CO2-Spekulationsblase

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euro-76016_640Nicht jeder weiß, dass es eine CO2-Spekulationsblase in den Unternehmensbilanzen gibt. So bezeichnet man Vermögenswerte mit bisher nicht bewerteten Systemrisiken, die aus dem CO2-Ausstieg kommen. Je nachdem, wie stringent die Politik die CO2-Abkehr gerade umsetzt, verlieren z.B. Kohlekraftwerke ihren Wert, und die Bilanzen können ja nicht über Nacht angepasst werden (Bild: geralt, pixabay).

Die CO2-Spekulationsblase ist also eine politisch gemachte Blase. Nun wird sich der bei der EZB angesiedelte Europäische Systemrisikorat darum kümmern, und zwar weil die Grünen-Politiker Sven Giegold und Reinhard Bütikofer darum gebeten haben. Das interessante ist weniger die Blase als solche und auch nicht die Nachfrage deswegen, sondern die Personalie von EZB-Chef Draghi.

Der Mann hat kein politisches Mandat, aber er übernimmt ganz selbstverständlich die Aufgabenverteilung von so einer hochpolitischen Sache, und die Abgeordneten finden das prima. Womöglich plant Draghi schon die nächsten Subventionen? 2 Mrd. / Tag Aufkauf-Hilfe für die Banken gibt's ja derzeit, und da ist bloß von Liquiditätshilfe die Rede, bzw. "Quantitative Easing", bzw. "Outright Monetary Transactions". Es gibt gar keinen echten Anlass für diese Subventionen, zumal sie sich bisher als wirkungslos erwiesen haben.

Aber: damit schafft die EZB Blasen. Das Geld kommt bei der Allgemeinheit nicht an und schafft keine direkte Inflation. Aber es geht in Aktien, Immos und andere Anleihen und schafft eine Vermögenspreisinflation.

Was wird dann erst, wenn es um echte Systemrisiken geht, an denen allein die Politik schuld ist? Vielleicht kommen dann Zahlungen von 1 Mrd. / Tag an die Kohlekraftwerke?

Giegold-Info

Der Vollständigkeit halber bringen wir die Info von Giegold (8.3.), die das Problem nochmal erklärt, mitsamt den Brief-Texten, die nur am Rande interessant sind.

Europäischer Systemrisikorat (ESRB) zum Problem der CO2-Spekulationsblase in den Unternehmensbilanzen

EZB-Präsident Draghi erkennt Problem der CO2-Spekulationsblase an

Das war doch ein schöner kleiner Erfolg. EZB-Präsident Mario Draghi sagte Reinhard Bütikofer und mir zu, dass er bald den Europäischen Systemrisikorat (ESRB) beauftragen wird, sich um das Problem der CO2-Spekulationsblase in den Unternehmensbilanzen zu kümmern. Dazu hatten wir ihn gemeinsam angeschrieben. Das ist ein Fortschritt für den Klimaschutz. Denn in den Bilanzen vieler Unternehmen finden sich Vermögenswerte, deren angesetzter Wert von der Annahme ausgeht, dass echtes Handeln gegen den Klimawandel unterbleibt. So sind Kohlekraftwerke, Öl-, Gas- und andere Schürfrechte überbewertet. Wenn die Weltgemeinschaft endlich mit dem Klimaschutz ernst macht, wären die Unternehmen gefährdet. Daher ist gut, wenn sich nun der ESRB damit befasst! Denn seine Aufgabe ist es, systemische Krisen im Finanzsystem zu verhindern. Jetzt bin ich gespannt, was dabei rauskommt und werde die EZB beim Wort nehmen.

Das Problem der "Carbon bubble" bekannt durch diesen interessanten
Forschungsbericht: http://www.carbontracker.org/wp-content/uploads/2014/09/Unburnable-Carbon-Full-rev2-1.pdf

 

Hier der Text unseres Briefs von Mario Draghi:

Dear Mr Bütikofer, dear Mr Giegold, dear Members of the European Parliament,

I would like to thank you for your letter of 9 December 2014 which highlights your concerns on the long-term sustainability of investment involving fossil fuels reserves. I am aware of the increasing attention which this issue is encountering among environmental economists and the public at large.

As you probably know, the ESRB discussed this issue in early 2012, following a collective letter I recieved from high level representatives of the financial sector, members of academia, environmentalists and other stakeholders.

I agree with your suggestion to submit the issue to the new Advisory Scientific Committee, which is being nominated. As soon as the new Chair and Vice-Chairs will have been named, I will be in contact with them to make sure they would address the concerns you raised.

Yours sincerely
Mario Draghi"


Hier der ursprüngliche Brief an Mario Draghi

Brussels, 9 December 2014

Dear President Draghi,

We are writing this letter with regards to the growing concern of a potential risk for an EU financial carbon bubble.

As the European Systemic Risk Board (ESRB) develops its 2015 annual report, we urge it to investigate how the exposure to high carbon investments might pose a systemic risk to our financial system and what the options might be for managing this potential threat to our economic security.

If we are serious about limiting global warming to 2 degrees Celsius, the majority of fossil fuel reserves must be kept firmly in the ground, which would turn them into stranded financial assets. McKinsey and the Carbon Trust have calculated that this could endanger more than 30-40% of company value. This could therefore have significant consequences for our financial system.

This so-called carbon bubble has been recognized by a variety of financial stakeholders. In October of this year, for example, your colleague Mark Carney, Governor of the Bank of England, stated that the vast majority of oil reserves must be considered unburnable if the world is to avoid catastrophic climate change.

In this context and with the background of the upcoming major climate conference in Paris in 2015, we ask you to look into this issue and dedicate a special chapter in the next ESRB annual report focusing on the potential systemic risks of a carbon bubble to the European financial system and identifying pathways for mitigating this risk. Given its significance over the long term, we hope that the ESRB can incorporate this research into its future work, with the appropriate expertise and personnel and kindly ask you to also request in your quality of ESRB President, and in conformity with article 12.3 of Regulation (EU) No 1092/2010, specific advice from the ESRB Advisory Scientific Committee on that matter. We look forward to hearing from you in due course.

Yours sincerely,
Reinhard Bütikofer
Sven Giegold

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