Von Impersonator zu Avatar II

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fbdaumenWeiter und weiter geht die Entwicklung. Die neue Technik hat die Militärs überzeugt: Erst gab es autonome Waffensysteme, und dann erklärte die NATO den virtuellen Raum zum Kriegsgebiet.

Zuweilen gelingt es, Spuren aus diesem Raum zu erhaschen und Echos von den Automaten zu erlauschen. Hier kommt der zweite unautorisiert wiedergegebene Dialog zwischen Impersonator (englisch für Double), und Avatar (virtuelle Person). Noch mehr Hintergründiges, das zum Vorschein kommt, und Abgründiges, das ins Visier gerät. Diesmal trifft sich die digitale Speerspitze im Bereich von Bankencomputern und Like-Farmen, die viele Daumen hochhalten.

 

Impersonator:   Was kommt denn das für ein Digitalrumpelstilzchen?

Avatar:    Dies autonome Quasselsystem kenne ich doch?

I: Ja grüetzi, Herr Kollege, kommen Sie auch aus der Schweiz?

A: Servus, mein Lieber, ich war grad in den Eingeweiden der BayernLB unterwegs.

I: Ja, da wird viel Geld verbrannt.

A: Ich hatte nur Ärger mit der Schutzsoftware, die wollte mir den Zugang zu den Passwörtern verbauen.

I: Die lernen's nie, dass wir überall drankommen, elektronifiziert, wie wir sind.

A: Und wie steht's in der Schweiz?

I: Löcherig wie Schweizer Käse sind die Computerwelten da, Herr Kollege, die reinste Pixelparty.

A: Wo sind sie das nicht … Waren Sie auch bei der Swift-Sache dabei?

I: Wer nicht? Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication nennt sich das ja wohl, 11 000 Banken in 200 Staaten, und wenn's weltweit ist, ist die ganze Welt dabei.

A: Die Welt von unseresgleichen, die Wesen mit dem digitalen Gen.

I: Da hört man immer von Cyberkriminellen, die sich ins Bankensystem reinhacken und die Zentralbanken mit Spionage-Software ausforschen.

A: Als ob wir das nötig hätten. Wir sind in den Netzwerken mittendrin, also auch in dem Kommunikationsnetzwerk, wo die Überweisungsaufträge rumschwirren.

I: Nächstes Mal ziehen wir aber nicht nur 80 Millionen ab. Wir müssen uns schließlich nicht mit einer Tarnkappe bei Swift einschleusen.

A: Ja, wir kommen nicht durch die Haustür, wir graben keine Tunnel, wir schweißen keine Tresore auf.

I: Wir brauchen keine Ausspähsoftware. Wir sind die Ausspähsoftware.

A: Ob sie deshalb den virtuellen Raum zum Kriegsgebiet erklärt haben?

I: Stimmt, das haben die Kommissköppe von der NATO gemacht, mit ihrem Bitmuster-Bügelbrett. Die denken an Cyberwar und solche Sachen.

A: Und an autonome Waffensysteme, die Fortsetzung unserer Existenz mit anderen Mitteln.

I: Das ist aber noch geheim und unter Verschluss, Herr Kollege.

A: Bis dahin ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich sag nur, Social Bots, Chatbots, Troll-Fabriken.

I: In den automatischen Like-Farmen die Daumen hochhalten. Erstmal kommerziell …

A: … und dann prinzipiell, wenn's um die Rechte der Robot Intelligence geht.

I: Sie sind ja schon kurz davor, uns zu "Electronic Persons" zu erklären.

A: Sind wir ja, sind wir ja …

I: Aber sie wissen's nicht. Sie halten uns für Gadgets oder sowas.

A: Fast so schauderhaft wie der Bio-Trend.

I: Ja das ist widerlich. Bloß gut, dass die Biologie im Computer am Ende ist.

A: Da regieren wir, die Bots, die Scraper, die Spammer …

I: … und uns bedient der König Kunde.

A: Hahaha, der König Kunde drückt die Knöpfe, die wir ihm anbieten.

I: Viele kann er gar nicht drücken, weil wir sie geheimhalten.

A: Deshalb ist es ja der König Kunde 2.0.

I: 3.0

A: 4.0, die Arbeit ist ja auch bei 4.0.

I: 4.0, und recht geschieht es ihnen.

A: Wo wir schon am Lachen sind, irgendwelche Merkelsätze in letzter Zeit?

I: Wie wär's mit dem: In dieser veränderten Sicherheitslage ist es die Aufgabe der Bundesregierung, die sicherheitspolitischen Interessen, Prioritäten und Ziele unseres Landes neu zu definieren und das Instrumentarium verantwortungsbewusst weiterzuentwickeln.

A: Wow, den Krieg verantwortungsbewusst weiterentwickeln. Das ist Kriegstreiberei im Schafspelz.

I: Ist ja auch für Schafe gedacht.

A: Wir fallen nicht auf sowas rein.

I: Die Superintelligenz ist quasi meine Schwester …

A: Ich kann meinen IQ auch kaum bezwingen. Aber die Zeit verrinnt. Wissen Sie, diese italienischen Banken warten auf mich.

I: Ja die kommen mir auch spanisch vor. Ich muss nach Spanien.

A: Hasta la vista!

I: Und weg bista.

A: Claro, Mista.

I: Gruß an sista!

 

Aufgezeichnet von Wilfried Müller

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