Grettung bis zum Gruntergang

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euro-318483_640Wer da meint, es verschwimmt ihm vor den Augen, der hat die neue griechische Rechtschreibung noch nicht verinnerlicht (Bild: geralt, pixabay).

Der gritischen, pardon, kritischen Lage angemessen, häufen sich die neuen Gr-Wörter. So also geht die neue Fachsprache für Finanzkräfte:

  • Griechischer Exit wird zu Grexit
  • Griechischer Exitus wird zu Grexitus
  • Griechisches go on wird zu Gro on

Soweit waren wir bei wissenbloggt schon mal, und nun kommt das Neue:

  • Griechische Rettung wird zu Grettung
  • Griechischer Untergang wird zu Gruntergang
  • Griechische Reformen kommen über Greformen nicht hinaus

Das Euro-Personal ist tatsächlich wieder dabei, die schlechteste von allen Lösungen zu finden. Kein Gruldenschnitt, keine Problembewältigung, nur Zeitschinden. Das Lügengebäude soll weitergepflegt werden: "Griechenland macht Reformen, und dafür geben wir Milliarden-Kredite." (die "benötigten" Beträge sind prinzipiell nach oben offen, mit Stand 16.10. inzwischen 3-stellig).

Nur handelt es sich bei den Reformen um Greformen, die schon die letzten 10 Mal versprochen wurden und alle möglichen Kollateralschäden hervorbringen, bloß keine Wettbewerbsfähigkeit und daher auch keinen Aufschwung. Und es handelt sich nicht um Kredite, die per Definition mal zurückgezahlt werden müssten, sondern um die griechische Abart der Gredite, die im Grunde Greschenke sind. Also

  • Griechischer Schuldenschnitt (Nr. 2) wird zu Gruldenschnitt
  • Griechische Kredite werden zu Grediten, und Gredite sind in Wirklichkeit Greschenke
  • Griechische Tilgung wird zu Grilgung – zu etwas, das es gar nicht gibt

Und die griechischen Zinsen? Darüber lacht man auf griechisch, statt welche zu bezahlen; deshalb heißen sie von jetzt ab Grinsen. Ja, es wäre lächerlich, wie die Euro-Grolitik ein Zeugnis ihrer Lernresistenz nach dem anderen ablegt – wenn es nicht so teuer wäre. Es wirkt geradezu surreal, wie bei einem Hütchenspiel, wo die Schuldenverschiebung von einem Topf in den anderen verdecken soll, was wirklich los ist (aber nur wenn sie brav sind und Greformen grersprechen. Was haben wir jetzt?

  • Griechische Zinsen werden zu Grinsen
  • Griechenlandpolitik wird zu Grolitik
  • Griechische Versprechen werden zu Grersprechen

Wer jetzt sagt, That’s Greek to me, der ist dicht an der Wahrheit dran. Die groteske Grolitik wird nur von der Medienberichterstattung übertroffen. ZEIT ONLINE schreibt am 15.7. in Griechenland-Krise – Europa muss sich umstülpen: Die EZB muss zum letzten Geldgeber der Eurozone werden, und der legalistische – vor allem deutsche – Diskurs über das Verbot der Monetarisierung von Staatsschulden muss beendet werden. Extension of Mandate nennen das die Amerikaner und die Briten, und diese Mandatserweiterung muss die Politik beschließen.

Keine Rede von irgendwelchen demokratischen Volksbefragungen, das Geld soll grenzübergreifend per politischem Beschluss umverteilt werden, und die Bankenbeglückungsmaschine EZB soll es verwalten. Das unerwünschte Festhalten an Verträgen heißt dann legalistisch.

Untermalt wird das vom medialen Tenor: Griechenland beugt sich Euro-Politik. Wie bitte? Es war doch genau andersrum. Griechenland hat der Euro-Politik gezeigt, dass es mit den Tabus zu kuhhandeln weiß. Mit der Drohung des GrAUs – des Griechen-GAUs mit Grexit, Gruldenschnitt und florieren ohne Euro – hat Griechenland eine Position der Stärke errungen.

Um den Offenbarungseid zu vermeiden, nimmt die Grolitik noch jede Milliardenlast auf sich, oder besser auf die Schulter der Euroland-Allgemeinheit. Ganz unlegalistisch. Mag das auch den Euro-Gedanken werweißwie schädigen, mag es Hass und Streit und nationalpatriotischen Bestrebungen Auftrieb geben – alles egal.

Bloß nicht zugeben, dass das Grettungs-Geld weg ist, und erst recht nicht, wie viel es ist. Lieber den verbrannten Grilliarden noch mehr Grilliarden hinterherwerfen, in der kaum noch begründbaren Spekulation, das werde sich schon zurechtreformieren. Was Griechenland noch nie konnte, was es bei x Anläufen nicht annäherungsweise geschafft hat, soll jetzt im Hauruck-Verfahren durchgedrückt werden. Von außen her, gegen ein verbittertes Volk und eine obstruktive Gregierung. Nun haben wir also

  • Griechischer GAU wird zu GrAU
  • Griechische Regierung wird zu Gregierung
  • Griechische Milliarden werden zu Grilliarden

Und letztlich ist es hauptsächlich Grmany's Greld, was da auf dem Altar der anti-legalistischen Euro-Ideologie verbrannt wird, und das wird granz greuer für uns, wenn der werte Leser versteht, was gremeint ist.
 

Die Links von wissenbloggt dazu (Auswahl):

Ein Artikel vom Ludwig von Mises Institut Deutschland Warum Griechenland – und auch andere Staaten – Bankrott gehen sollten (29.6.). Eine Analyse aus Sicht der „Österreichischen Schule“ der Nationalökonomie.

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