Gaga-Genderitis

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women-149577_1280Zwei Meldungen, die kausal nichts miteinander zu tun haben, liefern die aktuelle Aufrege. Inhaltlich sind sie über das Thema Gender und Correctness verbunden, der eine Vorfall am einen, sinnhaften Ende davon und der andere am gegenseitigen, unsinnigen Ufer (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

Für die sinnhafte Aufregung sorgte ein CDU-Senator der Berliner Landes-CDU, indem er einer Berliner CDU-Politikerin eine Menge Publizität verschaffte. Er nannte sie "eine große süße Maus", und in ihrer Partei wurde ihr auch noch vorgeworfen, sie habe sich "hochgeschlafen". Unbezahlbare Reklame für die Frau.

Das pflichtschuldige Abwatschen des Chauvi-Übergriffs übernehmen Artikel wie Sexismus in der Politik – Wenn eine Frau am Ende doch die "Maus" ist (Süddeutsche Zeitung 26.9.): Die Herabwürdigung von Frauen, wie sie offenbar im politischen Betrieb üblich ist, beleidigt Prinzipien, die gerade Konservativen sonst heilig sind: die Höflichkeit und das Leistungsprinzip. Erwähnt wird auch der Wahlkreis Main-Kinzig, wo "in kleiner CDU-Herrenrunde" ein Text mit dem Titel "Pflegehinweise für das Kaninchen" zirkulierte, was auf die CDU-Kreisgeschäftsführerin abzielte.

Nun könnte der geneigte Leser wissenbloggt das Mitspracherecht verweigern, weil bei wb keine süße Maus und kein gepflegtes Kaninchen mitwirken. Hochgeschlafen hat sich auch niemand, und rausgemobbt wird auch keiner – aber darum geht es gar nicht.

Was hier angesprochen wird, ist der überkandidelte Umgang mit dem Gender-Thema, die Genderitis. Das soll keine Entschuldigung für die CDU- oder irgendwelche anderen Übergriffe sein. Aber ist die Ursache nicht reichlich dünn für eine gesamtdeutsche Aufregung?

Den größten Aufreger produzierte allerdings die Bild-Zeitung nach einer Steilvorlage der Flensburger DIE LINKE. Wer mag, kann die Details nachlesen in Linke Nummer mit der/die ComputerIn – Gender-Gaga in Flensburg (BILDblog 26.9.): DIE LINKE will männliche Geräte-Namen abschaffen. Ja, bei „Bild“ gab es heute auf der Titelseite mal wieder eine richtig schöne Möglichkeit, sich aufzuregen. Demnach lieferte Bild.de der Stammleserschaft die Vorlage zum Blutdruckhochschrauben und Empören über den „GENDER-GAGA“.

Aus lauter Jux hatte die Partei gefordert, Begriffe wie "Papierkorb", "Scanner" und "Briefkopf" durchzugendern ("der Papierkorb/die Papierkörbin", "der/die ScannerIn", "der/die Briefkopf/köpfin"). Der Scherz/die Scherzin hinterließ einigen Unmut. Bei humorlosen Linken etwa, die ihre Partei nicht als Juxpartei verstehen mögen. Nicht ganz zu Unrecht, sarkastische Texte können schließlich über Jahre hinweg durchs Internet geistern und als ernsthafte Forderungen missdeutet werden.

Hier der Link zur Flensburger Linken, Von Damen, Frauen und anderen Wesen, wo man sich über den Anlass schlaumachen kann (die Diskussion um Ratsherren und -herrinnen, – frauen oder -damen). Resutat war jedenfalls der besagte Unmut, der  natürlich auch das Genderlager betraf, weil es da immer schwerer wird, Persiflage und Ernsthaftigkeit auseinanderzuhalten.

Damit ist das Thema am Knackepunkt angelangt, oder muss es nun heißen, an der Knakepunktin?

Möglich wär's, wenn man sich anschaut, was die Genderitis so hervorbringt.

genderDiese Gegenüberstellung stammt von der Universitätsfrauenbeauftragten der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Ganze firmiert unter Leitfaden gendergerechte Sprache: Dieser Leitfaden soll Ihnen die praktische Umsetzung einer gendersensiblen Sprache erleichtern. Wir möchten Ihnen Beispiele für geschlechtergerechtes Formulieren geben. Sie können alle Möglichkeiten auf kreative Art und Weise miteinander verbinden.

gender2Die Beispiele steigern sich. Da sind "Universitätsfrauenbeauftragte" allen Ernstes damit beschäftigt, sich als Sprachpolizei aufzuspielen, siehe auch Nur noch „Professorinnen“ an der Uni Leipzig (Frankfurter Allgemeine Zeitung 5.6.13).

gender3Da könnte man papierkorb- und scannermäßig fragen, wieso die Einladung und die Vertretung? Richtig gendergerecht wird doch erst das Einladungsschreiben an das vertretungsberechtigte Gremium …

Traurig zu sehen, wo der emanzipatorische Aufwand versickert. Schon der wb-Artikel Warnung vor Warnhinweisen sollte genug Warnung sein. Da geht es um Triggerwarnungen, mit denen Sensibelchen vor den Fakten des Lebens geschützt werden sollen. Genauer gesagt, nicht vor den Fakten selbst, sondern vor der Berichterstattung darüber.

Die Triggerei ist genau auf den feministischen Bedarf zugeschnitten, fällt also völlig flach z.B. im religiösen Bereich. Bloß wäre sie da tatsächlich angebracht, weil es nicht um Fakten geht, sondern um höllische Fiktionen, mit denen Kinder schwer geschädigt werden können. Correctness für vermeintliche oder mutmaßliche Götter sucht man vergebens, etwa diesen

Warnhinweis: Für die Existenz vermeintlicher Götter gibt es keine belastbaren Hinweise. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Osterhasen.

Inzwischen läuft die Trigger-Diskussion unter dem Rubrum "safe space vs. free speech". Die Überbleibsel der Frauenbewegung versuchen sich auch noch an esoterischen Gender Studies, arbeiten an "feministischer Linguistik", agitieren gegen "die Unterrepräsentanz der Vagina in der deutschen Gesellschaft" oder sie setzen qualifikationsunabhängige Frauenquoten durch. Dabei verlieren die GenderInnen die echten Machos aus den Augen, die in großer Zahl ins Land kamen und kommen, und sie ignorieren die sozialen Prozesse, von denen die neuen vergeschlechtlichten Ungleichgewichte konstruiert werden.

Das Gendertum ist nur eine Gaga-Genderitis; die getriggerte Sensibilität hört bei den harten Fakten von Verhüllungsgewand und muslimischer Frauenunterdrückung auf. Schande über die Vertreterinnen solch schlagseitiger Frauenansprüche.

 

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2 Antworten auf Gaga-Genderitis

  1. bs sagt:

    Ich finde auch wie der Autor, dass dieses Thema zu stark gepuscht wird und dafür andere wichtigere Dinge einfach runterfallen. Es ist halt viel einfacher gegen die alten soften weißen Männer zu kämpfen…

    Die Textbeispiele von der LMU sind aus meiner Sicht in Ordnung, warum sollten (männliche) Studenten wegen Schwangerschaft an etwas nicht teilnehmen können?

  2. Wilfried Müller sagt:

    Das Leben und die Partnerschaften werden immer freier, und die Sprachregelungen sollen immer restriktiver werden? Solche Bevormundung ist albern. Statt "Studentenvertreter" soll "Vertretung der Studentenschaft" erzwungen werden, statt "Betreuer" "Betreuungsperson", statt "Wähler" "Wahlberechtigte"? Selber schuld, wer sich das gefallen lässt.

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