Arbeit für Bernie

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digger-1453430_960_720Der 7. Artikel aus der Serie Arbeit für alle hieß Arbeit gegen alle und verblüffte durch eine Angabe zum Staatshaushalt der USA: 600 Mrd. jährlich gehen ins Militär (Korr. 7.11.). Solche Militärpräsenz rechtfertigt den Titel Arbeit gegen alle.

Dieser Artikel bleibt Amerika treu, speziell dem Ex-Präsi-Kandidaten Bernie Sanders. Arbeit für Bernie ist Sanders gewidmet, wie auch der Durchhalte-Reim Wer baggert so spät im Baggerloch, das ist der Bagger der baggert noch (frei nach Mike Krüger, Bild: monicore, pixabay).

Konkret soll ein aktueller Artikel referiert werden, Bernie Sanders: Democrats Need to Wake Up  (New York Times 28.6.): Surprise, surprise. Workers in Britain, many of whom have seen a decline in their standard of living while the very rich in their country have become much richer, have turned their backs on the European Union and a globalized economy that is failing them and their children.

Bernie Sanders beginnt seinen NYT-Artikel mit einem Bezug zum Brexit. Die Arbeiter in Großbritannien haben der EU den Rücken gekehrt. Während die Reichen reicher wurden, mussten viele Werktätige ihren Lebensstandard senken, und die globalisierte Wirtschaft nutzt sie aus.

Das gilt nicht nur für die Briten. Die ökonomische Elite der Welt setzt die Globalisierung auch gegen die anderen Völker ein. Hier nochmal der Bezug auf die Ungleichverteilung: Die reichsten 62 Leute besitzen soviel wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung, 3.600.000 Menschen, siehe auch Je reich, desto arm).

Die ganz Reichen leben laut Bernie in unvorstellbarem Luxus, während Milliarden von Leuten Armut und Arbeitslosigkeit aushalten müssen, nebst unzureichender medizinischer Versorgung, Ausbildung, Wohnung und Wasserversorgung.

Bernies rhetorische Frage: Könnte die Zurückweisung derartiger Globalisierung in Form des Brexits auch in den USA passieren? Aber sicher, sagt er, das wäre möglich.

Während er bei seiner Präsidentschaftskampagne 46 US-Staaten durchreiste, hat er viele schmerzhafte Realitäten wahrgenommen, denen sich die politische und mediale Öffentlichkeit verweigert.

Während der letzten 15 Jahre mussten in den USA fast 60.000 Fabriken schließen, wobei 4,8 Millionen gutbezahlte Fabrikjobs verlorengingen. Viel davon sei den desaströsen Handelsvereinbarungen geschuldet, welche die Firmen ermutigen, in Niedriglohnländer umzuziehen. Es gab große Fortschritte in der Produktivität, aber sie nutzten nicht den Arbeitern.

Bernie betrachtet den Median der Löhne – 1/2 verdienen weniger, 1/2 mehr. Dieser Wert liegt um so weiter unter dem Mittelwert, je schiefer die Verteilung ist. Der Mittelwert wird durch einige wenige Spitzenverdiener nach oben getrieben, der Median nicht.

Inflationsbereinigt verdient die männliche Arbeitsbevölkerung im Median 726 $ weniger als 1973, der Median der weiblichen liegt 1.154 $ unter dem Wert von 2007.

Fast 47 Millionen US-Amerikaner leben in Armut. Ungefähr 28 Millionen haben keine Krankenversicherung, und viele andere sind unterversichert. Viele Millionen Leute haben mit enormen Schulden zu kämpfen, die sie zur Finanzierung vom Studium aufnehmen mussten.

Wohl zum ersten Mal in der neueren Geschichte kommt auf die neue Generation ein Leben mit niedrigeren Lebensstandards zu als bei der Elterngeneration, und das bei ständiger Fortentwicklung der Technik.

Es wirkt sich sogar auf die Lebensspanne aus. Die wenig Qualifizierten werden schneller sterben als die vorige Generation, weil sie Verzweiflung, Drogen und Alkohol anheimfallen.

Das oberste 1% besitzt jetzt mehr Vermögen als die unteren 90%. Diese Wall-Street-ler und Milliardäre kassieren 58% aller neuen Einkommen. Möglich wird es durch den Lobbyismus; ihre Lobbyvertretungen ( “super PACs”) können Wahlen kaufen.

Mit diesem herzlichen Gruß an seine Konkurrenten schließt Bernie Sanders seinen Text. Was er vollbracht hat, ist immerhin eine rege Diskussion von diesen Themen, wie sie vorher in den amerikanischen Medien nur sehr vereinzelt vorkam. Wohl ließ die NYT schon mal Thomas Piketty, Paul Krugman oder Nicholas Kristof zu Wort kommen, aber deren Kommentare blieben sozusagen in der Schmuddelecke stecken ("linke Nestbeschmutzer") und zeitigten keine Publikumswirkung.

Jetzt sind die USA weiter, die Wirkung ist jetzt als aufklärerischer Erfolg präsent. Proteste gibt's auch, gegen Sanders' Gegner Trump, gegen Polizeigewalt und Willkür. Bis es auch gegen das System aus big business, high finance und political lobbying wirksam wird, gibt's aber noch viel Arbeit für Bernie.
 

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