® Göttliches Ablaufdatum überschritten

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polyatheistGötter vom monotheistischen Unkulturkreis sind immer die einzig wahren Götter, und sie sind unvergänglich. Die Beweislage ist aber mau. Der jüdische Gott Jahwe wurde vor 2.500 Jahren geschöpft. Die Erschaffung des erweiterten christlichen Trios Gott / Jesus / Heiliger Geist / Gottesmutter Maria datiert vor 2000 Jahren, den islamischen Allah ersann man vor rund 1500 Jahren.

(Bild: Polyatheist) Um den Dreh herum konnte man den Exitus der griechisch-römischen Götterriege beobachten. Zunächst wurde die Truppe des griechischen Zeus' noch recycled zur römischen Jupiter-Crew. Dann musste die sich dem christlichen Gott samt seinen zweieinhalb halboffiziellen Mitgöttern geschlagen geben. Interessanterweise war der christliche Gott eigentlich ein no-name-Produkt, der hieß nur Gott und nix weiter. Dafür hat der Allah 99 Namen, auch wenn er bloß ein Einzelkämpfer ist.

Der Kern dieser kleinen Auflistung ist einmal die Tatsache, dass es den einzig wahren Gott mehrfach gibt – so dass sich für jeden davon eine Mehrheit von anderen ergibt, die seine Existenz negiert ("nur unserer ist der einzig wahre"). Und dann ist da dieses Ablaufdatum der unvergänglichen göttlichen Gruselgestalten: Die Götter überleben sich wie alles andere auch.

An das expiration date erinnert der Friendly Atheist (1.)  Die USA sind nicht nur bible belt, es gibt dort auch kritische Geister.graveyardofthegods1 Und die haben den Göttern einen Friedhof spendiert (Bild: Patheos, Friendly Atheist).

Jedes Jahr tun sich Atheisten, Humanisten und Agnostiker der University of Wisconsin–Madison zusammen, um einen fantastischen “Graveyard of the Gods” aufzubauen. Das soll die Studenten an all die Götter erinnern, die einst angebetet wurden, an die geglaubt wurde, und die nun vergessen sind (3.). Wieviel länger werden die heutigen Götter bestehen?

Das Schild sagt so schön "here lie …" Weil das Wort lie auch Lüge bedeutet, darf man die Aussage noch etwas ausspinnen. Schließlich haben die tüchtigen Leute von der Uni Wisconsin–Madison nicht wirklich was zu verbuddeln. Keine Totelschädel, keine Gebeine. Götter gibt's ja nur in der Phantasie der Gläubigen, und nicht in der Realität.

Trotzdem darf man mal so tun, als ob's sie gegeben hätte, um auf die Diskrepanz zwischen ewigem Anspruch und begrenztem Ablaufdatum hinzuweisen. Der Götterfriedhof wird in einem weiteren Artikel mit Bildern ausstaffiert (2.), mit der ketzerischen Frage, What’s stopping Allah and Yahweh from joining the mix? Was hält Allah und Jahwe davon ab, hier begraben zu werden? (In den USA wird der Name des jüdischen Gotts teilweise auch für den christlichen verwendet.)

Und der da? Ist der nicht von Haus aus unterirdisch begraben? (Bild: geralt, pixabay)

devil-806649_640geralt

Der Teufel gehört zum Gesamtpaket mehr oder weniger dazu, soweit die monotheistischen Wolkenschieber betroffen sind. Hübsch wär's, wenn man auch einen Teufelsfriedhof spendieren könnte, auf dem der religiöse Höllenzauber entsorgt wird. Noch gibt's ja die Indoktrinierung mit dem christlichen Höllenfeuer und seinem muslimischen Äquivalent (72 Huris pro Greis).

Fazit: Wir warten auf die Zeit, wo die Menschen sich besinnen, und wo die Religionen nicht mehr too balla-balla to fail sind. Von der Logik her müsste die Formel gelten

A = WU  (Ablaufdatum = Weltuntergangsdatum)

Wenn die Welt nicht untergeht, sollte wenigstens der Gott untergehen, der für sowas herhält. Das Verarschungsmonopol ist heute schließlich zu einem hart umkämpften Gut geworden, um das alle Arten von Bauernfängern rangeln.

viereinhalb(Gott, Jesus, Heiliger Geist, Jungfrau Maria so halb & Allah, Bild: Wikimedialimages, oscardavid19gt, TheDigitalArtist, Jo-B & werner22brigitte, alle pixabay)

(Dieser Artikel erschien zuerst am 3.11.15 und wurde am 18.7.18 überarbeitet und ergänzt.)

Medien-Links:

  1. In Madison, “Graveyard of the Gods” Asks Students When Their Theology Will Become Mythology Patheos, Friendly Atheist 27.10.16): As they do every year, the Atheists, Humanists, and Agnostics at the University of Wisconsin–Madison have put up a fantastic “Graveyard of the Gods,” reminding students of all the deities who were once worshiped, only to be forgotten. The purpose is to get students thinking about when their God will join the ranks of the dead.
  2. College Atheists Place ‘God Graveyard’ on Campus: 200 Tombstones of Gods We No Longer Worship (Patheos, Friendly Atheist 31.10.15): Last month, the University of North Georgia Skeptics Society created a “Graveyard of the Gods.” It featured the tombstones of a number of ancient gods we now consider mythological. It also raised an important question: What’s stopping Allah and Yahweh from joining the mix?
  3. God Graveyard Annual Display (University of Wisconsin–Madison, Atheists, Humanists, & Agnostics (AHA) 12.11.17): This past Halloween, eight AHA officers awoke before dawn to set up our annual Graveyard of the Gods display. The main display reads as follows:

GOD GRAVEYARD  
Here lie the graves of thousands of past gods.  
Once worshiped by entire civilizations,
now forgotten by most.

How much longer will the gods of today last?

Bunte Mischung von wissenbloggt-Links dazu:

Humoristische und halbernste Götter-Links:

Seriöse Götter-Links von wissenbloggt:

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5 Antworten auf ® Göttliches Ablaufdatum überschritten

  1. Besonders interessant wird es, wenn Anhänger der drei "mono"-theistischen Religionen sagen, dass sie alle an denselben Gott glauben (warum eigentlich nicht an Göttin ?).

    Da man im Christentum an einen dreifaltigen Gott glaubt, könnte es nun also so sein, dass auch Juden und Muslime an die Dreifaltigkeit Gottes glauben — sonst funktioniert das mit demselben Gott schließlich nicht.

    Und ob Christen wohl bereit sind, ihren Gott auf ein Drittel zu reduzieren, also zwei Drittel seiner Macht preiszugeben — na, ich weiß nicht. Da sollte den Juden und den Muslimen doch ein Zugewinn, eine Verdreifachung, gelegener kommen …

    Wer gerät jetzt am meisten in die Bredouille ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  2. Wilfried Müller sagt:

    Dieser Kommentar von 2015 ist immer noch aktuell.

  3. Wilfried Müller sagt (21. Juli 2018 um 06:17):

    immer noch aktuell …

    Dabei hätten Vertreter dieser drei Weltanschauungen doch inzwischen wirklich genügend Zeit gehabt, ihre Positionen untereinander abzustimmen und sie zu vereinheitlichen — zumal diese so unterschiedlich am Ende vielleicht gar nicht sind.

    Das Christentum geht schließlich auf einen jüdischen Wanderprediger zurück — kann mithin als modernisiertes Judentum bezeichnet werden –, der Islam bedient sich teils Versatzstücken aus dem Alten Testament, sein Codex aus dem frühen 7. Jhdt. wurde z.B. als «Abklatsch alter Mythen» (Ibn al-Harith über dieses Buch) bezeichnet.

    Allen dreien geht es, soweit ich dies beurteilen kann, zumindest teilweise darum, einerseits ihre eigenen Methoden der Rechtsfindung, der Rechtsetzung und der Rechtsauslegung über die des gegenwärtigen freiheitlichen demokratischen Rechtsstaats zu stellen.

    Andererseits scheinen sie bestrebt, ethische und moralische Vorstellungen, die teils in der Zeit der späten Bronzezeit / der frühen Eisenzeit formuliert wurden und heutzutage nurmehr sehr bedingt oder gar nicht alltagstauglich / rechtstauglich sind, teils in der Zeit der Antike formuliert wurden und heute noch Gültigkeit besitzen, zu verteidigen.

    Insbesondere besagte Methoden "mittelalterlicher" (als Platzhalter für "überkommener") Rechtsauslegung kann man u.a. in den Leserkommentaren so mancher Zeitungen und Blogs wiederfinden, wo von Sippenhaftung und Missachtung der Unschuldsvermutung über Sündenbockprojektionen bis hin zu Gerüchten und Unterstellungen, die als "Wahrheiten" erachtet und präsentiert werden, vieles geboten ist.

    In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Beitrag "Das Muster des Protest", (Der Spiegel Nr. 29 / 2018, Printausgabe Seite 66), sowie auf einen Beitrag der FAZ: "Islam als Unterrichtsfach: Kretschmann kritisiert türkische Verbände" (mit 62 Leserkommentaren — http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kretschmann-will-neues-modell-zu-islamischem-religionsunterricht-15695729.html).

    Außerdem will ich es mir an dieser Stelle nicht verkneifen, aus dem oben erwähnten «Abklatsch alter Mythen» zu zitieren:

    Und sprich: “Es ist die Wahrheit von eurem Herrn.” Darum laß den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will. Siehe, Wir haben für die Frevler ein Feuer bereitet, das sie wie eine Zeltdecke umschließen wird. Und wenn sie um Hilfe schreien, so wird ihnen mit Wasser gleich geschmolzenem Metall, das die Gesichter verbrennt, geholfen werden. Wie schrecklich ist der Trank, und wie schlimm ist die Raststätte! (18:29)

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  4. Saco sagt:

    C. G. Jung war ein mutiger Mann. Er versuchte, das Christentum zu versenken. Fast alle, die dies wagen und wagten, hatten schwierige Zeiten durchzustehen. Denn auf Unglauben wartet die ewige Hölle. So wurden die großen Aufklärer krank: Freud, Nietzsche, Schopenhauer, van Gogh, Hölderlin und beinahe auch Jung. Nur "unbändiger Krafteinsatz" bewahrte ihn vor dem Weg in die psychische Erkrankung. Und noch eins: Er erkannte die Vielzahl der Götter. Indien hat alleine über 4 Millionen. Da wird der Gedanke oder der Anspruch des Bibelgottes, der Einzige zu sein, zur Farce, zur Lotterie. Zur beruhigenden Lotterie. 

  5. Saco sagt ( 21. Juli 2018 um 17:07 )

    Denn auf Unglauben wartet die ewige Hölle.

    Das kann man glauben und davon kann man sich einschüchtern lassen — oder auch nicht !

    Einschüchterung ist ein Machtinstrument aller faschistoiden Herrschaftssysteme.

    Anspruch des Bibelgottes, der Einzige zu sein …

    Diesen Anspruch hat nicht nur der Bibelgott. Das islamische Glaubensbekenntnis beginnt bekanntlich mit den Worten "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah."

    Man kann sich allerdings auch mit der Kurzform dieses Satzes begnügen:

    "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt."

    Falls nun der Bibelgott und der islamische Gott Allah damit nicht einverstanden sein sollten, dürfen sie gern persönlich bei mir antanzen — sie wissen ja, wo ich wohne.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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