Roboter & Propaganda

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wooden-791421_960_720Der Roboter im Bild von kaboompics, pixabay, ist womöglich noch nicht dafür ausgerüstet, aber seine modernen Kollegen sind's. Was die können, das ist ein kleiner Turing-Test unter Freunden – oder besser gesagt, sie mogeln. Sie tun so, als wären sie Menschen, aber sie verbreiten nur vorprogrammierten Stuss.

Das berichtet die rechtsgerichtete Schweizer site 20 minuten am 21.2., Falsche Twitterer – Wie Propaganda-Bots die Welt beeinflussen: Programmierte Roboter posten propagandistische Aussagen online. So manipulieren sie die US-Wahlen, aber auch die Flüchtlingsdebatte in der Schweiz.

figure-576526_960_720Neu ist an den "Social Bots", dass sie im Auftrag von Firmen, Interessengruppen und auch Terrororganisationen die sozialen Netzwerke regelrecht unterwandern (der wandernde Roboter und auch die folgenden Bilder sind von OpenClipartVectors, pixabay).

Der 20-minuten-Bericht nennt Zahlen aus der Schweizer SonntagsZeitung: Geschätzte 20% der Nutzer sind Bots, bei den Followern der US-Wahlkämpfer sogar 40%. Auch die Twitter-Profile bei 15-40% der vier grossen Schweizer Parteien weisen auf Bots hin. Darin sieht die site eine Gefährdung der Demokratie, mögliche Panikmache und Börsenbeeinflussung.

Ausgenutzt wird die "Wahrheitsillusion": Je öfter erfundene Tweets oder Postings angeklickt und geteilt werden, desto grösser wird ihre Glaubwürdigkeit und desto grösser auch ihre Macht. Sie verzerren sogar Trendanalysen der Meinungsforscher und nehmen Einfluss auf Wahlkampf und Flüchtlingsdebatte. "Es muss davon ausgegangen werden, dass auch in der Schweiz Bots in die politische Debatte im Netz eingreifen und sie verfälschen," so das Fazit.

Bei derStandard.at kann man sogar eine Landkarte der Falschmeldungen (nur Deutschland und Österreich) sehen, Hoaxmap: Karte zeigt Falschmeldungen über Flüchtlinge (10.2., es steht nicht dabei, inwieweit die Bots daran beteiligt sind).

Vielleicht ist ja die BND-Schnüffelei in dieser Richtung zu was nutze? Die Süddeutsche Zeitung schreibt am 22.2. Überwachung – Bundestrojaner – ein Horrorszenario wird Realität: Der Staat will die Computer der Bürger kontrollieren, obwohl die so etwas sind wie ihre ausgelagerten Gehirne. Die Frage ist, ob Richter ein TÜV für Wanzen sein können. Zumindest müsste doch dabei rauskommen, ob es Bots sind?

Dazu noch ein paar Zahlen aus dem wissenbloggt-Artikel Die „Impersonatoren“ sind da. Nach denen wächst der Datenverkehr durch "programmierte Gerätschaften" rapide:

  • 2012 besorgen die Internet-Roboter ("Bot") 51% des gesamten Traffics
  • 2013 sind es schon 61,5%
  • 2015 geschätzte 70%

Bedenklicher noch sind die Ziele dieser automatisierten Aktivitäten, die auch statistisch erfasst wurden. 31% der "Bots" werden von Suchmaschinen-Betreibern und sonstigen Datenscannern unterhalten – und der Rest verfolgt kriminelle Ziele. Im www-slang ist die Rede von Hacking-Tools, "Scrapern", die Kreditkartendaten, Webanwendungen und Email-Daten klauen, und die Webseiten hijacken; und von "Spammern", die Webseiten mit Massenabfragen (Spam) lahmlegen, mit schädlichem Code infizieren und massenhaft Bullshit in Kommentarspalten von webforen posten.

Um solche Bots zu programmieren, gibt's die Software "UBotStudio", mit der man seinen Computer zu "Auto-Tweets" ertüchtigt, und es lassen sich auch Unmengen von nicht rückverfolgbaren Klicks auf eine Site generieren.

robots-159598_960_720Wem das noch nicht reicht, der mag sich an ein paar weiteren news aus der Roboter-Zunft und -Zukunft ergötzen:

  • Wie Futurism am 28.1. schreibt, geht es mit der Robot Intelligence voran, World First: Robot-Run Farm To Harvest 30,000 Heads of Lettuce Daily. Die erste Roboterfarm erntet 30.000 Salatköpfe täglich, in einer Halle, wo alles robotergesteuert abläuft.
  • In Zero Hedge vom 19.10.15 steht Step Aside Human: World's Second Biggest Mining Company Unveils Robot Trucks: Rio Tinto now has 69 driverless trucks operating 24 hours per day, 365 days per year, estimating a saving of 500 work hours per truck per year. Die australische Riesen-Minen-Firma Rio Tinto ("schwarzer Fluss") arbeitet schon mit 69 fahrerlosen Lastwagen und nimmt damit die fahrerlose Zukunft der Autos vorweg. Diesem Beispiel kann sich niemand entziehen: "The bottom line is that any company that does not follow in Rio Tinto's footsteps is doomed to a slow, miserable, cash-burning death …" – Firmen, die nicht folgen, sind zum Untergang verurteilt (weil nicht mehr konkurrenzfähig).
  • DIE WELT hat mehr Optimismus anzubieten, in Digital Singularity University – In 29 Jahren sind die Probleme der Menschheit gelöst (14.2.): Exponentielles Wachstum gibt's demnach nicht nur für Computerchips, sondern für eine ganze Reihe von Technologien. Die Macher der Singularity University glauben, dass Technik die Probleme der Welt lösen wird. Ihr Chef sieht langfristig rosige Zeiten für die Menschheit. Für die Zeit bis dahin sieht er laut Welt aber schwarz.
  • Schwarzsehen ist auch das Metier der bereits zitierten site Futurism, diesmal 10.2., Off World – Turns out, Earth Isn’t as Habitable as We Think. Demnach erreicht unser Planet schon mal nur 82% auf der Bewohnbarkeitsskala, weil er so dicht an der Sonne dran ist, dass er ziemlich am Rande der habitablen Zone liegt. Ob es den Robotern was ausmacht, wenn's zu warm wird? Unter Robot Intelligence – Reports Reveal Millions of Jobs are Threatened by Automation: Does This Spell Doom? bietet Futurism einen ganz frischen Artikel an (26.2.), der von einem neuen Report handelt, Technology at Work v2.0: The Future Is Not What It Used To Be (1/16). 47% der US-Jobs waren nach früheren Einschätzungen automatisierbar, und jetzt sind es 57%. In Indien 69% und in China 77%. Wenn's überhaupt noch Jobs gibt, dann nur für bestens Ausgebildete – die Zukunft ist nicht mehr das, was sie mal war.

bot-151516_960_720Einen Hoffnungsschimmer gibt's nur wegen our inbuilt propensity for social interaction, communication, and empathy is what makes people special — something that machines can never replace. Unsere eingebaute Neigung zu sozialer Beziehung, Kommunikation und Empathie macht den Menschen demnach zu etwas, das Maschinen nie ersetzen können.

Hoffentlich wissen das auch die Roboter, die in den Altenheimen und Kinderstuben um sich greifen. Überhaupt fällt die Inkonsequenz der Befürchtungen auf: Wo die Erde sowieso am Rand der habitablen Zone liegt, da ist es doch prima, wenn die Roboter übernehmen und die Menschen sich aufs Schwitzen konzentrieren. Oder etwa nicht?

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