Neukolonialisierung Afrikas?

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earth-112388_640Die Immigration aus Afrika ist Thema vieler Überlegungen. Der Schrecken der Mittelmeer-Überquerung in  Schleuser-Booten macht klar, dass Hilfe nötig ist. Mit der Art dieser Hilfe beschäftigt sich  dieser Artikel (Bild: geralt, pixabay). Letzthin fokussiert sich die Diskussion auf 3 Punkte, wie sie in dem wissenbloggt-Artikel Migration versachlicht ausführlicher beschrieben sind:

  1. klar definieren wer kommen soll, mit Visa und Flugreisen für die Betroffenen
  2. Rückkehr-Garantie für die anderen, schon in den Herkunftsländern klarmachen wer kein Visum kriegt, und das auch durchziehen.
  3. für diese Menschen ein Hilfs- und Kooperationsangebot in den Herkunftsländern aufbauen

Selbstverständlich sollen alle boat people gerettet werden, aber sie sollen dadurch kein Bleiberecht erzwingen können. Angesichts der Zahlen ist es nicht anders möglich. Dies Jahr werden bis zu 1 Million Immigranten aus Afrika in Europa erwartet, es können ohne weiteres 2, 5, 10, 20, 50, 100 Millionen werden. Afrikas Bevölkerung hat sich in den letzten 65 Jahren verzehnfacht, in den nächsten 35 Jahren wird nochmal eine Verdoppelung auf 2 Milliarden erwartet.

Wenn alles zum besten bestellt wäre, könnte Afrika diese 2 Milliarden Menschen mühelos erhalten, das Land und seine Ressourcen sind mehr als ausreichend dafür. Es ist aber nicht zum besten bestellt. Viele Staaten sind mit Krieg (auch dank USA) und Bürgerkrieg überzogen, viele sind failed states, wo Anarchie herrscht, in vielen haben die Kleptokraten den Staat in die Insuffizienz getrieben.

Helfer in der Kritik

Das wirft die Frage nach der Hilfe auf: Wer soll die tragen, und wie soll sie aussehen? Es geht jetzt nicht ums Geld, das müssen alle nach Kräften  beisteuern. Es geht um die Fähigkeit, überhaupt effiziente Hilfe zu leisten.

  • die Entwicklungshilfe ist nie über einen Wirkungsgrad nahe 0% hinausgekommen, siehe  Entwicklungshilfe neu hinterfragt. Das Geld kommt in den meisten Fällen nicht bei den Bedürftigen an; dieses Verfahren ist nach den Maßstäben der Vernunft disqualifiziert.
  • feelikemedie Methode USA wird in dem Bild karikiert: Wir sind hier, um Euch Demokratie zu bringen. Wenn wir mit dem Bombardieren & Töten fertig sind und Euer Öl abgepumpt haben, installieren wir eine Marionettenregierung, die von den Banken kontrolliert wird, genau wie in Amerika. Dann seid Ihr frei wie wir! Das Bild sagt alles und disqualifiziert die Methode USA nachhaltig
  • die Methode Euroland wird gerade bei der Griechenland-Hilfe durchgezogen. Sie erreicht einen Wirkungsgrad weit unter 0, je mehr geholfen wird, desto schlimmer wird die Situation. Das sollte die Hilfsmethoden der europäischen Organisationen nach allen vernünftigen Maßstäben disqualifizieren
  • die lokale Alternative ISIS will einen mittelalterlichen Gottesstaat als Lösung und ist erst recht schlecht: Mittelalterliches Leben heißt hohe Geburtenrate und hohe Sterberate,  rudimentäre Infrastruktur, unzureichende Versorgung sowie technischen und zivilisatorischen Rückschritt; damit ist sie auch disqualifiziert
  • bleiben die Kolonialmächte von früher, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal usw. Die waren erstmal darauf bedacht, so viel Geld abzusaugen, dass sie ihre Protzbauten mit griechischen Säulen schmücken konnten (London, Paris, Madrid und Lissabon sind voll davon). Sie haben Aufstände und Befreiungskriege provoziert, disqualifiziert sie das auch? Immerhin wird vielem aus der Kolonialzeit nachgeweint.

Realität

Realistisch betrachtet, ist die Neukolonialisierung längst in Gang. Sie heißt heute Landnahme. Die kolonialen Eingriffe umfassen nicht nur die Vergabe von riesigen Ackerflächen an internationale Konzerne, sondern auch die Spekulation damit. Sie umfassen eine EU-Agrarpolitik, die mit ihren  Agrarüberschüssen (eher Abfällen) die afrikanischen Märkte kaputtmacht, während EU-Trawler zugleich an der Überfischung der afrikanischen Gewässer mitwirken. Sie umfassen die von den USA angezettelten Kriege in Libyen (auch Irak und Afghanistan), den Waffenhandel und die Handelsdominanz und Machtverzerrung, die zur Ausbeutung führt. Sie umfassen die Duldung der Kapitalflucht in die Steueroasen, mit der die kleptokratischen Eliten gefördert werden.

Aber die Neukolonialisierung wird von der Privatwirtschaft und von  kommerziellen Interessenten durchgeführt. Mit Hilfe für Afrika hat das nix zu tun. Die Frage ist, wäre eine Länderpartnerschaft hilfreich, so in der Art, ihr seid für 10-20 Jahre unsere Kolonie, und wir kümmern uns dafür um euch?

Wenn es in den betroffenen Ländern wirklich so schlecht steht, dass die Menschen davonlaufen möchten, könnte sich das als gangbarer Weg erweisen. Man darf natürlich nicht die Kleptokraten, Piraten und Räuberhäuptlinge fragen, sondern man müsste sich direkt an die Bevölkerung wenden (wer solchen Völkerrechtsbruch scheut, der wende sich an die USA mit ihren Erfahrungen bei Marionettenregierungen).

Wer Aufklärungskampagnen unternehmen will, um die unerwünschten Ausreisewilligen zu informieren, der kann auch solche Inhalte anbieten. Die Zurückgeschickten als Informationsüberbriger, das wäre eine gute Lösung: In der Ferne klappt es nicht, aber zuhause wird uns geholfen, wenn wir mittun.

Wirtschaftswunder

Das könnte der Weg in ein afrikanisches Wirtschaftswunder sein. Ein afrikanischer Staat wird temporär zur Kolonie eines europäischen Staats, und die verschiedenen Partnerschaften konkurrieren darum, welche Partner das beste Wunder vollbringen – zum beiderseitigen Vorteil. Die europäische Seite profitiert von Märkten und Rohstoffen, die afrikanische von Aufbau, Infrastruktur und Korruptionsbekämpfung.

Deutschland hatte ja mal Erfahrung mit dem Wirtschaftswunder. Aktuell hat z.B. die Türkei Erfahrung damit und die Tigerstaaten und China. China weiß sehr gut, wie Wirtschaftswunder geht. Nur hat man dort wenig im Sinn mit Demokratie und Menschenrechten, dafür um so mehr mit chinesischem Weltmachtstreben.

Da ist die europäische Hegemonie vorzuziehen, weil sie abgeklärter und menschenfreundlicher ist. Das sollte sie beweisen, indem sie die Ausbeutung beendet, samt der ganzen Schadmaßnahmen, siehe auch Armes Afrika. Fairer Handel bringt Vorteile für beide Seiten. Es gibt keinen Grund, warum man ausgerechnet die Ärmsten am meisten ausbeuten sollte, zumal doch jetzt die Hilfsbereitschaft überall zu sehen ist. 

Ach ja, die 360 Mio. von Elmau wären ein guter Anfang gewesen (siehe Bonzenfreie Zone für Elmau!). Dort in Elmau werden sie verpulvert. Auf dem Konto für Afrika würde sich das Geld besser machen, in der Hoffnung, dass es bald Strukturen gibt, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann.

Links von wb zum Thema:

… und die letzten news darüber, was aus den 360 Mio. wurde:

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