Frühkindlicher Vertrauensverlust und die Folgen


burninhellZu der Höllendrohung aus dem Bild von kkarstens.wix.com/karstenscreations passt die Aussage Eine ernst gemeinte Androhung schwerer Folter wirkt sich immer negativ aus. Frank Sacco, Doktor der Medizin, befasst sich diesmal mit den Ursachen des Borderlinesyndroms. Laut wiki sind bei einer solchen Störung … bestimmte Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie in einem gestörten Verhältnis zu sich selbst äußert. Sacco sieht diese Störungen nicht immer, aber doch meist als ekklesiogen (durch religiöse Indoktrination) mitbedingt. Er macht Mut, das "Christentum anders als einen positiven Resilienzfaktor bezüglich der Therapie der Störung zu sehen" (Resilienz = Widerstand). Wie es mit dem Resilienzfaktor anderer Religionen aussieht, bleibt offen, das wäre nochmal ein interessantes Thema.

 

Das Borderlinesyndrom  (von Frank Sacco)

Das Syndrom erhielt seinen Namen, da die Erkrankung ein Grenzgebiet zwischen psychiatrisch halb verständlicher Neurose und  halb unverständlicher Psychose sei. Heute weiß die Psychiatrie nicht mehr, was eine Psychose ist. Eine „endogene“ Psychose ist, und das wusste man um 1900,  die schwere Form einer Neurose, also auch eine entwicklungsgeschichtlich entstandene, durch ein Trauma erklärbare Erkrankung. Die angeblich „nicht mehr verstehbaren“ Symptome erklären sich vielfach als Selbstheilungsversuche des Patienten, so der Wahn beim Paranoiden und die Selbstverletzungstendenz (SVV) beim Borderliner.

Für mich steht ein frühkindlicher Vertrauensverlust in Beziehungen im Vordergrund der Genese des Syndroms. Ansich wünscht sich der  Erkrankte nichts sehnlicher als ein harmonische Verhältnisse z. B in einer Partnerschaft bzw. besonders in dieser. Die dabei aufkommenden Ängste sind zumeist autobiografisch begründet und führen zu den bekannten Symptomen in engen und speziell sexuellen Beziehungen. Genauer, denn eine sexuelle Beziehung gibt es nicht,  sollte man von zwischenmenschlichen Beziehungen sprechen, in denen auch Sexualität stattfindet. Wurde der frühkindliche Vertrauensverlust  mit durch sexuellen Missbrauch hervorgerufen, erweist sich das Sexuelle in einer späteren Beziehung als besonders schwierig. Es können Symptome wie Angst, Ekel, Frigidität, Nymphomanie, Promiskuität oder Anorexie auftreten. In der Anorexie wird die pubertierende Jugendliche Schutz suchend wieder zum Kind, von dem ein „Funktionieren“ in Sachen Sex nicht verlangt wird. Die Menstruationen bleiben aus.

Das Thema Sexualität ist aus zwei Gründen besonders wichtig. Da ist einmal eine frühkindliche unangenehme sexuelle Erfahrung oder gar ein sexuelle Missbrauch: Er schädigt die Psyche besonders des weiblichen Kindes. Das männliche Kind will Sexualität mit einer erwachsenen Frau als Verführer und als aktiver Part. Es fühlt sich daher weniger „beschmutzt“ als ein Mädchen. Möglicherweise tritt das Borderline-Syndrom daher bei Mädchen öfter auf (ca. 75 versus 25 %). Findet der Missbrauch vor dem 4. Lebensjahr statt, ist er als Trauma nicht erinnerbar – auch nicht in einer Psychoanalyse. Man kann dann nur indirekt (über Symptome) auf ihn schließen. Ein Pädophiler beendet seine Taten oft bevor ein Kind Sprechen lernt oder sein autobiografisches Gedächtnis erlangt.

Zum anderen kann aber die Kirche über ihre bestehenden Dogmen Sexualität an sich und damit kindlich-sexuell sich betätigende Kinder „missbrauchen“. Das geschieht,  indem sie heterosexuellen Sex außerhalb einer Ehe, z. B. im kindlichen Doktorspiel,  zur Sünde erklärt, einer Sünde, die ohne Beichte in die ewige Hölle führt. In der Literatur des Betanien-Verlages (Partner Erzbistum Paderborn) ist heute festgelegt, wie es sich nicht nur Paderborner Kinder lt. Bibel in der ewigen Hölle vorzustellen haben: „Welche Gnade ist für Sünder jedes nicht brennende Körperteil.“ Ich traf bisher keinen Erwachsenen, der an die Hölle „glaubt“. Wohl werden quälende Schuldgefühle angegeben, auch einmal Versündigungsideen. Wohl wird gebetet: „Gott, straf mich nicht. Sei mir gnädig.“ Das Dogma beider Kirchen, das Dogma Hölle ist aber so weit verdrängt, dass es geradezu lächerlich wirkt, darüber zu reden und zu schreiben. Aber weiter.

Der Einstein des Sex, Dr. Magnus Hirschfeld, beschreibt uns das Gefühl, das bei einem männlichen Gläubigen angesichts einer Vulva, dem Eingang also zur Vagina, aufkommen kann. Es sei der „Eingang zur Hölle“. Das macht in einer christlichen Gesellschaft jede Form von Sexualität problematisch, da sie irgendwo angst- und ekelbesetzt ist. Der später männliche „ekklesiogene“ Homosexuelle glaubt seiner Kirche das mit der Vulva und meidet u. U. eine heterosexuelle Beziehung folgerichtig zeitlebens. Erotisch lebt ein solcher Homosexueller oft hetero.  Er ist heteroerotisch und sucht auch im Beruf intensiven Kontakt zu Frauen. Einer heterosexuellen Borderline-Patientin stand Homosexualität wohl nicht als Weg zur Verfügung. Vielleicht wurde ihr in der Adoleszenz nie mit dieser Möglichkeit konfrontiert. Sie bleibt heterosexuell mit der in der Regel tief verdrängten seelischen Last der Versündigung während jeden sexuellen Kontaktes. Während die Häufigkeit des Borderline-Syndroms  hier mit 1-2 % angegeben wird, liegt sie im noch einmal christlicheren Nordamerika bei ca. 6 %.

Nahezu regelhaft werden von Erkrankten Eltern  beschrieben, zu denen sie kein Vertrauen entwickeln konnten. Es kam zu familiärer körperlicher und seelischer Gewalt. So entsteht Misstrauen als  ein Grundgefühl, das alle späteren Beziehungen belasten muss. Dieser Eltern-Ich-Konflikt wird potenziert durch einen Gott-Kind-Konflikt. Bei näherem Hinschauen verhält sich der Christengott um ein Vielfaches sadistischer, als es Eltern je seien können. Er quält Sünder mit Erdenstrafen und in einer nach Vatikanaussage schon heute funktionierenden Feuerhölle, aus der es kein Entrinnen gibt. Er führte den ersten Holocaust an Juden durch, die Sintflut. Ausnahmslos und verbrecherisch verbrannte er alle Kinder in Sodom und Gomorrha. Als Allmächtiger, und das empfand ich als etwa 5-jähriges Kind in der Schule als unterlassene Hilfeleistung, half er seinem „Sohn“ Jesus nicht in der Angelegenheit des Kreuzestodes. Er ließ diesen Tod geschehen. Jedes Kind dürfte so denken. Mein Vertrauensverlust war immens, fühlte ich mich  ja auch von diesem Wesen in ungeheurem Maße abhängig. Gott sollte ja entscheiden, wo ich die Ewigkeit verbringen würde: Im Feuer – oder im Himmel. Auch mögen Borderline-Eltern mit der Angst vor der Hölle erziehen: „Gott wird dich strafen“. Ein stabiles Selbstwertgefühl kann sich nicht entwickeln, wenn man in nach Meinung der Über-Ich-Produzenten (Eltern/Gott) minderwertig ist.

Über das Vertrauen in Beziehungen: Das Zusammenspiel Eltern/Religion stellt ein Trauma dar. Vertraute man als Kind einem pädophilen Verwandten, einem Geistlichen, einem Elternteil oder seinem Gott, wurde man unendlich enttäuscht. Man lernte: „Vertrauen nie und niemandem.“ Das Borderlinesyndrom ist eine posttraumatische Belastungsstörung.

Schuldgefühle stehen oft im Zentrum des Erlebens bei Borderlinern. Es sind in einer hochchristlichen Gesellschaft aber automatisch Sündengefühle. Die Sünde ist als klerikale Erfindung die Überhöhung auch jeder noch so kleinen Schuld ins transzendental Unermessliche. So klein die Sünde ist, siehe Evas Sündenfall, so groß ist ihre Bestrafung. Ein herzhafter Biss in einen Apfel löst einen Kindern unverständlichen Amoklauf des Apfelbesitzers aus. Auch diese Geschichte ist klerikal erfunden, um Kindern die absolute Kleinlichkeit ihres „persönlichen Gottes“ vor Augen zu führen. Man will als Kirche Angst erzeugen, Kinderangst. Es ist Kirchenpolitik, unseren Gott vor Kindern als brutaler zu beschreiben als Hitler es war. Ich halte das für Gotteslästerung. Angst vor dem Jenseits sei ein „Geschäft der Kirchen“. Das gibt nicht nur Bischof Nikolaus Schneider zu. Dass es durch diese Angst zu ekklesiogenen Krankheiten kommt, wissen die Amtskirchen über die umfangreiche Literatur (z. B. C. G. Jung, Eugen Drewermann, Norbert Frenkle, Eugen Biser). Es ist ihnen aber einerlei. Ein Erkrankter wird in der Regel vehement jeden Glauben an die Hölle von sich weisen. Nicolas Gomez Davila dazu: „Wir glauben an all die vielen Dinge, an die wir nicht zu glauben glauben.“  Die Borderlinerin Morgantau in Grenzposten 25. „Ich wurde wütend auf Gott und wandte mich von ihm ab, fiel schließlich in meine erste Depression.“ Wegen ihres Abwendens und der daraus sich ergebenen Sündengefühle? Das wirkliche Atheistsein bekommt man nicht geschenkt. Viele müssen vor der Genesung in die (irdische) Hölle. Das Titelbild der Zeitung Grenzposten, Ausgabe 10, drückt etwas von dieser Feuerqual aus.

Psychiater sprechen mit Patienten nur ausnahmsweise und ungerne über Religion. Der Grund liegt in eigenen negativen Erfahrungen mit ihr (nach Lütz). Ich habe die Zusammenhänge im Buch „Die Neurose der Psychiatrie“ (unter www.frank-sacco.de) zusammengefasst. In Gesprächen über Religion müsste man als Psychiater Kirche und „Gott“ kritisieren und ihnen Schuld an Erkrankungen geben. Hier befürchtet man eine erneute Versündigung und damit das Wiederaufleben quälender Angstgefühle. Eine ganz erstaunliche Entdeckung machte die Autorin L. I. Hofmann während ihrer Doktorarbeit an der Uni Oldenburg 2010: „Religiosität und Spiritualität in der psychologischen Praxis", siehe Google.  Die deutschen Psychiater und Psychologen, nach außen hin durchaus säkularisiert wirkend, erweisen sich in der Studie Hofmanns als vergleichbar stark gläubig wie ihre Kollegen im strenggläubigen Nordamerika. Der Anteil derer, die an keine Transzendenz glauben, liegt weit unter 10 %. Hofmann: „Anhand der soeben dargestellten Befunde wird deutlich, dass das Klischee des areligiösen, rein wissenschaftlich-säkular orientierten Psychotherapeuten, der den Themenbereichen Spiritualität und Religiosität prinzipiell wirklich kritisch bis wirklich ablehnend gegenüber steht, keine Bestätigung findet. Im Gegenteil, ein Großteil der befragten Psychotherapeuten zeigt eine transzendenzoffene Haltung und für viele scheinen Spiritualität bzw. Religiosität auch im persönlichen Leben eine bedeutsame Rolle zu spielen.“

Leider hat sich die heutige Deutsche Psychiatrie gegenüber ihrem größten Arbeitgeber noch nicht emanzipiert. Das muss geändert werden. Die zurzeit propagierte Verhaltenstherapie bei Borderlinepatienten, die  Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT), sollte mit einer ekklesio-adversativen Therapie, einer EAT kombiniert werden. Sie besteht in einer Aufdeckung der prinzipiellen Schädlichkeit von Religion. Alle Religionen sind menschlich gestaltete Systeme von Grausamkeiten.

Das selbstverletzende Verhalten (SVV) ist bei der ekklesiogenen Borderlinestörung  ein ekklesiogener Masochismus, wie ich ihn auf meiner Homepage beschreibe (s.o.). Es bewirkt über einen Abbau von Ängsten und Schuldgefühlen eine sofortige Erleichterung. Der Ödipuskonflikt ist entgegen der Annahme  Sigmund Freuds kein Vater-Sohn-, sondern ein Gott-Gläubiger-Konflikt. Ödipus brannte sich masochistisch beide Augen aus als ein Opfer an Zeus. Dieses Opfer sollte ihn vor der Hölle des Zeus, dem Hades bewahren. Als Blinder fühlte Ödipus sich dann deutlich  besser. Er hatte seine Schünde, die der griechische Götterhimmel in seinem Inzest mit seiner Mutter sah, hier auf Erden abgetragen. Heute wissen wir: Das Opfer war ebenso unnötig wie es das SVV heute ist. Zeus ist mitsamt seinem Götterhimmel  eine ebensolche Erfindung wie der hitleroide Gott der Amtskirchen. Ein Gott, der die Liebe ist, wird niemals folternd strafend aktiv werden wollen. Dann würde er sich auf eine Stufe mit Hitler stellen. Dazu spürt unser Gott kein Verlangen. Die Folter haben Menschen erfunden. Und auch den folternden Gott.

Das Nicht-Nein-Sagen-Können, diese Abgrenzung zu den Forderungen der Umwelt, die so empfundene mangelnde Identität und die Schwierigkeit, in Diskussionen eigene Meinungen vorzubringen, resultieren beim ekklesiogenen Borderlinepatienten aus der Forderung Jesu, eigene Wünsche hintanzustellen. Selig seien die Sanftmütigen und Demütigen. Die kommen nicht in die so angstbesetzte Hölle. Ein „Nein“ wird vom Patient als Verweigerung der Nächstenliebe und damit als Sünde im Sinn der Bergpredigt empfunden.  Schon die kleinste Sünde kann höllenwürdig sein, so das Dogma der Amtskirchen. Auffällig ist nur, dass der von ihnen propagierte Gott der größte Sünder überhaupt ist: Er ist nach Kirchenaussage  der Täter der Sintflut und hat dieses Verbrechen niemandem gebeichtet. Auch als Gott oder Jesus eine Folterhölle für Andersgläubige einzurichten, ist ein schwerer Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf Religionsfreiheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit). Sollen am Jüngsten Tag bei Auschwitz aus den Gräbern auferstanden Juden gleich in das nächste, dann ewige  KZ überwechseln? Christentum und speziell christliche Mission ist solange Kindesmissbrauch, als in ihr diese völlig unchristlichen Gottesbilder (Bibel-Gott und Bibel-Jesus) in finanziellem Eigennutz vermittelt werden.

Vererbung? Sie ist Spekulation. Bei Erkrankten sind Veränderungen morphologischer und elektrischer Art im sog. Limbischen System beschrieben. Von Morphologie alleine kann ebenso wenig auf Vererbung geschlossen werden wie von der Konkordanz her. Eine fehlende Vorhaut bei jüdischen eineiigen Zwillingskindern  (Konkordanz 100 %) ist nicht vererbt.  Neuroleptika verändern das Gehirn ebenso wie gewisse Denkmuster.

Nicht immer ist eine Borderlinestörung ekklesiogen mitbedingt. Diese Arbeit soll Therapeuten und Erkrankten Mut machen, das Christentum anders als einen positiven Resilienzfaktor bezüglich der Therapie der Störung zu sehen. „Hilfreich“ ist eine Religion nur in der völligen Unterwerfung unter ihre Dogmen, ein Phänomen, das wir heute bei unserer Psychiatrie wahrnehmen. Angst vor ewiger Folter sei kein Trauma, so Prof. Diefenbacher, Berlin. Nur das wirkliche Erleben der Hölle könne eine posttraumatische Belastungsstörung bewirken. Diese Irrigkeit habe ich die Berliner-Psychiater-These genannt. Würde jemand anderes als seine Kirche (als sein „Gott“)  dem Mädchen eines Psychiaters mit Feueranwendung drohen, würde der Vater mit Wahrscheinlichkeit die Polizei einschalten – aus Angst vor schrecklichen Folgen für sein Kind. Eine ernst gemeinte Androhung schwerer Folter  wirkt sich immer negativ aus. Sie ist den Amtskirchen in Deutschland übrigens grundgesetzlich verboten. Sie praktizieren das Christentum als politische Philosophie. So wird Glaube zu einem totalitären System. Das beginnen wir zurzeit bei anderen Religionen zu begreifen. Ein Fortschritt.

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