Marx möchte gern…

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euro-1002807_960_720Einen unweihnachtlichen Kommentar erhalten wir am 24.12. von  Georg Korfmacher. Auf seiner Site steht AugenÖffner und Laizität für eine bessere Demokratie. Thema ist ein Marxismus besonderer Art – das Bild von McLac2000, pixabay, zeigt, worauf es ankommt:

 

Marx möchte gern…

von Georg Korfmacher, München

Berockt, berückt und in barockem Ambiente plaudert der Primat von der Isar kürzlich in Pressegesprächen darüber, was ihn zu bewegen bzw. zu bedrücken scheint. „Wichtig ist doch, dass wir über alle Probleme reden, sie ansprechen“, so Marx. Na dann. Aber bitte, nur ansprechen, nicht anpacken.
 

Natürlich treibt auch ihn die fratzenhaft verzerrte Islamisierung um, zumal da bei ihm unangenehme Erinnerungen an grauenhafte Christianisierungen hochkommen müssen. Also wiegelt er lieber ab. Nein, man dürfe die Muslime, die man ja zur Sicherung des eigenen Wohlstandes ins Land eingeladen hätte, zur Ausübung ihres Glaubens nicht in Garagen verbannen. Das wäre dann wirklich ähnlich den ersten Christen im alten Rom, die in den Untergrund der Katakomben gezwungen waren. Und überhaupt sei religiöse Vielfalt auch eine Möglichkeit für viele Christen, wieder vertiefter zu ihrem eigenen Glauben zu finden. Wenn die also schon nicht mehr in die eigenen Kirchen gehen, könnten sie also einmal bei den Muslimen vorbeischauen. Vielleicht gefällt es ihn dann dort doch nicht so mit dem vielen auf und nieder und sie kommen dann doch lieber in die Kirchen zurück, wo man sich wenigstens ordentlich setzen kann. Ansonsten gab er zu diesem Thema vom Primaten nichts Neues.

Ach ja, die Flüchtlinge. Erst als junge Menschen am Münchner Hauptbahnhof mit weltweitem Medienecho vormachten, wie es auch gehen könnte, lief auch er eilig dorthin und zeigte sich beifallheischig. Bis dahin hatte man von Marx zu diesem Thema nichts gehört und gesehen. Wo war er z.B. als Asylanten auf dem Münchner Rindermarkt wegen miserabler Bedingungen in den Hungerstreit getreten waren und von der Polizei weggeschleppt wurden? Seinerzeit war das Thema wohl zu heikel, heutzutage ist es telegen. Da muss man sich zeigen. Und ausserdem sei das von Gott auf die Tagesordnung gesetzt. Da sei es ein humanitärer Skandal und kurzsichtig, wenn die westliche Welt nicht genügend Mittel für die Flüchtlinge bereitstelle. Aber warum geht die weltweit tätige Catholica da nicht mit gutem Beispiel voran? Weil sie gerade für eine Stange Geld den Domberg in Freising aufwendig renovieren muss? Diskussionen über Obergrenzen hält er für Scheingefechte, weil sie in die Irre führten. Gleichwohl müsse man über eine Begrenzung der Zuwanderung nachdenken, zumal „den Kirchen in Deutschland langfristig die Aufgabe zuwachse, besonders den Christen unter den Flüchtlingen nahe zu sein“. Menschenwürde also doch eher nur für Christen? Also doch Abschottung und Präferenz? Eine ziemlich vermurkste Argumentation.

Tiefgründig aber nicht ganz neu die Gedanken zu Kirche und Staat. „Kirchen wollten nicht selbst Politik machen, sondern Politik möglich machen. Dazu überprüften sie, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei“. Wie das genau geht, kann man in „Kirchenrepublik Deutschland“ von Carsten Frerk nachlesen. Einfach grauenhaft!

Ebenso bemerkenswert wie dümmlich die Aussage, dass sich die Kirche früher – früher? – mit Demokratie und Liberalismus schwer getan habe, während er heute wisse: „Eine freie und offene Gesellschaft entspricht dem Evangelium." Die Zukunft liege "in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft". Diese Erkenntnis scheint nagelneu, geradezu revolutionär und sicherlich mit seinem kurialen Primaten-Kollegen Müller nicht abgestimmt. Der bayerische Vorgängerpapst hatte dazu auch eine dezidiert andere (unfehlbare) Meinung. Es muss ein marx‘sches Geheimnis bleiben, wo und was in der Bibel über eine freie und offene Gesellschaft nachzulesen sein soll. Nach gesicherter allgemeiner Erkenntnis ist die Catholica in Geist und Struktur zutiefst anti-demokratisch und hat bis heute die UN-Menschenrechtskonvention von 1948 nicht ratifiziert. Zu brennenden Gesellschaftsfragen schweigt sich der Primat von der Isar höchst vorsorglich und beharrlich aus. Da möchte er wohl gerne lieber nichts. Sein Papst wird’s mit seinen Inspirationen schon richten.

Ach ja, er wolle die Finanzstrukturen seines Bistums transparenter machen. Das verspricht er zwar schon seit dem Skandal von Limburg, geschehen ist bisher nichts. Ist ja auch sooo kompliziert bei all den Körperschaften des öffentlichen Rechts bis hinab in die kleinsten Pfarreien. Auch da wäre dem Kardinal eine Nachhilfestunde bei Carsten Frerk zu empfehlen.

Zum neuerlichen Einsatz deutscher Soldaten in Syrien vermerkt er sybillinisch, dass er nicht erkennen könne, „dass das der richtige Weg wäre". Erst mit einem Friedensplan hält er einen militärischen Einsatz für moralisch gerechtfertigt. Auch nicht neu. Seit Konstantin hat die Catholica jeweils mit einem Heilsplan verheerende militärische Einsätze gegen Andersdenkende gefördert und/oder geführt. Militärische Einsätze sind immer mit Mord verbunden. Das ahndet die Catholica eigentlich in einem Gebot, scheint es aber durch Militärseelsorge eher zu fördern.

Die Freiheit! Natürlich! Theologisch müssten die Religionsgemeinschaften intensiver über Freiheit nachdenken. Nein! Nur ja nicht theologisch, sondern nach den Regeln der Demokratie! Gerade noch hatte sein Pontifex öffentlich verkündet, dass Religion Krieg in sich trägt, weil sie Menschen beherrschen und kontrollieren will. Freiheit ist spätestens seit der Französischen Revolution ein unveräusserliches Menschenrecht, das keinerlei theologischen Nachdenkens bedarf. Das sollte der vielgereiste Kirchenmann spätestens seit seinem Studium in Paris wissen. Aber da war er vielleicht zutiefst mit Schöpfungstheologie beschäftigt. Und da kommt demokratische Freiheit nicht vor.

Bei seiner Aufforderung, "auf der Basis echter Kenntnisse und in ernster Weise" zu diskutieren, sollte sich der Primat von der Isar an die eigene Nase packen. Geplaudert hat er viel und praktisch doch nichts gesagt. Was möchte Marx eigentlich gern?

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