Die Roboter übernehmen … das erste Hotel

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robot-162087_640OpenClipartVectorsDer Name Henn-na Hotel lautet übersetzt: "Das merkwürdige Hotel", oder auch "Wandel" (Henn-na Hotel, 1-1 Huis Ten Bosch, Sasebo 859-3243, Präfektur Nagasaki. Tel. 0081-570 06 41 10, ab ca. 65 Euro pro Nacht). Die ZEIT Nr. 35 vom 27.08. berichtet darüber (Bild: OpenClipartVectors, pixabay).
 
Der Zeit-Artikel von Felix Lill heißt Roboter: "Sprechen Sie deutlich!" (online 13.9.): Japaner lieben Roboter. Im Henn-na Hotel erledigen sie einen Großteil des Service.
 
Felix Lill ist überrascht beim Eintreten: Auf seinem Nachttisch sitzt schon ein Geschöpf, angetan mit rosa T-Shirt und weißem Rock. Die Roboterin namens Chuuri-chan begrüßt ihn freundlich, sie möchte ihm helfen, seinen Aufenthalt angenehm zu gestalten. Ehe es da Missverständnisse gibt: Die kleine Roboterin hat einen großen Kopf auf einem spannenlangen Körper. Und sie ist mit einer Gebrauchsanweisung versehen: "Sprechen Sie laut und deutlich!"
 
Hier ist ein Stück Science Fiction Wirklichkeit geworden, ein Blick in die Zukunft ist möglich. Das ganze Hotel wird hauptsächlich von Robotern betrieben; Rezeptionisten, Concierge, Taxianrufer, Kofferträger und Gepäckaufbewahrer – alles Roboter. Das "merkwürdige Hotel" verdient seinen Namen. Seit ein paar Wochen ist es für Besucher geöffnet.
 
An der Rezeption kann man sich von verschiedenen Spezies der  Roboter bedienen lassen. Neben der verblüffend echt erscheinenden, adrett gekleideten japanischen Dame ("Zum Check-in kommen Sie bitte zu mir!"), steht ein Dinosaurier, der denselben Dienst leistet.
 
Der Autor fühlt sich an die Produktionshallen von Toyota erinnert, weil hinter einer Glaswand ein Krakenarm mit dem Gepäck  hantiert. Ein fahrbarer Roboter kommt angerollt und bietet Unterhaltung bzw. Kofferschleppen an. Das Robot-Zimmermädchen Chuuri-chan bietet Auskünfte über Wetter und Uhrzeit an, schaltet das Licht nach Bedarf an oder aus und weckt mit lieblicher Stimme.
 
In Japan sind Roboter volkstümlich und respektiert. Schon die Kinder lernen, dass sie womöglich eine Seele haben, und man hält sie wie Haustiere. Das macht das Vordringen in andere Bereiche leicht. Die Arbeitsprozesse lassen sich nicht nur in der Fabrik automatisieren. Deshalb war das Roboterhotel eine logische Konsequenz.
 
Experimentiert wurde schon vor 40 Jahren mit dem Kapselhotel, wo die Besucher nur eine Schlafröhre haben (nicht so ganz neu, wenn man sich an das "Rotel" von vor 50 Jahren erinnert, das Entsprechende auf Rädern). Das Kapselhotel ist immer noch beliebt, weil preisgünstig.
 
Das Roboterhotel ist auch nicht teuer. Es liegt in einem Themenpark, der europäisches Flair bietet, niederländische Grachten und barocke Häuser. Die Roboterbedienung ist allerdings original japanisch. Einen Portier gibt's auch, der die Gäste mit "Konnichiwa!" begrüßt.
 
Nur Management und Restaurant sind auf herkömmliche Art mit Menschen besetzt, und auch der Roomservice wird noch nicht von Roboter-Krakenarmen geleistet. Ab 2016 sollen Drohnen das Essen aufs Zimmer bringen, und bald soll auch das Housekeeping von Robotern erledigt werden.
 
Bisher läuft das eher als Unterhaltung. Androide (menschenähnliche) Roboter sind eine Attraktion, schreibt der Autor. Die Stimmchen sind so niedlich, man fühlt sich überraschend wohl inmitten der Hightech.
 
Und der Service soll besser sein als woanders, bei 60% niedrigeren Personalkosten. Zimmerschlüssel sind unbekannt, man wird von einer Kamera erkannt. Und das Auschecken? Bitte Knopf zwei am Tresen der Rezeption drücken. Und dann zeigt der Bildschirm vom Dinosaurier-Empfangsroboter einen falschen Preis. Also den blauen Problemknopf drücken.
 
Der Dinosaurier neigt sein Haupt: Man darf ihm eine Frage stellen, aber bitte was Einfaches. Falsch angegebene Preise sind anscheinend nix Einfaches, also wird ein menschlicher Helfer eingeschaltet. Der Autor kokettiert damit, den Menschen gar nicht gleich zu erkennen, so hat er sich eingewöhnt. Dann wird das Preisproblem als Systemfehler deklariert, und der Check-out wiederholt. Alles klar soweit. Mit dem Dinosaurier – so der Autor – wäre die Verhandlung härter geworden.
 

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Eine Antwort auf Die Roboter übernehmen … das erste Hotel

  1. Wilfried Müller sagt:

    Nochmal Japan, nochmal ZEIT ONLINE (24.9.), Roboter: Der bessere Lehrer: In Japan unterrichten immer mehr Roboter an Schulen, sie fragen Vokabeln ab und turnen in der Sportstunde vor. Noch haben die Androiden Mängel, aber auf die Schüler machen sie Eindruck.

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