Drogenfreigabe: Pro & Contra

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Die Diskussion über Drogenfreigabe begann im Thread „Goldene Banane für Sibel Üresin“, in dem über die Aktivitäten dieser Türkin für die Legalisierung der Polygamie berichtet wurde. Es ist mir zwar immer noch schleierhaft, wie man von der Vielweiberei zur Drogensucht kommen konnte, aber immerhin bescherte uns das zum ersten Mal die Gelegenheit, ein Thema wirklich kontrovers mit Plädoyers Pro und Contra anzugehen.

Vorbemerkungen und Fakten:

Unter dem Begriff Drogenmissbrauch versteht man den Konsum von Substanzen, die einen Rauschzustand oder Halluzinationen erzeugen, aufputschend wirken und/oder den Konsumenten in eine euphorische Stimmung versetzen. Auch der übermäßige Genuss von Nikotin und Alkohol fällt unter den Begriff Drogenmissbrauch. Im engeren Sinn ist damit jedoch der fast ausschließlich illegale Konsum von Rauschgiften gemeint: Opiate (Opium, Morphium, Heroin), euphorisierende Substanzen wie Kokain oder Khat, Designerdrogen (Ecstasy, Speed) und Halluzinogene wie Cannabis (Haschisch, Marihuana), Meskalin, LSD und Liquid Ecstasy.

Lässt die Konzentration der Droge im Körper nach, kommt es zu depressiven, mitunter auch aggressiven Verstimmungen. Um aus dieser unangenehmen Phase wieder herauszukommen, giert der Betroffene nach einer erneuten Einnahme der Droge. Eine Drogenabhängigkeit (die Bezeichnung "Sucht" gilt als veraltet) führt dazu, dass die Dosis erhöht werden muss, um die angestrebte Wirkung zu erhalten. Einige Drogen – Opiate, Nikotin, Alkohol – führen zu einer körperlichen Abhängigkeit, aber auch wenn dies nicht der Fall ist, besteht die Gefahr einer Suchterkrankung, die mit weiteren psychischen Störungen einhergeht – besonders bei labileren Persönlichkeiten. Bei psychischen Schwierigkeiten hilft unkontrollierter Drogenkonsum in keinem Fall. Einen risikofreien Drogenmissbrauch gibt es allerdings auch für gefestigte Personen nicht.

Drogenabhängige vernachlässigen häufig alles andere: Angehörige, sich selbst, Schule, Beruf. Nicht nur als Drogendealer, sondern auch als Drogenkonsument macht man sich in vielen Fällen strafbar. Reichen die verfügbaren finanziellen Mittel nicht mehr für den Nachschub, verschaffen Drogenabhängige sich das erforderliche Geld mitunter durch Einbrüche und andere Straftaten (Beschaffungskriminalität). Der globale jährliche Umsatz im illegalen Drogenhandel wird auf 320 Milliarden Dollar geschätzt.

In den Fünfzigern machten Hausfrauen die Nachkriegsverlogenheit mit Valium erträglich, die Hippies versetzten sich mit LSD in Blumenwiesen, in den Achtzigern beschleunigten Yuppies ihr Leben mit Speed, und die ewige Jugend der Neunzigerjahre tanzte mit Ecstasy. (Christina Berndt, Süddeutsche Zeitung, 6. Juni 2009)

Während es früher eher Erwachsene waren, die zu Drogen griffen – Soldaten, Intellektuelle, die Reichen und Schönen, Berufstätige unter hohem Leistungsdruck – sind es seit Ende der Sechzigerjahre in den westlichen Wohlstandsgesellschaften vor allem Jugendliche. Bei den Hippies galt Cannabis als bewusstseinserweiternd. In der Diskotheken- und Raverszene werden Ecstasy und Speed geschluckt, um nächtelang tanzen zu können.

Kaffee und Zigaretten waren gestern. Bald werden Ritalin und Modafinil genauso verbreitet sein. Das Amphetaminähnliche Ritalin (gern als "Vitamin R" verharmlost) wird eigentlich zappeligen Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben; Studenten und Manager nehmen es, um ihre Konzentration zu stärken. Und die Arznei Modafinil, die gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie entwickelt wurde, macht Gesunde angeblich extrem wach; manch begeisterter Nutzer berichtet von einem geradezu euphorischen Arbeitsrausch. Was das Hirn-Doping auf Dauer mit dem Hirn macht, ist unvorhersehbar. Nur die akuten Nebenwirkungen sind eindeutig beschrieben. Sie reichen von Kopfschmerzen und Übelkeit über Konzentrationsstörungen, Depressionen und Gereiztheit bis hin zu Angstzuständen. (Christina Berndt, a. a. O.)

Auch aus Neugierde experimentieren viele Jugendliche mit Drogen – und unterschätzen dabei nicht selten das Risiko, süchtig zu werden. Verheerend ist es, wenn Jugendliche Heroin spritzen, weil sie sich in der Realität nicht zurechtfinden und keine Perspektive erkennen (Zukunftsangst, Realitätsflucht).

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland betrug laut Drogenbericht der Bundesregierung 1385 im Jahr 2004, 1326 im Jahr 2005, 1296 im Jahr 2006 und 1394 im Jahr 2007. 2008 stieg sie auf 1449, aber 2009 sank sie auf 1331, 2010 auf 1237.

Die Erkenntnis, dass Menschen wohl zu allen Zeiten und in allen Kulturen zu berauschenden Mitteln gegriffen haben, darf nicht dazu führen, das Problem achselzuckend zu übergehen. Immerhin wiegt der gesellschaftliche Schaden enorm. Doch seit langem streitet man darüber, auf welchem Wege am besten Abhilfe zu schaffen ist. Auch hier bei uns zeichnen sich kontroverse Standpunkte ab. Hoffen wir, dass die Diskussion trotzdem manierlich und kultiviert verläuft wie bisher üblich.
 


Kantomas : Pro Freigabe

Die Gesellschaft hat zumeist ein großes Problem damit, wenn es um die Legalisierung von harten Drogen geht. Wieso ist das so? Die Ängste, dass viele Menschen vollgedröhnt durch die Strassen laufen, ist einer der Gründe. Man stellt sich sofort ein Bild vor, in dem jeder in irgendeiner Ecke Substanzen zu sich nimmt, und unkontrolliert um sich schlägt. Was wird aus unseren Kindern? So etwas darf nicht so einfach frei zugänglich sein! Es werden Massen an Süchtigen herangezüchtet! Eine Gesellschaft muss doch strikt gegen die schädlichen Einflüsse von Drogen vorgehen! So reiht sich ein Argument auf das Andere. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen.

Ich möchte mich auf die Vorteile einer kontrollierten Freigabe konzentrieren. Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich kein Experte auf dem Gebiet bin. Meine Kenntnisse stammen überwiegend aus Dokumentationen oder nebenbei gelesenen Artikeln, die im Gedächtnis hängen geblieben sind, und mir meinen Standpunkt ermöglichen. Ich bin nicht unbedingt dafür, aber ich bin auch nicht dagegen. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Gesellschaft daran wagt und den Mut aufbringt, unkonventionelle Lösungen für Probleme zu finden.

Das Problem mit den Drogen existiert wohl, seit es Menschen auf dem Planeten gibt. Viele Menschen, die mit ihren Problemen nicht klar kommen, versuchen sich die Welt schön zu machen, in dem sie zu nicht legalen Substanzen greifen. Manche tun es auch nur aus Neugier und dem Reiz des Neuen, und bleiben bei harten Drogen meistens hängen. Ein Preis, der für die Neugier sehr hoch ist. Solange es Menschen gibt, die Probleme mit ihrem Leben haben, oder sich langweilen, und sich was Neues suchen, wird es auf der Welt Drogenkonsumenten geben. Kein Gesetz, sei es noch so hart, wird dieses Problem beseitigen können. Mehr als es einigermaßen in Griff zu bekommen, wird nicht möglich sein. Die Kosten, die dabei für die Gesellschaft entstehen, sind enorm. Die Drogenbosse werden immer mächtiger und haben bereits viele Staaten wie eine Riesenkrake im Griff. Wenn man es einigermaßen verfolgt hat, wie es vor einiger Zeit in Kolumbien zuging, oder heutzutage in Mexiko, dann wird einem das Problem bewusst. Drogenbosse, die aufgrund des lukrativen Drogenhandels so mächtig geworden sind, dass sie es locker mit dem Staat aufnehmen können. Sie haben bessere Waffen und motivierte Kämpfer, die ein vielfaches dessen verdienen, was die Drogenpolizei bekommt. Sie haben Verbindungen in höchste Kreise der Regierung. Sie scheuen sich nicht davor, offiziell den Krieg gegen den Staat auszurufen, wenn er es denn wagt, etwas stärker gegen sie vorzugehen. Richter, die nicht bestechlich sind, werden samt ihren Autos in die Luft gejagt. Zuletzt mussten immer die USA diese Länder massiv mit Ausrüstung für das Militär unterstützen, damit es nicht kapituliert. Dies alles können sie nur deswegen, weil Drogen Gewinnmargen abwerfen, die mit keiner kriminellen Tätigkeit auch nur annähernd erreicht werden.

Und die Nachfrage ist immer da. Ein krisenfestes Geschäft. Konsumiert wird immer. Wenn sie Aktien in den Markt würfen, würden sich Investoren wie Heuschrecken darauf stürzen. Wussten sie eigentlich, dass einige sogar U-Boote gebaut haben, um die Drogen unbemerkt in die USA zu schmuggeln? Geld war dem Erfindungsgeist immer sehr zuträglich. Mit  Drogengeldern wird auch teilweise der Terror finanziert, der von dem verschiedenen Osama geführt wurde. Auch die Taliban nehmen sich Ihren Anteil. Jeder, der mit Drogen handelt, und nicht zahlt, bekommt massive Probleme. Wieso sorgen wir nicht dafür und nehmen ihnen diese Einnahmequelle aus der Hand? 

Das sind einige der Gründe, wieso ich der Meinung bin, dass man umdenken muss. Dieser Kampf ist auf die bisherige Art nicht zu gewinnen. Er ist eine Verschwendung von Geld und Ressourcen ohne Gleichen. Meine Vorstellungen, wie man mit diesem Problem umgehen muss wird das Problem auch nicht lösen, aber es ist Wert, es zu versuchen.

Erst einmal würde ich jedem Süchtigen erlauben, dass er sich Drogen in Apotheken und nur in Apotheken kaufen darf. Ich betone hier: kaufen. Es gab ja schon einige Pilotversuche, wo Drogenabhängige kostenlos Drogen bekommen haben. Ich halte nicht viel davon. Einen gewissen Leidensdruck sollen Menschen behalten, damit sie versuchen aus ihrer Misere heraus zu kommen. Es sei den, sie wollen Ersatzdrogen wie Methadon. Dann sollten wir sie unterstützen. Aber wenn sie harte Drogen wollen, müssen sie dafür zahlen. Es sollten auch nur Süchtige, die ihre Sucht in einem unkomplizierten Verfahren nachweisen, Zugang zu dieser Möglichkeit haben. Das kann man sehr schnell herausfinden, wenn derjenige eine Haarprobe abgibt. Es lässt sich sehr gut daraus  ablesen, welche Drogen, wie viel und wann der Betreffende genommen hat. Den Süchtigen muss auch zugesichert werden, dass sie keinerlei Nachteile dadurch zu erleiden haben, dass sie sich geoutet haben.

Viele werden aufschreien, dass der Staat nicht als Drogenhändler fungieren kann. Ich hätte keinerlei Probleme damit. Ich bin ein pragmatischer Mensch. Mich interessieren Lösungen, die funktionieren können. Diesen Kampf gewinnt man nicht mit halbherzigen oder nicht finanzierbaren Methoden.

Der Staat könnte einen Aufschlag von 500 Prozent auf den Erwerbspreis machen und wäre trotzdem noch viel günstiger als der Drogendealer auf der Straße, und die Einnahmen wären immens hoch. Man müsste nämlich den Drogenhandel nach dem Gesetz weiter als illegal belassen und die Strafen sogar etwas erhöhen. Die Gefahr der hohen Strafen bei illegalem Handel oder dem Besitz von nicht als süchtig Registrierten muss auf jeden Fall beibehalten werden. So können die Händler auf der Strasse einpacken. Sie hätten nicht die geringste Chance, mit dem Staat in Konkurrenz zu treten. Denn Drogen kosten je nach Anzahl der überquerten Grenzen, das Vielfache dessen, was sie davor gekostet haben, weil sie illegal über die Grenze kommen. Wenn man das so umsetzt, wären die Tage der Drogenbosse gezählt. Ihre Aktien würden über Nacht wertlos sein.

Mit dem Geld, das der Staat mit dem Verkauf der Drogen einnimmt, könnte man Drogenabhängige viel besser behandeln und es wäre noch mehr als genug da, um die klammen Krankenkassen und den Staatshaushalt zu sanieren. Wieso soll dieses Geld die Drogenmafia bekommen?

Mit dem Bekämpfen allein bekommen wir das Problem sowieso nicht in Griff, und Drogen werden weiter konsumiert. So bringen sie wenigstens einen Nutzen für die Gesellschaft. Drogendealer wären auch nicht mehr interessiert, mit Drogen zu handeln, weil sie erstens nicht mit dem Staat konkurrieren können und zweitens wäre es nicht mehr in ihrem Interesse, Menschen zur Sucht zu bringen, weil sie dann sofort ihre Kunden verlieren würden.

Die Apotheken wären nicht nur preiswerter, sondern könnten zudem auch immer gleiche Qualität anbieten, die auf der Strasse sehr schwankt und zum größten Teil dafür verantwortlich ist, weshalb Menschen daran sterben. Wichtig wäre auch, dass jeder Süchtige nur eine bestimmte Menge kaufen kann und man das Ganze sehr breitflächig anwenden müsste. Europaweit wäre ideal. Das ganze könnte man versuchsweise für ein paar Jahre testen und anschließend mit den gesammelten Daten überprüfen, in wie weit es erfolgreich war. Man hätte immer noch die Möglichkeit zur krampfhaften und aussichtslosen Bekämpfung, die immens viel kostet, zurückkehren.

Man braucht sich eigentlich nur die Zeit der Prohibition in den USA zu betrachten, um Lehren daraus zu ziehen. Während der Prohibition wurde gesoffen wie nie zuvor. Selbst Polizeibeamte suchten nach dem Feierabend Örtlichkeiten, die jeder kannte, um einen zu trinken. Wem hat die Prohibition genützt? Nur den Alkoholschmugglern. Sie gelangten während dieser Zeit zur Macht und Ruhm. Al Capone sollte jedem ein Begriff sein. Die italoamerikanische Mafia wäre nie so mächtig geworden, wenn es die Prohibition nicht gegeben hätte. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern die Meinung von Experten. Die Zeit der Prohibition war der ideale Nährboden für die Geburt einer kriminellen Organisation, die es in der Form nie zuvor gab. Nach der Prohibition haben sie sich noch mehrere Jahrzehnte mit Drogenschmuggel und Spielcasinos behaupten können und ihre Macht sogar weiter ausgebaut. Ich denke, sie war die am besten organisierte kriminelle Vereinigung, die es je gab. Doch ihre Tage waren gezählt. Denn wer den Drogenhandel kontrolliert hat auch meistens das Sagen.

Und so kam es, dass zuerst die Farbigen und später die Südamerikaner sie zu unbedeutenden Figuren machten. Natürlich hatte auch das FBI keine unbedeutende Rolle dabei, die alles daran setzte, diese Organisation, die eine sehr große Gefahr für den Staat darstellte, mit allen Mitteln zu bekämpfen.
 


Markus13 : Contra Freigabe

Ich bin strikt gegen jede Freigabe und den Staat als Dealer, da die Einnahmen den entstehenden Schaden nicht im Ansatz kompensieren werden. Wer das behauptet, sollte sich den Umgang mit zweckbezogenen Steuern ansehen. Die versickern alle, ohne der Förderung der Sache, die ihrer Erhebung zu Grunde liegt, zu dienen. Nein, ein Staat als Dealer, das ist das letzte, was man braucht. "Das Spice muß fließen" als Parole ist nicht zu tolerieren. Obwohl ein Volk von "Süchtigen" noch leichter zu "führen" wäre. Das Zeug gehört in jeder Form verboten. Auch das damit angebliche "Austrocknen" von Geldströmen für die momentane Drogenindustrie ist ein Argument, das nicht stimmt. Kriminelle werden immer Wege zur Geldbeschaffung finden. Wenn es keine Drogen sind, sind es der Rohstoffmarkt, Menschenhandel, Kriegsgerät aller Art usw., Tätigkeitsfelder gibt es genug, es wird einfach ausgewichen. Stärke von Rechtsbrechern jeder Ausrichtung ist immer durch Schwäche derer begründet, die Recht durchsetzen müssen. Dort und nur dort liegt das Problem. Warum es nicht gelöst wird? Die Antwort überlasse ich jedem selber. Sie wird sehr viele neue Fragen aufwerfen, die wiederum Zweifel am gesamten System zu Tage bringen werden. Nur soviel: Warum brennt man die Mohnplantagen in Afpakistan nicht einfach nieder, zieht ab und kommt jedes Jahr wieder, um wieder alles zu vernichten, was die Welt vergiftet? Darauf wird es keine Antwort geben.

Legaliz it,

sang Peter Tosh, der selbst ernannte Marihuana–Minister im Jahr 1976. Auch die „Grünen“ fordern es mit einem Beschluss des Thüringer Landesverbandes vom 08. Dezember 2007, obwohl oder vielleicht auch, weil der Langzeitkonsum zu Schäden wie Problemen mit dem Gedächtnis, kognitiven Einschränkungen und einer eingeschränkten Lernfähigkeit führen sollen.

Warum sollte Cannabis also legalisiert werden? Um die Konsumenten zu entkriminalisieren, wie immer wieder in diesem Zusammenhang gefordert wird? Um den unkontrollierten Handel zu unterbinden, durch den Steuergelder nicht generiert und die Gewinne nicht besteuert werden können? Wohl kaum. Eher geht es um das Eindringen des „Staates“ in einen Markt, den er nicht beherrschen kann, dem er seine Regeln nicht diktieren kann. Es geht um Kontrolle, die sich unter dem angeblichen Deckmantel der Fürsorge gegenüber dem kiffenden Bürger verbirgt.

Jedoch ist Cannabis nur ein Nebenschauplatz, weil von den wirklich zerstörerischen Drogen, wie Alkohol und Nikotin, die sich mehr oder weniger unter staatlicher Monopolherrschaft befinden, nun auch Gedanken um die Legalisierung von so genannten harten Drogen wie Kokain, Heroin sowie den zahlreichen anderen Substanzen geäußert werden. Hier wird wieder mit Fürsorge argumentiert, angebliche Kriminalitätsbekämpfung vorgeschoben und darauf verwiesen, der „Staat als Dealer“ wäre im Interesse seiner Bürger, welche dann auf einem legalen Markt kaufen könnten und vor kriminellen „Dealern“ und dem bekannten Umfeld geschützt wären. Das ist der völlig falsche Ansatz, da unser Grundgesetz in Artikel 2 (2) ausführt: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Somit würde sich der „fürsorgliche Staat“ wiederholt auf Grund der bekannten negativen, tödlichen Folgen harter Drogen mindestens der Beihilfe schuldig machen, wie es schon in den Fällen Alkohol/Nikotin zu unterstellen ist. Die in letzter Zeit erlassenen Werbeverbote dagegen ändern daran nichts.

Was sollte also das Streben staatlicher Drogenpolitik sein? Sicher zuerst, die Bürger vor gesundheitsgefährdenden Substanzen zu schützen, was er im Ansatz durch einschlägige Gesetze, stellvertretend seien Jugendschutz– und Nichtraucherschutzgesetz genannt, bereits vornimmt. Er sollte jedoch massiver und mit aller gebotenen Härte gegen jene vorgehen, die Drogen erzeugen, vertreiben und Geldmittel generieren, die hernach in andere, größtenteils illegale Geschäftsfelder fließen. Und das erfolgt leider nicht mit dem zu fordernden Nachdruck. Täglich werden riesige Mengen auf teils bekannten Routen um die Welt geschickt, ohne dass es wirksam unterbunden wird. Täglich werden Tonnen von illegalen Drogen verkauft und bringen Menschen um. Konsequent wäre es, die Anbauflächen mit allen bekannten Folgen für die betroffenen Staaten zu vernichten, soweit dort angebaute Pflanzen nicht zu medizinischen Zwecken aufgekauft werden können, die Verantwortlichen für Transport und Vertrieb zu jagen und mit härtesten Strafen davon abzuhalten, weiterhin ihren Geschäften nachzugehen. Geboten ist, diesen Sumpf final trocken zu legen, anstatt die benötigten Mittel, die zweifellos zur Verfügung stehen , in sinnlose Therapie-Projekte und Kampagnen zu investieren. Die Ursachen gehören bekämpft, nicht die Wirkungen.

Warum es unterbleibt, ist offen. Als Behauptung stelle ich in den Raum, dass die Unterwanderung durch die zweifellos einflussreichen Beteiligten auf Seiten der Drogenproduzenten weiter vorangeschritten ist, als uns die geschätzten Politiker wissen lassen wollen. Die Aufrechten in ihren Reihen gehören unterstützt, die, welche ihre Völker vergiften wollen, ebenso bekämpft wie ihre Geldgeber, zu deren Hure sie sich aus Machtgier gemacht haben. Der EU, die in einem Dokument zu Bekämpfung des Drogenhandels dazu klar Stellung bezieht, kann man nur wünschen, dass die Umsetzung Wirkung zeigen wird.
 


Eine abschließende Bemerkung noch zu Methadon (aus einem Flugblatt für Junkies):

Methadon ist ein Opiat, ebenso wie Heroin. Im Unterschied zu Heroin versetzt es den Benutzer nicht in einen Rausch. Es unterdrückt jedoch die Entzugssymptome, die einen Heroinsüchtigen immer wieder zur Spritze greifen lassen. Mit Hilfe von Methadon kann ein hartdrogenabhängiger Mensch wieder ein beinahe normales Leben führen, kann einer Arbeit nachgehen und soziale Beziehungen pflegen. Methadon gibt es jedoch nicht einfach auf Rezept, sondern die Drogenkranken müssen ihre tägliche Dosis in Gegenwart eines Arztes einnehmen.

Keinem anderen chronisch Kranken wird zugemutet, täglich eine Stunde oder länger unterwegs zu sein, auf eigene Kosten mit dem Bus zu seinem Arzt zu fahren, um dort sein Medikament zu bekommen. Ein Diabetiker muss jeden Tag Insulin spritzen. Er holt eine Ration für einige Wochen aus der Apotheke ab und spritzt sich die tägliche Dosis selbst.

Bei hartdrogenabhängigen Patienten besteht die Gefahr, dass sie, wäre es für sie ähnlich geregelt, ihr Medikament nicht selbst nehmen, sondern auf dem Schwarzmarkt verkaufen könnten und am nächsten Tag, „einen Affen schiebend", wieder Heroin spritzen würden. Deshalb sieht das Methadonprogramm ihre Beaufsichtigung und Gängelung vor. Das mag berechtigt sein. Dass man es ihnen aber so schwer wie möglich macht, ist nicht berechtigt.

Warum geht man so mit Drogenkranken um? Weil sie ihre Krankheit selber verschuldet haben? Woher nehmen wir das Recht, sie dafür härter zu bestrafen als andere Kranke, die durch ihre Lebens- und Ernährungsweise ihre Krankheiten selber verschuldet haben?

  

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14 Antworten auf Drogenfreigabe: Pro & Contra

  1. Frank Berghaus sagt:

    Wunschgemäss verschoben:

    1. #66 smartshooter am 28. September 2011 um 22:57 (bearbeiten)

      Also mir werden die Piraten immer sympathischer! Konsequente Trennung von Staat und Kirche, Netzfreiheit, Legalisierung von Cannabis…

      Gerade letzteres hat sehr viel mehr als nur mit "Recht auf Rausch" zu tun. Das wäre einen eigenen Artikel wert.

      Weil ich dazu keine Zeit habe, klaue ich mal bei der Hanfburg:

      Bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts war Cannabis in über einem Viertel aller Medikamente enthalten und es war ein weit verbreitetes Medikament in der Hausapotheke sowie ein anerkanntes Genussmittel. Tatsächlich wurde die gesundheitliche Gefahr von Cannabis nie von unabhängigen Wissenschaftlern bewiesen. In Deutschland hat sich, nach unserem Wissen, mit dieser Frage noch überhaupt keine wissenschaftliche Kommission beschäftigt. Die Gerichte stützen sich bei der Argumentation auf sehr alte wissenschaftliche Beweise aus dem Ausland, die immer mit dem Ziel in Auftrag gegeben wurden, herauszufinden, daß von Cannabis eine Gefährdung der Gesundheit ausgeht.

      Bei einem Beweis wurden Affen mit Cannabisqualm erstickt; danach wurden die abgestorbenen Gehirnzellen gezählt, was als Beweis gelten sollte, daß Cannabis das Hirn schädigt.

      Solche wissenschaftlichen Beweise machen offensichtlich, saß es wenig Sinn hat, vor einem deutschen Gericht zu versuchen, mit Argumenten das Recht zu erlangen. Es hat auch keinen Sinn, anerkannte Wissenschaftler bei einer Verhandlung in den Gerichtsaal zu bestellen, die den heutigen Stand der Wissenschaft darlegen. So geschah es in Hamburg, als Prof. Dr. Gorter, einer der erfahrensten Wissenschaftler der Welt im Bereich Drogen und ihre Auswirkungen auf den Menschen, zu einem Verfahren vor das Hamburger Landesgericht bestellt wurde.
      Prof. Dr. Gorter erklärte, daß nach dem heutigen Stand der Wissenschaft von Cannabis keine Gefährdung für den gesunden Menschen ausgeht. Sein Vortrag, der über 2 Std dauerte, beeindruckte den Richter überhaupt nicht und er tat so, als sei das alles nichts Neues für das Gericht. Der Richter blieb bei seiner eigenen Meinung, daß Cannabis für die Bevölkerung gefährlich ist.

      Es scheint aber so als ob Cannabis lange Zeit als Medizin und nicht als Rauschgift eingestuft wurde. Möglicher Weise liegt das Verbot in wirtschaftlichen Interessen begründet.

      Tatsächlich gibt es etwas, das ich aus meiner Jugend nicht kannte, das Zeug heißt Brix und wird nur zu dem einen Zweck hergestellt, Marijuhana zu strecken. Es ist eine Lösung aus Zucker und flüssigem Kunststoff, damit werden die Pflanzen besprüht, nachdem die Pollen abgeklopft wurden. D.h. man behält das Gute für sich und verkauft vergifteten Restmüll. Weil sich das Ganze in der Illegalität abspielt kann man auch gegen solche Schweinereien nicht viel tun. Aber ich finde, auch hier hätte der Staat eine Fürsorgepflicht. 

       
    2. #67 Frank Berghaus am 28. September 2011 um 23:03 (bearbeiten)

      #66 smartshooter am 28. September 2011 um 22:57

      Unter #17 der top thirty findest du den Artikel "Drogenfreigabe Pro & Contra". dort haben wir das Thema diskutiert.

       
    3. #68 smartshooter am 29. September 2011 um 00:27 (bearbeiten)

      @FRANK

      Ja, hier gings mir erstmal um die Piraten. Und Canabis zähle ich eher zu den Genussmitteln, schließlich gab es noch nie einen Haschischtoten, im Gegensatz zu Alkohol, Nikotin, etc. Auch wenn das Märchen von der Einstiegsdroge hartnäckig am Leben gehalten wird. (Neben anderen haarsträubenden Behauptungen)

      Harte Drogen sind eine ganz andere Geschichte, wie tödlich die sind, habe ich in meinem Freundeskreis ganz bitter erfahren müssen. Von meinen Kindergartenkumpels leben noch ganze drei, aber auch nicht so gut und wahrscheinlich auch nicht mehr sehr lange.

      Und naja, eigentlich hatte ich garnicht vor, mich als (ehemaligen) User zu outen. Das ist nämlich wirklich eine Geschichte für sich, und ich sags mal so, ich wäre heute nicht der Mensch der ich bin, wenn ich eine andere Geschichte gehabt hätte. Und das wäre schade gewesen, weil nichts auschließlich gut oder schlecht ist. Im Gegenteil glaube ich daß man an "dem Schlechten" auch wachsen kann, wenn man es überlebt.

      Da es jetzt doch ein halber Roman geworden ist, habe ich selbstverständlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Du meine Kommentare einfach zum passenden Artikel rüber schiebst. Ich weiß doch manchmal vorher auch nicht so genau, in welche Richtung sich meine Kommentare letzendlich entwickeln…

                                                                                              :tut:

      Einen Haschischtoten gabs aber: http://www.youtube.com/watch?v=pdukSYLClDQ

       

       
    4. #69 smartshooter am 29. September 2011 um 00:31 (bearbeiten)

      Wobei die Wunderschlampe auch nicht schlecht ist!

      http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=XrSGEluFhOo

  2. smartshooter sagt:

    Jetzt habe ich mir trotz später Stunde nochmal alle Kommentare durchgelesen. Ich bin erleichtert, befinde ich mich hier doch in guter Gesellschaft.

    Was für mich immer klarer geworden ist: Es wird nie eine Legalisierung geben! Nur durch die Illegalität werden derart exorbitante Gewinne gemacht. Für mich sind die "Verbieter" gleichzeitig auch die Profiteure. 

    Angefangen bei den Opiumkriegen, über die Fluglinien der CIA, bis zu den Bundeswehrsoldaten die Mohnfelder bewachen, das alles ist kein Zufall! Wir werden von Kriminellen regiert! Das wäre tatsächlich wieder einen eigenen Artikel wert, geht es dabei doch um die organisierte Kriminalität an sich.

     

  3. Indianerjones sagt:

    #168

    Sehr fein und richtig erkannt, möchte nochmal auf die Prohabitation in der USA 1919-1933 hinweisen, da fingen Leute zum saufen an, die vorher nichts, aber auch gar nichts tranken…..besoffen sein ,..macht schön. :frech:

  4. Indianerjones sagt:

    Schwer Drogenabhängige sind krank geworden, es muß ihnen geholfen werden, damit sie nicht kriminell werden, damit der Mafia in die Hände spielen…[..]

    Also muß ihnen durch kontrollierte Abgabe, geholfen werden…..[.]

  5. smartshooter sagt:

    Ja Indy, so ist es. Mit dem Leid dieser Menschen machen sich unsere Eliten die Taschen voll. Denn Geld stinkt nicht, ganz im Gegenteil sind die Gewinne aus dem Drogenhandel bei den  Banken, oder als Investition in legale Geschäftsfelder gerne gesehen. Das ist auch der Grund warum im normalen Geschäftsleben viele so korrumpiert sind.

    Letztendlich ist es so,daß zwei kriminelle Strukturen sich gegenseitig stützen und legitimieren. Die Kirche den Staat und der Staat die Kirche. Wobei mit Staat auch und gerade die Lobbyisten gemeint sind.

  6. smartshooter sagt:

    P.S. Indy, die göttliche Botschaft gibt es wohl, besser aber ist es, selbst zur Erleuchtung zu kommen, auch wenn dies mit einer Natriumdampflampe geschieht… 

  7. Indianerjones sagt:

    #172 smartshooter

    Stimmt, jeden Einzelnen ist zu empfehlen sich von Zeit zu Zeit, gezielt auf dieSuche nach Erleuchtung zu begeben. :nerd:

  8. Saejerlaenner sagt:

    Begeben wir uns in den Kreis und auf die Sichtweise der Konsumenten.

    Wer säuft, ist eh der Arsch – folgerichtig, denn ständiges Saufen hält keiner aus. Wer hingegen kontrolliert trinkt, der hat diesbezüglich keine Probleme. Wer nicht trinkt, ist aus dem Schneider.

    Wer kifft, ist grundsätzlich der Arsch – obwohl es kein Problem ist, zu kiffen, jedenfalls grundsätzlich. Es gibt nur leider viele Leute, die mit dem Kiffen nicht klarkommen – zum Einen die, die es tun, zum Anderen die, die mit ganz normalen Kiffern nicht klarkommen. Betonung auf 'ganz normal', denn Kiffen bedeutet nicht, abnormal zu sein. Man kann auch völlig daneben sein, ohne zu kiffen.

    Koks: Ein Fall für sich, gesellschaftlich bedeutend höher stehend als alles andere. Bundestagsfähig genauso wie die Anrede 'Arschloch'. Dauergebrauch ist den Wohlhabenden vorbehalten, Endresultat ist nicht gesellschaftsfähig.

    Heroin (bzw. Opiate): Das klassische Synonym für Untergang. Bewahrheitet sich zu ca. 98%. Kaum gesellschaftsfähig.

    Amphetamine: Ob Speed oder Ecstasy oder sonstige Spielarten, egal wie auch immer gestrickt: Jeder Versuch der gesellschaftlichen Billigung ist bisher zurecht gescheitert. Auf Dauer totale Kaputtmache.

    Pilze, LSD: Indivduell stark horizonterweiternd, bei den übrigen Individuen verheerend. Unkalkulierbar.

    Nachtschattengewächse: S. Pilze und LSD, jedoch noch viel unkalkulierbarer und potentiell tödlich. –> Individualisten vorbehalten.

    Ich würde meinen Arsch drauf verwetten, daß jeder Admin hier zumindest nen Kokser kennt. Alles andere würde mich stark wundern.

  9. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #174 Saejerlaenner am 1. Oktober 2011 um 04:09 = Ich würde meinen Arsch drauf verwetten, daß jeder Admin hier zumindest nen Kokser kennt. Alles andere würde mich stark wundern.

    Dein Arsch ist ab   ;-)

    Hier auf dem Dorf geht es noch nach Altväterart (Bier und Korn – die Kulturelleren Rotwein)

  10. Pingback: URL

  11. pinetop sagt:

    In den 60er Jahren mussten sich die Rolling Stones mit Drogenkonsum die Aufmerksamkeit hart erkämpfen. Heute reicht es, wenn sie mit einer Zigarette erwischt werden. 

  12. Frank Berghaus sagt:

    kantomas sagt: 23. Mai 2013 um 00:58

    Auch in unserem Parteipogramm setzen wir uns für eine Liberalisierung ein, da der "war on drugs" offensichtlich nicht zu gewinnen ist und andererseits die Versuche zu einer weitgehenden Freigabe (wie zum Beispiel in Portugal) sehr ermutigende Ergebnisse zeigen.

    Wenn du es dir ansehen möchtest: http://www.die-humanisten.org (Registrierung erforderlich).

  13. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 23. Mai 2013 um 08:23

    da der "war on drugs" offensichtlich nicht zu gewinnen

    War ja ein bestechend attraktiver Plan: die Produktion und den Vertrieb von Drogen gewaltsam zu zerstören. Dann braucht man nur noch zu warten, bis die Süchtigen durch den erzwungenen Entzug clean geworden sind – und schon gehört das Drogenproblem für immer der Vergangenheit an.

    Wie wir jetzt wissen, funktioniert das aber leider nicht. So müssen wir uns eben nach weniger attraktiven dafür aber praktikablen Lösungen umsehen.

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