Grexit oder Grexitus

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400px-GriechenDDRDas Bild von Stupidedia ist nur scherzhaft gemeint, obwohl viel Wahrheit durchschimmert. Da sind Machtblöcke beteiligt, die dem Sozialismus huldigen – das Geld der Euro-Allgemeinheit wird vergesellschaftet wie damals in der DDR. Willkür von Staat und EZB bringt den niedrigstmöglichen Wirkungsgrad beim Geldverschieben wie damals in der DDR. Am Ende droht der Offenbarungseid, und alles muss verkauft werden wie damals in der DDR. Für diese Alternative schöpft wissenbloggt den Begriff Grexitus.

Grexitus steht für Griechenland in den wirtschaftlichen Exitus treiben – und daran bastelt eine ganze Horde vom Stamme Gut gewollt und schlecht gekonnt. Ein Beispiel liefert die Süddeutsche Zeitung mit einem Kommentar zur "Lösung der Krise" Die Griechen müssen ihren Staat neu bauen – Es braucht jene Strukturen, die Nationen stark machen (10.7.): Das Land braucht von Europa Ideen, Personal, Geld, (um) den griechischen Staat neu zu bauen.

Der Inhalt enthält den typischen Euro-Dogmatismus, der sich weigert, Schadensursachen beim Euro zu lokalisieren. Unter dieser Agendasetzung wird die Alternative Grexit (Griechenlands Exit aus dem Euro) weggebürstet: Denn wenn Griechenland wieder eine eigene Währung hat und seine Wirtschaft durch Abwertung wettbewerbsfähig machen kann, welche Wirtschaft ist dann da noch, um die es gehen könnte? Das kommt in einem Ton, als ob Griechenland sich unter der Drachme ebenso niedergewirtschaftet hätte, und als ob die Probleme nicht erst durch den Euro hochgekocht wären.

Realistisch ist doch, dass Griechenland sich unter einer schwachen Drachme ebensogut durchgewurstelt hätte wie die Türkei mit ihrer schwachen Lira. Und dass Griechenland das genauso wieder machen kann, wenn die Drachme zurückkehrt. Wo doch erst der Euro die Not der Griechen schuf und schafft, ist es anmaßend, ihnen nun die Notwendigkeit von Reformen einzubimsen.

Und es ist ignorant, wo doch seit Jahren die Reformversuche laufen und immer wieder danebengehen. Da fehlt es nicht nur am Willen von Volk und Regierung, es hapert auch an der Praktikabilität. In Griechenland wissen das alle, nur die Euro-Rettertruppe weiß das nicht.

Einer ist nun ausgeschert, der deutsche Finanzminister Schäuble. SPIEGEL ONLINE vom 11.7. berichtet in  Griechenland-Verhandlungen: Schäuble schlägt Grexit auf Zeit vor: Für fünf Jahre raus aus dem Euro – und dann sieht man weiter: Wolfgang Schäuble bringt einen vorläufigen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ins Spiel. Dieser Plan wird sogar von mehreren Euroländern unterstützt, von Finnland, Estland, Litauen, Slowenien, der Slowakei und den Niederlanden.

Da äußert sich endlich die Stimme der Vernunft. Schäuble war schon mal dafür gut, letztendlich den Umschwung zur Vernunft zu packen. Es ging um den Euro-Rettungsfonds, der automatisch als allerletzter Finanzier der Pleitebanken herhalten sollte. Damals hat Schäuble Das Schlimmste abgewendet.

Vielleicht schafft er es diesmal auch. Es dürfte aber schwierig sein in dem griechischen 3-Fronten-Krieg:

  1. Griechenland bei der Stange halten – dieser Krieg ist so gut wie verloren. Es geht praktisch nur noch um Extra-Kredite und -Erlasse und -Geschenke. Die nimmt Griechenland mit und macht dann was es will. 
  2. Portugal, Spanien, Italien usw. bei der Stange halten – das läuft derzeit. Diese Länder werden Griechenland nix schenken wollen, wenn es darum geht, den Schuldenschnitt zu bezahlen. Im Gegenteil, sie werden selber was geschenkt haben wollen. Schließlich sind sie die nächsten, die vom Euro in die Knie gezwungen werden
  3. In Deutschland, Holland, Österreich usw. das Volk bei der Stange halten. Wo nun jeder in den Geberstaaten realisieren muss, dass die ungeheure Geldverschieberei ernst ist und genau hier absaugt. Es ging nicht bloß um irgendwelche Sicherheiten, nein, das Geld ist weg, und die Geber-Völker müssen anstelle der Banken und anstelle von Griechenland zahlen. Als ob das nicht reichen würde, geht das Milliardenverschieben der EZB immer weiter, bis das Public sector purchase programme (PSPP, 1 Mrd. pro Tag) der Allgemeinheit – sprich, den Geberländern – wirklich die letzten Risiken aufgebürdet hat

Um mit den ganzen Lügen nicht komplett aufzufliegen ("Griechenland zahlt die Kredite zurück"), wird die Euro-Politik wohl als erstes den IWF rauskaufen, damit keinerlei Verantwortlichkeit mehr eingefordert wird. Der IWF muss ja vorm Geldgeben technische Analysen erstellen und auf regulärer Bedienung der Kredite bestehen, also auf Zinsen und Tilgung. Solche Sachen sind im Euroland geradezu verpönt, da wird kaum noch was verzinst und getilgt.

Die IWF-Berichte schmerzen wohl noch mehr. 2013 veröffentlichte der Internationale Währungsfonds schon einen Bericht, dass bei Griechenland von falschen Annahmen ausgegeangen wurde, und nun besagt der Länderbericht 165 vom IWF, dass die anderen Annahmen auch falsch sind. Griechenland kann seine Schulden nicht bis 2022 zahlen, und seine Schuldenquote müsste deutlich unter 110% sein statt bei 170%. Wie unter Punkt 6 steht (der Bericht ist nur kostenpflichtig online), sei der Schuldenberg selbst mit Hilfskrediten bis 2018 zu hoch, es sei ein Schuldenerlass von 30% BSP nötig, also über 50 Mrd. Euro. Mehr noch: 50 Mrd. neue Kredite seien fällig, die festgeschriebenen Zinsen müssten weiter ausgesetzt werden, die endlos langen Tilgungsfristen nochmal verdoppelt werden.

Nach vernünftigen Maßstäben sollte das den K.o. für das Rettungsgepfusche bedeuten. Man darf gespannt sein, was die Euro-Politiker noch ersinnen, um nicht als die Deppen dazustehen, zu denen sie sich gemacht haben. Weitere Lügen, um das Lügengebäude zu stützen? Weitere Kredite, um das Schuldengebäude zu stützen?

Grexit oder Grexitus, das ist hier die Frage. Griechenland geht aus dem Euro raus, und die Euro-Zone kann vielleicht weiterbestehen. Oder Griechenland geht mit dem Euro ganz kaputt, und das Euro-Land wohl auch. Alles andere kann man vergessen.

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