Die Roboter übernehmen … die Arbeit

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creature-575729_640In den nächsten 20 Jahren wird die globale Wirtschaft Umwälzungen erleben. Die Ungleichheit dürfte steigen, und die Roboter werden voraussichtlich so viele Jobs übernehmen, dass die Ära der Massenbeschäftigung ein Ende findet (Bild: OpenClipartVectors, pixabay).

So werden die Zukunftsforscher in theguardian vom 7.11. zitiert. Die britische Zeitung beruft sich vor allem auf einen 300-Seiten-Report der Bank of America Merrill Lynch, den der Guardian exklusiv einsehen durfte. Es geht um die vierte industrielle Revolution nach der Dampfmaschine, der Massenproduktion und der Elektronik.

In abgespeckter Form steht der Industrie-4.0-Report der Allgemeinheit zur Verfügung. Unter dem Namen Creative Disruption (Kreative Zerstörung) sind einige wirtschaftliche Entwicklungen aufgelistet. Allerdings nicht die Hauptaussagen des Guardian-Berichts Artificial intelligence: ‘Homo sapiens will be split into a handful of gods and the rest of us’. Als da wären:

Die Verschmelzung von Künstlicher Intelligenz KI und Robotertechnik zeige beunruhigende Auspekte. Die Entwicklung verheiße Robot-Pfleger für Alte und Marode und noch viele andere Robot-Einsatzmöglichkeiten. Jede Menge Jobs werden dadurch ersetzt, die Rede ist von 35% aller Jobs in Großbritannien und 47% in den USA. Bürojobs gehören genauso dazu wie Fabrik- und Servicejobs.

Die Angst vor solchen Entwicklungen ist nicht neu, es gab schon die Maschinenstürmer im 19. Jhd. und die Gewerkschafts-Proteste gegen Computer in den 1980ern. Als Ausgleich wurden aber immer neue Computerjobs versprochen, die auch teilweise entstanden (Anmerkung wb: Weltweit ist etwa die Hälfte der Menschen arbeitslos, in der Eurozone allein 24 Millionen).

Wenn die Maschinen smarter und smarter werden, könnte es bald vorbei sein mit der Fähigkeit der Menschen, mit ihnen zu konkurrieren oder überhaupt mit ihnen zu zusammenzuarbeiten. Wer die Entwicklung nicht genau verfolgt, der kriegt nicht mit, wie schnell sie vorangeht. Es gibt schon Drohnen, die mit Leichtigkeit Hindernissen ausweichen und Roboter, die Hindernisse überspringen.

Die Computerpower verdoppelt sich immer noch alle 18 Monate, und die Roboter müssen nicht von Null an lernen. Sie kriegen die Programme draufgespielt, so dass jede neue Generation sofort besser ist als die vorige (Anmerkung wb).

Das Eindringen der Roboter in unser tägliches Leben begann vor langer Zeit. Eine kleine Änderung leitet eine große Umwälzung ein ("the edge is thin, but the wedge is long"). Und dann folgt eine Liste von Beispielen, was die Technik schon alles kann.

Von der automatischen Bedienung im Restaurant bis zur Überwachung von Hamburgers, ob sie gar sind. Vom Aufstöbern der Inhalte in großen Datenmengen bis zur automatischen Organisation von Meetings und dem automatischen Antworten auf Emails. Und natürlich immer weiteres Verdrängen der menschlichen Arbeit von den Fabriken bis zu den News-Agenturen.

Es wird immer schwerer werden, Jobs zu finden, die nicht von den Robotern gemacht werden – man spricht bereits von Weltuntergangsprophezeiungen. Und wie steht es mit den Servicejobs und den Jobs, bei denen es auf die Persönlichkeit ankommt? Und der Speerspitze der Fachkräfte, von denen die Entwicklung angetrieben wird?

Nun, was in den letzten 5 Jahren entstand, sind zumeist Servicejobs, aber bei den Robotern entstehen die auch immer mehr. Und die Entwicklerjobs werden weniger. In den 1980er-Jahren waren 8,2% der US-Arbeitskräfte mit dem Vorantreiben neuer Techniken befasst, in den 1990ern 4,2%, und für die 2000er lautet die Prognose 0,5% – die vielen neuen Jobs durch Roboter sind eine Legende.

Grund genug, sich Sorgen zu machen. Wer die KI besitzt, besitzt alles andere. In der Guardian-Formulierung: Die menschliche Rasse wird in eine Handvoll "Götter" und den billigen Rest zerteilt.

Als beste Perspektive gilt die Verallgemeinerung der KI, die für alle arbeitet. Das wäre eine Gesellschaft des Überflusses, wo Maschinen die ganze Arbeit machen und die Menschen iim wesentlichen nur herumspielen. Der Guardian sieht uns schon auf halbem Weg dahin, denn ist ein Programm wie Zumba denn mehr als ein Erwachsenenspiel?

Davor steht aber die Frage, für wen arbeiten die Roboter? Beim Guardian ist das die Überlegung von einem bedingungslosen Grundeinkommen (unconditional basic income). Das größte Problem dabei sei die Untersuchung der zukünftigen sozialen Effekte der KI; die Technik entwickle sich zu schnell, man wisse nicht, was sie bringt.

Dem möchte wissenbloggt ein viel größeres Problem gegenüberstellen, nämlich die Frage, wie die KI sozial verträglich gemacht werden kann. In einer Welt, wo die Lobbyisten den Politikern beim Gesetzemachen die Feder führen, ist kaum eine sozial verträgliche Gestaltung abzusehen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine gute Idee, aber wo noch nicht mal Sozialabgaben für die Technik durchzusetzen sind, dürfte es eine Illusion bleiben.

Ebenso illusionär erscheint die Gewissheit der akademischen Forscher, selber nicht betroffen zu werden. In 20 Jahren werden sie noch denselben Job haben? lautet die Frage. Die Antwort ist – noch -, die Uni-Jobs seien sicher. Bloß wenn die Roboter keine Steuern zahlen, und die Arbeitenden werden von ihnen verdrängt, und die Besitzenden zahlen eh immer weniger, wer zahlt dann die Uni-Gehälter? Und wer sagt, dass die Uni-Leute alle besser sind als die Roboter in 20 Jahren?

Überhaupt geht es reichlich theoretisch zu. Theoretisch sei das Welt-Problem zu lösen, alle Menschen satt zu kriegen. Der technische Fortschritt verläuft schneller als die menschliche Bevölkerungsexplosion. Die Roboter-Entwicklung sollte das noch verbessern. Inwieweit sich die Theorie praktisch durchsetzen lässt, ist eine andere Frage. 

Oder genau gesagt, wer profitiert von den neuen Entwicklungen? Eine  Untersuchung vom 18.3. besagt, dass der Robotereinsatz Produktivität und Einkommen erhöhte, ohne Jobs zu kosten, außer bei den niedrig Qualifizierten. Estimating the impact of robots on productivity and employment heißt die Studie, die 14 Industrien in 17 Ländern untersuchte.

Dem Guardian reicht das entgegen dem Titel des Artikels zur Entwarnung, aber wissenbloggt nicht: Wenn die KI höhere Qualifikationen erreicht, verdrängt sie auch höher Qualifizierte. Und was ist mit den vielen Arbeitslosen weltweit? Die sind doch auch ein Ergebnis der zunehmenden Produktivität. Die haben eben keine neuen, von der KI produzierten Jobs. Dessen eingedenk kann man nicht davon reden, die Furcht vor Massenarbeitslosigkeit sei so unbegründet wie die anderen Ängste, von denen die technischen Umwälzungen begleitet wurden. Von den 35% bzw. 47% Joblosen ist nun nicht mehr die Rede.

Der Guardian macht sich nur Gedanken um die niedrig Qualifizierten, die von den Robots verdrängt wurden. Das seien nicht dieselben, die dann als app-Entwickler oder Analysten reüssieren. Insofern sei det KI ein Trend zu mehr Ungleichheit anzulasten, auch das Merrill-Lynch-Paper sehe das so.

Insgesamt erzeuge der Aufstieg der Maschinen (rise of the machines) enorme ökonomische Vorteile. Er müsse aber sorgfältig gemanaged werden (carefully managed), sonst könnten die Gewinne von den Besitzenden und Hochqualifizierten vereinnahmt werden (captured by shareholders and highly educated knowledge workers) – und einige Gruppen bleiben draußen im Regen stehen (leaving some groups out in the cold).

Das ist denn doch ein schwaches Ende für einen interessanten Artikel. Was tun denn die Besitzenden seit 40 Jahren anderes, als alle Wohlstandsgewinne in ihre eigenen Taschen zu kanalisieren? Mit ein wenig careful Management ist dem kaum beizukommen. Wer da draußen im Regen stehengelassen wird, das ist bald die ganze Allgemeinheit. Die wünscht sich die Besitzenden bestimmt nicht als eine Handvoll Götter, sondern sie wünscht sie eher zum Teufel.

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