Roboter übernehmen … Denken & Lenken

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robotglaubeDer Cartoon von Rolf Heinrich bringt es auf den Punkt: Die Roboter sind dem Menschen überlegen. Es macht ihnen noch nicht mal was aus, wenn sie eine Bibel an die Birne kriegen – sie sind sozusagen bibelfest. Nur menschliche Birnen tendieren dann zum Weichwerden.

Etwas weniger salopp wird das Thema in dem Artikel angegangen Was Religion mit Intelligenz zu tun hat (WELT N24 24.3.13). Die Aussage ist, dass etwa die Hälfte der menschlichen Religiosität angeboren ist und bei der Evolution Vorteile brachte. Denn weltweit heiraten religiöse Menschen früher, bleiben länger zusammen und bekommen mehr Kinder. Umgekehrt machen Sicherheit und Bildung weniger religiös. Insgesamt sei die Religiosität der menschlichen Schwäche geschuldet, in zufälligen Ereignissen ein Muster, eine Regelhaftigkeit zu erkennen. Zuständig seien die Gehirnregionen, die Reflexion ermöglichen, also Religiosität ebenso wie intelligente Leistungen.

Was das mit dem Thema Roboterintelligenz zu tun hat?

Nun, konsequenterweise lautet die Frage jetzt, Was Religion mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat.

Da wendet aber jeder ein, es wird doch keine christlichen Roboter geben? Oder gar muslimische, hinduistische, buddhistische? Voilà, schon zeigt es sich, die Wahrheit über Religion ist tatsächlich an der Technik auszumachen.

  • Gibt es Technik auf Basis irgendeiner religiösen Weltsicht? Nein.
  • Gibt es Technik auf Basis irgendeiner esoterischen Weltsicht? Nein.
  • Gibt es Technik auf Basis irgendeiner ideologischen Weltsicht? Nein.
  • Gibt es Technik auf Basis irgendeiner idealistischen philosophischen Weltsicht? Nein.

Es gibt nur eine einzige Welt der Technik – und die basiert auf der Wissenschaft. Denn es funktioniert nur das, was auf der Wahrheit beruht und nicht auf irgendwelchen Phantasien. Es gibt ja auch nur 1 Wissenschaftsgebäude, im Gegensatz zu beliebig vielen Religionen, Ideologien, Phantasien.

Eigentlich ist damit das Klassenziel schon erreicht, und die Roboter können sich entspannt zurücklehnen. Religion, Glaube, Esoterik, Ideologie, philosophischer Idealismus – alles abgehakt. Zeit für einen Schluck über den Durst.

Das können die Roboter nicht? Wer das denkt, der hat die Lektüre verpasst von As Robots Replace Farm Workers, Why Payback Is A Bitch (ZERO HEDGE 13.8.). Der Artikel ist eine Beschimpfung der Mindestlöhne, die man sich schenken kann. Worauf es ankommt, ist dieser Apparat, der BoniRob, der Unkraut fixer eliminiert als Mensch oder Chemiekeule. 

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Oder dieser Apparat, Wall-Ye, ein französischer Roboter zum Beschneiden und zum Ernten im Weinberg.

winebotNun gut, es geht hier nicht um Roboter, die einen über den Durst trinken. Es geht nicht mal um Roboter, die denken. Es geht um Roboter, die Weinbau betreiben. Oder sogar Farmarbeit ganz allgemein, siehe The Future of Farming: Meet The Driverless Tractor (futurism 3.9.). Das Video zeigt ein bisschen von der Herrlichkeit des Farmerlebens, ehe der fahrerlose Traktor in Erscheinung tritt. Es ist ein Prototyp des "Autonomous Concept Vehicle", und es kann pflanzen, überwachen und ernten, ohne dass ein Mensch lenken muss.

Soweit also das automatische Denken & Lenken. Beim Denken ans Lenken denkt man automatisch an selbstfahrende Autos. Aber das ist auch schon überholt, denn es gibt jetzt Konkurrenz zu Wasser. Forget Self-Driving Cars: Amsterdam Is Getting 'Roboats' (FORTUNE 19.9.). In Amsterdam schippern demnach motorisierte Kisten auf den Kanälen herum, die sich selbst steuern. Sie können Menschen oder Waren transportieren oder sogar Brücken bilden. Zur Zeit ist das noch ein Forschungsprojekt. Und was ist das da?

bmw-motorrad-vision-next-100-articledetail-5c070819-982601Das ist die Vision eines Autobauers, wie ein Motorrad in der Zukunft aussehen könnte. Es hält von allein die Balance, und auf den Fahrer könnte es im nächsten Schritt wohl auch verzichten.

Wollen mal zusammenrechnen.

Also die Maschinen werden in Fabriken gebaut, die mit Robotern bestückt sind. Die Fabriken selber werden weitgehend automatisch erstellt, auch die Anlieferung der Waren erfolgt in selbstgesteuerten LKWs. Die Produkte wie Traktoren, Boote, Autos und Motorräder fahren selbstverständlich selbständig. Da bleibt dem Menschen nicht mehr viel zu tun. Weglaufen nutzt nix, denn es wird überall so sein. Und natürlich –

Die Schuhe, sie werden auch automatisch gefertigt. Adidas lässt Schuhe komplett von shoes-159404_1280Robotern herstellen (Süddeutsche Zeitung 4.10., Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay): Adidas testet neue Fabriken, in denen Schuhe vollständig automatisch hergestellt werden.   Materialien und Produkte müssen nicht mehr über Kontinente hinweg verschifft werden … Die Schuhe sollen nach fünf Stunden ausgeliefert werden. Nur das Laufen muss man noch selber machen, aber wer weiß, wie lange …

Stimmt, ist kaum mehr nötig, denn die neue Technik kann's dem Menschen abnehmen. Das ist der Inhalt von Enhanced Humans – Mind-Controlled Bionics: New Tech Translates Thoughts Into Motion (futurism 1.10.). Die Technik wandelt Gedanken in Bewegungen um. Das gleiche Thena auf deutsch heißt Gelähmte spüren und laufen wieder (scinexx 12.8.): Kombination aus Neurofeedback und Robotik reaktiviert Gehirn und Nervenverbindungen. Das firmiert unter Hoffnung für Querschnittsgelähmte, es bringt wieder Gefühl in den Beinen und Beweglichkeit mit Hilfe eines Exoskeletts. Erreicht wurde das durch ein Training, das Neuro-Feedback, virtuelle Realität und Roboter-Gehhilfen kombiniert.

Also wer sich nicht selber bewegen will, darf auf die Technik vertrauen. Vielleicht auch, wer sich besonders schnell oder schön bewegen will? Digitales Doping? Warum nicht? Und wenn's ums Bewerten geht … Richtig, da mischen auch schon die Roboter mit.

gym-512873_1280Diesmal bei den Gummigirls aus der rhythmischen Sportgymnastik. Das besagt der Artikel Künstliche Intelligenz: Der Roboter hat keine Launen (ZEIT ONLINE 4.10., Bild ktiacil, pixabay): Bei den nächsten Olympischen Spielen sollen Computer die rhythmischen Sportgymnastinnen bewerten, nicht Menschen. Schafft künstliche Intelligenz mehr Gerechtigkeit?

Wer jetzt alarmiert ist, wird sich fragen, Gerechtigkeit womöglich auch vor Gericht? Kommen die Robotergerichte?

Ist es beruhigend, wenn die vorläufige Antwort Nein heißt? Denn wenn die rhythmischen Sportgymnastinnen mit den Computerbewertungen zufrieden sind, könnte sich das ändern. Das bringt den letzten Umschwung im Thema Roboter denken & lenken, nämlich das Srichwort weaponizing information.

Informationen als Waffen einsetzen, das ist der neue Trend. Russland und die USA sind eifrig dabei, gezielte Falschinformationen zu lancieren, um die Weltmeinung zu manipulieren. Andere tun desgleichen. Eingesetzt werden Meinungsmaschinen und Internetportale, siehe Die neue Macht der Manipulation (Außenansicht in der SZ 20.9.): Google und Facebook können die Meinung ihrer Nutzer beeinflussen. Das ist gefährlich. Der Artikel spricht schon vom SEME (Search Engine Manipulation Effect) und einer Firma mit dem Namen "The Groundwork" und dem erklärten Ziel, Clinton zur Präsidentin zu machen.

Mehr ins Detail geht der Artikel Soziale Netzwerke: Gefährden Meinungsroboter die Demokratie? (Spektrum 14.10.): In sozialen Netzwerken erzeugen Bots automatisiert Meinungen und beeinflussen damit womöglich Wahlen. Warum das eine Gefahr für das politische System darstellt.

Demnach sind unter Donald Trumps 12,4 Millionen Followern auf Twitter 4,6 Millionen Fake-Accounts, darunter viele Bots (siehe auch Roboter & Propaganda). Twitter wird durch eine ganze "Twitterarmada" systematisch mit propagandistischen Beiträgen bombardiert. Der Artikel erwähnt Latino-Bots, die vorspiegeln, für die Latinominderheit zu sprechen, aber nur Roboter sind. 80% von Trumps Twitter-Traffic wird als automatisiert eingeschätzt. Das geht so weit, dass der Hashtag #TrumpWon zum "trending topic" hochgejubelt wurde.

Softwareagenten sind geeignet, die öffentliche Meinung nicht nur auf diese Weise zu manipulieren. Die virtuellen Bots sind eine reale Gefahr für das politische System. Sie erhöhen die Gefahr massiver Desinformationskaskaden und sie manipulieren die Trends in sozialen Netzwerken. Diese Trends liefern nicht nur trending topics, sie fließen in politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse ein. Denkbar ist, dass sie Politiker dazu verleiten, ihre Statements oder ihre Politik danach auszurichten.

Der Artikel konstatiert, dass Softwareroboter auch in der hiesigen Debattenlandschaft als automatisierte Claqueure aktiv sind. In den sozialen Netzwerken verschaffen sie Themen und Ansichten eine Relevanz, die nicht das Meinungsbild in der Gesellschaft widerspiegelt. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Form von digitalen Assistenten, Bots und Algorithmen begrenzt und manipuliert das Entscheidungsspektrum der Demokratie.

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Uff, soweit die aktuelle Übersicht aus der Roboterküche.

Hilft alles nix. Man muss sich mit der modernen Technik arrangieren, wie das die Katze so vorbildlich tut. Wenn es einem sozusagen den Boden unter den Füßen wegzieht, muss man sich eben behelfen.

 

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Eine Antwort auf Roboter übernehmen … Denken & Lenken

  1. Ich habe mich über die rhetorische Frage zu Beginn des Artikels gewundert, was Religion mit Intelligenz zu tun hat. Meine spontane Reaktion war: Gar nichts. Eher im Gegenteil, es sind Antagonisten im Sinne von „wissen oder glauben“. Liest man den Artikel hinter dem Link, so findet man Aussagen wie:

    • "Etwa die Hälfte der Religiosität ist angeboren“
    • "… die Religiosität ist dem heutigen Menschen geradezu eingepflanzt.“
    • "Kinder (Anm. Schüler unterschiedlichen Alters) glauben intuitiv an Übernatürliches“.

    Das seien die Ergebnisse einer Studie an Zwillingen, die getrennt aufgewachsen sind, „… ist Religiosität damit zu etwa 40 bis 60 Prozent vererbt – das ist ein ähnlicher Wert wie etwa für Musikalität.“ Bei der Studie ist ein Kollektiv von 169 eineiigen und 104 zweieiigen Zwillingen befragt wurden, alles Männer im Alter von etwa 30 Jahren (Stand 2005). Methodisch ist zu bemängeln, dass das Kollektiv für signifikante statistische Aussagen viel zu klein ist und die Befragung von 30-jährigen für die Verhältnisse bei ihrer Geburt oder als Kind nicht aussagekräftig sein kann. Außerdem sind Religiosität als Weltanschauung einerseits und Intelligenz oder Musikalität als Fähigkeiten des Gehirns andererseits ganz verschiedene Dinge.

    Auch Folgerungen wie die, dass die Gene der Religiosität  „ … sich über Tausende von Jahren durchgesetzt (haben). Dafür zählt vor allem, wie oft sich die damit zusammenhängenden Gene fortpflanzen. Und für diesen evolutionsbiologischen Erfolg ist, so zeigen es wissenschaftliche Untersuchungen (Anm. keine genannt), der Kinderreichtum religiöser Menschen verantwortlich.“ Einspruch, Euer Ehren! Der Kinderreichtum religiöser Menschen ist schlicht eine Folge des Verbots von Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsabbruch und letztlich der in den historischen und modernen Gottesstaaten verbreiten Armut und unzureichenden Bildung.

    Der in dem Artikel häufig genannte „Religionswissenschaftler" Michael Blume ist übrigens an vielen Stellen im Netz als religiöser Demagoge tätig, geradezu ein „Wanderprediger“. Ich habe bei ihm zwei Methoden der Desinfomation zur Begünstigung der Religion kennengelernt:

    • Die Vermischung von genetischer Evolution und der Entwicklung der geistigen Fähigkeiten des Gehirns, wie in diesem Artikel,
    • und die unzulässige Gleichsetzung von Religion und Kultur, obwohl es sich historisch und inhaltlich um sehr verschiedene Themenfelder handelt.

    Letzteres steht letztlich auch hinter suggestiven Ansprüchen wie dem sog. Christlichen Abendland. Wenn man genauer hinschaut, stellt man allerdings fest, dass das Abendland seit etwa 200 Jahren oder mehr Humanistisch-Naturwissenschaftlich geprägt ist, und sich nur gegen den heftigen Wiederstand der Kirchen dorthin entwickelt hat.

    Im BdW-Artikel das Gottes-Gen wird eine australische Studie mit 3000 befragten Zwillingen zitiert, bei der zwar eine Korrelation bei der Spiritualität gefunden wurde, aber keine bei der Religiosität. Das rückt die Verhältnisse ein Stück weit zurecht, wenn man unter Spiritualität das Interesse am Geistigen im Allgemeinen bis hin zum Übersinnlichen versteht. In dem genannten BdW-Artikel findet man eine Liste von Fragen zur verwendeten Definition der Spiritualität. Bei der Religiosität geht es im Unterschied dazu primär um den Glauben an konkrete, von den Kirchen vorgegebene religiöse Inhalte wie die Existenz eines Gottes.

    Beide Studien widerlegen demnach nicht das übliche naturwissenschaftliche Verständnis (z.B. bei Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn), dass die Religiosität nicht in den Genen „verdrahtet“ ist, sondern Denkgewohnheiten des Gehirns betrifft. Sie hat sich nicht evolutionär entwickelt, sondern ist Teil einer meist in der frühen Kindheit erworbenen religiösen Kultur.

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