Glück & Gold und Geld

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hon-gromyko-g.-mittag-pjotr-abrassimovDie fortschrittlich-kapitalistische site Zero Hedge glänzt wieder mal mit einem pointierten neoliberalen Artikel, bei dem es sich ums Geld dreht. Und ums Glück, und wie beides zusammenhängt.

The Rich, The Poor, & The Trouble With Socialism heißt der Artikel vom 9.8., und er zeigt ein paar Fakten auf. Armut ist demnach auf eine bestimmte Art besser als Reichtum: Die Armen glauben noch an die Illusion, Geld würde glücklich machen. Die Reichen wissen das besser. Aber sie sprechen nicht drüber, aus Angst, die Bewunderung würde in Mitleid umschlagen.

"Was, du hast all den Schotter ("moolah") und bist nicht glücklicher als ich?"
"So isses, Mann."
"Du armes Schwein."

Im Originaltext heißt der letzte Spruch “You poor S.O.B.” mit der Bedeutung "Standard Operational Bullshit". Oder aber "son of a bitch", das möge der Leser selbst entscheiden. 

Worum es geht, ist etwas anderes als die Freundlichkeiten der amerikanischen Redeweise. Ins Visier geraten die Freundlichkeiten der Regierung, speziell die Vorstellung, die Regierung könne das Volk glücklicher machen. In der einfachsten Form geht das so: Sie nehmen den Reichen was weg und geben's anderen. Das hat den (politischen) Vorteil des Stimmenkaufs und auch den des gehobenen Status'.

Denn alles ist Status, sobald man Essen, Unterkunft und ein paar sonstige Notwendigkeiten hat. Status, Eitelkeit und Macht sind die Bestimmungsgrößen. Mehr Geld hilft, sich besser zu fühlen und auf andere attraktiv zu wirken. Dabei zählt nicht allein das Geld, sondern der Rang, das Ansehen in der Gesellschaft.

Doch niemals habe eine Regierung Reichtum geschaffen, denn dazu gebe es gar keine Möglichkeiten, und auch gar keine Absichten. Alles, was die Regierungen tun können, ist Macht zu verschieben, Reichtum oder Status – und immer profitiere der eine auf Kosten der anderen.

Vorausgesetzt, das Geld fließt von den Reichen ab, sind die meisten Menschen damit zufrieden, zumindest auf kurze Zeit. Je länger die Umverteilung allerdings währt, desto ärmer werden alle.

Diese Legende des Neoliberalismus' wird mit einem Maggie-Thatcher-Spruch gewürzt: Der Ärger beim Sozialismus ist, dass das Geld der anderen knapp wird ("The trouble with socialism is that you run out of other people’s money"). Und natürlich, indem die Umverteilung Fehlallozierungen schafft, indem die Signale des Marktes verfälscht werden.

Gesellschaften, die diesen "Diebstahl" von den Reichen nicht begehen, stehen besser da, und nach einer Weile wird die Diskrepanz zum Problem. Der Artikel besagt, die Umverteiler sehen dann, dass sie zurückfallen. Dann ändern sie ihre Politik, um wieder konkurrenzfähig zu werden (Beispiele Großbritannien und China in den 1970er-Jahren und Sovietunion in den 1980ern). Oder die durch Umverteilung verarmte Gesellschaft wird von reicheren erobert, die mehr Geld für Waffen ausgeben können.

Natürlich hat das Nivellieren der Einkommen einen angenehmen Aspekt für die Massen, es macht die Abstände aus beiden Richtungen kleiner (die von unten werden erhoben und die von oben heruntergezogen). Doch es gibt machtvolle Kräfte dagegen. Wenn die Reichen mit Steuern, Enteignungen und Gleichmacherei überzogen werden, suchen sie nach Auswegen.

Sie grenzen sich aus. Sie schaffen sich eigene Refugien, medizinische Versorgung, Renten, Parkplätze, Chaffeure und Helfer. Zitiert wird eine Studie, nach der die kommunistischen Führer einen höheren Abstand zu ihrem Volk aufbauten als die Reichen zu den Armen in Amerika (unter dem Präsi Reagan).

Gewisse Genossen waren gleicher als gleich (dazu wird das Bild oben aus dem Bundesarchiv herangezogen, mit den Parteigrößen Günter Mittag, Erich Honecker, Andrej Gromyko, Pjotr Abrassimov). Wovon der Autor nichts weiß, ist die Bescheidenheit Honeckers, der in einer normalen Wohnung und ohne Datscha lebte.

Im Gegenteil sieht er etwas gewollt den Bezug zu Gold hergestellt, das ja traditionell eine Form des Geldes ist. Geld erhält seinen Wert erst durch die Ökonomie, aus sich selbst heraus hat es keinen (beim Gold ist es nicht viel anders, aber es gab den Goldstandard, der das Kreditvolumen bis 1973 halbwegs stabil hielt).

Genauso wie der Normalverbraucher an mehr Glück aus mehr Geld glaubt, besagt der Artikel, tun's auch die Politiker. Ihr Glaube sei etwas komplizierter: Sie wissen, dass es die Wirtschaft ist, die Reichtum produziert, und nicht das Geld. Trotzdem glauben sie laut Autor, mehr Geld zu schöpfen, ließe die Wirtschaft besser funktionieren und mache das Volk reicher.

Beim heutigen Wirtschaftssystem bedeutet das nicht, mit Bargeld in Form von Scheinen und Münzen um sich zu werfen. Aber sie schaffen digitales Geld, und damit heben sie den Betrug auf einen neuen Level. Dies Vorgehen sei zum Untergang verdammt.

Denn den neu aufgelegten Staatsanleihen stehen keine realen Werte mehr gegenüber, sondern nur noch Versprechungen. Es sind die Versprechen der Regierung, die Zinsen aus zukünftigen Einnahmen zu bedienen (und wenn die Einnahmen nicht kommen, dann schöpfen sie noch mehr Geld).

Das Vertrauen der Märkte in solche Papiere ist gering, und sie können nur mit hohen Renditen (=Zinsen) verkauft werden. Gegenüber dem Goldstandard ist das eine enorme Erweiterung. Das Gold fungierte als Limit für solche Bestrebungen, während die Abschaffung des Goldstandards auch die Abschaffung der Kreditgrenzen bedeutete. Seither werde das Bankensystem als Mittel für eine unkontrollierte Expansion der Kredite missbraucht.

Der Artikel untermalt das mit den Kurven der Kreditmarktschulden und der Staatsschulden in Bezug zum Bruttosozialprodukt. Wesentliche Aussage: Früher lief das parallel, heute haben die Kreditmarktschulden alles abgehängt.

debt-debt-and-little-growth-1024x574Bei aller neoliberalen Färbung ist das eine wichtige Aussage. Der Artikel zeigt zwar totale Ignoranz gegenüber der zunehmenden Ungleichheit und allen Erkenntnissen, dass Massenkaufkraft positiv wirkt. Und er verkennt die Tatsache, dass der Staat durch gute/schlechte Regulierung durchaus Wohlstabd ermöglichen/verhindern kann.  Dafür spricht er einen ganz wichtigen Punkt an.

Das Phänomen der ausufernden Kreditmarktschulden breitet sich nicht nur in den USA aus, sondern überall, vor allem in der Eurozone. Es gibt zuviele Billionen Dollars, Euros usw. denen keinen realen Werte gegenüberstehen (siehe auch Das 10-Billionen-Problem und Neue EZB-Kritik: EuGH reingelegt). Diese Art der Beglückung ist Stoff für die nächste Finanzblase, muss man befürchten.

Siehe auch Der Euro: größter Feind Europas und Steuerflucht in die Target-Salden

 

 

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Eine Antwort auf Glück & Gold und Geld

  1. pinetop sagt:

    Wahrscheinlich sind die Glückserwartungen einfach nur unrealistisch. Glück ist einfach nur das Fehlen von Unglück.

    Und zu wenig Geld kann schon unglücklich machen.

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