Die anderen ernstnehmen

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armeAuf der einen Seite wüten Demonstranten gegen Immigranten. Auf der anderen Seite – auf vielen anderen Seiten – schreiben Gutmenschen in sogenannten seriösen Medien von den Dumpfbacken im Mob gegen die Asylanten (z.B. SZ vom 25.8.).

Beide Seiten wollen nur ihre eigene Sicht akzeptieren. Auch die SZ zeigt sich von keinerlei demokratischem Respekt gegenüber abweichenden Meinungen angekränkelt (das Bild soll kein Armdrücken darstellen, sondern die Harmonie des Miteinanders).

In solcher Lage ist es gut, Worte der Besinnung zu hören, auch wenn aus ihnen der Zorn über die Ausschreitung klingt. Wir müssen reden. Auch mit Idioten, schreibt der Freitag am 23.8., Autor ist das Freitag-Community-Mitglied kopfkompass.

Es macht kopfkompass ängstlich und wütend, wenn er täglich davon hört, wie Menschen gegen die Unterbringung von Asylbewerbern auf die Straße gehen. Was vor den Flüchtlingsunterkünften in Meißen, Freital oder Heidenau passiert, ist falsch, sagt der Autor. Es beschämt ihn, und er will verstehen, warum passiert, was passiert. Er will dazu beitragen, dass es aufhört.

TV-Nachrichten und Zeitungsartikel sind nicht hilfreich, um die Abgründe zu bewältigen, und das Lesen von Facebook-Kommentaren schon gar nicht. Was eher hilft, ist das unkommentierte Videomaterial von Euronews und RT und die O-Töne auf YouTube. Der Lerneffekt daraus:

Meinungen kann man nicht verbieten. Meinungen muss man bilden.

Das geht nicht mit Hass gegen Hass und nicht mit Spott und Häme, sondern mit Aufklärung und Geduld, mit Bildung und Gesprächen. Er selber findet böse Worte gegen den Fremdenhass: dumm, geradezu idiotisch,  geizig, egoistisch, aggressiv und unbarmherzig. Aber:

Diese Haltung ist wenig hilfreich, denn sie erhöht ihn zum intelligenten kosmopolitischen Gutmenschen und erniedrigt die Gegner zu einem braunen Mob. Aus dieser Sicht blickt er verächtlich auf sie herab, denn er liegt richtig, die anderen liegen falsch.

Schwarz/weiß

Mit umgekehrtem Vorzeichen sieht es von der anderen Seite genauso aus. Es gibt keine Schnittstellen, keine Diskussionen, keine Begegnung. Jeder vergewissert sich nur in seinem eigenen Umfeld der Richtigkeit seiner  Meinung. Unterstützt wird diese Verkrustung durch die medialen Veränderungen. Was früher der Stammtisch war, ist heute das Internet. Da findet auch das realitätsfernste Töpfchen noch sein Deckelchen. Die Gleichgesinnten bestärken einander in ihrer gleichen Gesinnung, sie schaukeln sich hoch, sie treffen Verabredungen und machen Demos, die eskalieren.

So entstehen Milieus, die von den etablierten Medien nicht mehr erreicht werden, parallele Öffentlichkeiten ohne jedes Korrektiv. Gräben tun sich auf. Um dem beizukommen, muss man Brüche schaffen und isolierte Blasen zum Platzen bringen. Man muss Verfechter der einen Wirklichkeit mit Vertretern der anderen konfrontieren, auf Basis von Fakten.

Damit kommt die Bildung ins Spiel. Es gilt die Kosten, die Asylbewerber verursachen, ins Verhältnis zur deutschen Wirtschaftsleistung zu setzen und die ausländergetragenen Straftaten im Verhältnis zur Gesamtzahl der Straftaten zu sehen. Dann bleibe kein nennenswertes Problem übrig, sagt der Autor. Man müsse sich auch vergegenwärtigen, was in Syrien, in Eritrea, selbst auf dem Westbalkan los ist, dann werde man gegen niemanden auf die Straße gehen, der aus diesen Gebieten flüchtet.

Der Autor kopfkompass fordert Empathie ein, Herzensbildung. Wer im Hinterkopf behält, welches Glück die Geburt in Deutschland bedeutet, gegenüber dem Schicksal, in Albanien, Serbien oder dem Irak geboren zu sein, der werde mit Hilfspaketen zur nächsten Flüchtlingsunterkunft fahren, nicht mit Böllern. Soweit zur Begründung des richtigen Verhaltens. Mit der Würdigung der anderen Sicht tut sich der Autor schwer, aber er unternimmt einen tapferen Anlauf zum Verständnis:

Deren Ängste sind ernst zu nehmen. Die Schlagworte Sorgen, Ängste, Bürger, Bevölkerung verbergen oft nur hohlen Hass, und die Ängste lassen sich leicht durch Fakten entkräften. Doch es gibt auch kulturell geprägte Ängste, die eine Besprechug verdienen:

  • Wie steht's nach 100 Jahren Frauenbewegung um die Vollverschleierung muslimischer Frauen?
  • Was bieten wir Asylbewerbern an, wenn sie monatelang auf die Entscheidung ihrer Anträge warten müssen? Arbeitsgenehmigungen, Deutschkurse oder nur noch Sachleistungen?
  • Welche Bedingungen werden an die Einbürgerung gestellt, Deutsch können, eine geregelte Beschäftigung vorzeigen?
  • Erlauben wir die Prägung von Stadtvierteln durch Einwanderer einer bestimmten Nationalität, mit Geschäften,  Restaurants und Kulturvereinen? Ist das Bereicherung oder Verlust?

Der Autor traut sich, diese heiklen Themen anzusprechen; aber wenn diese Diskussionen nicht in den arrivierten Medien oder der etablierten Politik geführt werden, wo dann? Was tun Menschen mit kontroversen Meinungen, die im bürgerlichen Debattenkanon nicht gehört oder gar verspottet werden? Sie wenden sie sich ab. Sie werden zwangsläufig zu Pegida & Co. getrieben. Und das vertieft die Kluft, statt sie zu überwinden. Es spaltet, es verfestigt den Graben zwischen Uns und Denen, obwohl gerade jetzt ein Wir so dringend nötig wäre.

Aus dieser Sicht sieht der Autor Dinge, die jeder Einzelne tun kann:  Erstens, argumentieren und der diffusen Xenophobie konkrete Argumente entgegensetzen. Zweitens, handeln und der Unzufriedenheit mit den Zuständen durch Hilfsangebote entgegentreten. Zum Beispiel zur nächsten Flüchtlingsunterkunft fahren und fragen, wie man helfen kann.

Würdigung

Dieser quasi zähneknirschende Schritt auf die anderen zu ist aller Ehren wert. Auch die zähnefletschenden Fremdenhasser sollten ihn machen. Gleiches wäre den Schreibern zu wünschen, die nur ihren eigenen Gutmenschen-Standpunkt gelten lassen und die Demokratie in Form des Willens anderer missachten. Dabei ist die dargelegte Sichtweise durchaus nicht objektiv, auch wenn sie sich auf Fakten beruft und an die Herzensbildung appelliert.

Kriminalstatistik

Ein Beispiel dazu liefert die Kriminelle Statistik, wo aus den offiziellen Zahlen keineswegs hervorgeht, dass es keine Häufung von Ausländerkriminalität gibt. Es müsste objektiv geklärt werden, inwieweit diese Probleme (Focus) typisch sind, Massenschlägereien, Übergriffe auf Polizisten, sowie Banden, die ganze Straßenzüge kontrollieren. Bestimmte Stadtviertel in Köln, Essen oder Duisburg, die der Polizei zu entgleiten drohen. Polizisten, die sich nur noch mit mehreren Streifenwagen in Problemviertel hinein trauen, die von Gangs angepöbelt, angeschrien und bedroht werden. Ist die öffentliche Ordnung "langfristig nicht gesichert" (nochmal der einschlägige Focus). Dazu kommt eine Liste von Vorfällen in Leipzig, Hamburg, Lüneburg, Chemnitz … Verdächtig, dass es immer dieselbe Liste ist, die zur Argumentation herangezogen wird, und auch derselbe Vorfall, wo Muslime aus Schwarzafrika (Mali, Senegal, Elfenbeinküste) Christen aus dem Boot warfen. Aber das ist klärungsbedürftig und mit belastbaren Zahlen zu belegen oder zu widerlegen.

Migrationskosten

Die anderen Fakten beziehen sich auf die Kosten der Integration, die im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung vernachlässigbar seien. Die Integrationskosten für Kulturfremde tragen andere, die man nicht fragt (Ausbilder, Chefs, Lehrer, Therapeuten). Die Argumentation mit der Notwendigkeit von Immigranten für den Arbeitsmarkt ist schon lange als Propaganda der Lohndrücker entlarvt. Bei 1-2% Produktivitätssteigerung und 0,25% Bevölkerungsrückgang pro Jahr ist ein Kampf um Arbeitspläze absehbar.

Das bahnt sich seit längerem an, schon bevor die Zuwanderung so kulminiert. Die stagnierenden Löhne bei steigender Staatsverschuldung plus Ausverkauf von Staatseigentum künden davon. Auch dass schon jeder vierte Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor arbeitet; und die kommende Altersarmut wird das nochmal forcieren. Die notleidenden Staatskassen und überschuldeten Kommunen sind seit Jahren Realität, der Verfall der Infrastruktur, von Straßen, Brücken, Gebäuden, die Schließung von Schwimmbädern und Turnhallen. 

Nirgendwo ist Geld da (außer bei der Griechenland-Rettung, sprich Bankenbeglückung). Die Angst der Menschen vor dem Abstieg ist völlig rational. Immer weniger Menschen haben eine auskömmliche Lebensperspektive mit dauerhaftem Job, Familie, Kindern und Eigenheim. Und von allen wird Solidarität ohne Ende gefordert, für Griechenland, für Immigranten, für die ganze Welt.

Denn von den Reichen kommt garantiert nix, das wird alles der Allgemeinheit aufgebürdet. Der Verdrängungswettbewerb um die Arbeitsplätze und die Massen-Altersarmut werden spätestens beim nächsten Finanzcrash zu enormen Belastungen der Sozialsysteme führen. Dann wird es jede Menge Kürzungen geben. Ins Positive kann das höchstens von hochqualifizierten Immigranten gewendet werden, aber nicht von Leuten, die unserer Zivilisation fremd sind.

Biologie

Europa wird an der strikten Einhaltung seiner humanistischen Grundsätze zugrunde gehen, unken schon manche. Angesichts der beginnenden Völkerwanderung gibt es tatsächlich ernsthafte Bedenken. Das sind Urängste, die angesichts der Tausende von schwarzen jungen Männern hochkommen, die ihrer Religion kniefällig huldigen, aber hier gar nicht unterwürfig sind, sondern Forderungen stellen und auf Rechte pochen.

Der Mensch ist einerseits ein soziales und empathisches Wesen, aber andererseits hat er auch die Gene fürs Revierverteidigen und den Kampf gegen Invasoren.  Es gilt, die letzteren niederzuhalten und die Dominanz der humanen Kultur zu wahren.

Aber wie lange geht das gut, wenn verantwortungslose Gutmenschen die bedingungslose Willkommenskultur fordern, und das zerbröselnde soziale Netz beliebig vielen anderen öffnen möchten? Man darf nicht die Angst vor Überfremdung ignorieren, zumal wenn man selber fern von den Brennpunkten sitzt. Parallelgesellschaften mit Paralleljustiz sind ein echtes Problem, und auch die überproportionale Vermehrung. Damit soll nicht gesagt sein, dass Kinder von Leuten aus rückständigen muslimischen Kulturen automatisch rückständige Muslime werden – aber die Koranschulen geben sich Mühe, genau das zu erreichen, siehe Koranschulen gehören nicht zu Deutschland. Das ist nicht Multikulti, sondern zivilisatorischer Rückschritt, dem nicht mal die Emanzen entgegentreten, siehe auch Feminismus am Ende.

Solche Rede ist keine Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF), und wenn es Egoismus ist, dann gilt der für Wirtschaftsflüchtlinge oder Flüchtlinge vor Korruption und Zivildienst genauso. Die drängeln sich vor und saugen die Hilfe ab, die bedürftigeren Mitmenschen gebühren müsste.

Diese Umgehung der regulären Priorisierung ist ein weitereres Ärgernis, das sich bei den Kosten wiederholt. Es geht nach Methode Griechenland, 10 Mrd. sind derzeit angesagt – es sind ja grad 21 Mrd. in der Kasse, da darf's was kosten, ohne Abstriche woanders. Solche Behauptungen sind natürlich blanke Griechen-Sophistik, und bei 10 Mrd. bleibt es nicht. Das hundertfache kommt nach, wenn es brodelt, wenn die Billiglöhner aufstocken müssen, wenn die Kinder therapiert werden müssen, die es zwischen Schule und Koranschule zermahlt.

Zahlen

Weitere Zahlen aus der Süddeutschen Zeitung vom 27.8. aus Was Flüchtlinge bringen (nicht online):

  • 1,5 Mrd. Ausgaben für Asylbewerber 2013. Anfang der 1990er-Jahre waren es noch 2,8 Mrd. für Balkan-Flüchtlinge. Das sind aber nur die Zahlen für die Bundesländer, ohne Leute mit abgelehntem Antrag, ohne Frontex, Polizei, Justiz und sonstige Staatsausgaben – eine echt griechische Zahl.
  • 200.000 Asylanträge 2014 (aus anderer Quelle: 226.000 bis Mai 2014 plus 537.000 mit abgelehntem Asylantrag. Asylberechtigt sind 40.000, geduldet 125.000, als Flüchtling anerkannt 138.000, unter Schutz von EU-Richtlinien 14.000, unter Abschiebeverbot 36.000, letztere beide überschneiden sich evtl. mit den Abgelehnten). Bis zum Entscheid dauert es durchschnittlich fast ein halbes Jahr, 40% der Asylanten klagen gegen den Entscheid. 
  • 22 Mrd. ist die Entlastung der Sozialkassen durch Ausländer pro Jahr, 3.300 Euro pro Person. Aber nur die gegenwärtigen Leistungen sind gezählt, nicht die erworbenen Ansprüche auf spätere Leistungen – eine griechische Zahl, zumal sie sich nicht auf Kulturferne übertragen lässt.
  • 6,5 Mio. fehlende Arbeitskräfte in den nächsten 10 Jahren, wenn niemand zuwandert. Das ist wie immer ohne Berücksichtigung der Roboter berechnet und auch ohne Wiedereinstellung von Rentnern (die durch die kommenden Mini-Renten geradezu erzwungen wird) – eine vollkommen griechische Zahl. Realistisch gesehen fehlen überhaupt keine Arbeitskräfte.

Integration

Die Angst vor der ausbleibenden Integration – es wird ja nicht mal ein Bekenntnis zur Integration gefordert – kommt noch zur Angst vor der großen Zahl dazu. Für Afrika wird in den nächsten 35 Jahren eine Verdoppelung der Bevölkerung vorhergesagt, von 1 Milliarde auf 2. Das Potential an  Flüchtlingen ist damit viel größer als jede Aufnahmefähigkeit. Das führt zu dem unausweichlichen Schluss, dass vor Ort geholfen werden muss, siehe auch Afrikahilfe: Ziegen für tansanische Mädchen.

Aber wenn Hilfe vor Ort unausweichlich ist, warum das nicht gleich richtig anpacken, ehe es allzu teuer wird? (siehe Neukolonialisierung Afrikas?) Die Ursachen für die Völkerwanderung liegen ja auch in den Kriegen des Westens in Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien – das darf es nicht mehr geben, das gehört wiedergutgemacht. Sie liegen in der Ausbeutung durch internationale Konzerne und lokale Eliten, gefördert durch das Verbaggern der gestohlenen Gelder in Steueroasen – die müssen allesamt endlich zugemacht werden, auch mit Wiedergutmachung. Natürlich liegen die Probleme auch in der systemimmanenten Schwäche der islamischen Herrschaftsverhältnisse, unter denen nix erfunden wird außer den Methoden, wie man Menschen dumm und unterwürfig und möglichst zahlreich hält.

Der Anstand verlangt, dass man die Kultur respektiert, zu der man kommt. Das gilt auch für die Leute, die zu uns kommen. Die müssen unsere Kultur von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten respektieren. Selbiges gilt sogar für die Schreiber von bevormundenden Artikeln, die den Dumpfbacken heimleuchten wollen, und für Politiker, die sich in blauäugiger Willkommenskultur verwirklichen wollen. Auch die haben sich zu integrieren und demokratische Gepflogenheiten zu achten, sprich, die Meinung der anderen genauso zu respektieren wie ihre eigene.

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