Problemfall Priesterkaste von Siegfried R. Krebs


probemfallpriesterkasteSonst kennt wissenbloggt den Kulturwissenschaftler & Journalisten Siegfried R. Krebs von Freigeist Weimar als Rezensenten. Diesmal steht er als Autor im Fokus. Der Referent und Publizist Heiner Jestrabek schreibt über Krebs' "Buch voll mit Buchbesprechungen" (3.8.): Da geht es um Religion versus Vernunft und die vielfältigen  Aspekte von Religions- und Kirchenkritik, zumal um die Auseinandersetzung mit  Religions-Schöpfern und -Nutznießern. Nicht beabsichtigt ist, gut-gläubige Menschen anzugreifen oder frucht- und sinnlose Debatten um theologische Spitzfindigkeiten zu führen. Das Buch ist laut Jestrabek

 

Ein gelungenes Kompendium als Kompass zur Orientierung

WEIMAR. (fgw) Die Edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum hat jetzt mit „Siegfried R. Krebs: Problemfall Priesterkaste“ ein ganz besonderes Buch herausgebracht und zwar ein Buch voll mit Buchbesprechungen (Rezensionen). Der gewählte Titel ist provokant, er soll auch provozieren. Denn worum geht es dem Verfasser der hierin versammelten Rezensionen?

Es geht ihm, kurz gesagt, um Religion versus Vernunft. Es gibt hierzulande ein nahezu unübersichtliches Spektrum an angebotenen Medien, das sich kritisch mit den Phänomenen Dogmenwahn, Klerikalismus, Fundamentalismus, Religions- und Kirchenkritik auseinandersetzt. Mancher mag da denken, wer soll dies alles denn noch lesen? Dabei überschwemmen in weit größerem Maße und unerträglich aufdringlich die kirchenfrommen, missionarischen, esoterischen und auch viele primitive Machwerke den Markt und vor allem die öffentliche Wahrnehmung. Nach wie vor stehen dagegen die meisten der sozialkritischen Bücher außerhalb der Mainstream-Wahrnehmung. Sie werden – bis auf wenige Ausnahmen – von den überwiegend in wenigen privaten und klerikalen Händen liegenden Massenmedien kaum beachtet und sind deshalb größtenteils noch zu wenig bekannt. Brauchen wir also deshalb nicht schon lang einen „Reader", der uns auf diese verborgenen Schätze aufmerksam macht? Einen Kompass religionskritischer „Books To Read Before You Die", damit wir mitreden können?

Siegfried R. Krebs, der diplomierter Kultur- und Theaterwissenschaftler ist, arbeitet als freier Journalist in Weimar. Von Hause aus Atheist, ist er seit 2008 in freigeistigen Organisationen engagiert tätig und seit Ende 2010 betreibt er das Internet-Portal www.freigeist-weimar.de. Hier sind die meisten seiner Rezensionen erschienen. Diese wurden und werden aber auch vielfach von anderen Webseiten übernommen. Die Zahl seiner bereits veröffentlichten Rezensionen ist beachtlich. Er hat für edition Spinoza deshalb eine Auswahl derjenigen Online-Rezensionen zusammengestellt, die kirchen- und religionskritische Bücher, aber auch Humanismus- und Evolutionsbezogene kritisch besprechen. Diese Auswahl aus den Jahren 2011 bis 2015 stellt eine „Blütenlese" im besten Sinn des Begriffs „Anthologie" dar.

Aufklärung bedarf umfassender Informationen. Die Rezension (lat. recensio „Musterung", recensere „wiederholt mustern, prüfen") ist eine eigene sekundärliterarische Gattung des klassischen Journalismus, meist im Rahmen eines Feuilletons. Sie erfüllt den Zweck, in literarisch anspruchsvoller Art künstlerische Produktionen – und im hier engeren Sinn Literatur – vorzustellen, sie zu erläutern, zu analysieren und zu werten. In Abgrenzung zu Verlagswerbung, „Klappentexten", aber auch zum literarischen Essay oder einer zu einer Monografie, soll die Rezension zwar knapp gehalten, aber dem Leser dennoch fachkundig und aussagekräftig Informationen bieten. Die Auseinandersetzung des Rezensenten mit Werk und Autor steht dabei an erster Stelle, sie darf aber nicht minder auch zum bewussten Kauf anregen.

Seit Beginn der europäischen Aufklärung war die Literaturkritik hierbei deren zentrales Element, wie wir in den Werken von Lessing, Diderot, Nicolai, Schubart, Börne oder Tschernyschewski sahen. Seither ist die Literatur-Produktion um ein Vielfaches größer geworden. Die zeitgenössische Aufklärung bedarf daher einer solchen Hilfe umso mehr.

Die Auswahl der Rezensionen von Siegfried R. Krebs zeigt sehr anschaulich, wie vielfältig die Aspekte von Religions- und Kirchenkritik, aber auch von Aufklärung sein können. Der Gegenstand der von ihm besprochenen Literatur hat viele Facetten: Popularphilosophie, Theologiekritik, Geschichtswissenschaft und Naturwissenschaft ebenso wie realistische historische und Kriminalromane sowie Werke der Sátire. Letztere brachte in der Geschichte der Literatur schon immer ihre populärsten Befreiungsschläge in antiklerikaler Form hervor. Was wiederum in gewisser Weise auch einen Bezug zum provozierenden Buchtitel herstellt.

Der Rezensent will in seinen Texten keinesfalls gut-gläubige Menschen angreifen. Er will sich auch nicht auf theologische Spitzfindigkeiten einlassen, also frucht- und sinnlose Debatten führen. Nein, ihm geht es um die Auseinandersetzung mit Schöpfern von Religionen, deren Trägern und vor allem den materiellen Nutznießern von organisierter Religion, den Priestern, Predigern, Gurus etc., also den Priesterkasten in Vergangenheit und vor allem Gegenwart.

Siegfried R. Krebs schreibt seine Rezensionen bewusst nicht für ein abgehobenes „Elfenbein-Bildungsbürgertum", er will stattdessen möglichst viele Menschen ansprechen. Auch Menschen, die sich aus finanziellen Gründen nicht immer die besprochenen Bücher kaufen können. Er schreibt populär, oft zuspitzend und die Dinge auf den Punkt bringend, aber stets wissenschaftlich und sachlich fundiert, zum Nach- und Weiterdenken anregend. Und im Gegensatz zu vielen anderen Rezensenten stellt er sich nicht selbst in den Mittelpunkt der Besprechung, sondern lässt die vorgestellten Werke für sich selbst sprechen. Den geneigten Leserinnen und Lesern sei daher dieses Kompendium als Kompass zur Orientierung im Dschungel der vielfältigen modernen Aufklärungsliteratur wärmstens anempfohlen.

Heiner Jestrabek

Siegfried R. Krebs: Problemfall Priesterkaste – Religions- und kirchenkritische Rezension 2011-2015. 224 S. kart. edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum. Reutlingen und Heidenheim 2015. 15,00 Euro. ISBN 978-3-922589-59-4 (Direktbestellung: ed.spinoza@t-online.de )

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