel, herrschten als Großgrundbesitzer über den Rest der Bevölkerung. So hätten die Klöster 37 Prozent und der weltliche Adel 25 Prozent sowie der Staat (für die Versorgung seiner Beamten) 38 Prozent des Acker- und Weidelandes besessen. Als Beispiel wird nur ein Kloster, nicht mal das mächtigste, angeführt: Es habe "mehr als 180 Lehnshöfe mit 20.000 leibeigenen Bauern und 16.000 nomadisierenden Hirten" besessen. (S. 35) Ja, selbst die Klöster seien eine Klassengesellschaft gewesen, wie es im 9. Kapitel "Mönche in Lumpen, Lamas in Gold und Seide" geschildert wird. Nahezu die gesamte nichtadlige Bevölkerung war analphabetisch und selbst unter den Mönchen habe die Analphabetenrate bei 90 Prozent gelegen.

Schätzungen aus dem Jahre 1959 gehen von folgender klassenmäßiger Zusammensetzung der tibetischen Bevölkerung aus: 5 Prozent Adel, 15 Prozent Kleriker (adlige Lamas und einfache Mönche), 20 Prozent nomadisierende Hirten und 60 Prozent Leibeigene bzw. Sklaven.

In anderen Kapiteln werden "Bildungswesen" (bestehend aus dem Auswendiglernen religiöser Texte), "buddhistische Medizin" (bestehend aus Exzorzismus, Reliquien, Lamapisse und noch ekligerem), "Tierliebe, die durch den Magen geht", das "Shangri-La ohne Toiletten, Kanalisation und Müllabfuhr" und diverse religiöse Praktiken beschrieben. Aber auch der grausame, archaische Strafkatalog und der Vollzug von Todes- u.a. brutalsten Körperstrafen, und nicht zuletzt die fast beispiellose Frauenverachtung, sexueller Mißbrauch etc.

In Kapitel 16 "Feudaler Prunk für den Klerus, Stock und Knute für die Frommen" heißt es u.a.:
"Der Dalai-Lama, dem Mönchspolizisten stets den Weg freiprügelten, sei kein Papst, kann man von westlich-buddhistischer Seite manchmal lesen. Das ist positiv gemeint. Der 14. Dalai Lama gibt ja gegenüber Journalisten und Verehrern  aus unserem Kulturraum gerne den 'einfachen Mönch'. Er weiß natürlich: Bescheidenheit kommt immer gut an." (S. 133) Ettinger zitiert hierzu den kommunistischer oder aufklärerischer Ideen absolut unverdächtigen Harrer: "Das Volk selbst kennt keinen Luxus." Die Tibeter seien dafür aber die perfekten Untertanen, ein Volk, das nicht nur äußerlich, sondern auch seelisch versklavt ist…

Tibet unter den Lamas – ein Land von freien Menschen und der Friedfertigkeit? Nein, "Furcht und Schrecken", so ein Fazit im 19. Kapitel, "waren in Tibet offenbar unentbehrlich zur Aufrechterhaltung der klerikal-feudalistischen Gesellschaftsordnung. Die buddhistische Religion war Ausdruck, ideologische Legitimation und wichtigstes Mittel zum Erhalt dieser 'Ordnung'." (S. 164)


Kriminalgeschichte des Lamaismus

Sehr informativ und höchst aufschlußreich dürfte für den deutschen Leser das Kapitel 21 "Mit Schwert, Dolch und Gift: Kurze Kriminalgeschichte des Lamaismus" sein. Hier wird in einem kurzen historischen Überblick u.a. beschrieben, wie sich im früheren Königreich Tibet eine lamaistische Sekte, die Gelugpa, selbst an die Macht bringen konnte und wie diese mit Intrigen und Bürgerkriegen gegen andere lamaistische Sekten alles für den Erhalt ihrer Macht tat. So daß Ettinger schlußfolgert, daß sich der Lamaismus "in keiner Weise vorteilhaft von anderen Religionen abhebt".

Statt christlicher 'Nächstenliebe' habe hier lediglich die Leere von 'Mitgefühl' zur ideologischen Begründung der Allmacht des Klerus herhalten müssen. Dem 14. Dalai Lama und all seinen Jüngern, wie Franz Alt z.B., widersprechend, schreibt Ettinger: "Bürgerkrieg, Raub, Mord und Totschlag – wie man sieht, sind wir vom frommen Märchen des zutiefst friedfertigen und sanften Völkchens auf dem Dach der Welt, das von weisen, heiligen Männern zu allem Mitgefühl, materieller Anspruchslosigkeit und 'Spiritualität' erzogen wurde, weit entfernt." (S. 189)

Nicht zuletzt "grüne" Weltverbesserer sind zu Jüngern des Dalai-Lama geworden und preisen das alte Tibet und seinen letzten feudaltheokratischen Herrscher als Vorbilder der für Ökologie und Nachhaltigkeit. Darauf geht Ettinger dezidiert in seinem 25. Kapitel "So 'grün' waren die Lamas" und schließt dieses mit den Worten:

"Daß das ökologische Festtags-Gerede des Dalai Lama bis heute nichts anderes ist als billige Bauernfängerei mit Blick auf ein naives Westpublikum, das beweisen die Zustände im 'freien Tibet' en miniature, das man in Dharamsala besichtigen kann." (S. 212) – Die indische Stadt Dharamsala beherbergt den Dalai Lama und seine Exil-Gemeinde…

Warum nun aber gilt das alte Tibet "im Westen" als ein gelobtes Land? Dieser Frage geht Ettinger in Kapitel 30, überschrieben mit "Land der Mythen, Märchen und… Lügengeschichten" nach. Darin stellt er u.a. diese Frage: "Was ist es, das von Fernweh Getriebene und Sinnsucher aus dem Westen am alten Tibet so sehr faszinierte und weiter fasziniert? – Offenbar ist es die riesige Distanz, räumlich wie zeitlich, die uns von Tibet trennt, die in der geographisch-kulturellen Entfernung gründende Exotik…" (S. 249) Und was die "dem Westen" aufgetischten Lügenmärchen angeht, so bringt er dafür ein besonders prägnantes Beispiel – das des "Leibarztes" Choedrak. Wobei dem unbefangenen Leser sich allein schon bei dessen Lektüre darin etliche Widersprüche auftun und historische Fakten zu deutlich unwahr sind (wie die Daten von ersten erfolgreichen Organtransplantationen).

 

Warum beim Thema Tibet oft der Verstand aussetzt

Mit Bezug auf ein europäisches Märchen in der 31. Kapitel-Überschrift schließt Ettingers Streitschrift: "Trotz Nobelpreis und offizieller Lobhudelei: Der Kaiser ist nackt!"

Passend dazu das erste Kopfzitat dieses Kapitels:

"Der größte Triumph, zu dem moderne PR verhelfen kann, besteht im geradezu überirdischen Erfolg, daß das eigene Reden und Handeln nach dem Image beurteilt wird und nicht etwa umgekehrt. Der 'geistliche Führer Tibets' nimmt diese unangreifbare Stellung seit geraumer Zeit ein und wurde zu einem Synomym für heilige und ätherische Werte. Ich werde nie verstehen, wieso das die Menschen nicht mißtrauisch macht. Christopher Hitchens" (S. 259)

Ettinger geht der unausgesprochenen Frage nach, warum sogar bei ansonsten religionsfreien und sich selbst als Linke verstehenden Menschen in Europa der Verstand aussetzt, wenn es um Tibet oder den 14. Dalai Lama geht. Er schreibt dazu, und er soll an dieser Stelle etwas ausführlicher zitiert werden:

"Wer für Wunderglauben, Scharlatanerie und Frömmelei nicht viel übrig hat, wer sich innerlich vom Kirchen-Christentum distanziert, weil es ihm intolerant und heuchlerisch erscheint, wen der Zynismus empört, den manche Vertreter der 'Religion der Nächstenliebe' durch die Jahrhunderte an den Tag gelegt haben, wer Gottesgnadentum und gottgewollt ständische Gesellschaftsordnungen ebenso ablehnt wie sklavischen Führer- und Personenkult, (…) wer eine offene tolerante Gesellschaft einer starren, totalitären, der Tradition bedingungslos verhafteten und geistig versklavten vorzieht, wer Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte für universell gültige Werte hält (…), der wird schwerlich im Lamaismus und in seinem obersten Repräsentanten irgendetwas Positives und Unterstützenswertes finden." (S. 259-260)

So sollte es eigentlich sein, aber leider… Bei nicht wenigen setzt ja ausgerechnet bei diesem Thema der Verstand aus. Solche Menschen sollten sich fragen, solchen Menschen muß man die Frage stellen, "warum man gemeinsame Sache ausgerechnet mit den hohen Lamas und Aristokraten machen kann, aus denen das tibetische Exil hauptsächlich besteht und die in ihm den Ton angeben. Mit jenen Kräften und Schichten also, die für die beschriebenen Zustände in ihrer alten Heimat verantwortlich waren und deren Widerstand gegen jede Veränderung dieser Zustände letztlich zu ihrem Exil geführt hat.

Die hohen Lamas und Aristokraten von der tibetischen 'Exilregierung' sind höchst fragwürdige 'Freiheitskämpfer', und ihre Ziele sind sicher nicht im Interesse der großen Mehrheit der Tibeter, deren Eltern und Großeltern im 'freien Tibet' ein kurzes, elendes Leben als weitgehend rechtlose Leibeigene unter der Knute von Klerus und Adel fristeten. Definiert man Freiheit nicht als Freiheit der Klöster (…) und der großen Landbesitzer, von der Arbeit ihrer Leibeigenen zu leben, oder als Freiheit geistig versklavter und in völliger Unwissenheit gehaltener Menschen, sich vor einem angeblichen Gottkönig in den Staub zu werfen (…), dann waren die meisten Tibeter – bei allen verbleibenden, zweifellos schwerwiegenden Problemen in Tibet und in ganz China – zu keiner Zeit in ihrer Geschichte freier als heute." (S. 260-261)

In diesem Kapitel wird auch auf die "westliche Free-Tibet-Lobby" eingegangen und ihr ein verheerendes Zeugnis ausgestellt, nicht zuletzt weil diese "die Realität ausschließlich durch eine antikommunistische und antichinesische Brille wahrnimmt" (S. 263) bzw. wahrnehmen will. Auch den allermeisten Journalisten kann in diesem Zusammenhang nur ein ähnlich verheerendes Urteil ausgestellt werden: "Sonst sehr selbstbewußte und distanzierte Journalistinnen und Moderatorinnen schalten beim Dalai Lama auf verklärten Blick, Wimpernschlag und blitzende Augen um." (S. 265) Denn, so Ettinger, "Der Dalai Lama oder besser sein Image ist ein reines Produkt moderner public relations, ein lebender Beweis für die Macht der Werbung, ähnlich wie Coca Cola oder Mc Donald's." (S. 264)

Dem ist wahrlich nichts hinzuzufügen. Und wer dies nicht glauben will, der sollte Ettinger lesen und sogar auch solche Zeitzeugen wie Harrer & Co. Nicht umsonst geht es in diesem Buch nicht um verklärende Mythen, sondern um den real existierenden Lamaismus! Ettingers knappes Fazit lautet, daß das alte Tibet unter der Herrschaft des Lama-Adels eine zutiefst inhumane, grausame, tyrannische und korrupte Feudalgesellschaft war und daß dieses Tibet auch absolut nicht als medizinisch oder ökologisch vorbildlich gelten kann.

Diese Streitschrift, die das Zeug zum Standardwerk hat, besticht nicht nur durch wissenschaftliche Akribie und Stil, sondern auch durch seine buchkünstlerische Gestaltung, die Fabio Biasio besorgte.

 

Kampf um Tibet

Inzwischen liegt auch die Fortsetzung des Buches vor:  "Kampf um Tibet – Geschichte, Hintergründe und Perspektiven eines internationalen Konfliktes". Hier geht es um die Wiederherstellung der Zentralmacht in der Provinz ab 1950 und das seither aufstrebende Autonome Gebiet Tibet sowie über "westliche" antichinesische Kampagnen im Zusammenhang mit dem weltweiten Agieren des 14. Dalai Lama und der ihm hörigen Exiltibeter nach 1959.

 

Tibet: Zwischen Tatsachen, Mythen und Propagandalügen

WEIMAR. (fgw) Nur wenige Monate nach Albert Ettingers "Freies Tibet? – Staat, Gesellschaft und Ideologie im real existierenden Lamaismus" hat der Frankfurter Zambon-Verlag nun auch dessen Buch "Kampf um Tibet – Geschichte, Hintergründe und Perspektiven eines internationalen Konflikts" publiziert. Der gebürtige Luxemburger Ettinger will mit diesem Band nicht nur hinter die Kulissen des Lamaismus schauen, sondern vor allem einen Beitrag leisten, der "im Westen" verbreiteten Ignoranz über Hintergründe und Ursachen des Tibet-Konflikts argumentativ und quellenbasiert Paroli zu bieten.

Denn es sei gerade diese Ignoranz, so Ettinger, die den Humus bilde, auf dem seit gut 60 Jahren antichinesische Vorurteile, esoterische Dalai-Lama-Klischees und lamaistische und "westliche" Propagandalügen wuchern konnten und in Europa und Nordamerika tiefe Wurzeln geschlagen haben. Um nicht selbst der Propaganda für die Volksrepublik China beschuldigt zu werden, hat der Autor für seine Analysen fast ausschließlich Quellen der Pro-Tibet-Lobby, von europäischen Zeitzeugen und von US-amerikanischen Militärhistorikern und CIA-Agenten herangezogen.

Den durchaus sprechenden Titeln der 33 Kapitel dieses Buches hat Ettinger, wie bereits im vorhergehenden Band, unkommentierte Zitate aus den oben erwähnten Quellen vorangestellt. Diese Zitate sollen seine eigenen Ausführungen aus verschiedenen und oftmals gegensätzlichen Blickwinkeln beleuchten bzw. ergänzen. Dank der sprechenden Titel kann weitgehend auf nähere Inhaltsangaben verzichtet werden.

Und so lautet auf Seite 11 das erste Zitat des ersten Kapitels "Viele Fragen, und bitte keine vorschnellen Antworten!" so: "Über Tibet gab es damals für mich bloß absolute Gewißheiten: Die chinesischen Kommunisten waren in ein unabhängiges Land eingefallen; sie zerstörten sechstausend Klöster und töteten 1,2 Millionen Menschen – eine genaue Zahl, ein Fünftel der Bevölkerung." (Patrick French, einst führender Free-Tibet-Aktivist) Aber solche "absolute Gewißheit" geistert noch heute gerade in bundesdeutschen Medien herum, insbesonders in den Medien, bei grünen Politikern oder bei Agitatoren wie Franz Alt herum. Niemand hinterfragt solche Zahlen… Oder befragt gar die Geschichte. Fragen allerdings werden gestellt. Aber nicht von der Free-Tibet-Szene, sondern von Albert Ettinger. Nicht auf alle kann hier eingegangen werden, auch nicht auf alle gefundenen Antworten.

Worum es wirklich bei der geheuchelten Tibet-Sympathie "des Westens" geht, das wird u.a. auf der Rückseite angedeutet. Dort heißt es:

"Am 23. Mai 1991 verabschiedete der US-amerikanische Senat erstmals eine Erklärung, in welcher 'Tibet' als 'ein besetztes Land' bezeichnet wurde. Wenn man bedenkt, daß die kaiserlich-chinesischen Ambane in Lhasa bereits mehr als ein halbes Jahrhundert (mit-)regierten, bevor überhaupt die USA aus der Taufe gehoben wurden, und daß ein Großteil des Territoriums der USA erst viel später, im Laufe eines langen Prozesses, durch Eroberung, Krieg, Betrug, Vertragsbruch und Völkermord an den native americans, annektiert wurde, so wird einem die Vermessenheit und Unverschämtheit (oder aber: Lächerlichkeit) einer solchen Erklärung deutlich…"

Ja, worum geht es "dem Westen" wirklich und warum gab es erst 1991 eine solche US-Senats-Erklärung? Weil eben ab jener Zeit das Wiedererstarken Chinas, der ältesten und größten Kulturnation, begann. Diesen Wiederaufstieg, der nach der Zerschlagung der Sowjetunion als bis dahin zweiter Weltmacht die totalen Weltherrschaftsansprüche der USA bedrohte, galt es zu verhindern. Es galt, ein China, das kein halbkoloniales Ausbeutungsobjekt christlich-weißer Eroberer sein wollte, zu schwächen, zu spalten. Das alte China bis 1949 und auch die frühe Volksrepublik bis in die 1980er Jahre waren entweder zunächst halbkolonial bzw. danach wirtschaftlich und politisch schwach. Und was hat den christlich-weißen Kolonialherren stets geholfen? Das Schüren von ethnischen und/oder religiösen Konflikten in den anvisierten Zielobjekten…

 

Blick in die Geschichte

Ettinger unternimmt zunächst einen Streifzug durch die Geschichte der geographischen Region, die wesentlich größer ist als das einstige Herrschaftsgebiet des Dalai Lama. Immer mit Bezug zur chinesischen Zentralmacht, aber auch zu den Intentionen der in Indien herrschenden britischen Kolonialmacht, die stets danach trachtete, ihr eigenes Gebiet auf Kosten Chinas zu vergrößern. Die Kapitelüberschriften zu diesem Komplex lauten: "Geschichtsschreibung und Journalismus zwischen Tatsachen, Mythen und Propagandalügen"; "Vor mehr als tausend Jahren: Chinesische Kultur für ein Reich barbarischer Krieger" und "Gemeinsame Geschichte: Die Mongolen-, Ming- und Mandschukaiser [Chinas; SRK]". Letzterem Kapitel ist ein Zitat des ersten britischen Tibetreisenden George Bogle aus dem Jahre 1775 vorangestellt:

"Zwei chinesische Vizekönige mit einer Wache von 1000 Soldaten sind in Lhasa stationiert und werden alle drei Jahre durch andere ersetzt. Der Kaiser von China wird als der Oberherr des Landes anerkannt; die Ernennungen zu den höchsten Ämtern (…) geschehen auf seinen Befehl." (S. 27)

So wie übrigens auch der Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" Oberherr/Lehensherr der weltlichen und geistlichen Territorialfürsten seines Reiches war…

Der Streifzug durch die ältere Geschichte geht weiter mit den Kapiteln "Der 'chinesische Kuchen' auf dem Speiseplan gefräßiger Kolonialmächte" sowie "Die tibetische 'Unabhängigkeit' als Projekt des British Empire".

Mit der Neuzeit ab Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert, also der Zeit angeblicher Unabhängigkeit Tibets, befassen sich die folgenden Kapitel "Der 13. Dalai Lama, Tyrann von Lhasa"; "Gescheiterte 'Modernisierung', gescheiterter Staat: Tibet unter dem 13. Dalai und seinen Nachfolgern"; "Drei rostende Autos, Dudelsäcke und von Hand gedrucktes Spielgeld"; "Nach dem Dreizehnten: Intrigen, Verbannungen und ausgequetschte Augäpfel"; Lamaistische Raffgier und Sittenlosigkeit: Seine Heiligkeit Reting Rinpoche"; "Bürgerkrieg in Lhasa: von politischen Morden, kriegerischen Möchen und einem geplünderten Kloster"; "Retings wichtigster Nachlaß: Ein chinesischer Dalai Lama" sowie "Die 'tibetische Handelsmission': Großbritannien und USA verweigern dem Lama-Staat die internationale Anerkennung" [Denn damals war ja in China die mit den USA verbündete Guomindang-Partei an der Regierung, für die Tibet ein untrennbarer Bestandteil des chinesischen Staates war; SRK]. Erst mit dem Sieg der Kommunistischen Partei im chinesischen Bürgerkrieg änderte sich der US-Standpunkt… Zunächst aber noch verdeckt.

Mit der Lage in China nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Ausrufung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949 befassen sich die folgenden Kapitel. Wenn in Bezug auf Tibet in chinesischen Dokumenten immer wieder von "friedlicher Befreiung" die Rede ist, so gilt solches auch für andere chinesische Provinzen und nicht nur für Tibet, was hierzulande fast unbekannt ist: denn nicht in allen Provinzen gab es bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zwischen Guomindang und Kommunistischer Partei, in einigen übergaben die lokalen Behörden die Macht ohne Kämpfe. Und für alle der seit einigen Jahrzehnte abgefallenen Provinzen (einschließlich der von "warlords" beherrschten) galt es, die Macht der Zentralregierung über das ganze Land wiederherzustellen. Dabei ging der Volksregierung differenziert vor; unter Beachtung der jeweiligen regionalen Verhältnisse.

Das Kapitel 15 "Über eine Armee neuen Typs, Kommunistenangst und 17 Punkte als Grundlage einer 'friedlichen Befreiung'" wird mit einem Zitat der französischen Tibet-Reisenden und Zeitzeugin Alexandra David-Néel eingeleitet:

"Sie [die Chinesen; SRK] sind viel mächtiger zurückgekehrt, als sie es vorher waren. Während ihres Marsches durch die tibetischen Gebiete und Ortschaften wurde kein Schuß auf sie abgefeuert, und oft wurden sie freudig begrüßt. Die Ausländer, die das Los einer Bevölkerung beklagten, die einer schändlichen Aggression zum Opfer gefallen sei, waren denkbar schlecht informiert." (S. 121)

Ettinger geht in diesen und den folgenden Kapiteln sehr detailliert auf Abläufe, Standpunkte und Verhandlungen ein sowie auf die ersten behutsamen Reformschritte der Zentralmacht, die für eine Übergangszeit die gesellschaftlichen Verhältnisse akzeptierte: also die lokale Regierung durch weltlichen und klerikalen Adel, der Verzicht auf eine sofortige Bodenreform und das vorläufige Weiterbestehen von Sklaverei und Leibeigenschaft. Denn Mao Zedong und seine Genossen waren sich bewußt, daß unter den tibetischen Verhältnissen – mit einem fast vollständigen Analphabetismus und ohne jegliche Industrie – ein schneller oder gar sofortiger Übergang in sozialistische Verhältnisse unmöglich war. Aber schon damals spielten die führenden Lamas ein doppelzüngiges Spiel und stifteten Unruhe und Verwirrung, behinderten jeglichen kleinen Schritt in die Moderne.

Die entsprechenden Kapitel lauten daher auch: "'Winds of Change – Von Reformansätzen, politischen Flitterwochen und vergessenen Liebesgedichten"; "Hunger, Wirtschaftsboykott und ein tibetischer Ku-Klux-Klan – reaktionäre Kreise hintertreiben das 17-Punkte-Abkommen" sowie "Das frühe Exil, die 'heilige Familie' und der reiche Onkel aus Amerika".

 

Von den USA gesteuerter "Volksaufstand"

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, als klar wurde, daß die Volksrepublik China Bestand haben würde und daß sie es mit Reformen (Reformen, die diesen Namen auch verdienen) auch in den Gebieten der nationalen Minderheiten ernst machen würde, kulminierten die Destabilisierungsbestrebungen der USA ein erstes Mal, wuchs die Konspiration von Lama-Adel und CIA. Konterrevolutionäre bewaffnete Aktionen begannen aber nicht im eigentlichen Tibet, sondern in von Tibetern bewohnten Gebieten anderer Provinzen. Ettinger zitiert dazu den US-Autor A. Tom Grunfeld:

"Jedenfalls war die Rebellion in keiner Weise ein Volksaufstand der Leibeigenen und Hirten. Sie wurde von Clanführern und reichen Händlern begonnen und angeführt, die durch Kontakte mit bestimmten Kräften zweifellos von außen ermutigt, wenn nicht insgeheim unterstützt wurden." (S. 173)

Die betreffenden Kapitel sind überschrieben mit: "Khampa-Aufstand: Aus Räubern und 'Gotteskriegern' werden 'Freiheitskämpfer' der CIA" und "Lhasa 1959: Khampas und CIA inszenieren einen 'Volksaufstand' und bringen den Dalai Lama außer Landes".

Vor allem auf US-Quellen gestützt, zeichnet Ettinger fast minutiös, detail- und faktenreich die Ereignisse jener Zeit nach. Mit der von außen veranlaßten und keinesfalls spontanen Flucht des Dalai Lama begann die "westliche Propagandamaschine" auf Hochtouren zu laufen, wurden die schlimmsten (und frei erfundenen) Gräuelmärchen über die "kommunistischen Aggressoren" und "Völkermörder" in die Welt gesetzt. Ettingers Buch liefert hierfür etliche Kostproben. Und kein angeblich so investigativer Journalist fragte nach oder zweifelte an den blutrünstigen Behauptungen der adligen "Volksaufständischen"… All das wird bis heute als unumstößliche Tatsachen verkauft und immer wieder aufgewärmt und sogar noch weiter aufgebauscht. Die von Ettinger aufgeführten Beispiele der Free-Tibet-Propaganda, einschließlich der von diesen behaupteten Opferzahlen, machen nicht zuletzt deutlich, wie sorglos in diesen Kreisen mit Fakten und der Wahrheit umgegangen wird.

Vielfach wird in der Free-Tibet-Szene der Leibarzt des Dalai-Lama zitiert, der angeblich selbst unmenschlichsten Folterungen ausgesetzt gewesen sei und der gerne die blutrünstigsten Geschichten erzählt. Ettinger nimmt dazu Stellung und schreibt:

"Zu seinen Gefängnis-Bekanntschaften gehörten übrigens auch 'tibetische Widerstandskämpfer', die in Arizona (sic!) von der CIA ausgebildet worden und dann mit dem Fallschirm über Tibet abgesprungen waren. Auch mit denen hatten die Chinesen nicht einfach kurzen Prozeß gemacht. Schon gar nicht wurden sie in Stücke gehackt, ausgeweidet, lebendig begraben oder verbrannt." (S. 210) Dies hatte der Mönchsarzt zuvor in einem Buch aber behauptet…

 

Antichinesische Propaganda aus dem Ausland

Der aus Tibet geflohene weltliche und klerikale Adel ließ sich vorrangig in Indien nieder und konnte dort sein Luxusleben fortsetzen. Was nicht unbedingt für ihre mitgeflohenen Dienstboten galt und gilt. Die Zahl der Flüchtlinge wird seither maßlos übertrieben, um das Bild von einem Aufstand eines unterdrückten Volkes nicht zu gefährden. Und auch, um den Spendenstrom von "westlichen Gut-Menschen" nicht versiegen zu lassen. Nach US-Quellen ist damals etwa ein Prozent der ethnischen Tibeter aus der Volksrepublik geflohen. Heute würden die Auslandstibeter maximal drei Prozent aller Tibeter ausmachen. Für Gut-Menschen ließen sich CIA und Lama-Clique im Exil dann noch etwas ganz besonders einfallen: Sie entwarfen ein Phantasiebild von einem bis 1949 paradiesischen Tibet und präsentierten sich selbst als friedfertige Mönche, für die die Menschenrechte, die Demokratie und die Ökologie die höchsten Werte bildeten. Und sie konstruierten ein staatliches Gebilde "Groß-Tibet", daß es zu befreien gelte. Dieses sollte auch angeblich urtibetische Landstriche umfassen, die allerdings niemals zum Herrschaftsgebiet der Lama-Clique gehört hatten. Wobei die mit Dollars gutgeölte Propagandamaschine der "tibetischen Exilregierung" gerade in den USA und in Westeuropa beachtliche Wirkungen erzielen konnte und kann. Im Mittelpunkt der antichinesischen Propaganda steht seither die These von einer angeblichen staatlichen Unabhängigkeit Tibets, die nur durch eine chinesische Aggression und Annexion vernichtet worden sei. Ettinger hat für seine Repliken erneut eine Vielzahl von Fakten recherchieren können, die keinesfalls für derartige Behauptungen sprechen.

Die Kapitelüberschriften zu diesem Komplex lauten: "'Tibet im Exil: Mißwirtschaft, Wohlstand auf fremde Kosten und Demokratie als Fassade"; "Internationale Juristenkommission: CIA-Juristen ziehen in den Kalten Krieg"; "Geschichten aus dem Wunderland: Wie ein 'Genozid' zu unerhörtem Wachstum führt…" sowie "…und wie ein 'kultureller Völkermord' eine kulturelle Blüte bewirkt".

Ettinger geht u.a. auf Zahlenspiele der "tibetischen Exilregierung" ein, diese "ging nämlich so weit zu behaupten, zwischen 1949 und 1979 seien exakt 156.758 Tibeter hingerichtet, 432.067 im Kampf gefallen, 413.151 verhungert, 174.138 in Lagern und Gefängnissen verstorben und 92.931 zu Tode gefoltert worden; 9.002 hätten Selbstmord begangen." Und er stellt hierzu nur diese Fragen, die sich die Free-Tibet-Aktivisten allerdings niemals stellen: "Wie hätte eine solche – in ihrer scheinbaren Exaktheit völllig absurde – Statistik eigentlich zustande kommen können? Wie hätte eine 'Exilregierung', die über keine Verwaltung und keine Beamtenschaft in Tibet selbst, geschweige denn in anderen Teilen Chinas verfügte, Daten mit einer derartigen Präzision erfassen können?" (S. 239)

Nebenbei, wenn diese Zahlen stimmen würden, dürfte in ganz China eigentlich kein einziger Tibeter mehr leben.

Und was die Behauptungen über "chinesischen Völkermord in der chinesischen Kolonie Tibet" angeht, so kontert er geschickt mit den nachgewiesenen Gegebenheiten und Folgen der christlich-weißen Kolonialisierung Afrikas, Australiens und beider Amerika und der elenden Lage der "native americans" vor allem in der USA, aber auch in Kanada…

 

"Religionsfreiheit" und Menschenrechte

Fehlende Religionsfreiheit und Menschenrechtsverletzungen sind gewichtige Schwerpunkte der antichinesischen Free-Tibet-Propaganda. Auch hierauf geht Ettinger ein und schaut dabei nicht bloß auf China, sondern auch nach anderen Ländern in Europa und auf anderen Kontinenten. Entsprechende Kapitelüberschriften lauten: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!' – Über Religionsfreiheit und ihre Grenzen"; "Vom Menschenrecht auf Bildung und vom Menschenrecht auf Entwicklung"; "'Tibeter sind keine Chinesen': Das rassisch-völkische Argument"; "Das 'Großtibet' des Dalai-Lama – ein Aufruf zu Rassenhaß, ethnischer Säuberung, Krieg und Völkermord"; "Nazifreunde des Dalai-Lama: Der 'österreichische Bergsteiger' Heinrich Harrer und der 'Rassenforscher' und Kriegsverbrecher Bruno Beger sowie die rechte Szene". Sehr bezeichnend ist auch das 32. Kapitel: "ICT, NED, RoG: Fortführung des CIA-Krieges mit anderen Mitteln", insbesondere mit Hilfe von sogenannten "Nichtregierungsorganisationen" wie den "Reportern ohne Grenzen". Ettinger führt hier einige anschauliche Beispiele von Fälschungen bzw. Verfälschungen an, die angebliche chinesische Verbrechen belegen sollen. Schlimm wird es aber wirklich, wenn sich junge tibetische Mönche vom Ausland her zu Selbstverbrennungen verführen lassen. Jede einzelne Selbstverbrennung eines Tibeters führt zu einem weltweiten Aufschrei in den Mainstream-Medien. Massenhafte Selbstmorde aus sozialen Gründen z.B. in Indien würden dagegen in diesen Medien so gut wie keine Erwähnung finden. Warum? Ettinger dazu:

"Der Grund für die ganz besondere Aufmerksamkeit, welche unsere Medien den brennenden Tibetern schenken, liegt darin, daß sich mit ihnen so gut Stimmung gegen China machen läßt. Und an der Tatsache, daß ein sich rasant entwickelndes China die weltweite Hegemonie der USA und ihrer Verbündeten langfristig bedrohen könnte." (S. 355).

Albert Ettingers Buch ist tatsächlich eine Streitschrift. Aber nicht, wie von der "Free-Tibet-Szene" unterstellt, für die chinesische Regierung. Nein, es ist eine streitbare Schrift für die historische Wahrheit und den damit verbundenen Hintergründen und Zusammenhängen. Deshalb geht er auch auf die abstrusesten Behauptungen sowohl der Lama-Clique als auch ihrer getreuen Aktivisten in den USA und Europa ein. Es gelingt ihm auf gekonnte Weise, mit spitzer Feder und zugleich sachlich, auch noch die dümmlichsten und hirnrissigsten Äußerungen dieser Leute zu kontern. Und das auf der Grundlage einer universellen Sicht. Zahlreiche historische Fotos, aber auch aktuelle Farbaufnahmen heutiger "West-Touristen" illustrieren dieses Buch und unterstützen Ettingers Aussagen und Wertungen. Unbedingt erwähnt werden soll an dieser Stelle auch die sehr ansprechende Buchgestaltung durch Fabio Biasio.

Der Begriff "Standardwerk" ist leider heutzutage und hierzulande etwas abgegriffen. Aber, auf beide Tibet-Bücher Albert Ettingers trifft diese Bezeichnung ohne Wenn und Aber voll zu.

 

Siegfried R. Krebs

Der Rezensent verweist auf die Gebietsansprüche Chinas: Im Übrigen, auch für die Republik China bzw. die Republik China auf Taiwan ist die Provinz Tibet integraler Bestand des chinesischen Staates; siehe Landkarte (Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Republik_China_%28Taiwan%29#/media/File:ROC_Administrative_and_Claims_de.svg User:ZanderSchubert, Wikimedia Commons).

China-Karte der Guomindang

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