Internet für Desinformationskrieg missbraucht?

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magnifying-glass-562570_640Der "Konflikt" in der Ukraine ist ein schwieriges Thema, zu dem es divergente Meinungen gibt. Er sei mit einem Desinformationskrieg verbunden, sagt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in verschiedenen Artikeln (Bild: geralt, pixabay).

 

  • Allensbach-Studie – Die Grenzen der Propaganda (FAZ 18.3.): Die Kommentarlage im Internet zum Ukraine-Konflikt spiegelt nicht die Meinung der Bevölkerung zu diesem Thema wider. Die Mehrheit der Deutschen hält Russland nicht nur für den Schuldigen an der Krise, sondern auch für einen Aggressor.
  • Gescheiterte Propaganda – Was Putin nie verstehen wird (17.3.): Das prorussische Meinungsbild in den Online-Foren ist nicht repräsentativ. Die Deutschen fallen nicht auf die Manipulationsversuche des Kremls herein. Die FAZ wendet sich gegen die Behauptung, im Netz spreche „das Volk“. Das ganze Volk jedenfalls spreche dort zu keinem Thema, und „die ganze Wahrheit“, finde sich dort nie, auch wenn Verschwörungstheoretiker aller Couleur sie anböten. Dagegen sei es klar, dass das Internet für einen Desinformationskrieg missbraucht werde, um Lügen zu lancieren, um Zweifel zu säen und um abweichende Meinungen zu beschimpfen und bedrohen. Es ginge dort immer weniger um den Austausch von Argumenten sondern immer mehr um das Auslösen von Wutwellen oder um Propaganda mit ausländischem Ursprung. Manche Foren hätten deswegen bereits ihre Kommentarfunktionen geschlossen. Auffällig sei, wie sich die Formulierungen mancher Beiträge ähnelten, ein Hinweise darauf, dass sie von Automaten erstellt wurden.

Gegen diese Sicht wendet sich U. Gellermann in der RATIONALGALERIE, eine Plattform für Nachdenker und Vorläufer. Mit freundlicher Erlaubnis übernehmen wir den Artikel, ohne uns selber auf eine Linie festlegen zu wollen. Gellermann sieht bei FAZ & Co. Verlautbarungs-Journalismus, wegen dem viele ins Netz gingen, um unabängig informiert zu werden:

 

Angst fressen Wahrheit auf

FAZ-Umfrage zum Ukraine-Krieg

Autor: U. Gellermann, Datum: 19. März 2015

Gescheiterte Propaganda: Mit dieser Überschrift versieht die FRANKFURTER ALLGEMEINE einen Kommentar über einer Allensbach-Umfrage zur Meinung der Deutschen im Ukraine-Konflikt. Das Kernergebnis lautet: Putin ist schuld (61 Prozent). Falls das Ergebnis stimmt, müsste die Überschrift lauten: Erfolgreiche Propaganda. Denn seit gut einem Jahr trommeln die deutschen Mehrheitsmedien auf die armen Hirne ihrer Leser und Zuschauer mit der selben Botschaft ein: Die Kiewer sind gut, Putin ist böse. Und irgendwann müsste der asymetrische Kampf – ARD & ZDF & BILD & FAZ auf der einen, alternative Medien auf der anderen Seite – doch mal von der stärkeren Seite gewonnen werden.

Gescheitert! So triumphiert die FAZ über "das im Internet anzutreffende Meinungsbild". Denn "in den endlosen Weiten des Internets . . wird um die Deutungshoheit über das Geschehen in der Ukraine gerungen." Und wer ringt da: Laut FAZ "Obskure Anbieter – Verschwörungstheoretiker – Automaten" auf der einen Seite. Auf der anderen sammelten sich die Regierungs-Medien, jene Zeitungen und Sender, die von Beginn an mit einer Stimme, mit einer Meinung schon vor der Umfrage wussten: Putin ist schuld. In diesem Kampf geht es um viel. Letztlich um Krieg und Frieden. Aber auch um die Existenzberechtigung der üblichen Meinungsmacht.

Medien wie die FAZ hatten schon in zwei gescheiterten Kriegen der USA – im Irak und in Libyen – die gewöhnlichen Propaganda-Lügen verbreitet. Jetzt melden sie nur noch sporadisch aus den kaputten, elenden Staaten. Zu einer Analyse der Ursachen können sie sich ebenso wenig aufraffen wie zu Fragen an die eigene Berichterstattung. Warum haben wir denn gedruckt, gesendet umd behauptet, es ginge bei diesen Kriegen um Freiheit und Demokratie? Weil diese Frage, ehrlich beantwortet, den journalistischen Offenbarungseid zur Folge haben müsste: Wir haben nicht recherchiert, wir haben die Verlautbarungen der "westlichen Wertegemeinschaft" einfach nur weitergegeben. Dass die nichts wert waren hätte man spätestens seit dem Afghanistankrieg wissen müssen. Das aber wollte man nicht.

Dieses Verlautbarungs-Journalismus wegen wandten und wenden sich immer mehr Normal-Bürger dem Netz zu. In der berechtigten Hoffnung dort jene Wahrheit zu finden, die von den etablierten Medien durchweg verweigert wird. Das macht den Staatsmedien Sorgen bis zur Hysterie: Ihr Einfluss schwindet, es schwinden Auflagen und Quoten. In den Redaktionen geht die schiere Angst vor dem Fall in die Bedeutungslosigkeit um. Immer mehr Bürger melden sich wütend in den Online-Foren der Medien: Wer sich von "seinem" Sender, "seiner Zeitung" betrogen fühlt, ist dem Betrüger gegenüber nicht zimperlich. Und weil sich die Medien-Macher nicht vorstellen können, dass ihre Leser und Zuschauer über einen eigenen Kopf verfügen, muss das alles von Moskau gesteuert sein. Diese primitive Agitation aus den 50er, 60er Jahren kommt, nur notdürftig recycelt, wieder auf den Redaktions-Tisch.

Wer hat Schuld am Krieg in der Ukraine lässt die FAZ fragen und immerhin noch 17 Prozent der Befragten nennt die USA. Die Frage nach dem Zweck jener fünf Milliarden Dollar, die von der US-Regierung für eine „wohlhabende und demokratische Ukraine“ investiert wurden, wäre ins Leere gelaufen. Denn die Mehrheit der Mehrheitsmedien hat diese interessante Nachricht einfach unterschlagen. Auch die Frage nach dem Prominenten-Aufruf zur Kritik an der Ukraine-Politik der Bundesregierung durfte die Umfrage-Anstalt Allensbach nicht stellen. Obwohl ein Ex-Kanzler, ein Ex-Bundespräsident, drei Ex-Ministerpräsidenten und jede Menge andere bedeutende Menschen diesen Appell unterschrieben hatten: Mit wenigen Ausnahmen wurde diese journalistische Sensation unterschlagen, konnte also dem desinformierten Bürger nicht bekannt sein.

Zweifel zählen, so schreibt die FAZ, zu den Stärken des Westens. Doch von der Panik vor der anderen Meinung getrieben, in Furcht vor dem Zweifel am monolithischen Medien-Beton, müssen auf dem Weg zur Einheits-Meinung Nachrichten unterdrückt und gefälscht werden. Angst fressen Wahrheit auf. – Wenn in dieser Atmosphäre immerhin nur 30 Prozent der Befragten den Satz "Der Westen soll die Ukraine mehr unterstützen" bejahen können, und satte 74 Prozent die FAZ-Behauptung verneinen "Die meisten Menschen in der Ost-Ukraine stehen nicht hinter den Separatisten", dann ist das fast ein Wunder. Made by Internet.

EIN NACHTRAG – ZUM MAIDAN IN FRANKFURT

Natürlich hat sich die FAZ (wie der Rest der deutschen Staatsmedien) heftig schäumend über die körperlichen Auseinandersetzungen rund um die EZB in Frankfurt erregt. Warum eigentlich? Wurden doch die gewaltsamen, zum Teil bewaffnetem Auseinandersetzungen auf dem Kiewer Maidan Monat um Monat als Höhepunkt der Demokratie gefeiert. Da hätte man doch Wohlwollen und Verständnis erwarten können.

Link zum Originalartikel bei rationalgalerie.de

Siehe auch Querschnittslähmung der Rundfunk- und Fernsehräte


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