Und der nächste Bankenskandal heißt: Retrozessionen

image_pdfimage_print

more-687241_640Retrozessionen ist das Schweizer Fachwort für Provisionen und andere Kick-back-Zahlungen. Also wer einer Schweizer Bank sein Geld gibt, und die legt das Geld an, dann kassiert sie beim Anleger Retrozessionen. Dieser orientalische Gebrauch ist in der Schweiz anders als woanders, denn die Provisionen gehören dem Bankkunden, nicht der Bank. Die behält sie aber trotzdem ein (Bild: geralt, pixabay).

Das ist der Gegenstand des brandneuen Bankenskandals, wie ihn die Süddeutsche Zeitung am 16.4. schildert unter Geldanlage – Schweizer Banken behalten zu Unrecht Provisionen ein: Finanzprodukte werden um so heftiger beworben, je zweifelhafter sie sind, es gibt sogar Provisionen, z.B. wenn Kunden den Anbieter wechseln. In der Schweiz hat das Bundesgericht in zwei Urteilen entschieden, dass diese Retrozessionen den Anlegern zustehen und nicht den Banken. Trotzdem haben Schweizer Banken die Retrozessionen oft nicht an ihre Kunden weitergegeben.

Sowas geht natürlich schnell in die Millionen, und je mehr Geld, desto größer die Begehrlichkeit. Also baut man bankerseits Hürden auf, damit die lieben Kunden nicht an ihr Geld drankommen. Vieles ist ja Schwarzgeld, und das bringt den Kunden in eine schwache Position. Wird er gegen seine Bank klagen und womöglich den deutschen Fiskus auf sich aufmerksam machen?

Eher nicht. Wer sein Schwarzgeld liebt, der will es perfekt verbaggern, und darum lässt er die Unterlagen und Belege bei der Bank. Das ist praktisch für die Banken, denn wenn der Kunde sagt, er habe einen Vermögensverwaltungsauftrag erteilt, dann kann die Bank ihn nicht mehr finden. Der Clou: wenn es nur ein Beratungsvertrag war, dann gilt das Provisionsgesetz nicht, denn der fällt nicht unter die Urteile der Lausanner Richter.

Die Bank kalkuliert die Bredouille des Steuerbetrügers ein, wenn sie ihn betrügt. Sie weiß, der kann nicht laut schreien, wenn er dem deutschen Finanzamt entgehen will. Und wenn er bereits gebeichtet hat? Dann muss er diverse  Prozesse führen und will sich in Zürich nicht noch einen Prozess ans Bein binden.

"Im Abkassieren sind die Schweizer Banken Weltmeister", zitiert die SZ, und das muss man neidlos zugestehen. Da haben die Schweizer Gerichte schon mal einen Keil in die Bankenbescheißerei getrieben, und es bleibt ohne Wirkung. Frage dabei: wie sieht's in Deutschland aus?

Da gibt es solchen Kundenschutz nicht, und die Banken dürfen abzocken wie im Basar. Dafür wurde die Rechtsposition des Kunden bei der Beratung gestärkt – mit fast ebenso wenig Wirkung.

Je länger dieses Tamtam mit der Bankenregulierung dauert, desto klarer tritt die Wahrheit zutage: Unterm Strich ändert sich nix. Es wird mal was gedreht und gewendet, aber das wirkt dann aus allerlei Gründen nicht, weil es immer neue Ausweichmöglichkeiten gibt.

Ein weiteres Beispiel von der Schwarzgeldfront liefert die deutsche Behandlung der Luxemburg-Leaks. In einer monatelangen konzertierten Aktion haben es die Zuständigen aus Bund und Ländern (=Verhinderungskoalition) geschafft, folgendes gegen die aufgeflogenen Firmen zu unternehmen:

Nichts.

Inhaltlich wird das bereits abgehandelt in Hexenjagd statt Problembewältigung. Weitere Links:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Und der nächste Bankenskandal heißt: Retrozessionen

  1. Die Bank gewinnt immer — egal, ob man sich dort Geld leiht oder sein Geld bei der Bank deponiert.

    Im Erfinden verschwurbelter Begriffe, um das eigene Tun zu umschreiben, sind wir Menschen bisweilen sehr talentiert — die einen mehr, die anderen noch mehr …

Schreibe einen Kommentar