Der Metamurphysche Prozess in Theorie und Praxis

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thumbs-down-305330_640Der Physiker und Autor Dr. Günter Dedié regte bei wissenbloggt die Begriffsbildung metamurphysch an, um zu beschreiben, wie die heutige große Politik funktioniert. In seinen Notizen beim Emergenz-Netzwerk findet sich jetzt auch ein Artikel zum politischen Machbarkeitswahn, der in Wirklichkeit eine Machtergreifung ist (8.9.). Es geht nämlich nicht ums Problemlösen, sondern ums Tun als ob. Das ist das Wesen des Metamurphyschen: Es geht schief, aber es soll schiefgehen, um davon zu profitieren. In diesem Text spürt Dedié den evolutionären Aspekten in dem Geschehen nach (Bild: ClkerFreeVectorImages, pixabay):

 

 

Der Metamurphysche Prozess in Theorie und Praxis

In der Internetseite http://www.wissenbloggt.de/ ist von Dr. Wilfried Müller endlich das Geheimnis der aktuellen, sehr erfolgreichen politischen Strategie in der EU und in Deutschland aufgedeckt worden: Das metamurphysche Prinzip, http://www.wissenbloggt.de/?p=29341

 

Diese perfide Strategie ist ein emergenter Prozess. Er arbeitet autokatalytisch, dissipativ und fern vom Gleichgewicht. Seine praktische Anwendung kann wie folgt beschrieben werden: Die Politiker beschließen im Fall von gesellschaftlichen oder ökonomischen Problemen Maßnahmen, die zu weiteren Problemen führen, weil sie zu wenig realistisch sind, um das ursprüngliche Problem zu lösen. Dabei lassen sie sich auch gern von den Verursachern der Probleme beraten, den sog. Lobbys, weil die ja am besten wissen, wie man die Probleme fortschreibt. Dieses Verfahren kann beliebig fortgesetzt werden. Es bewirkt, dass die Probleme nicht aufhören oder sogar immer mehr anwachsen und die  damit befassten Politiker dadurch immer im Rampenlicht bleiben. Das ist entscheidend für ihre Wiederwahl, denn bekanntlich ist es dem Wähler egal, warum jemand in den Medien erscheint, wenn er nur zusammen mit Sensationen oder möglichst dramatischen Gefühlen gezeigt wird. So funktioniert bekanntlich das Gehirn von Menschen, die über lange Zeit unsere Qualitätsmedien konsumiert haben.

Damit ist der Aspekt der autokatalytischen, sich selbst verstärkenden Rückkopplung beim metamurphyschen Prozess schon aufgezeigt: Wenn die Politiker mit dem Erzeugen von Problemen Erfolg haben, erzeugen sie weitere Probleme. Die Vergleichbarkeit geht aber noch weiter: So wie ein emergenter Prozess erst bei einer bestimmten Mindestgröße des gebildeten emergenten Systems ablaufen kann, muss auch das politische Problem und sein Schaden eine Mindestgröße haben, damit es die Medien aufgreifen und die Rückkopplung funktioniert. Allgemein gilt: Je größer das Problem, um so größer ist das Aufsehen und um so mehr Rampenlicht ist gewährleistet. Demzufolge versucht der erfahrene Politiker möglichst viel Einfluss zu bekommen, um größere Probleme erzeugen zu können. Daraus ergibt sich eine weitere metamurphysche Rückkopplung.

Der Keim eines solchen Prozesses muss übrigens nicht das zufällig oder absichtlich erzeugte Problem einzelner Politiker sein, sehr viel wirksamer ist es, wenn eine Ideologie für die Probleme sorgt. 

Der dissipative Aspekt besteht darin, dass der Prozess mit Steuermitteln betrieben wird, die dabei verschwinden, weil sie letzten Endes in private Einkünfte umgewandelt werden und damit für öffentliche Aufgaben nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Zustand fern vom Gleichgewicht – verbunden mit dem Verbrauch von Steuergeldern – ist bei diesen Prozessen durch die ständige Erzeugung neuer Probleme leicht und beliebig lange aufrecht zu erhalten. Wenn die Steuermittel verbraucht sein sollten, können die Prozesse problemlos auf  Kredite umgestellt und mit Fiat-Geld betrieben werden. 

Link zu der Notiz im Emergenz-Netzwerk

Links zu Dediés wb-Artikeln

Links zu Dediés Buch  Die Kraft der Naturgesetze, Günter Dedié, Verlag tredition, zweite Auflage 2015.

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2 Antworten auf Der Metamurphysche Prozess in Theorie und Praxis

  1. w-blogger sagt:

    Mit dem Aufruf von Frau Merkel, dass alle Asylanten willkommen seien und es keine Obergrenze für ihr Zahl gibt, hat sie das Problem in eine Dimension eskaliert, die nicht mehr zu toppen sein dürfte. Man kann sich nur noch fragen, ob das noch in den Geltungsbereich von Metamurphy fällt ist oder schon Größenwahn ist …

  2. Gedankenübertragung? Roland Baader hat am 8.11.2015 geschrieben:

    "Die politische Kaste muss ihre Existenzberechtigung beweisen, indem sie etwas macht. Weil aber alles, was sie macht, alles viel schlimmer macht, muss sie ständig Reformen machen, das heißt, sie muss etwas machen, weil sie etwas gemacht hat. Sie müsste nichts machen, wenn sie nichts gemacht hätte. Wenn man nur wüsste, was man machen kann, damit sie nichts mehr macht.“

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