Grenzenlose Correctness wird bestraft

image_pdfimage_print

kid-1077793_960_720Schon lange wächst das Missbehagen an den hiesigen Koranschulen (Bild: chidioc, pixabay). Da ist kein Alarmismus angebracht, denn so genau weiß niemand, was da passiert.

Aber wir wollen es jetzt wissen.

Der wissenbloggt-Artikel Die Integrationsverhinderer rechnete gut 2000 Koranschulen zusammen, die alle in Händen von konservativen bis reaktionären Imamen sind. Mindestens 900 deutsche Moscheegemeinden werden von der Türkei aus kontrolliert, ihre 970 aus der Türkei importierten Imame unterstehen dem größten islamischen Dachverband Deutschlands, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion Ditib, die wiederum von der monströsen türkischen Religionsbehörde Diyanet beaufsichtigt wird (100.000 Mitarbeiter). Ditib-Imame, die als Angestellte der türkischen Konsulate geführt werden, bekommen bis zu fünf Jahren Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Die anderen 1100 Moscheegemeinden gehören zu den Verbänden ZMD, VIKZ usw. (nachzulesen bei Deutsche Islam Konferenz). Auch deren Imame sind überaus konservativ. Über 90% der Imame in Deutschland stammen aus dem Ausland, nur die wenigsten sind in Deutschland sozialisiert. Sie reisen mit Touristenvisum ein und bleiben, solange das gilt. Bei 4-5 Millionen Muslimen in Deutschland ergeben sich rechnerisch 2000-2500 Muslime pro Moscheegemeinde, zumindest machen die muslimischen Verbände Vertretungsansprüche in dieser Größenordnung geltend (siehe auch Von Muslimen lernen).

Desintegration

Eigentlich sollte die türkische Islamisierung Rückschritt genug sein. Dass sie über die Koranschulen nach Deutschland getragen wird, dürfte klarer Freiheitsmissbrauch sein und ein Bruch des Grundgesetzes. Die deutschen Koranschulen sind integrationswidrig, so das Fazit des wb-Integrationsverhinderer-Artikels.

Zur Unterstützung dieser Ansicht gibt es keine Zahlen und Daten. Doch einige Staatsanwaltschaften ermitteln anscheinend schon, denn es kommen immer wieder Meldungen über indoktrinierte, islamisierte Kinder, die unserer freiheitlichen Gesellschaft entfremdet werden. Persönliche Freiheit wird als Dekadenz geschmäht, Religionsfreiheit wird als Ungläubigkeit verachtet, freie Frauen werden als Schlampen diffamiert, die westliche Lebensweise wird als unrein verunglimpft. Speziell nach den Schulferien, in denen die Kinder besonders intensiv missioniert werden können, gibt es verstörte Reaktionen. Die Desintegration ist offenkundig.

Politik

Die Reaktion der Politik entspricht der Correctness. D.h., man macht Kotau vor der Religion und öffnet ihr den Weg an die deutschen Universitäten. Anstatt die christliche Theologie endlich aus den Stätten der Wissenschaft rauszusetzen (siehe auch Theologie ist keine Wissenschaft!), wird anderer abergläubischer Mummenschanz dort hineingeholt. Es gibt nicht nur neue Lehrstühle für islamische Theologie, sondern auch welche für jüdische Theologie (Jüdische Theologie an der Uni Potsdam). Fehlen nur noch die Lehrstühle für Kreationisten, die können den richtigen Wissenschaftlern dann erzählen, die Erde wäre 6000 Jahre alt …

Die übercorrecte Reaktion der Politik basiert auf der Vorstellung, wenn endlich der flächendeckende islamische Religionsunterricht an deutschen Schulen eingeführt werde, und zwar von universitär ausgebildeten Religionslehrern, würde es einen wertekompatiblen Islam geben. Dabei schaffen nur Religionskunde- oder Ethik-Unterricht für alle die gewünschte Aufklärung und das gewünschte Verständnis. Dass glaubensspezifischer Religionsunterricht das Gegenteil von Integration ist, weil er die Kinder trennt und indoktriniert, hat sich in der Politik noch nicht rumgesprochen.

Illusionen

Dahinter geistert noch die Vorstellung, an der Uni ausgebildete Imame könnten den reaktionären Koranschulen-Unterricht grundgesetz- und grundwertekompatibel machen. Wie unrealistisch diese Annahme ist, bekräftigt der Artikel Studium – Der Imam, der aus der Uni kam (Süddeutsche Zeitung 9.5.). Die SZ-Religionsspezialisten Matthias Drobinski und Johann Osel bringen eher unfreiwillg Argumente gegen die Uni-Ausbildung zum Vorschein.

An den vier großen Zentren, in die das Bundesbildungsministerium bisher 20 Millionen Euro investiert hat, sind  bereits 1800 Studierende eingeschrieben. Ein Teil davon wolle sich gar nicht wissenschaftlich mit dem Islam beschäftigen, heißt es. Keine Rede davon, dass Theologie gar keine Wissenschaft ist, weil sie keine Wahrheitssuche betreibt, sondern bloß Dogmenpflege, und Dogmen sind nun mal das Gegenteil von Wissenschaft.

Die offizielle Agendasetzung besagt laut SZ, es brauche den islamischen Religionsunterricht, damit in Deutschland ein friedlicher und mit der pluralen Gesellschaft verträglicher Islam heimisch werde. Mit dieser Forderung hat sich 2010 der Wissenschaftsrat der Bundesregierung diskreditiert. Inzwischen gehört sie zum Standardrepertoire von Bildungsplanern, Politikern und Kirchenvertretern – so auch vom bayerischen Landesbischof und Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm (über dessen andere Attacken auf die Wissenschaft berichtet der wb-Artikel Heiliger Geist und Emergenz).

Gemäß den Vorstellungen des Wissenschaftsrats wurden Institute für "Islamische Studien" gegründet, damit dort nun Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Da es im Islam keine Kirchenstrukturen gibt, wurden "Beiräte für Islamische Studien" eingerichtet, die bei der Gestaltung der Studiengänge und der Auswahl von Wissenschaftlern mitbestimmen – mit entsprechendem Streit, als dort die Islamverbände Fuß fassten.

Lücken

Dazu ein Wort unserer Bildungsministerin Wanka: "Die islamische Theologie hat eine Forschungslücke an unseren Universitäten geschlossen." Nach der Bibelfürstin Dr. Schavan erweist sich nun die Fachfrau Prof. Dr. Wanka ebenfalls als geplagt von Verstandeslücken.

Der SZ-Artikel geht auf die Probleme ein, die sich die Unis ins Haus geholt haben. Das fängt damit an, dass die Islamverbände bloß eine Minderheit der Muslime vertreten (überwiegend extrem konservative Sunniten), und sie haben sehr unterschiedliche Auffassungen vom Islam. Aber sie dominieren die Beiräte, die an jeder Uni anders organisiert sind – jede Menge Konfliktpotential, auch wenn gerade mal Frieden herrscht. Die türkisch-islamische Ditib versucht, möglichst viel türkisches Personal an die Unis zu holen und möglichst viel türkische Positionen in die Lehrinhalte zu bringen. Der Islamrat und der Verband der islamischen Kulturzentren in Deutschland wollen wiederum ihre stinkkonservativen theologischen Positionen vertreten sehen.

Durch das Beiratsmodell regieren die Islamverbände und der türkische Staat in unsere Unis rein. Noch nicht überall, aber das Beiratsmodell scheint sich zu etablieren, das liest man zwischen den Zeilen. Was expressis verbis dasteht, ist die Unklarheit, wo die Absolventen einmal arbeiten sollen.

Fehlschlag

Geschätzte 2000 Lehrer braucht man für einen bundesweiten Islamunterricht, und wer nicht in den Schuldienst will, kann sich in  muslimischer Sozialarbeit ausbilden lassen. Aber da, wo der Bedarf am dringendsten wäre, landet wohl kaum einer: Imam in einer Gemeinde dürften die wenigsten werden.

Die Ditib will nur Prediger aus der Türkei, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren haben selber eine Ausbildung aufgebaut, und selbst der Zentralrat der Muslime (der kleinste Verband), wird auch nicht in größerem Umfang teure Akademiker einstellen.

Noch schlimmer, es gibt zunehmend Probleme mit den Studenten. Die sollen gemäß der politischen Agenda als Lehrer, Sozialarbeiter, Imame oder Wissenschaftler einen modernen und offenen Islam vermitteln. Bloß dass die Mehrheit anscheinend weder modern noch offen sein will. Nach einer internen Stimme kommen da junge Leute, überwiegend Frauen, die sich eine fromme Predigt wünschen, aber keine wissenschaftliche Auseinandersetzung. Die seien dann völlig verunsichert, wenn sie von verschiedenen Lesarten des Korans hören.

Verkehrtrum

Auch bei christlichen Theologiestudenten wanke erst einmal das Weltbild, wenn "die Wissenschaft auf ihren Glauben trifft" (was da eben als Wissenschaft gilt, wb). In den islamischen Seminaren habe das noch andere Dimensionen, da werde inzwischen die Autorität der Hochschullehrer infragegestellt. Nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf, wird den Hochschullehrern widersprochen (Beispiel: die Vertreibung und Ermordung der Juden in Medina unter den Augen Mohammeds – es könne nicht sein, dass der Prophet so etwas getan habe).

Dazu Gefühlsaufruhr im Hörsaal und Debatten, ob man in der Schule Vorgesetzten anderen Geschlechts die Hand geben solle. Und weil es sich nicht gehöre, mit einem Mann allein im Raum zu sein, kommen Studentinnen zu zweit zu Besprechungen mit Professoren. Der Artikel nennt das beschönigend ein sehr enges Islamverständnis, was die Studierenden in den ersten Semestern haben, das sich aber bei vielen durch das Studium weite.

Die Idee war eigentlich, die Dummheit aus Schulen und Koranschulen zu vertreiben. Stattdessen wird sie in die Unis hineingeholt. 

Weiterungen

Nachdem das Fahrt ausgenommen hat, greift es um sich. Universität Münster baut Deutschlands größten Theologie-Campus (Westfalen heute 2.6.): Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster will einen zentralen Theologie-Campus bauen. In dem neuen "Campus der Religionen" sollen katholische, evangelische und islamische Religionswissenschaftler unter einem Dach arbeiten. Entsprechende Planungen wurden am Mittwoch im Senat der Universität öffentlich vorgestellt. Der neue Campus, der nach ersten Schätzungen rund 50 Millionen Euro kosten soll, wäre nach Angaben der Uni Münster der größte dieser Art in Deutschland. Die Hochschule selbst wird 23 Millionen Euro aus eigenen Mitteln in den Neubau investieren.

Was da passiert, ist ein Missbrauch der Unis für religiöse Zwecke und ein Verstoß gegen das säkulare Staatsprinzip. Wer Pfarrer, Imame, Rabbis und sonstige Vorbeter braucht, der möge sie selber ausbilden.

Schlimmer noch, diese Vorbeter haben an den Schulen nichts verloren. Dort werden Religionswissenschaftler oder Philosophen gebraucht, keine Theologen. Gebraucht wird unabhängige Aufklärung, nicht Indoktrination.

Am schlimmsten ist die Indoktrination, die anscheinend in den Koranschulen stattfindet. Wie kann es sein, dass das von der Türkei aus gesteuert werden darf, oder von sonstigen Reaktionären? Da geht es allem Anschein nach nicht um friedvolle, kooperative Religionsfreiheit, sondern um eine Machtergreifung im Hirn der  Kinder. Das Ergebnis solcher Desintegration sind nicht nur Parallelgesellschaften. Wenn dahinter erdoganische Umtriebe stecken, muss man mit allen Arten von Einmischung und Glaubensknechtschaft rechnen.

Der Weg der Politik zur Öffnung der Unis und zum Theologieunterricht verdient sich die Attribute leichtgläubig, volltrottelig und übercorrect. Wie es scheint, breitet sich die Glaubensknechtschaft in die Unis aus, statt dass sie aus den Koranschulen vertrieben wird.

Die grenzenlose Correctness der Politik wird garantiert bestraft.

 

Links dazu

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Grenzenlose Correctness wird bestraft

  1. w-blogger sagt:

    Für mich geht es nicht um political correctness, sondern um die weitere verantwortungslose Unterstützung veralteter religiöser Ideologien. Die Strategie dürfte sein: "Sorgen wie für einen starken Islam in Deutschland, wird durch die damit verbundenen Konflikte auch die schwächelnde christliche Religion revitalisiert". Erdogan und Merkel ziehen hier wahrscheinlich hinter den Kulissen an einem Strick.

  2. Wilfried Müller sagt:

    Ob es wirklich der Sultan und die Sultanine sind, w-blogger? Bei anderen Religiösen kann ich mir eher diese interreligiöse Kumpanei vorstellen, "besser irgendeine Religion als gar keine". Da geht es schließlich ums Dummhalten der Leute. Für mich läuft das schon unter political correctness, wenn eine Religion nicht kritisiert werden darf.

  3. Klarsicht sagt:

    Gibt es einen liberalen Islam ?

    „ ,Sowohl gläubiger Muslim als auch Befürworter der freiheitlich-demokratischen Grundwerte sein zu wollen, scheint nur dank des Segens der Unwissenheit oder mit hartnäckiger Verdrängung oder durch Aushalten schwindelerregender geistiger Verrenkungen möglich zu sein.' Das Zitat eines islamophoben, mindestens aber intoleranten Verteidiger des christlichen Abendlandes ? Ein Zitat, welches das Parteiprogramm der AfD stützt, die ja nicht nur behauptet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sondern er sei auch mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ?

    Zugegeben, es ist eine ziemlich eindeutige Aussage, die die Hoffnung, wir könnten durch eigene Lehrstühle für die Islamwissenschaft eine für deutsche und sogar europäische verträgliche Variante der Lehren aus dem Koran entwickeln, zunichte macht. Es widerspricht allen sehr gut deutsch sprechenden gemäßigten gläubigen Muslimen, die bisher regelmäßig in den Talkshows der deutschen Fernsehanstalten auftreten. Egal, ob es sich um die aus Syrien stammende Lehrerin Lamya Kaddor (1) handelt, oder um den Deutsch-Syrer Aiman Mazyek (2), den Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, der allerdings nur knapp 20 000 Mitglieder vertritt.

    Das Zitat fällt über die Vertreter des liberalen Islams vernichtende Urteile. Ihre Koranauslegung beruhe auf dem ,Segen der Unwissenheit', fuße auf ,hartnäckiger Verdrängung' und ,schwindelerregender geistiger Verrenkungen'. Das könnte auch so interpretiert werden, dass diese liberalen Muslime gar keine ernst zu nehmenden Islamkenner seien und somit auch keine wirklich Gläubigen, die sich auf die Lehren aus dem Koran berufen könnten.

    […]

    Dieses Zitat stammt weder aus islamfeindlichen Parteien oder militanten Christen, es ist das Schlusswort des Islamkenners Ufuk Özbe, der in der Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie, die von der Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg herausgegeben wird, eine umfangreiche Studie veröffentlicht hat, unter dem Titel: ,Kritik der liberalen Auslegung des Islam die Islamdebatte zwischen politischer Zweckmäßigkeit und intellektueller Redlichkeit.' Nach 40 Seiten detaillierter Koranexegese und 15 Seiten erklärender Fußnoten, steht das vernichtende Zitat als Ergebnis seiner Arbeit.“

    Verweise (von Klarsicht):

    (1) Die Islamfeindlichkeit ist schuld, wenn Muslime morden:

    http://www.achgut.com/artikel/die_islamfeindlichkeit_ist_schuld_wenn_muslime_morden

    (2) Wenn der Koran zum Gesetzbuch wird (Teil 2):

    http://www.achgut.com/artikel/wenn_der_koran_zum_gesetzbuch_wird_teil_2

    Quelle: http://www.achgut.com/artikel/gibt_es_einen_liberalen_islam

    Siehe auch:

    Die Zauberformel „Das hat doch nichts mit dem Islam zu tun“ zieht nicht mehr !:

    http://www.achgut.com/artikel/die_zauberformel_das_hat_doch_nichts_mit_dem_islam_zu_tun_zieht_nicht_mehr/P6#section_leserpost

    Unter Generalverdacht:

    http://religionskritik4.blogspot.de/2016/02/unter-generalverdacht.html

    Negativwahrnehmung der Eigenschaft „Muslim“ !?:

    https://www.youtube.com/watch?v=8M_wnnwZbRM

    Reform im Islam !? Folge 1:

    https://www.youtube.com/watch?v=E5s8y_9bWxg

    Allah verbietet die Reform des Islam:

    https://www.youtube.com/watch?v=xBuZdp5f1IE

    Gruß von

    Klarsicht

     

     

     

  4. Wilfried Müller sagt:

    Klarsicht verlinkt mehrfach "Die Achse des Guten" von dem Journalisten Dirk Maxeiner.  Da sind viele Artikel mit Kritik an "das hat doch nichts mit dem Islam zu tun." Auch die anderen Links sind ziemlich einseitig. Darin finde ich nicht die Muslime, die ich persönlich kenne, und deren Einstellung ziemlich iberal und modern ist. Ich konzediere, dass das Islambild von achgut & Co. auf realen Fehlentwicklungen beruht, aber es ist schief und polarisierend, weil es nicht der Mehrheitseinstellung entspricht. Was ich von der Kritik der liberalen Auslegung des Islam halte, steht in Islambashing mit professoraler Power.

Schreibe einen Kommentar