Wissenbloggt nennt Punkte

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cat-342732_960_720Diesmal lacht sich die Katze andersrum schief (Bild:  gwendoline63, pixabay). Dabei ist das Thema gar nicht humorig, um das es noch einmal geht.

In dem MIZ-Artikel von Siegfried R. Krebs Wider die fromme Propaganda! wurden u.a. die Stellungnahmen verschiedener säkularer Medien besprochen, die mit dem Ziel abgegeben wurden, Perspektiven und Grenzen einer säkularen Gegenöffentlichkeit aufzuzeigen. Als wissenbloggt-Verantwortlicher möchte ich das gern vertiefen und um den wissenbloggt-Standpunkt ergänzen.

Zuerst muss ich darauf hinweisen, dass die Kritik am hpd und seinem Chef nicht von wissenbloggt unterstützt wird. Die ist allein Sache des Autors (und eines Kommentators). Ich trete dafür ein, dass alle Humanisten zusammenhalten und die persönliche Kritik hinter die Kritik an den humanismuswidrigen Verhältnissen stellen.

Wie diese Kritik in der MIZ ausgefallen ist, damit bin ich allerdings nicht glücklich. Zum Thema Was wollt ihr bewirken, was können säkulare Medien leisten? möchte ich konkret werden und die Punkte benennen.
 
Ja, es ist auch mein Bestreben, die Mißstände zu benennen und über die Szene hinaus bekannt zu machen (Punkte von Christoph Lammers). Dabei will ich nicht nur den humanistischen Blickwinkel auf die Privilegien von Kirchen und Islamverbänden wahren (Frank Nicolai) und Informationen weitergeben, die sonst durch den Lattenrost fallen (Patrick C. Kloiber).
 
Beim Lesen der MIZ-Nabelschau hat mich die unaufgeregte Sicht erstaunt, mit der die Kritikpunkte aus gehobener Warte und eher unspezifisch zur Sprache kamen, als "Top"-Themen zu "Top"-Krisenlagen im Feld der Aufmerksamkeitsökonomie (Arik Platzeck). Etwas aus dem Zusammenhang gerissen noch die Frage, Wie kann Abhilfe geschaffen werden? Das sind Fragen, die im Raume stehen und dringend einer Antwort in Taten bedürfen! (Siegfried R. Krebs) Vordringlich ist aus meiner Sicht, die brennenden Probleme erstmal beim Namen zu nennen – wie sonst will man die Leute ansprechen?
 
Lobbyismus
 
Der Lobbyismus wird in der MIZ angesprochen und kommt deshalb (etwas allgemeiner) zuerst dran: Im deutschen Bundestag haben 1000 Lobbyisten Passierscheine (siehe Lobby-Ausweise? Lobby ausweisen!), aber der klerikale Lobbyismus sitzt direkt im Plenum, daumengepeite 500 Kirchenvertreter (Sterbehilfe: Bundestag vs. Bevölkerung). Der Chef der EU-Kommission ist ein Politiker, der sich durch Steuerfluchthilfe profiliert hat (Aktuelle Luxemburg-Kritik trifft Juncker), und die EZB wird von einem Banker geleitet, der eine Führungsposition in einer der Top-Abzockerbanken hatte (EZB verschleiert “Gelddrucken im Keller” von Landes-Zentralbanken).
 
Bankenbeglückung
 

Das leitet zum Thema Bankenbeglückung über – aber ist das ein Thema für Humanisten? Die Antwort kann nur sein, das ist ein Thema für alle, denn es kostet alle viel Geld. Die Beträge sind das Vielfache von den Kirchensubventionen (Vernichtendes Urteil über die Bankenbeglückung). Das Geld der Allgemeinheit wird seit Jahren in die Finanzwelt umverteilt. Ziel ist, auch die letzte Zombie-Bank zu refinanzieren, selbst wenn sie von Rechts wegen konkurs gehen müsste (Overbanked – die Zombies grüßen). Um das zu kaschieren, verfällt die Politik auf Tricks und Schliche, die in der sogenannten Griechenlandrettung kulminieren. Die Rettungsgelder landen in den Banken, und den Banken werden alle Risiken abgenommen, obwohl sie die Zinsen dafür kassieren. Mit Lüge und Betrug wird verschleiert, wie die Kredite zu Geschenken werden (Euro-Betrugsnummer Schuldenschnittchen).

Steuerflucht

Noch mehr Geschenke erschließt die Steuervermeidungsindustrie (EU-Bastelei an neuen (Schatten-)Bankenprivilegien), die das Geld in Schattenbereiche oder Steueroasen kanalisiert, ehe es besteuert werden kann. Offiziell wird politisch dagegen angegangen, aber de facto sorgen Lobbyisten und Bankenbeglücker dafür, dass sich nichts ändert (Steuerflucht in die Target-Salden). Ohne die Leaker und CD-Verkäufer würde gar nichts gegen die Steuerflucht unternommen. Auch das muss ein Thema für Humanisten sein, weil gelebter Humanismus Geld kostet, und dieses Geld wird dem Staat vorenthalten bzw. gestohlen.

Systemfrage

Über die Finanzen hinaus stellen die gegenwärtigen Ereignisse unser System in Frage. In ketzerischer Form handelt das der wb-Artikel Das metamurphysche Prinzip ab. Etwas eingehender wird die Fehlentwicklung in Ungerechtigkeit und Ungleichheit beschrieben. Das Hauptargument ist, die westliche Kultur von Aufklärung, Wissenschaft und Technik mit einem passenden Ethos zu verbinden, wie es geschildert wird in Von der Notwendigkeit eines globalen menschlichen Ethos’.

Mit welchem Recht können wir in der Fremde sagen, wenn ihr unsere Technik wollt, lasst ab von euren Phantasievorstellungen der Gottesherrschaft, solange bei uns vergleichbare Phantasien subventioniert werden? Wie soll das Bewusstsein verbreitet werden, dass das Gotteszeugs nur menschengemachter Unfug ist, um die Armen zu instrumentalisieren, solange die Agendasetzer öffentlich beten? (Religion richtet schweren Schaden an)

Kulturkampf

Diese brennende Frage müsste eigentlich jeden Humanisten bewegen. Wir haben hier Wissenschaft und Technik gegen die Religion erkämpft, und dann den Gebrauch der Technik mit Menschenrechten sozialverträglich gemacht. Aber wir exportieren Technik und  Wissenschaft ohne den intellektuellen Überbau, ohne Menschenrechte, ohne Aufklärung, ohne Humanismus (Westliche Werte auf dem Prüfstand).

Schlimmer noch, der Westen hält sich selber nicht an die westlichen Werte. Die USA haben den Dschihad heraufbeschworen, um die Sowiets aus Afghanistan herauszubekommen. Sie haben die Kämpfer rekrutiert, bewaffnet und geschult (Terror made by USA). Danach richtete sich der Dschihad folgerichtig gegen die USA als imperialistischen Manipulator.

Vielerorts sind die Kreaturen der USA gescheitert oder haben sich umgedreht. Beim Schah von Persien stellten die USA die Unterstützung ein. Hussein im Irak wandte sich gegen die USA. Die saudiarabische Regierung wird vorn von den USA gestützt und finanziert hinten den Salafismus.

Damit kein Muslim vergisst, wer der Feind ist, betätigen sich die USA in wechselnden Allianzen als Kriegstreiber und Drohnenkiller. Deutschland war völkerrechtswidrig in Afghanistan dabei und nun genauso in Syrien – das kann doch keinen Humanisten unberührt lassen (Ursachenforschung für Dschihad, Terror, Krieg und Migrantenstrom).

Asylanten

Zum Thema Willkommenskultur haben sich die humanistischen Stimmen nur sparsam geäußert. Die Willkommenskulturellen durften ihre Gefühle öffentlich ausleben und dabei die Rechte von Fremden hochhalten und die Rechte der Hiesigen negieren. Es spricht nichts gegen hochherzige Hilfe, solange sie auf eigene Kosten erfolgt. Wenn jedoch Geld und Arbeit der Allgemeinheit inbegriffen sind, müsste diese Allgemeinheit dann nicht gefragt werden, wie sie das gestalten möchte? (Ursachenforschung für Dschihad, Terror, Krieg und Migrantenstrom)

Als Ergebnis der Willkommenskultur entsteht Unglück. Übergangene und missachtete Mitbürger werden zu Aufrührern und Fremdenhassern. Wer jetzt zurecht ihre Untaten schilt, sollte nicht vergessen, wer den Fremdenhass maßgeblich mit heraufbeschworen hat.

Noch mehr Hass entsteht bei den Betroffenen, wenn die Politik für mehrere 100.000 Menschen realisiert, was sie anstrebt: Die Ausweisung von Hilfesuchenden stürzt sie ins Unglück. Auch wenn es keine passenden Arbeitsmöglichkeiten und keine Teilhabe gibt, dürfte das entsprechende Gefühle hervorrufen (Nachtrag 19.12.).

Eine sachliche Diskussion ist verhindert worden, wie die Mittel am besten eingesetzt werden. So wurde die teuerste und ineffizienteste Hilfsmethode etabliert, nach der alle in unser kaltes Land einwandern – Kälte- und Kulturschock garantiert (Diskurs “offene Grenzen” analysiert).

Roboter

Im Moment ist der Diskussionsbedarf auf diesem Gebiet groß, aber in Zukunft gehört auch wieder das Thema Roboter auf den Plan. Das ergibt sich schon aus dem Mangel an Arbeitsplätzen, nicht nur für Asylanten, sondern auch für die europäische Jugend und die Menschen weltweit (Die Roboter übernehmen … die Arbeit).

Zugrunde liegt Das Ethosdefizit, ein überaus wichtiger Kritikpunkt an der Religion, der viel zu wenig thematisiert wird. Die Religion hat erfolgreich ihr Ethos konserviert und damit verhindert, dass Wissenschaft und Technik mit einem neuzeitlichen Ethos verknüpft werden. Durch die Überalterung der religiösen Doktrinen kennen sie keine tauglichen Regeln für Finanzmärkte und Robotereinsatz. Die Bibel, der Koran und die anderen heiligen Bücher werden nicht entrümpelt und überarbeitet.

Weil die Menschheit vom gedeihlichen Umgang mit der Technik samt ihren Auswirkungen abhängt, ist das eine schwere Hypothek auf unsere Zukunft. Der technische Fortschritt stößt in ein ethisches Vakuum vor und eröffnet dort einen gesetzesfreien Raum – wo kein Ethos, da keine Gesetze. Finanzkünstler können ihr Schmarotzertum frei entfalten, das moralische Machtwort dagegen bleibt ungesprochen.

Letztlich ist das Ethosdefizit die Ursache für die notleidenden Staatskassen, für die allgemeine Verarmung und die unbeantworteten Schicksalsfragen (gekürzt):

  • ist es zulässig, dass mit viel Geld sehr viel Geld verdient wird und mit Arbeit kaum das Nötigste?
  • dürfen Börsen als Zockerplätze missbraucht werden?
  • dürfen Politiker Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren?
  • muss nicht die Verknüpfung Wissenschaft/Technik/Menschenrechte etabliert werden?
  • dürfen autonome Kampfroboter gegen Menschen eingesetzt werden?
  • müssen die Roboter nicht friedlich für die Allgemeinheit arbeiten, statt nur für die Besitzenden?

Fazit

Keiner verlangt, dass humanistische Medien dauernd mit allen Problemen hausieren gehen. Dass aber fast gar nichts von diesen heiklen Punkten die MIZ beflügelt, empfinde ich als enttäuschend. Gerade dort, wo alle betroffen sind, halte ich eine konfrontative Diskussion für wichtig. Wer nicht aufmuckt, wird weiter ausgenutzt und untergemangelt. Ich plädiere für einen wachen Humanismus, der eine aktive Gegenöffentlichkeit schafft und die Probleme beim Namen nennt.

 

Wilfried Müller

MIZ beim Alibri-Verlag Aschaffenburg.

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