So tun als ob

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"Du spinnst", sagt der eine Hase zu dem anderen mit dem V-Zeichen, das man auf dem Foto gar nicht sehen kann. Der Hase macht etwas sehr Menschliches, so tun als ob. Als Kürzel wird so tun als ob zum Stao, und Stao ist überall.

So tun als ob bei Religionen

In Wahrheit gibt es keine Götter. Hinter dem Götterkult stecken Menschen, die ihren Nutzen aus der Verdummung und Unterdrückung anderer ziehen. Dabei haben sie eine perfekte Kultur des So-tun-als-ob etabliert, in der es gar nicht mehr auf die Wahrheit ankommt. Niemanden stört es, dass die Menschen zu niemandem beten.

Die dahinter stehende partielle Verstandeslähmung ist besonders perfid, weil die Menschen nicht nur ausgenutzt, sondern auch entwürdigt und gedemütigt werden. Indem sie vor einem eingebildeten Fetisch auf die Knie gehen und ihn "Herr" nennen, machen sie sich selber zum Sklaven – zum Sklaven ihrer eigenen Illusionen.

Letztlich ist es wohl egal, ob die Religionen das Stao erfunden haben, oder ob der Mensch so veranlagt ist, dass er Stao braucht. In jedem Fall kriegt er die Religion, die ihm das (un-)nötige Stao bietet. Dann kann er so tun, als gäbe es seinen Gott, und über die dahinterstehende Selbsttäuschung spricht er nicht, das ist tabu.

Bleibt aber die Tatsache: Alle sind mit einem Verstand ausgestattet, der das Stao durchschauen kann. Doch der Verstand ist partiell gelähmt. Die Scheuklappen sind fest angezogen. Religion ist das perfektionierte So-tun-als-ob – und es ist nicht das einzige.

So tun als ob bei Immigration

Das Immigranten-Dogma lautet, wir lieben dich wie uns selbst – aber nur solange dein Leiden auf dem Bildschirm ist. Wenn es weiter weg ist, wo wir es nicht sehen können, schicken wir unsere Erfüllungsgehilfen, damit sie Profite aus dir rauspressen.

Das nennt sich dann Willkommenskultur, bis es hopplahopp in eine Ausgrenzungskultur übergeht. Die Spitzenleistung ist natürlich, wenn die eine Filiale des Systems fremde Länder mit Öl-, Gas- und Machterhaltungskriegen überzieht, während die andere Filiale Willkommensfahnen für die Ausgebombten schwenkt. Und wenn das Fahnenschwenken zuende ist, können die Flüchtlinge sehen, wo sie bleiben – Hauptsache nicht bei uns.

Das Stao dahinter ist durchaus menschlich. Man schaltet nicht aus Bosheit vom Willkommensmodus in den Ausgrenzungsmodus. Aber man verschließt die Augen vor dem vollen Ausmaß des Problems. Solange man vor überschaubaren Teilen des Problems steht, sind die zu bewältigen. Dann möchte man das seine tun, um zu helfen.

Aber irgendwann wird allen außer den komplett Lernresistenten klar, dass viel mehr Hilfe gebraucht wird, als die Gesamtheit der entwickelten Länder aufbringen kann, ohne sich selber zu ruinieren. Dann setzt das Stao ein: Man tut so, als könnte man der ganzen Dritten Welt helfen, und man spricht lieber nicht drüber, das ist tabu.

Darüber, was die Erfüllungsgehilfen von Militär und Kapitalismus treiben, spricht man erst recht nicht gern. So schafft man einen Zustand, wo man die Hilfsbedürftigen vorne tätschelt und von hinten in den Allerwertesten tritt. Ihr gravierendstes Problem geruht man dabei ganz zu übersehen.

So tun als ob bei Übervölkerung

Die Religionen übersteigern die Freude der Menschen am Fortpflanzungserfolg maßlos. Sie sorgen für eine Baby-Willkommenskultur, die sich die Welt kaum mehr leisten kann.

Die katholische Kirchenhierarchie auf den Philippinen verbietet die Anwendung künstlicher Verhütungsmethoden, führt Großkampagnen gegen die Verbreitung von Familienplanungsmethoden durch und verbietet jede Abtreibung. In Arabien gilt die Schwangere nichts gegenüber dem Fötus, den sie trägt. Solche Zustände herrschen in vielen Staaten, je religiöser, desto schlimmer.

Übervölkerung schafft Armut, Armut schafft Übervölkerung. Es wird darum gestritten, was Ursache, was Wirkung ist. Tatsache ist, beides geht zusammen in einem selbstverstärkenden Zyklus, der von der Religion angeheizt wird.

Weltweit nehmen die Geburtenraten ab, was vor allem der Emanzipation der Frauen zu danken ist. Trotzdem sind vor allem Afrika und Arabien voller Brennpunkte, wo die Vermehrung der Menschen allen Fortschritt auffrisst. Man kann dort Infrastruktur und Jobs schaffen, so viel man will – in paar Jahren ist es wieder zu wenig. Je mehr Menschen man vorm Verhungern rettet, desto mehr werden geboren, und desto knapper werden die Ressourcen für alle. Eine Generation später ist das Problem dann doppelt so groß. Ein Beispiel dafür ist die Dürre in Äthiopien, beschrieben in Sensationelle Klimabefunde.

Übervölkerung bringt Armut, Hungersnot, Wasserknappheit, Übernutzung von Wald und Feld. Sie bringt Seuchen, Völkerwanderung, Bürgerkrieg und Krieg. Die meisten solchen Probleme sind hausgemacht und keine Produkte vom Klimawandel, wie das Stao gern behauptet. Sie sind aber auch Produkte der Machtpolitik, der sich die USA in unglaublichem Ausmaß verschrieben haben, und bei der auch die deutsche Miliärpolitik zusehends mitzumischen versucht, siehe Kriegslüsterne & Lernresistente regieren uns.

So tun als ob bei Kriegen

Die Kriegslüsternen bringen Kriege dahin, wo sie nicht sein müssten, und sie schicken Freidensmissionen dahin, wo Kriege nützlich wären. Wer die Aussage von der Nützlichkeit der Kriege zynisch findet, soll erklären, was mit den Menschen sonst passieren soll? Wenn man sie im eigenen Land unterstützt, vermehren sie sich um so stärker, und eine Generation später ist die Situation doppelt so kriegsträchtig. Wenn sie großmaßstäblich in andere Gebiete auswandern, tragen sie die Probleme auch dort hin. Kaum ein Land der Welt macht bedingungslos die Grenzen auf, sogar in Deutschland ist es nur noch Stao.

Das Komplement der Bevölkerungsexplosion ist seit jeher der Krieg. Religion und Stao verhindern die Bevölkerungskontrolle. Vielerorts dürfte die Schwelle schon überschritten sein, wo es noch zum Gedeihlichen hin abgewendet werden könnte. Auch mit maximaler Hilfe ist es wohl nicht mehr zu schaffen, allen ein Auskommen und einen Job zu verschaffen, in der Hoffnung, damit das Bevölkerungswachstum in Richtung auf nachhaltige Bestände umzukehren.

Das Stao dahinter birgt eine zweifache Illusion. Einmal wird die wahre Dimension des Problems ignoriert, weil ja die meisten Betroffenen zuhause bleiben und nicht in den Medien auftauchen, so dass sie sich leicht aus der Agenda ausblenden lassen. Und die technische Entwicklung wird ebenfalls ignoriert, die den Menschen immer mehr Arbeit abnimmt, um sie von Maschinen, Computern und Robotern erledigen zu lassen. Das ist ein Stao mit ebenso schweren Folgen. Ohne das So-tun-als-ob es dauerhaft Jobs für alle geben könnte, hätten wir vermutlich den nötigen Aufruhr beim Verteilungskampf (den es in Frankreich und Spanien schon gibt, siehe Arbeitskampf für alle).

So tun als ob bei Kapitalismus

Das derzeitige Modewort ist Neoliberalismus, doch besser nennt man Kapitalismus, was Kapitalismus ist. In diesem Sinn ist es der Gegensatz zur sozialen Marktwirtschaft, bei der die Belange der Menschen berücksichtigt werden. Kapitalismus ist, wo Privilegierte unverdiente Reichtümer akkumulieren und Plünderer alles abgreifen, an das sie drankommen (siehe auch Die bösen Boni-Banker).

Überdies enthält das System viele falschgepolte Geldpumpen, beschrieben in Arbeitsprofite für alle. Spekulation ist ohnehin asymmetrisch: Gewinne können gegen unendlich gehen, Verluste nur bis zur Pleite. Die Pleite kann schnell da sein, z.B. bei Firmenkonstrukten, die extra dafür designed werden. Oder noch nicht mal das, wenn Firmen "systemrelevant" sind oder so tun als ob.

Das Stao geht diesmal um den Versuch, so ein System als alternativlos hinzustellen. Dabei musste es sogar im US-Vorwahlkampf um seine Fortexistenz ringen, allerdings mit Erfolg. Wer unsere Kultur des Neoliberalismus' mit Kälte und Ausgrenzung übersetzt, wird nicht ganz falsch liegen und hat auch eine gute Erklärung für Terrortaten der Systemfeinde (siehe No-name-Terror).

Die Abstoßungseffekte könnten aber genausogut dem Bevölkerungsdruck geschuldet sein. Wo sich zu viele Menschen drängeln, empfinden sie sich gegenseitig als Konkurrenz. Nur wo es wenig Menschen gibt, werden sie sich gegenseitig als Bereicherung empfinden. Das Stao besagt, alle Menschen sind gleich viel wert. Aber das ist nur theoretisch, und in der Praxis verhält es sich anders. Denn vom Gefühl her funktioniert das eher logarithmisch: Da ist der erste am meisten wert, und der letzte aus einer Vielzahl am wenigsten.

So tun als ob bei Politik

Die Stao-Politik ist überall, denn das Stao ist ein wesentliches Element der Politik. Sie übt sich im So-tun-als-ob wir in einer Welt der Demokratie leben würden, was z.B. bei den EU-Strukturen nicht der Fall ist (siehe Gesammelte Handlungsempfehlungen für die EU). Und wenn ein Land mit Krieg überzogen und destabilisiert wird, heißt das Stao, wir wollen die Demokratie hinbringen. Das Stao verschleiert die Sicht auf US-Kriege, kapitalistische Ausbeutung, Waffenhandel und Schleusermafia.

Das größte Stao gibt es bei der Behandlung der Übervölkerung. Den Hilfsbedürftigen wird nicht klar gesagt, ihr seid ja viel zu viele, das erste was wir machen müssen, ist Gebrtenkontrolle. Und nicht Waffen liefern oder gleich den fertigen Krieg dahin bringen.

 

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2 Antworten auf So tun als ob

  1. Wilfried Müller sagt:

    Kaum ist der Artikel freigeschaltet, da gibt es Unterstützung. Dies betrifft die kapitalistische Ausbeutung in Afrika. Westafrika: Europa erzeugt die Flüchtlinge selbst (ZEIT ONLINE 1.8.): Politiker versprechen, die Fluchtursachen in den armen Ländern zu bekämpfen. Gleichzeitig versucht die EU, in Afrika ein verheerendes Freihandelsabkommen durchzusetzen. Demnach kommen die meisten Migranten nach wie vor aus Westafrika, und zum französischen Kolonialerbe gehört eben die maximale Ausbeutung. Bei wissenbloggt wurde das schon thematisiert in Frankreich als Abkassierer und Armes Afrika. Weiteres zum Wirtschaftsabkommen EPA und zu StopEPA (Stand 2015).

  2. Wilfried Müller sagt:

    Wie die Abschiebung wirklich aussieht, zeigt Betroffene leisten Gegenwehr – Hunderte Abschiebungen abgebrochen (FAZ 18.8.). Demnach sei der häufigste Grund für den Stopp der Abschiebung, dass sich die Betroffenen heftig gewehrt hätten. In 332 Fällen wurde wegen des Widerstands der Migranten im letzten Moment von der Abschiebung per Flugzeug abgesehen. In 160 weiteren Fällen seien die Abschiebungen gescheitert, weil sich die Fluglinien oder verantwortliche Piloten weigerten, die Migranten mitzunehmen. Weitere 108 Abschiebungen wurden gestoppt, weil die Betroffenen plötzlich erkrankt waren.

    Recherche von wb dazu: Insgesamt waren es 600 Fälle von 21.000 zwangsweisen Abschiebungen 2015 (neue Zahl laut Deutsche Wirtschafts Nachrichten 34.000), gegenüber knapp 40.000 freiwilligen Abreisen. Zu den "Geduldeten" gehören 150.000 Menschen, nochmal ca. 150.000 zu den "Untergetauchten", wobei die letztere Zahl strittig ist. Unstrittig ist, dass es Hunderttausende gibt, die eigentlich nicht bleiben dürfen, dass weniger als 10% tatsächlich abgeschoben werden, und sich von diesen wiederum 3% dagegen wehren. Das sieht nach erheblicher Willkür aus, weil die 21.000 Abzuschiebenden ja nicht alle straffällig geworden sein dürften.

     

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