Versteckte Inflation

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housing burden_0Die Geldschwemme in den USA und der Euro-Problemzone wird weiter aufrechterhalten. Bisher ist ja auch nicht die normale Folge der Inflation eingetreten, so lauten jedenfalls die Zahlen für Deutschland.

Im Hintergrund sieht es allerdings ganz anders aus. Die Fed und die EZB schaffen Blasen mit dem vielen Geld, das sie in die Finanzwelt pumpen, und das bei der Allgemeinheit nicht ankommt. Dort merkt man nur, dass es keine Zinsen für Guthaben mehr gibt. Eine direkte Inflation wird aber noch nicht geschaffen, sondern eine Vermögenspreisinflation. Das heißt, Aktien, Anleihen und Immobilien werden tendenziell teurer.

Wie die steigenden Immobilienpreise bei der Allgemeinheit ankommen, untersucht ein Artikel bei Zero Hedge, The Mystery Of The "Missing Inflation" Solved, And Why The US Housing Crisis Is About To Get Much Worse (21.9.).

Mit vielen Statistiken wird belegt, wie der American Dream kaputtgeht, nach dem jeder u.a. ein Haus kaufen kann. Kommentar dazu: You see, the owners of this country know the truth. It's called the American dream. Cause ya have to be asleep to believe it.

Um an den Amerikanischen Traum zu glauben, muss man träumen … Aber von Anfang an in aller Kürze: Die Frage nach America's "missing inflation" (und ebenso nach der ausbleibenden Infaltion vom Euroland) hat viel Beachtung gefunden, zumal als die Fed sich neulich geweigert hat, vom Nullzins wieder hochzugehen. Der Artikel ist eine Abrechnung mit der "falschen" Fed-Politik (wobei man daran denken muss, dass Zero Hedge ziemlich reißerisch und kapitalistisch argumentieren kann).

Um so überraschender ist die wiedergegebene US-Statistik, die zeigt, wie sich die Einkommen in den USA wirklich entwickeln. Korrekterweise wird das Medium gezeigt, denn das Mittel verfälscht die Aussage: Dort gleichen die Gewinne der Superreichen die Verluste der Armen aus. Tatsächlich ist das mediale Einkommen, also der 50%-Wert runtergegangen auf den Wert von 1989! (Ausrufezeichen von Zero Hedge)

median income since 1995Im Text wird das schon vorher sehr schön gesagt: "… every other aspect of the economy is humming along (which really just means that record numbers of waiters, bartenders and temp workers are hired and collect minimum wage salaries)."

Die anderen Statistiken zeigen, dass die Entwicklung der Mieten genau gegenläufig war. Nach der großen Immobliliencrash von 2008 (der hier als Bankenkrise ankam), ist die Zahl der US-Hausbesitzer von 69% auf 63% runtergegangen. Das ist keine Kleinigkeit, weil es der tiefste Wert seit 1967 ist. Die US-Amerikaner können sich weniger Häuser leisten – und zugleich steigen die Mieten.

Das wird mit weiteren Statistiken unterlegt, wo mal 6% und mal 3,6% durchschnittliche Mieterhöhung ausgewiesen sind. Dort also greift die Inflation an, höhere Mieten bei sinkenden Einkommen "Because it is not so much what the real, honest inflation growth rate of rent is, it is what the offsetting income growth."

Das zeigt sich in dem Harvard-cga-Bild ganz oben (hier nochmal in groß und lebendig Record Number of American Renters Feel the Strain of Housing …): viele amerikanische Mieter zahlen 50% ihres Einkommens allein für die Miete. Auch wenn ein entsprechendes Bild für Deutschland nicht zu finden war, dürfte hier dasselbe gelten (am nächsten kommt ein SZ-Artikel von 2010, Miete – Ein Drittel vom Einkommen, der inzwischen überholt sein dürfte).

Die amerikanische Entwicklung der stagnierenden Einkünfte haben wir auch, und der Satz mit der brummenden Ökonomie, die in Wirklichkeit nur Rekordzahlen an Billiglöhnern bedeutet, gilt hier genauso. Wie stets sind die steigenden Staatsverbindlichkeiten unberücksichtigt: Schulden, sog. "Risiken" aus diversen "Rettungen", "Liquiditätshilfen" und der Ausverkauf der staatlichen Güter wie Versorgungsunternehmen und Sozialwohnungen – die Lage ist sowieso schlechter als gedacht.

Unterm Strich zeigt der zitierte Artikel ein weiteres Instrument, wie die Bevölkerung arm gemacht wird, ganz elegant, mehr so hintenrum, ohne dass es massiven Protest gibt. Aber wie wirksam gehen wir denn gegen das Geldverbrennen der Euro-Rettungspolitik an? Und wie mucken wir gegen die teuerste und ineffizienteste Welthilfepolitik auf, gegen eine Politik der Einwanderung für 1 Mio. Privilegierte, statt Hilfe vor Ort für 10 Mio. Bedürftige mit demselben Geld?

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Eine Antwort auf Versteckte Inflation

  1. Wilfried Müller sagt:

    Ein paar aktuelle Zahlen aus Deutschland: Mieten stiegen in letzten 12 Monaten um 2,9% (3-4* Inflation), Hauspreise um 4,5-5,8%. Reallöhne angeblich um 2,7% (ohne Aussage inwieweit die oberen Lohngruppen den Aufschlag beeinflussen), wobei wiederum die neuen Staats-Schulden und -Risiken ausgeklammert sind.

    Nachtrag 25.9.: Kaufkraft – Mehr Geld in der Tasche (SZ 23.9.) im Vergleich zur Inflationsrate Deutschland: die beiden Kurven zeigen, wie die SZ trixt (und nicht nur die SZ). Um das "zusätzliche Geld in der Tasche" zu beweisen, wird eine Kurve der nicht inflationsbereinigten Lohnsteigerungen von 2007-2015 gezeigt, nach der das durchschnittliche Bruttoeinkommen der deutschen Arbeitnehmer um 20% gestiegen ist. Die Inflation seit 2007 beträgt aber schon 14% (arithmetisch berechnet), und die Steuern dürften auch ein paar % abgeknapst haben. Wie immer gehen die gestiegenen Staats-Schulden und -Risiken nicht ein. Die Staatsschuld stieg in dieser Zeit von 1,6 Bio. auf 2,2 Bio. Euro, also um 6.700 Euro pro Person, die Risiken von 0 auf x Bio., wobei sich x der Berechnung entzieht, aber 1/2 Bio. darf man getrost als Verlust abbuchen.

    Wenn man noch die gestiegenen Mieten einkalkuliert, kommt genau das Gegenteil von dem raus, was gezeigt werden sollte. Also von wegen, "Insgesamt schlägt sich die günstige Arbeitsmarktentwicklung in den höheren Löhnen nieder." Die Allgemeinheit hat weniger reales Einkommen als 2007!

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