Endlich Lösung für CO2-Problem!

image_pdfimage_print

631px-Main_symptoms_of_carbon_dioxide_toxicity_DE.svgWir haben zu viel Kohlenstoff im Klima, und das macht vielen Leuten Kopfschmerz (ab 5% Konzentration CO2 in der Luft kommt der von allein, siehe das Bild von Sponk (talk), Wikimedia Commons).

Das Verbaggern der Gase per CCS (engl. Carbon Dioxide Capture and Storage) bleibt uns wohl erspart, wir müssen also keine CO2-Leaks befürchten, die solche Konzentrationen schaffen könnten. Aber was dann?

Einen hilfreichen Hinweis gibt u.a. das Motherboard (so nennt man die Hauptplatine beim Computer): DARPA: We Are Engineering the Organisms That Will Terraform Mars (24.6.). Die DARPA ist eine regierungsnahe Militärforschungsfirma (Defense Advanced Research Projects Agency), und sie beglückt die Öffentlichkeit mit der Aussicht auf Organismen, mit denen man den Mars terraformieren kann.

Terrraformieren ist ein Begriff aus der Science Fiction, bei dem es darum geht, fremde Planeten für Menschen bewohnbar zu machen. Im Fall des Mars' sollen das Organismen richten, die den Planeten aufheizem, indem sie die Atmosphäre verdichten. Auf der öden Marsoberfläche sollen Bakterien, Algen und grüne Pflanzen wachsen.

Der euphorische Artikel berichtet, zum ersten Mal hätte man nun einen technologischen Werkzeugkasten, mit dessen Hilfe lebensfeindliche Gebiete auf der Erde in -freundliche umgewandelt werden können – und eben auch der Mars. Es geht um gentechnisch erzeugte Organismen aller Art (genetically engineered organisms of all types), nicht nur Colibakterien und Hefe, die bisherigen Testfavoriten.

Andere Artikel von vor einem Jahr feiern ähnliche Erfolge, wobei man sieht, dass sich der "Meilenstein" doch etwas hinzieht:

Das Versprechen ist, man kann Organismen mit denjenigen Eigenschaften herstellen, die gewünscht werden. Dazu gibt es eine genome annotation software mit den Bausteinen, die der Genbastler braucht, quasi eine “Google Maps of genomes” – ein Strom von genetischen Daten (siehe auch Biologische Zukunftsperspektiven). Das Ziel sei nun, die versammelten Informationen aus den Datenbanken im wahrsten Sinn des Wortes zum Leben zu erwecken. Das soll pro kreiertem Organismus einen Tag dauern.

Dazu werden die Bausteine aus den unterschiedlichsten Lebensformen hergenommen und für neue Zwecke angepasst, bis ein komplett neuer Organismus entsteht. Los geht's mit Bakterien und anderen Mikroorganismen, und wenn die Menschheit das ohne tolle neue Seuchen übersteht, geht es ans Basteln von Mehrzellern.

Die Idee, das zuerst auf dem Mars zu probieren, hat natürlich den Charme, dass die Risiken auch dorthin verlagert werden. Möglicherweise klappt's ja auch. Im Grunde spricht nix dagegen, dass speziell entworfene Organismen dort Erfolg haben könnten. Weniger schön ist die andere Perspektive, dass die Methode auch auch der Erde Erfolg haben könnte. Nämlich nach Natur- oder menschengemachten Katastrophen, wenn nur verbrannte Erde hinterbleibt.

Falls diese Katastrophe aus dem Genbaukasten kommt, ist es wirklich ein Rundum-Service. Dann könnte es sehr nützlich sein, wenn der Mars bewohnbar wird. Mit ein bisschen Übung in den lebensfeindlichen Erdarealen (die hoffentlich nicht genmanipuliert zustandekommen) wird's der Genbaukasten auf dem Mars schon richten.

Diese Aussichten haben dem Genbaukasten viel Aufmerksamkeit eingebracht, die jetzt mit der Mars-Idee nochmal angefacht wurde (obwohl es im Grunde nix Neues war). Die Marsmission lockt dafür einen wirklich neuen Gedanken hervor, der bloß nicht so ganz ernst zu nehmen ist.

Warum verlagern wir unser CO2 nicht zum Mars?

Hier stört es nur, und wenn man's per CCS verbaggert, wird's sogar gefährlich. Auf dem Mars wär's hochwillkommen, denn die Gen-Organismen brauchen CO2. Die Mars-Atmosphäre besteht zwar zum größten Teil aus Kohlendioxid, aber sie ist so dünn wie der irdische Luftdruck in 35 km Höhe. So hoch wächst ja nix.

Also Raumschiffe bauen, das CO2 reinpumpen, und ab damit zum Mars. Dass die Energiebilanz schrecklich ausfällt und millionenmal mehr CO2 erzeugt als wegschafft, stört nicht so sehr. Das macht die Sache zum selbstverstärkenden Kreislauf, also richtig erfolgreich. Wir setzen am besten die Euro-Politiker dran, die haben den passenden Durchhaltewillen für total vermurxte Projekte.

Wahrscheinlich glauben sie auch der Mars-Werbung, die da behauptete Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück (1966). Zuletzt wurde der Slogan gewandelt in Nimm Mars, gib Gas (2007). Das klingt irgendwie genau richtig, nicht wahr?

 

Links dazu: Energiewende mit Geschick und Ein Häuschen am See im Weltall

 

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Satire, Wissenschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar