That’s Greek to me

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dollar-653241_640geraltDieser englische Spruch übersetzt sich in das kommt mir spanisch vor. Man könnte aber auch was Portugiesisches, Irisches oder Zypriotisches davon machen – und schon landet  man im aktuellen Euro-Getümmel (Bild: geralt, pixabay).

Griechenland war nicht brav und hat seine Reformversprechen nicht gehalten, zum gefühlt 100. Mal. Im Grunde hat man nur superharte Sparmaßnahmen als Reformen verkauft. Aber es gilt das Motto give Greece a chance, und Griechenland rechnet sich wieder schön. Dafür hat die griechische Regierung jetzt diejenigen Steuerreformen versprochen, die andere griechische Regierungen schon 100-mal versprochen und nie gehalten haben. Und alle glauben den Griechen.

Jedenfalls tun sie so – wissenbloggt als Spezialist für Unglauben kann da nicht folgen. Die Sache ist einfach zu unglaubhaft. Die Durchsetzung der Reformen – unglaubhaft. Das Zurückzahlen der Kredite – unglaubhaft. Nur beim IWF geht es nach regulären Maßstäben zu, d.h. es werden Zinsen gezahlt und die Kredite getilgt. Was schon die geringen IFW-Kredite für Urständ machen, zeigen ein paar Artikel der Süddeutschen Zeitung:

Das Geld wird nur von A nach B verschoben, und nächsten Monat wieder anders. Der Vergleich der aktuellen Rettungslage mit dem Zustand vor einem Jahr zeigt, dass sich nichts ändert:

  • "Haben Versprechen gehalten" – Troika gibt Griechen-Hilfen frei (n-tv 18.3.14): "Griechenland hat im Mai einen erheblichen Finanzierungsbedarf, aber ich bin zuversichtlich, dass das geschafft wird" – und das war der Mai vorigen Jahres.
  • Euro-Krise – Griechische Wirtschaft schrumpft nur um 0,9 Prozent (SZ 6.6.14): Der tiefe Fall Griechenlands verlangsamt sich: Anfang 2014 ist das Bruttoinlandsprodukt so gering gesunken wie zuletzt Mitte 2008 – also trotz hunderter Milliarden Hilfe wird es schlechter. Bei 11 Mio. Bewohnern hat der  Staatshaushalt 2014 Einnahmen von 80 Mrd. und Ausgaben von 85 Mrd., 2009 waren es 90 Mrd./125 Mrd. (bei den Einnahmen sind die Kredite dabei)
  • Griechischer Steuereintreiber – Der Oligarchen-Schreck muss gehen (SZ 6.6.14): Er hat Reeder und andere Superreiche zur Kasse gebeten, nun zwingt die griechische Regierung den obersten Steuereintreiber des Landes zum Rücktritt. War er zu erfolgreich?
  • Griechenland Geld? Nein, danke (SZ 4.7.14): Die Athener Regierung habe ihren Teil der Abmachung erfüllt und erziele mittlerweile – bei Herausrechnung der Zinsausgaben – Haushaltsüberschüsse. Auch habe man die vereinbarten Reformen auf dem Arbeitsmarkt, im Sozialwesen und bei der Bekämpfung der Korruption planmäßig umgesetzt.
  • Das griechische Schuldendrama (morgenweb 17.2.) fasst die Zahlen zusammen, hier werden sie mit einer aktuellen Aufstellung aus dem Stern (nicht online) vereinigt:
Rettungsschirme Träger Betrag(Mrd.)  
EFSM EU 60  
EFSF Euroland 440 1
ESM Euroland 705  
IWF international 81,40 2
Bilateral 1 Europartner 51  
Bilateral 2 Europartner 141  
Sonderkonten ELA Euroland 65 3
Target 2 (Bild) EZB 1000 4
EZB-Liquiditätshilfe EZB 1000 5

1) Laufzeiten: Die Hilfskredite unter dem Euro-Rettungsschirm EFSF haben eine durchschnittliche Laufzeit von rund 32 Jahren. Die ohnehin niedrigen Zinsen werden erst von 2022 an fällig. Auch die Tilgung beginnt beim EFSF erst 2022, z.T. erst ab 2054
2) nur beim IWF=Internationaler Währungsfonds gibt's Kommastellen und regulären Zins und Tilgung
3) ELA=Emergency Liquidity Assistance, also Liquiditätshilfe im Notfall, Zins 1,55% (EZB-Kredite 0,05%), aber die Zinszahlungen sind ausgesetzt
4) die 1000 Mrd. sind die Schulden der Südländer gegenüber Deutschland und Luxemburg, offiziell bürgt Deutschland für 27% davon (unglaubhaft), die Kurve geht im April und Mai steil nach oben
5) die 1000 Mrd. sind das Ziel, das mit 60 Mrd. pro Monat angestrebt wird. Damit werden die Staatsanleihen aufgekauft, die sonst keiner kaufen will. Vorab hat die EZB schon für ca. 200 Mrd. Staatsanleihen gekauft und viele auch als Sicherheiten übernommen

Dazu kommen "nicht zurückzahlbare Buchungspositionen". Das Ganze ist voller Widersprüche und Intransparenzen wie die gesamte Eurozone. Es gibt keine Rechnungslegung, und das meiste Geld geht eh an die Banken. Dass die Zahlen nicht übereinstimmen, muss da nicht wundern. Bei den Schulden von Griechenland leist man auch 315 oder 322 Mrd., und dabei fehlen die ganzen Subventionen hintenrum. Die Rückzahlung betrifft bisher nur den IWF:

Land gezahlt von ges.
Ire 20,1 67,5
Gre 12,7 215,7
Por 6,5 76,9
E 3,1 41,3
Zyp 0 6,1

 

Wie die Finanzwelt auf die Euro-Jonglage reagiert, zeigt ein Artikel vom Stern, Bonitätsnote gesenkt – Für Moody's ist Griechenland nur noch Ramsch (stern 30.4.): Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote des pleitebedrohten Eurostaates Griechenland noch weiter gesenkt (von Caa1 auf Caa2, eine feine Unterscheidung innerhalb des Beinahe-Pleite-Bereichs).

 

Weitere Links: Mehr Wahrheit über Griechenland und Parade der Lächerlichkeiten

 

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