® So tun als ob

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Der Dollar wird auf großen Scheinen gedruckt, die so tun, als ob sie viel wert wären. Wenn's nach dem tatsächlichen Wert ginge, müssten die Scheine viel kleiner sein, und sie müssten immer weiter schrumpfen (Bild: neonlizard). Aber der Schein bestimmt das Sein, und das So-tun-als-ob hat überall Konjunktur.

So tun als ob bei Religionen

In Wahrheit gibt es keine Götter. Hinter dem Götterkult stecken Menschen, die ihren Nutzen aus der Verdummung und Unterdrückung anderer ziehen. Dabei haben sie eine perfekte Kultur des So-tun-als-obs etabliert, in der es gar nicht mehr auf die Wahrheit ankommt. Sie tun eben so, als ob es den Gott gäbe, den sie anbeten – niemanden stört es, dass die Menschen zu niemandem beten.

Die dahinter stehende partielle Verstandeslähmung ist besonders perfid, weil die Menschen nicht nur ausgenutzt, sondern auch entwürdigt und gedemütigt werden. Indem sie vor einem eingebildeten Popanz auf die Knie gehen und ihn "Herr" nennen, machen sie sich selber zum Sklaven – zum Sklaven ihrer eigenen Illusionen.

Letztlich ist es wohl egal, ob die Religionen das So-tun-als-ob erfunden haben, oder ob der Mensch so veranlagt ist, dass er So-tun-als-ob braucht. In jedem Fall kriegt er die Religion, die ihm das (un-)nötige So-tun-als-ob bietet. Dann kann er so tun, als gäbe es einen realen Gott, und über die dahinterstehende Selbsttäuschung spricht er nicht; das ist tabu.

Bleibt aber die Tatsache: Alle sind mit einem Verstand ausgestattet, der das So-tun-als-ob durchschauen kann. Doch der Verstand der Gläubigen ist partiell gelähmt. Die Scheuklappen sind fest angezogen. Religion ist das perfektionierte So-tun-als-ob (wb-Links Unglaublich) – und es ist nicht das einzige:

So tun als ob bei Immigration

Das Immigrations-Dogma lautet, wir lieben dich wie uns selbst – aber nur solange dein Leiden medial präsent ist. Wenn es hinter dem Horizont ist, wo wir es nicht sehen können, schicken wir unsere Erfüllungsgehilfen, damit sie Profite aus dir rauspressen.

Das nennt sich dann Willkommenskultur, bis es hopplahopp in eine Ausgrenzungskultur übergeht. Die Spitzenleistung ist natürlich, wenn die eine Filiale des Systems fremde Länder mit Öl-, Gas- und Machterhaltungskriegen überzieht, während die andere Filiale Willkommensfahnen für die Ausgebombten schwenkt. Und wenn das Fahnenschwenken zuende ist, können die Flüchtlinge sehen, wo sie bleiben – Hauptsache nicht bei uns.

Das So-tun-als-ob dahinter ist durchaus menschlich. Man schaltet nicht aus Bosheit vom Willkommensmodus in den Ausgrenzungsmodus. Aber man verschließt die Augen vor dem vollen Ausmaß des Problems. Solange man vor überschaubaren Teilen des Problems steht, sind die zu bewältigen. Dann möchte man das seine tun, um zu helfen.

Aber irgendwann wird allen außer den komplett Lernresistenten klar, dass viel mehr Hilfe gebraucht wird, als die Gesamtheit der entwickelten Länder aufbringen kann, ohne sich selber zu ruinieren. Dann setzt das So-tun-als-ob ein: Man tut so, als könnte man der ganzen Dritten Welt helfen. Man hilft aber nur denen, die es bis vor die Haustür schaffen und spricht nicht über die anderen; das ist tabu.

Darüber, was die Erfüllungsgehilfen von Militär und Kapitalismus treiben, spricht man erst recht nicht gern. So schafft man einen Zustand, wo man die Hilfsbedürftigen vorne tätschelt und von hinten in den Allerwertesten tritt (wb-Links Manipulation). Und ihr gravierendstes Problem geruht man dabei ganz zu übersehen:

So tun als ob bei Übervölkerung

Die Religionen übersteigern die Freude der Menschen am Fortpflanzungserfolg maßlos. Sie sorgen für eine Baby-Willkommenskultur, die sich die Welt kaum mehr leisten kann.

Die katholische Kirchenhierarchie auf den Philippinen verbietet die Anwendung künstlicher Verhütungsmethoden, führt Großkampagnen gegen die Verbreitung von Familienplanungsmethoden durch und verbietet jede Abtreibung. In Arabien gilt die Schwangere nichts gegenüber dem Fötus, den sie trägt. Im Iran predigen die Mullahs das Kinderkriegen. Solche Zustände herrschen in vielen Staaten, je religiöser, desto schlimmer.

Übervölkerung schafft Armut, Armut schafft Übervölkerung. Es wird darum gestritten, was Ursache, was Wirkung ist. Tatsache ist, beides geht zusammen in einem selbstverstärkenden Zyklus, der von der Religion angeheizt wird.

Inzwischen nehmen die Geburtenraten weltweit ab, was vor allem der Emanzipation der Frauen zu danken ist. Trotzdem sind vor allem Afrika, Arabien und Israel/Palästinensa voller Brennpunkte, wo die Vermehrung der Menschen allen Fortschritt auffrisst. Man kann dort Infrastruktur und Jobs schaffen, so viel man will – in paar Jahren ist es wieder zu wenig. Je mehr Menschen man vorm Verhungern rettet, desto mehr werden geboren, und desto knapper werden die Ressourcen für alle. Eine Generation später ist das Problem dann doppelt so groß. Ein Beispiel dafür ist die Dürre in Äthiopien.

Übervölkerung bringt Armut, Hungersnot, Wasserknappheit, Übernutzung von Wald und Feld. Sie bringt Seuchen, Völkerwanderung, Bürgerkrieg und Krieg; darüber zu sprechen ist besonders tabu.

Die meisten solchen Probleme sind hausgemacht und keine Produkte vom Klimawandel, wie das So-tun-als-ob gern behauptet. Sie sind aber auch Produkte der Machtpolitik, der sich die USA in unglaublichem Ausmaß verschrieben haben, und bei der auch die deutsche Miliärpolitik zusehends mitzumischen versucht, wb-Links Übervölkerung, Klimabefunde, Kriegslüsterne:

So tun als ob bei Kriegen

Die Kriegslüsternen bringen Kriege dahin, wo sie nicht sein müssten, und sie schicken Friedensmissionen dahin, wo eigentlich Kriege nützlich wären. Wer die Aussage von der Nützlichkeit der Kriege zynisch findet, soll erklären, was mit den Menschen sonst passieren soll? Wenn man sie im eigenen Land unterstützt, vermehren sie sich um so stärker, und eine Generation später ist die Situation doppelt so kriegsträchtig. Wenn sie großmaßstäblich in andere Gebiete auswandern, tragen sie die Probleme auch dort hin; solches zu artikulieren ist nochmal besonders tabu.

Kein Land der Welt macht bedingungslos die Grenzen auf, sogar in Deutschland ist die Grenzöffnungspolitik nur noch So-tun-als-ob .

Das Komplement der Bevölkerungsexplosion ist seit jeher der Krieg. Religion und So-tun-als-ob verhindern die notwendige Bevölkerungskontrolle. Vielerorts, speziell in Afrika, dürfte die Schwelle schon überschritten sein, wo es noch zum Gedeihlichen hin abgewendet werden könnte. Auch mit maximaler Hilfe ist es wohl nicht mehr zu schaffen, allen ein Auskommen und einen Job zu verschaffen, in der Hoffnung, damit das Bevölkerungswachstum in Richtung auf nachhaltige Bestände umzukehren.

Das So-tun-als-ob dahinter birgt eine zweifache Illusion. Einmal wird die wahre Dimension des Problems ignoriert, weil ja die meisten Betroffenen zuhause bleiben und nicht in den Medien auftauchen, so dass sie sich leicht aus der Agenda ausblenden lassen.

Und die technische Entwicklung wird ebenfalls ignoriert, die den Menschen immer mehr Arbeit abnimmt, um sie von Maschinen, Computern und Robotern erledigen zu lassen. Das ist ein So-tun-als-ob mit ebenso schweren Folgen. Wahrscheinlich ist es unmöglich, auf Dauer regulär bezahlte Jobs für alle zu schaffen (wb-Links Arbeit):

So tun als ob beim Kapitalismus

Das letzte Modewort war Neoliberalismus, doch besser nennt man Kapitalismus, was Kapitalismus ist. In diesem Sinn ist es der Gegensatz zur sozialen Marktwirtschaft, welche die Belange der Menschen berücksichtigt. Kapitalismus ist, wo Privilegierte zu unverdienten Reichtümern kommen und Plünderer alles abgreifen, was sie können.

Überdies enthält das System viele falschgepolte Geldpumpen, beschrieben im wb-Link Arbeitsprofite. Spekulation ist ohnehin asymmetrisch: Gewinne können gegen unendlich gehen, Verluste nur bis zur individuellen Pleite. So eine Pleite kann schnell da sein, z.B. bei Firmenkonstrukten, die extra dafür designed werden. Oder auch nicht, wenn Firmen "systemrelevant" sind oder so tun als ob.

Das So-tun-als-ob geht diesmal um den Versuch, so ein System als alternativlos hinzustellen.

Wer unsere Kultur des Neoliberalismus' mit Kälte und Ausgrenzung übersetzt, wird nicht ganz falsch liegen und hat auch eine gute Erklärung für Terrortaten der Systemfeinde (wb-Links Boni, Vertrauensbruch, Terror).

Die Abstoßungseffekte könnten aber genausogut dem Bevölkerungsdruck geschuldet sein. Wo sich zu viele Menschen drängeln, empfinden sie sich gegenseitig als Konkurrenz. Nur wo es wenig Menschen gibt, werden sie sich gegenseitig als Bereicherung empfinden. Das So-tun-als-ob besagt, alle Menschen sind gleich viel wert. Aber das ist nur theoretisch, und in der Praxis verhält es sich anders. Denn vom Gefühl her funktioniert das eher logarithmisch: Da ist der erste am meisten wert, und der letzte aus einer Vielzahl am wenigsten; sowas zu sagen, ist aber tabu. Das widerspräche unseren demokratischen Dogmen:

So tun als ob bei der Politik

Die So-tun-als-ob-Politik ist überall, denn das So-tun-als-ob ist ein wesentliches Element der Politik. Sie tut so, als ob wir in einer Welt der Demokratie leben würden, was z.B. bei den EU-Strukturen nicht der Fall ist (wb-Links EU). Und wenn ein Land mit Krieg überzogen und destabilisiert wird, sagt das So-tun-als-ob, wir wollen die Demokratie hinbringen. Das So-tun-als-ob verschleiert die Sicht auf US-Kriege, kapitalistische Ausbeutung, politische Selbstermächtigung, globalen Waffenhandel, Schleusermafia und Ausbeutungskultur.

Es ließen sich mehr Punkte aufführen. Aber es reicht auch so für ein Fazit: Anstand, Fairness, Redlichkeit und Verantwotlichkeit sind knappes Gut. Tabus und Heucheleien gibt es dafür um so mehr. Das strikteste Tabu gilt der Behandlung der Übervölkerung und ihrer Folgen. Das stellt deshalb das größte So-tun-als-ob dar.

Aus pseudohumanistischen Gründen werden Hilfsbedürftige in der Ferne ignoriert und in der Nähe überkandidelt weichgespült (wb-Link 135 : 1). Ihnen wird nicht klar gesagt, ihr seid ja viel zu viele, das erste was wir machen müssen, ist Geburtenkontrolle – und nicht Waffen liefern oder gleich den fertigen Krieg dorthin bringen.

Wenn das unsere Kultur ist, brauchen wir uns über deren Ablehnung nicht zu wundern.

 

(Dieser Artikel wurde am 3.8.16 publiziert und am 15.5.18 überarbeitet.)

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Weitere Links von wissenbloggt dazu:

 

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2 Antworten auf ® So tun als ob

  1. Wilfried Müller sagt:

    Kaum ist der Artikel freigeschaltet, da gibt es Unterstützung. Dies betrifft die kapitalistische Ausbeutung in Afrika. Westafrika: Europa erzeugt die Flüchtlinge selbst (ZEIT ONLINE 1.8.): Politiker versprechen, die Fluchtursachen in den armen Ländern zu bekämpfen. Gleichzeitig versucht die EU, in Afrika ein verheerendes Freihandelsabkommen durchzusetzen. Demnach kommen die meisten Migranten nach wie vor aus Westafrika, und zum französischen Kolonialerbe gehört eben die maximale Ausbeutung. Bei wissenbloggt wurde das schon thematisiert in Frankreich als Abkassierer und Armes Afrika. Weiteres zum Wirtschaftsabkommen EPA und zu StopEPA (Stand 2015).

  2. Wilfried Müller sagt:

    Wie die Abschiebung wirklich aussieht, zeigt Betroffene leisten Gegenwehr – Hunderte Abschiebungen abgebrochen (FAZ 18.8.). Demnach sei der häufigste Grund für den Stopp der Abschiebung, dass sich die Betroffenen heftig gewehrt hätten. In 332 Fällen wurde wegen des Widerstands der Migranten im letzten Moment von der Abschiebung per Flugzeug abgesehen. In 160 weiteren Fällen seien die Abschiebungen gescheitert, weil sich die Fluglinien oder verantwortliche Piloten weigerten, die Migranten mitzunehmen. Weitere 108 Abschiebungen wurden gestoppt, weil die Betroffenen plötzlich erkrankt waren.

    Recherche von wb dazu: Insgesamt waren es 600 Fälle von 21.000 zwangsweisen Abschiebungen 2015 (neue Zahl laut Deutsche Wirtschafts Nachrichten 34.000), gegenüber knapp 40.000 freiwilligen Abreisen. Zu den "Geduldeten" gehören 150.000 Menschen, nochmal ca. 150.000 zu den "Untergetauchten", wobei die letztere Zahl strittig ist. Unstrittig ist, dass es Hunderttausende gibt, die eigentlich nicht bleiben dürfen, dass weniger als 10% tatsächlich abgeschoben werden, und sich von diesen wiederum 3% dagegen wehren. Das sieht nach erheblicher Willkür aus, weil die 21.000 Abzuschiebenden ja nicht alle straffällig geworden sein dürften.

     

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